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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2021

Geist, Barbara; Krafft, Andreas: Deutsch als Zweitsprache. Sprachdidaktik für mehrsprachige Klassen. 2., aktualisierte Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019. – ISBN 978-3-8233-8339-0. 152 Seiten, € 14,90.

Matthias Hölzner EMAIL logo

Rezensierte Publikation:

Geist, Barbara; Krafft, Andreas: Deutsch als Zweitsprache. Sprachdidaktik für mehrsprachige Klassen. 2., aktualisierte Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019. – ISBN 978-3-8233-8339-0. 152 Seiten, € 14,90.


Das von Barbara Geist und Andreas Krafft nun in zweiter Auflage herausgegebene Buch mit dem Titel Deutsch als Zweitsprache. Sprachdidaktik für mehrsprachige Klassen möchte einen Beitrag zu einer Sprachdidaktik leisten, „die Mehrsprachigkeit über alle Kompetenzbereiche konsequent mitdenkt“ (Vorwort zur 2. Auflage). Dies wird ja auch bereits im Titel als Zielperspektive des Buches deutlich hervorgehoben: keine isolierte Didaktik für Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache zu entwerfen, sondern eine allgemeine Sprachdidaktik für die gesamte heterogene Gruppe (für mehrsprachige Klassen, Titel), in der gemeinsam gelernt wird.

Auf gerade einmal 152 Seiten liefert dieses Buch einen kompakten, in sich stimmigen und hinreichend gründlichen Einstieg in die Beschäftigung mit Deutsch als Zweitsprache, etwa für Studierende oder als Nachschlagewerk für Lehrende (vgl. Vorwort zur 1. Auflage). Zu der Beschäftigung mit der Thematik gehört auch die Diskussion von Kernproblemen der Bildungspolitik, auf die auch dieses Buch in seiner Einleitung ausführlich zu sprechen kommt, weil sie die Grundlage der täglichen Arbeit an den Schulen darstellt. Für die mehrsprachigen Kinder werden dabei vor allem die folgenden „Kernprobleme“ (14) ausgemacht: „Zum einen haben die Sprachen, welche viele SuS bereits mit in die Schulen bringen, weder als Unterrichtsmedium noch als Unterrichtsgegenstand einen festen Platz. Zugleich wird allen Kindern bis zum Schuleintritt zu wenig Gelegenheit geboten, sich die in der Schule benötigten sprachlichen Repertoires anzueignen (Tracy 2014: 15).“

Neben dem Leitgedanken des gemeinsamen Lernens, für den sich Geist und Krafft stark machen (s. o.), ist das zweite leitende Prinzip dieses Bandes die konsequente Potenzialorientierung bei der Betrachtung eines solchen gemeinsamen Lernens, also die Sprachdidaktik so auszugestalten, dass sich die Potenziale der Mehrsprachigkeit entfalten können (vgl. Vorwort zur 2. Auflage). Für einen solchen Sprachunterricht in multilingualen Klassen bedarf es einer theoretischen und fachdidaktischen Fundierung (vgl. 22), zu der Geist und Krafft beitragen möchten. Dies kann nicht nur auf den Deutschunterricht ausgerichtet sein, vielmehr sollte der Fokus schullaufbahnbegleitend auf die „sprachsensible Gestaltung des Fachunterrichts“ (13) im Allgemeinen gelegt werden, damit es gelingen kann, die Vorteile der individuellen Mehrsprachigkeit schulisch und gesellschaftlich nutzbar zu machen (vgl. 15).

Den Kern des Buches stellen die fünf Kapitel dar, in denen die Arbeitsgebiete des Sprachunterrichts ausführlich dargestellt und die DaZ-relevanten Aspekte referiert werden, wobei der Kompetenzbereich „Schreiben“ in zwei Teilbereiche aufgegliedert wird, nämlich in „Richtig schreiben“ und „Texte schreiben“. Die in der ersten Auflage bewährte Gliederung aller dieser Kapitel wurde auch in der zweiten Auflage beibehalten: Nach einer überblicksartig gestalteten Einführung in die fachlichen Grundlagen des jeweiligen Arbeitsgebiets, die jeweils kaum Vorkenntnisse voraussetzt, folgt ein Einblick in die besondere Lernausgangslage von Schülerinnen und Schüler mit DaZ in diesem Arbeitsgebiet. Daran anknüpfend referieren die Autoren sprachdidaktische Konzeptionen und Methoden, die diese besonderen Lernausgangslagen berücksichtigen, und reflektieren ihre jeweilige Eignung für mehrsprachige Lerngruppen. Ein Abschnitt über Diagnostik und Leistungsbeurteilung schließt die inhaltliche Betrachtung eines Arbeitsgebietes ab, bevor Literaturhinweise und Aufgaben zur weiteren selbstständigen Beschäftigung mit den Inhalten des Kapitels einladen (zur Struktur der Kapitel vgl. 22).

