Brigitte Doß and Luzian Weisel

„Informationskompetenz – Informationsverhalten – Informationsverarbeitung“

Festtagung an der Universitätsbibliothek Regensburg „10 Jahre Studieneinheit Informationskompetenz“

De Gruyter | Published online: May 6, 2017

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Studieneinheit Informationskompetenz an der Universität Regensburg luden die Lehrstühle für Medieninformatik und Informationswissenschaft[1] vom Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK) und die Universitätsbibliothek Regensburg[2] am Dienstag, dem 29. November 2016, ab 15 Uhr zur Festtagung in das Obere Foyer der Zentralbibliothek der Universität Regensburg ein.

Die Tagung besuchten ca. 60 wissenschaftliche Bibliothekare und Wissenschaftler, die sich mit Informationskompetenz, Informationsverhalten und Informationsverarbeitung beschäftigen, sowie interessierte Studierende.

Abbildung 1 Dr. Fabian Franke, Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission Informationskompetenz vom Deutschen Bibliotheksverband und dem Verein Deutscher Bibliothekare sowie Vorsitzender der bayerischen Arbeitsgruppe Informationskompetenz. Bild: Universitätsbibliothek Regensburg.

Abbildung 1

Dr. Fabian Franke, Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission Informationskompetenz vom Deutschen Bibliotheksverband und dem Verein Deutscher Bibliothekare sowie Vorsitzender der bayerischen Arbeitsgruppe Informationskompetenz. Bild: Universitätsbibliothek Regensburg.

Informationskompetenz ist eine Schlüsselkompetenz für Studium, Forschung und Beruf. Sie gewinnt in der modernen Wissensgesellschaft zunehmend an Bedeutung. Die Studieneinheit Informationskompetenz ist seit 2006 im Rahmen des frei kombinierbaren Nebenfachs wählbar und wurde zudem in Studiengänge integriert. Sie zeichnet sich durch eine interdisziplinäre und interorganisationelle Zusammenarbeit von wissenschaftlicher Bibliothek und Fachdisziplinen aus.

In den einleitenden Grußworten betonte Herr Prof. Dr. Nikolaus Korber, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung der Universität Regensburg, die besondere Wichtigkeit der Informationskompetenz in Studium, Beruf und Gesellschaft insbesondere im Zeitalter des Postfaktischen. Dieser Begriff sollte im Laufe der Veranstaltung noch mehrmals Erwähnung finden.

Dr. Luzian Weisel vom FIZ Karlsruhe, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen e. V. (DGI), verwies in seinem Grußwort auf die Notwendigkeit, bewährte Konzepte der Förderung von Informationskompetenz auf die Lehre, das Lernen, die Wissenschaft und die Lehrerausbildung zu übertragen. Notwendig dazu sei die Forschung am Konzept der Informationskompetenz, man stehe noch ganz am Anfang. „Regensburg“ leiste mit seiner Forschung und der Studieneinheit Informationskompetenz einen unverzichtbaren Beitrag.

Dr. Fabian Franke, Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission Informationskompetenz vom Deutschen Bibliotheksverband und dem Verein Deutscher Bibliothekare sowie Vorsitzender der bayerischen Arbeitsgruppe Informationskompetenz machte klar, dass 2006 als ein sehr wichtiges Jahr für die Informationskompetenz in Bayern anzusehen ist. Es wurde nicht nur die Studieneinheit Informationskompetenz als bis heute deutschlandweit einmaliges Angebot ins Leben gerufen, sondern auch die Arbeitsgruppe Informationskompetenz im Bibliotheksverbund Bayern eingerichtet.

Im Anschluss beleuchteten fünf Vorträge das Thema Informationskompetenz sowohl hinsichtlich der bibliothekarischen Praxis als auch als zentralen Forschungsgegenstand der Informationswissenschaft und Medieninformatik.[3]

Im Vortrag „Informationsverhalten und Informationskompetenz − deskriptive und normative Seite der gleichen Medaille“ setzte Prof. Dr. Christian Wolff vom Lehrstuhl Medieninformatik, an dem die Studieneinheit Informationskompetenz fachlich angesiedelt ist, Informationskompetenz in Verbindung mit Informationsverhalten aus wissenschaftlicher Perspektive. Informationsverhalten lasse sich empirisch untersuchen. Nach der Beobachtung und Beschreibung der Phänomene könnten diese in Vorschläge zur geeigneten Vermittlung von Informationskompetenz münden. Auf der anderen Seite möchte die Bibliothek durch ihre Veranstaltungen das informationskompetente Verhalten der Studierenden fördern. Beide Seiten dieser Medaille gehörten somit zusammen und könnten von der anderen Seite profitieren, gerade wenn Bibliothek und Wissenschaft eng zusammenarbeiten. Auch in der Studieneinheit sollte nicht nur die normative Informationskompetenz behandelt werden, sondern das Informationsverhalten als deskriptiver, forschungsnaher Aspekt in Zukunft noch mehr Platz einnehmen.

