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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2021

Montanari, Elke G.; Panagiotopoulou, Julie A.: Mehrsprachigkeit und Bildung in Kitas und Schulen. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019. -- ISBN 978-3-8252-5140-6. 149 Seiten, € 24,99.

Matthieu Martin

Rezensierte Publikation:

Montanari, Elke G.; Panagiotopoulou, Julie A.: Mehrsprachigkeit und Bildung in Kitas und Schulen. Tübingen: Narr Francke Attempto, 2019. -- ISBN 978-3-8252-5140-6. 149 Seiten, € 24,99.


Mehrsprachigkeit und Bildung in Kitas und Schulen bietet sowohl den konzeptuellen Rahmen als auch konkreten praktischen Rat in Hinsicht auf Mehr- und Quersprachigkeit unter den jüngsten Lernerinnen und Lernern in unserer Gesellschaft. Als Zielgruppe sprechen Montanari und Panagiotopoulou Dozentinnen, Dozenten und Studierende in Fachrichtungen wie Linguistik, Pädagogik und Didaktik an. Damit formuliert das Buch das Ziel, angehenden pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften Einblicke in die Forschung zu Mehrsprachigkeit und Translingualität zu geben.

In der Einführung benennen Montanari und Panagiotopoulou wichtige Grundbegriffe innerhalb dieses Forschungsbereichs und besprechen die drei Ebenen von Mehrsprachigkeit: die individuelle, die institutionelle und die gesellschaftliche Ebene. Dabei wird auf ihre engen Verknüpfungen hingewiesen, zum Beispiel sind in der Sprachenpolitik ,,sowohl Institutionen als auch Individuen, weil sie beide gleichzeitig Mitglieder von Sprachgemeinschaften innerhalb einer Gesellschaft sind”, unlösbar miteinander gekoppelt (16). Dieses grundlegende Kapitel macht den ersten Teil des Buches aus (Teil A). Dann wird Mehrsprachigkeit im Kontext der KiTa[1] (Teil B mit den Kapiteln 2, 3, 4) sowie im Zusammenhang der Grundschule (Teil C mit den Kapiteln 5, 6, 7) besprochen.

Im Teil B beschäftigt sich Panagiotopoulou mit „Translanguaging“ (Kap. 2), „Mehrsprachigkeit und Literacy“ (Kap. 3) und „Beobachtung und Dokumentation“ (Kap. 4). Sie führt in relevante Forschung zu Sprachverwendungspraktiken und Mehrspracherwerb ein, bespricht dann didaktische und pädagogische Rich„Multiliteralitätsdidaktik“ in KiTas zu fördern und zu integrieren (59). Im letzten von Panagiotopoulous verfassten Kapitel verbindet sie schließlich die Integration einer neuen Didaktik in KiTas mit neuen Konzepten und Methoden zur Dokumentation und Beobachtung.

Montanari diskutiert im fünften Kapitel, „Diagnose im Schulalter“, die Begriffe Ausgewogenheit, Dominanz und Attrition und schließt mit mehrsprachigen Diagnoseverfahren. Von Grosjean (2016) übernimmt sie das Complementarity Principle oder Komplementaritätsprinzip, das sich auf Erwerb und Gebrauch der verschiedenen Sprachen in unterschiedlichen Lebensbereichen bei mehrsprachigen Menschen bezieht, in denen jede dieser Sprachen zu verschiedenen Zwecken gebraucht wird: „[D]ie verschiedenen Sprachen ergänzen sich, indem ihr Gebrauch auf unterschiedliche Handlungsfelder verteilt ist” (84). Solche Forschungsannahmen beeinflussen die mehrsprachige Diagnostik, die die Sprachkenntnisse mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler beurteilen soll.

Kapitel 6 stellt kritische Stimmen gegen Mehrsprachigkeit im Unterricht vor, daran anschließend behandelt Montanari mehrsprachige Curricula und didaktische Mittel und schließt mit sogenannten „Unterrichtsskizzen“, um zu zeigen wie, Mehrsprachigkeit im Unterricht aussehen könnte (111). „Mehrschriftlichkeit und Multiliteralität“ wird Schwerpunkt des letzten Kapitels des Buchs. Sehr relevant für den Alltag der gegenwärtigen Lernenden ist Montanaris Vorstellung von Literalität im 21. Jahrhundert. Mit der Vielfalt von Texten wie beispielsweise Emoticons, Mimes und SMS erwerben junge Leute neben ihren einsprachigen oder mehrsprachigen Schriftlichkeitspraktiken auch Cyberliteracies (Unsworth 2001). Nach der Empfehlung von Multiliteralitätsansätzen und einer multilingualen Schreibdidaktik endet das Kapitel und somit das Buch mit der Bemerkung: ,,Ob multiliterale Praktiken in Schulen nachhaltig und erfolgreich umgesetzt werden können, hängt in erheblichen Maße davon ab, wie gut die bildungspolitische Unterstützung ist” (129). Damit kehrt Montanari zur gesellschaftlichen und institutionellen Ebene der Mehrsprachigkeit zurück und zeigt, wie wesentlich es ist, die Bildungspolitik zu verändern, damit Schülerinnen und Schüler auf der individuellen Ebene sprachlich erfolgreich sein können.

Auf drei Eigenschaften des Buches möchte ich aufmerksam machen. Erstens gibt der Titel bereits einen präzisen Hinweis, wie die Inhalte organisiert geworden sind. Grundbegriffe zu Mehrsprachigkeit und Bildung bauen den ersten Teil auf, dann werden Kitas (Teil B) und Schulen (Teil C) in den Blick genommen. Zweitens beginnen die Autorinnen jedes Kapitel mit Ausschnitten aus ihren eigenen Forschungsprojekten, zeigen Kontexte, auf denen (neben anderen) ihre Darstellungen basieren. Drittens sind die hervorgehobenen Begriffe und Ideen wie auch die Leitfragen am Ende jedes Kapitels förderliche Merkmale für den Lernprozess der Dozentinnen, Dozenten und Studierenden. Pädagogische Fachkräfte werden mit diesem Buch gut vorbereitet sein, die Wahrnehmung aufrechtzuerhalten, dass „alle Kinder in ihren Möglichkeiten als potenzielle Mehrsprachige gesehen werden können“ und, wie Montanari und Panagiotopoulou argumentieren, gesehen werden sollen (9).

Literatur

Grosjean, François (2016): „The Complementarity Principle and its impact on processing, acquisition, and dominance.“ In: Treffers-Daller, Jeanine; Silva-Corvalán, Carmen (Hrsg.): Language Dominance in Bilinguals: Issues of Measurement and Operationalization. Cambridge: Cambridge University Press, 66–84.10.1017/CBO9781107375345.004Search in Google Scholar

Unsworth, Len (2001): Teaching multiliteracies across the curriculum. Buckingham, Philadelphia: Open University Press. Search in Google Scholar

Online erschienen: 2021-04-09
Erschienen im Druck: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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