Durch das Buch begleiten Lesende drei Fallbeispiele, nämlich Schülerinnen und Schüler, deren Kompetenzen und Bedürfnisse an verschiedenen Stellen des Buches beschrieben und analysiert werden: Ebru (10 Jahre alt, in Deutschland geboren, Erst-/Familiensprache ist Türkisch), Claudiu (7 Jahre alt, in Rumänien geboren, mit sechs Jahren nach Deutschland gekommen) und Karim (17 Jahre alt, minderjähriger unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan, seit einem Jahr in Deutschland; vgl. 20 f.). Durch diese exemplarische und individualisierende Betrachtung wird die fachliche Auseinandersetzung mit den einzelnen Arbeitsbereichen noch einmal bereichert; Lehrerinnen und Lehrer werden ihre Alltagssituationen im Unterricht in diesen Fallbeispielen sicherlich schnell wiedererkennen oder von diesen abgrenzen können.

Einige kleinere inhaltliche Schwächen der ersten Auflage konnten in der nun vorliegenden zweiten Auflage getilgt werden. Waren in der ersten Auflage bei einigen Auflistungen weiterführender Literatur nicht alle Titel auch wirklich im Literaturverzeichnis zu finden (vgl. Wildemann 2019: 59), so sind nun alle Literaturangaben dort vollständig aufgeführt.

Auch die Angaben bezüglich der metasprachlichen Analysefähigkeiten von Schülerinnen und Schülern mit DaZ (nämlich ein geringeres sprachliches Wissen als Schülerinnen und Schüler mit DaE sowie ein sich verringernder Vorsprung in der Kontrolle der sprachlichen Verarbeitung im Laufe der Grundschulzeit, vgl. 120) sind in der zweiten Auflage um wesentliche Aspekte erweitert worden, so dass die Gesamtschau auf diese Thematik im Arbeitsgebiet „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ aktualisiert und vervollständigt werden konnte: Nun sind auch neuere (in der ersten Auflage noch unberücksichtigte, vgl. Wildemann 2019: 60) Untersuchungen mitverarbeitet worden, deren Daten eher nahelegen, „dass Mehrsprachigkeit sich als vorteilhaft für die Herausbildung von Sprachbewusstheit erweist“ (Bien-Müller u. a. 2017: 209), wobei Geist und Krafft – wie andere Autorinnen und Autoren auch – für einen differenzierten Blick auf die verschiedenen „Faktoren, die die metasprachlichen Fähigkeiten von L2-Lernen begünstigen“ (121), werben; bspw. kann der Schriftspracherwerb in der L1 die individuelle Entwicklung metasprachlicher Fähigkeiten positiv beeinflussen (vgl. ebd.).

Besonders positiv fallen die online abrufbaren Lösungsvorschläge auf zu den o. g. Aufgaben, die am Ende eines jeden Arbeitsgebiets den Lernerfolg der Lesenden überprüfen und erweitern können – auch dies unterstreicht den Charakter eines Studienbuches. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in der viele auf eigenverantwortliche Lernverfahren auf Distanz angewiesen sind, zahlen sich solche Hilfestellungen und Selbstkorrekturmöglichkeiten für Leserinnen und Leser besonders aus.

Lehrerinnen und Lehrer sind in ihrem Schulalltag bei der „Mammutaufgabe“, „durch gemeinsame Lernerlebnisse das Potential einer heterogenen und eben auch mehrsprachigen Lerngruppe zum Vorteil erwachsen zu lassen“ (21), im Wesentlichen auf sich allein gestellt. Umso hilfreicher und notwendiger sind gelungene Einführungswerke wie das vorliegende.

Literatur

Bien-Müller, Lena; Akbulut, Muhammed; Wildemann, Anja; Reich, Hans H. (2017): „Zusammenhänge zwischen mehrsprachigen Sprachkompetenzen und Sprachbewusstheit bei Grundschulkindern“. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (ZfE) 20, 193–211.10.1007/s11618-017-0740-8Search in Google Scholar

Tracy, Rosemarie (2014): „Mehrsprachigkeit: Vom Störfall zum Glücksfall“. In: Krifka, Manfred u. a. (Hrsg.): Das mehrsprachige Klassenzimmer. Über die Muttersprachen unserer Schüler. Berlin: Springer, 13–34.10.1007/978-3-642-34315-5_2Search in Google Scholar

Wildemann, Anja (2019): „Geist, Barbara; Krafft, Andreas: Deutsch als Zweitsprache. Sprachdidaktik für mehrsprachige Klassen“ [Rezension]. In: Deutsch als Fremdsprache 1, 59–61.Search in Google Scholar

Online erschienen: 2021-04-09
Erschienen im Druck: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 26.11.2022 from frontend.live.degruyter.dgbricks.com/document/doi/10.1515/infodaf-2021-0029/html
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