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Publicly Available Published by De Gruyter Saur August 22, 2018

Eurofound informiert über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der EU

Eurofound provides information on living and working conditions in the European Union
Eurofound rends des services d’information sur les conditions de vie et de travail dans l’Union européenne
  • Barbara Schmidt-Abbey

    Barbara Schmidt-Abbey ist als Diplom-Dokumentarin (FH) seit 1991 bei Eurofound in Dublin tätig. Dort betreut sie derzeit die Themen Leistungsbeobachtung (Monitoring) und Evaluierung. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung und Implementierung eines Leistungsbeobachtungssystems und die Durchführung interner Evaluierungsaufgaben auf Programm- und -projektebene, die Vergabe und Steuerung extern durchgeführter Evaluierungen und regelmäßiger Benutzerbefragungen sowie die Entwicklung einer Wissensmanagement-Strategie. Aktuell engagiert sich Frau Schmidt-Abbey stark für systemische Ansätze in der Evaluierung komplexer Interventionen und ist Mitglied verschiedener internationaler Netzwerke und Gesellschaften im Bereich Evaluation sowie Systemwissenschaften.

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    and Erika Mezger

    Erika Mezger ist seit Juli 2009 stellvertretende Direktorin von Eurofound. Zuvor war die diplomierte Verwaltungswissenschaftlerin, die 1989 an der Universität Konstanz promoviert wurde, Leiterin der Abteilung Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Erika Metzger ist seit Langem der Gewerkschaftsbewegung verbunden; die aktuellen Schwerpunkte ihrer Forschung sind der Sozialstaat, moderne Governance sowie aktive Arbeitsmarktpolitik. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit sammelte sie internationale Erfahrung bei Studienaufenthalten in den USA, 1991 in Washington D.C. und New York im Rahmen des Programms „Young Leaders“ des German Marshall Fund und 1998 an der Universität Harvard als Fulbright-Stipendiatin im Rahmen des Harvard-Gewerkschaftsprogramms. Sie ist seit 2012 „IZA Policy Fellow“.

    Beide Autorinnen sind Eurofound Vertreterinnen im EU Agencies sub-Netzwerk EU-ANSA, dessen Aktivitäten in diesem Artikel beschrieben werden.

Zusammenfassung

Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) ist eine Agentur der Europäischen Union mit Sitz in Dublin, Irland. Als europäischer Informationsdienstleister stellt Eurofound Forschungsergebnisse, Daten, Informationen und Wissen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Europäischen Union bereit, um Strategien in der Arbeits- und Sozialpolitik auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln. Ziel ist die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Europa. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Dienstleistungen, Arbeitsweise und intendierte Wirkungslogik dieser europäischen Dienstleistungsagentur. Dazu gibt er einen Ausblick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Arbeitsweisen anderer vergleichbarer EU-Agenturen und erläutert, wie sie zur EU-politikrelevanten Bereitstellung von wissenschaftlichen Informationen beitragen und miteinander kooperieren.

Abstract

The European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound) is a European Union agency based in Dublin, Ireland. As a European information service provider, Eurofound provides research results, data, information and knowledge on living and working conditions in the European Union in order to further develop employment and social policy strategies at European level. The aim is to contribute to the improvement of living and working conditions in Europe. This article provides an overview of the services, working methods and intended impact logic of this European information providing agency, as well as an overview of the similarities and differences in the working methods of other comparable EU agencies and how they contribute to and cooperate with the EU policy-relevant provision of scientific information.

Résumé

La Fondation européenne pour l’amélioration des conditions de vie et de travail (Eurofound) est une agence de l’Union européenne basée à Dublin, en Irlande. En tant que fournisseur européen de services d’information, Eurofound fournit des résultats de recherche, des données, des informations et des connaissances sur les conditions de vie et de travail dans l’Union européenne afin de développer davantage les stratégies en matière d’emploi et de politique sociale au niveau européen. L’objectif est de contribuer à l’amélioration des conditions de vie et de travail en Europe. Cet article donne un aperçu des services, des méthodes de travail et de la logique d’impact escompté de cette agence européenne d’information. Pour ce faire, il passe en revue les similitudes et les différences dans les méthodes de travail par rapport à d’autres agences comparables de l’UE et explique comment les différentes agences collaborent entre elles et contribuent à la fourniture d’informations scientifiques pertinentes pour la politique de l’UE.