Dr. André Schüller-Zwierlein, Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg, erweiterte diese Sicht in seinem Vortrag „Informationskompetenz, Informationsverhalten, Informationsverarbeitung: Fokuspunkte zukünftiger bibliothekarischer und informationswissenschaftlicher Kooperation“ um den Aspekt Informationsverarbeitung. Das menschliche Verhalten in Bezug auf Information wird derzeit in verschiedenen Fachdisziplinen wissenschaftlich untersucht. Schüller-Zwierlein führte in seinem Beitrag aus, wie sehr die bibliothekarische Informationsvermittlung, die derzeit methodisch eher stagniert, von diesen neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft profitieren könnte. Für informationskompetente Studierende sei es wichtig, dass sie sich ihres eigenen Informationsverhaltens bewusst werden. Auch Forschungserkenntnisse aus dem Bereich Informationsverarbeitung könnten praxisnah für die Vermittlung von Informationskompetenz umgesetzt werden und sich in Schulungen beispielsweise zu konzentriertem Lesen niederschlagen.

Prof. Dr. Antje Michel, Professorin für Informationsdidaktik und Wissenstransfer an der FH Potsdam, stellte in ihrem Vortrag „Informationstypen und Wissenskulturen“ per Webkonferenz die Ansätze informationsdidaktischer Forschung als Grundlage für die Entwicklung von Angeboten zur Förderung von Informationskompetenz vor. Laut Michel hätten Fächer verschiedene Wissenskulturen. So müsse Information erst anschlussfähig gemacht werden und verschiedene Wissenskulturen aufeinander zugehen. Auch dies ließe sich auf die Bibliothekswelt übertragen. Dort sollten die Bibliothekare vor einer Schulung die jeweilige Wissenskultur des Faches kennen. Die wissenskulturelle Praxis lasse sich als ein didaktisches Fünfeck schematisch abbilden. Dieses von Michel als „Haus des Lernens“ bezeichnete Fünfeck verbindet den Lernenden mit dem Lehrenden und diese wiederum mit Medium, Lerninhalt und Informationsform.

Dr. Anne-Kathrin Mayer vom Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation in Trier erlaubte durch ihren Vortrag „Messung von Informationskompetenzen – Perspektiven für Forschung und Praxis“ einen Blick in den empirischen Methodenkoffer. Was bedeutet „Messung“ von Informationskompetenz? Wozu und wie wollen wir diese messen? Mayer ging auf die speziellen Herausforderungen dieser Fragestellungen ein. Eine Hürde hierbei sei der hohe Bedarf an Finanzmitteln zur forschungsbasierten Neu- und Weiterentwicklung von Messverfahren.

Zum Ende des Vortragszyklus widmeten sich die ehemalige und die aktuelle bibliotheksseitig Verantwortliche für die Studieneinheit Informationskompetenz Dr. Naoka Werr und Dr. Brigitte Doß mit ihrem gemeinsamen Vortrag „10 Jahre Studieneinheit Informationskompetenz – Rückblick und Zukunft“ der Geschichte der Studieneinheit Informationskompetenz und wagten einen Blick in die Zukunft. Auch wenn nun bereits der elfte Jahrgang Informationskompetenz-Studierender auf den Stühlen saß und den Vorträgen lauschte und die Universitätsbibliothek Regensburg ihr Angebot zur Stärkung der Informationskompetenz kontinuierlich weiter ausgebaut hat, strichen die Vortragenden die Besonderheit des Angebots heraus. Es sei nach wie vor eine einzigartige Möglichkeit, den Studierenden einen semesterbegleitenden Informationskompetenz-Kurs anbieten zu können, der sowohl forschungsnahe Aspekte abdecke wie auch Einblick hinter die Kulissen der Universitätsbibliothek biete.

Aktuelle Forschungsprojekte in den Fächern Informationswissenschaft und Medieninformatik rund um Informationskompetenz, Informationsverhalten und Informationsverarbeitung wurden in einer die Vorträge begleitenden Poster-Ausstellung präsentiert.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Empfang, der zu intensiven Gesprächen genutzt wurde.

Deskriptoren: Tagung, Informationskompetenz, Informationswissenschaft, Informationsverhalten, Bibliothek

Online erschienen: 2017-5-6
Erschienen im Druck: 2017-5-4

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