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Publicly Available Published by De Gruyter April 9, 2021

Schade, Günter; Drumm, Sandra; Henning, Ute; Hufeisen, Britta: Einführung in die deutsche Sprache der Wissenschaften. 14., völlig neu bearbeitete Ausgabe. Berlin: Erich Schmidt, 2020. -- ISBN 978-3-503-18705-8. 288 Seiten, € 24,95.

Brigitte Widmann

Rezensierte Publikation:

Schade, Günter; Drumm, Sandra; Henning, Ute; Hufeisen, Britta: Einführung in die deutsche Sprache der Wissenschaften. 14., völlig neu bearbeitete Ausgabe. Berlin: Erich Schmidt, 2020. -- ISBN 978-3-503-18705-8. 288 Seiten, € 24,95.


Verschwindet das Deutsche als Wissenschaftssprache, wie Ulrich Ammon (von Konrad Ehlich 2000: 47 paraphrasiert) behauptet? Auf diese provokante Frage antwortet Konrad Ehlich (52): „Jenseits der spezifisch geprägten und zum Teil durch explizite Definitionsprozesse bestimmten Fachterminologien einzelner wissenschaftlicher Disziplinen gehört zur wissenschaftlichen Kommunikation sowohl in ihrer mündlichen wie in ihrer schriftlichen Form die je spezifische Nutzung von Teilen der Alltagssprache für die Zwecke der Wissenschaft. Ähnlich wie die Alltagssprache eine Grundlage für alle Kommunikation derer ist, die sich ihrer bedienen, ähnlich unscheinbar und für den ersten Blick selbstverständlich, ähnlich allgemein verbindlich und verbindend zeigt sich das Gerüst wissenschaftlicher Kommunikation in der jeweiligen nationalen Wissenschaftssprache.“ Und später (59): „Die Herausbildung des Deutschen zur Wissenschaftssprache ist das Ergebnis eines mehrhundertjährigen Prozesses kommunikativer Arbeit [Hervorhebung durch Autor]. Sie wurde sowohl im wissenschaftlichen wie im allgemeinsprachlichen Bereich erbracht. Das Resultat ist eine allseits nutzbare, mit der Alltagssprache eng verbundene Wissenschaftssprache. Sie ist ein optimales und flexibles Kommunikationsmittel für alle Zwecke der Wissensvermittlung und Wissensgewinnung. Diese sind Ausdruck einer demokratischen Kultur.“

Genau hier setzen auch die AutorInnen Günter Schade, Sandra Drumm, Ute Henning und Britta Hufeisen in dem Band Einführung in die deutsche Sprache der Wissenschaften an und geben im ersten Kapitel „Einleitung: Deutsche Wissenschaftssprachen“[1] einen knappen, aber hilfreichen Aufriss darüber, was die deutsche Wissenschaftssprache kennzeichnet. Es ist die 14., völlig neu bearbeitet Auflage eines Klassikers, dessen AdressatInnen in erster Linie WissenschaftlerInnen und Studierende mit Deutsch nicht als Erstsprache sind, aber auch gedacht als Überblick für Studierende der germanistischen Linguistik. Was an dieser Neuauflage zuallererst auffällt, ist, dass zum Autor Günter Schade drei hochkarätige Co-Autorinnen dazugekommen sind. Und dies ist ein Gewinn. Zudem ist das Lehrbuch schlanker und dadurch auch handlicher geworden, da nämlich der Lösungsschlüssel zu den Aufgaben nur mehr online bereitgestellt wird.

Wie auch in den vorherigen Ausgaben stehen die Kapitel unabhängig voneinander, sind nicht progressiv aufgebaut. Dies zeigt sich in der neuen Ausgabe durch eine interessante Neustrukturierung. Auf die schon oben erwähnte Einleitung in die deutschen Wissenschaftssprachen und deren Funktionen folgt eine Unterteilung der Kapitel in Wortebene und Satzebene. Durch diese systemlinguistische Aufteilung im Vergleich zur traditionellen in den vorhergehenden Bänden, wo die ersten Kapitel mit den Präpositionen und Adjektivdeklinationen beginnen, haben wir hier einen pragma-/kognitionslinguistischen Ansatz, verknüpft mit Sprach- und Denkmustern. Dies scheint mir eine gelungene Neuerung des Lehrwerkes.