Was ist die Aufgabe von Eurofound?

Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) stellt Forschungsergebnisse und Wissen bereit, um Strategien in der Arbeits- und Sozialpolitik weiterzuentwickeln. Ziel ist die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Europa. Eurofound[1] ist eine Agentur der Europäischen Union mit Sitz in Dublin, Irland. Sie unterstützt die Entwicklung besserer sozial-, beschäftigungs- und arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen in Europa durch die Bereitstellung von Wissen. Die Geburtsstunde der Europäischen Stiftung war im Jahr 1975, als ihr Statut vom Rat der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, Vorläufer der heutigen Europäischen Union) beschlossen wurde.

Als Auftrag für diese Einrichtung auf europäischer Ebene stellte die Gründungsverordnung folgendes fest: „Die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der modernen Gesellschaft stellt immer zahlreichere und komplexere Probleme. Es ist wichtig, dass sich die auf diesem Gebiet in der Gemeinschaft erforderlichen Aktionen auf interdisziplinäre wissenschaftliche Grundlagen stützen können; gleichzeitig ist es wichtig, dass die Sozialpartner an diesen Aktionen beteiligt werden.” (Quelle: Gründungsverordnung, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, 1975, Verordnung (EWG) Nr. 1365/75, Präambel).

Diese Begründung ist nach wie vor relevant. Das dort genannte hohe Volumen und die Komplexität der Probleme in Bezug auf die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der (post-) modernen Gesellschaft haben sogar gegenüber 1975 noch erheblich zugenommen. Obwohl es seither auf nationaler und internationaler Ebene zahlreiche Forschungsanstrengungen, Erhebungen und Untersuchungen gibt, schließt die Arbeit von Eurofound nach wie vor eine „Marktlücke“ in der politik- und praxisorientierten vergleichenden Sozialforschung auf europäischer Ebene.

Eurofound hat laut Gründungsverordnung die Aufgabe, „zur Konzipierung und Schaffung besserer Lebens- und Arbeitsbedingungen durch eine Aktion zur Förderung und Verbreitung von Kenntnissen beizutragen, die geeignet sind, diese Entwicklung zu unterstützen. Im Hinblick darauf obliegt es der Stiftung, auf Grund praktischer Erfahrungen die Überlegungen zur mittel- bis langfristigen Verbesserung der Lebensverhältnisse und der Arbeitsbedingungen zu entwickeln und zu vertiefen und Änderungsfaktoren festzustellen. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben berücksichtigt sie die Politik der Gemeinschaft in diesen Bereichen und unterrichtet die Organe der Gemeinschaft über die in Betracht kommenden Ziele und Ausrichtungen, indem sie ihnen insbesondere wissenschaftliche Kenntnisse und technische Daten mitteilt.“ (Gründungsverordnung, 1975, Artikel 2). Seit nunmehr 43 Jahren arbeitet die Stiftung an der Umsetzung dieses Auftrages und hat im Laufe der Zeit eine erhebliche Daten- und Wissensbasis produziert.

Informationsprodukte und Aktivitäten von Eurofound

Die Arbeit von Eurofound ist durch ein mehrjähriges „Programmplanungsdokument“ definiert, das durch jährlich aktualisierte Arbeitsprogramme umgesetzt wird. Diese Programme werden als Ergebnis einer Konsultation und Einigung aller im Verwaltungsrat (Governing Board) vertretenen Sozialpartner und Regierungsvertreter der 28 EU-Mitgliedstaaten sowie der Europäischen Kommission von diesem beschlossen und die darin definierten Forschungsvorhaben von Eurofound umgesetzt.

Das gegenwärtige Mehrjahresprogramm von Eurofound umfasst die Jahre 2017 bis 2020[2]. Das darin vorgegebene strategische Ziel lautet:

„Bereitstellung von wissenschaftlich fundiertem, unvoreingenommenem, zeitnahem und politisch relevantem Wissen, das zu sachlich gut begründeten politischen Maßnahmen zugunsten der Aufwärtskonvergenz der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Europa beiträgt“. (Eurofound, 2017).

Die Arbeit in diesem Zeitraum ist auf sechs strategische bzw. thematische Maβnahmenbereiche festgelegt:

  1. Arbeitsbedingungen und nachhaltige Arbeit

  2. Arbeitsbeziehungen

  3. Wandel der Arbeitsmärkte

  4. Lebensqualität und öffentliche Dienstleistungen

  5. Digitales Zeitalter: Chancen und Herausforderungen für Arbeit und Beschäftigung

  6. Überwachung der Konvergenz in der Europäischen Union

Die ersten vier Punkte spiegeln die vier Fachgebiete wider, in denen Eurofound in den vergangenen Jahren Fachwissen zusammengetragen hat. Eurofound verfügt über eine umfangreiche Wissensbasis in den Bereichen Arbeitsbedingungen und Arbeitsbeziehungen, Arbeitsmärkte und struktureller Wandel sowie Lebensbedingungen und Lebensqualität. Diese Themen decken die wichtigsten laufenden Tätigkeiten ab und gewährleisten Kontinuität hinsichtlich der Arbeit und des Fachwissens von Eurofound. Bei den letzten beiden Punkten verhält es sich anders: diese umfassen themenübergreifende Herausforderungen und Paradigmenwechsel – Digitalisierung der Arbeitswelt einerseits und Konvergenzentwicklungen in der Europäischen Union andererseits –, die vermutlich Veränderungen in allen für Eurofound relevanten Bereichen mit sich bringen werden.

Während sich die strategischen Ziele und Schwerpunktsetzungen der Forschungsvorhaben sowie die Forschungsfragestellungen dem sich wandelnden politischen und wirtschaftlichen Kontext anpassen müssen, um politikrelevante Forschung durchführen zu können, haben sich die Forschungsinstrumente, derer sich die Stiftung bedient, über die Jahre hinweg etabliert und weiterentwickelt. Damit steht Eurofound ein umfangreiches Instrumentarium zur EU-weiten Datenerhebung zur Verfügung:

EU-weite, regelmäßige Längsschnitterhebungen:

  1. Europäische Erhebung zu den Arbeitsbedingungen (European Working Conditions Survey (EWCS))

  2. Europäische Erhebung zur Lebensqualität (European Quality of Life Survey (EQLS))

  3. Europäische Unternehmenserhebung (ECS)

Diese Erhebungen liefern ein einzigartiges Datenmaterial für vergleichende Langzeituntersuchungen zur Qualität der Lebens- und Arbeitsbedingungen in allen Mitgliedsstaaten.

EU-weite Beobachtungsstellen („Observatorien“):

Darüber hinaus verfügt Eurofound über drei Beobachtungsstellen[3], die sich größtenteils auf die Arbeit des Eurofound-Netzwerks der europäischen Korrespondenten[4] sowie auf andere Forschungstätigkeiten stützen. Diese Beobachtungsstellen bieten aktuelle und analytische EU-weite Informationen zu Entwicklungen in den drei jeweiligen Schwerpunktgebieten.

  1. Die Europäische Beobachtungsstelle für das Arbeitsleben (EurWORK)[5], 2014 eingerichtet, ist eine Zusammenführung der über lange Zeit bei Eurofound bestehenden Beobachtungsstellen für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (EIRO) und für Arbeitsbedingungen (EWCO). EurWORK umfasst alle Ressourcen von Eurofound zu den Themen Arbeitsbedingungen, nachhaltige Arbeit und Arbeitsbeziehungen.

  2. Die Europäische Stelle zur Beobachtung des Wandels (EMCC)[6] ist eine Informationsquelle, die das Verständnis von Veränderungen in der Arbeitswelt und auf dem Arbeitsmarkt steigern sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen und Umstrukturierungen fördern soll. Sie wurde bei Eurofound mit umfassender Unterstützung durch das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die Sozialpartner eingerichtet. Aufgabe der EMCC ist es, sich intensiv mit wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen zu befassen, die den Wandel in europäischen Arbeitsmärkten antreiben.

  3. Die Europäische Beobachtungsstelle für Lebensqualität (EurLIFE)[7] wurde 2017 als neuestes Portal von Eurofound eingerichtet. EurLIFE gibt Einblick in die Ergebnisse der Auswertung von Erhebungsdaten und qualitativer Forschung im Bereich Lebensqualität und öffentliche Dienste, unterstützt durch ein Netzwerk europäischer Korrespondenten in allen EU-Mitgliedstaaten und Norwegen. Es soll politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, bessere Lebensbedingungen für europäische Bürger zu schaffen.