So finden wir im Kapitel 3 eine Einführung in die Wortbildung mit den folgenden Unterkapiteln „Komposition, Derivation, Konversion und Substantivierung“, dann erst wird auf Präpositionen, Partizipien, Deklinationen des Adjektivs eingegangen. Die Kapitel sind inhaltlich thematisch unabhängig voneinander, also gibt es keine Lernprogression, aber, wo nötig, sind Querverweise zu anderen Kapiteln eingefügt. Dies ist übersichtlich und auch logisch dargestellt.

Auf den ersten Blick gewinnt das Lehrwerk auch durch ein verbessertes Layout, so sind Neuerungen dieser Ausgabe die Formatierung der Übungen in einem grauen Rahmen, Reduktion des Zeilenabstandes, die einfache Bezeichnung „Übung 1...“ sowie die Listen mit z. B. präpositionalen Attributen, Verben mit Präpositionen etc. im Anhang und nicht mehr nach jedem Kapitel. All diese Änderungen sind optisch ansprechend, erhöhen die Lesbarkeit und auch die Nutzerfreundlichkeit erheblich. Somit erfüllt der Band auch die Aufgabe, ein übersichtliches, schnell zu konsultierendes Nachschlagewerk zu sein.

Noch eine Überlegung zu den ausgewählten Textbeispielen und den Übungen: Im Vorwort wird darauf hingewiesen, dass die Übungstexte zum Teil durch aktuelleres Material ersetzt wurden, was in einer Zeit der rasanten Veränderungen unabdingbar scheint. Dies ist gelungen. Es gibt zwar noch traditionelle Übungsformen wie Sätze, die, aus dem Kontext genommen, zu einem grammatischen Phänomen gebildet werden sollen. Die Anweisungen sind aber sehr klar, interessant ist dabei der häufige Zusatz „[...] nur wenn es möglich ist“. Dies macht die Übungen herausfordernder und führt die Lernenden weg von einer mechanischen Ausführung einer Übungsaufgabe.

Im Anschluss an diese Übungen folgen dann wissenschaftliche Texte zu den eingeführten sprachlichen Phänomenen mit den Arbeitsanweisungen wie z. B.: „Markieren Sie [...]“, „Setzen Sie um [...]“, „Verändern Sie [...]“. Die Auswahl der Texte zeigt ein breites Spektrum an aktuellen fachwissenschaftlichen Themen, zudem wird auch der Studienalltag mit hineingenommen. Alles in allem ansprechend, abwechslungsreich und anregend.

Abschließend noch eine Bemerkung zu Kapitel 5 „Wissenschaftliche Texte“ -- auch dieses ist eine gelungene und stimmige Neuerung zu den vorherigen Bänden. In knapper und prägnanter Weise werden für die Wissenschaft typische Textsorten vorgestellt, analysiert und in ihren Funktionen betrachtet.

Das breite Ausdrucksrepertoire der Wissenschaftssprachen und damit verbunden die Fertigkeit, die Diskursfähigkeit einer Wissenschaftssprache zu erkennen und zu beherrschen, ist ein langer, mühsamer Prozess. Dieses Lehrbuch unterstützt diesen Prozess und ist damit ein wertvoller Beitrag für all jene, die studienbedingt, aber nicht nur, Deutsch als Wissenschaftssprache rezeptiv und produktiv erweitern möchten. Es ist somit ein reicher Fundus für Lernende und eine wertvolle Ressource für Lehrende.

Literatur

Ehlich, Konrad (2000): „Deutsch als Wissenschaftssprache für das 21. Jahrhundert“. In: GFL German as a foreign language 1, 47–63. Online: http://www.gfl-journal.de/1-2000/ehlich.pdf (19.08.2020).Search in Google Scholar

Roelke, Thorsten (2010): Fachsprachen. 3., neu bearbeitete Auflage. Berlin: Erich Schmidt.Search in Google Scholar

Online erschienen: 2021-04-09
Erschienen im Druck: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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