Informationssammlung, -aufbereitung und -bereitstellung

Viele Informationen, die man für EurWORK, EMCC und EurLIFE und andere Informationsdienstleistungen benötigt, werden durch ein umfassendes Netzwerk von EU-weiten Informationskorrespondenten gesammelt und durch die Stiftung wissenschaftlich und redaktionell aufbereitet sowie veröffentlicht. Wissenschaftliche Institute aus allen EU-Mitgliedstaaten und einiger zusätzlicher Länder (z. B. Norwegen), die bei Eurofound unter Vertrag stehen, bilden dieses Korrespondentennetzwerk. Diese liefern vertraglich geregelte Informationen zu relevanten Forschungsfragen. Die Bandbreite umfasst dabei u. a. aktuelle Informationsupdates, „fact sheets“, z. B. zu betrieblichen Restrukturierungsmaßnahmen und resultierenden Arbeitsplatzverlusten bzw. – schaffungen, vergleichende analytische Berichte und spezialisierte Studien. Letztere können als Primärdaten online durch die oben genannten Beobachtungsstellen zur Verfügung gestellt oder zu weiterführenden Studien von Eurofound selbst genutzt werden.

Das durch die Beobachtungsstellen und Erhebungen generierte Wissen wird durch Forschungsstudien ergänzt, die sich mit spezifischen Aspekten der Lebens- und Arbeitsbedingungen, der Arbeitsbeziehungen und strukturellen Veränderungen befassen. Diese Forschungstätigkeiten zielen darauf, Problemlösungen und in der Praxis bewährte Verfahren zu ermitteln.

Intendierte Wirkung und Wirkungsmessung

Neben der Datenerhebung, Erstellung verschiedener Studien und anderer Forschungsaktivitäten bilden verschiedene Informations- und Kommunikationsaufgaben eine weitere Kernaktivität von Eurofound. Die Informationen von Eurofound sind öffentlich frei zugänglich, sowohl über die Website als auch über ein „Informationszentrum“ vor Ort, das weitere Hilfestellung bei der Nutzung bietet. Im Rahmen des Mandats, den Austausch von Informationen und Erfahrungen zu fördern, verfolgt Eurofound insbesondere das Ziel, die Ergebnisse ihrer Forschungstätigkeiten bei den wichtigsten „Kern-Zielgruppen“ bekannt zu machen und zu verbreiten. Das sind in erster Linie die Politik und Sozialpartnerorganisationen auf EU- und europäischer Ebene sowie in zweiter Linie die nationale Politik und diverse Multiplikatoren.

Für eine wirksame Vermittlung der Forschungsergebnisse an alle relevanten Entscheidungsträger werden diese fokussiert und zielgerichtet aufbereitet, um im Rahmen begrenzter finanzieller Ressourcen einen möglichst hohen Nutzen für die Informationsempfänger zu erzielen. Dabei kommt es darauf an, die Informationen auf die Bedürfnisse der Hauptzielgruppen von Eurofound auszurichten. Dafür werden Strategien entwickelt, um die Informationen in einem zweckdienlichen Format „cross-medial“ für das Zielpublikum und die Gremien bereitzustellen, in denen Diskussionen stattfinden und Entscheidungen getroffen werden, z. B. für die europäischen Ausschüsse für den sozialen Dialog, die nationalen Betriebsräte usw.

Das Kommunikationsmodell ist gegenwärtig aufgrund der bisherigen Entwicklung auf einem linearen Modell des Wissenstransfers aufgebaut. Eurofound stellt seinem Zielpublikum einen „Input“ bereit, der aus Forschungsaktivitäten von Eurofound in Form EU-weiter Erhebungsdaten, Fakten, wissenschaftlicher Resultate und daraus abgeleiteter politikrelevanter Ratschlägen besteht. Diese „Inputs“ werden im Hinblick auf ihre spezifische Politikrelevanz geplant und produziert. Ihre Informationen sollen von den Politikgestaltenden wahr- und aufgenommen werden und im Sinne „evidenzbasierter Politikberatung“ deren „policies“ positiv beeinflussen.

Die Grundannahme ist, dass die Politik wissen muss und will, „was funktioniert“ (what works) und sich durch diese Erkenntnisse in ihren Entscheidungen leiten lässt. Die Beschränkung dieses linearen Transfermodells ist allerdings, dass es auf der Annahme beruht, es gäbe eine kausale Kette zwischen Input einerseits und den damit erzielten Wirkungen („impacts“) andererseits. Diese ist in der Realität nicht durchgängig nachzuweisen. Daher ist die Programmlogik von Eurofound so aufgebaut, dass es eine Differenzierung in der Wirkungskette gibt zwischen den Bereichen, über die Eurofound die direkte Kontrolle hat (Inputs und Outputs) und den Bereichen, die Eurofound zwar in gewisser Weise beeinflussen, aber nicht steuern kann. Das Ausmaß, mit dem Benutzende und Politikgestaltende die bereitgestellten Informationen wahrnehmen und in ihre Entscheidungen einbeziehen („Impact“), wird über die Indikatoren „Outcomes“ und „1st order impact“ erfasst.

Die folgende Graphik in Abbildung 1 illustriert das Leistungsbeobachtungssystem von Eurofound (Eurofound Performance Monitoring System (EPMS)), mit dessen Hilfe die Fortschritte bei der Erreichung des strategischen Ziels überwacht, gemessen und in den Jahresberichten[8] niedergelegt werden. Das EPMS besteht aus einer Reihe von zentralen Leistungsindikatoren (Key Performance Indicators) und Kennzahlen (Metrics) in Kombination mit Analysen auf der Grundlage dieser Daten, aus regelmäßigen Rückmeldungen der Nutzenden und periodischen Evaluierungen, die die gesamte Programm-Logik umfassen.

Abbildung 1 Programm-Logik von Eurofound und das Leistungsbeobachtungssystem EPMS.
Abbildung 1

Programm-Logik von Eurofound und das Leistungsbeobachtungssystem EPMS.

So werden auf der einen Seite Input- und Output-Indikatoren definiert und gemessen:

  1. Haushaltsvollzug

  2. Personalkapazität

  3. Programmumsetzung (Gesamtzahl der umzusetzenden Outputs aus operativen Tätigkeiten)

Auf der anderen Seite der Wirkungsketten stehen die Indikatoren für Ergebnisse und Auswirkungen auf die höhere Ebene:

  1. Anerkennung der wissenschaftlichen Qualität der Forschungsarbeiten von Eurofound (Zitathäufigkeitsanalysen in der relevanten wissenschaftlichen Literatur)

  2. Übernahme des Wissens von Eurofound über die Eurofound-Website (downloads)

  3. Veranstaltungsbeiträge

  4. Nutzung des Fachwissens von Eurofound in wichtigen EU-Grundsatzdokumenten (durch Zitatanalysen in EU Dokumenten bzw. „EU Impact tracking“ wird gemessen, inwiefern Eurofound-Forschungen von Politikgestaltenden in politikrelevante Dokumente auf EU -Ebene eingebracht werden)

Die Resultate der Indikatoren-Messungen werden jährlich in einem Jahresbericht[9] von Eurofound veröffentlicht („Consolidated Annual Activity Report of the Authorising Officer“) (z. B. Eurofound, 2017). So können die Leistung der Agentur über den Zeitraum eines mehrjährigen Programmes hinweg verfolgt und berichtet sowie Aussagen zur Erreichung der gesteckten Ziele getroffen werden.

Bedeutung und Ausblick

In einer Anfang 2018 fertiggestellten (noch nicht veröffentlichten) umfangreichen Evaluierung der vier EU Agenturen unter der Zuständigkeit der Generaldirektion „Beschäftigung, Soziales und Integration“ der Europäischen Kommission wurde Eurofound zusammen mit den anderen EU Agenturen Cedefop, ETF und EU-OSHA evaluiert (European Commission, 2016).[10] Die Leistung und Wirkung dieser vier EU-Agenturen wurde von externen und unabhängigen Stellen umfassend und mit verschiedenen ineinandergreifenden Instrumentarien evaluiert. Die Evaluierungsfragen und -kriterien sind in der „evaluation roadmap“ dokumentiert (European Commission, 2016).

Die Ergebnisse bestätigen, dass Eurofound – ebenso wie die anderen EU-Agenturen Cedefop, ETF und EU-OSHA – weitgehend relevant, effektiv und effizient sind, sowie einen europäischen Mehrwert darstellen. Der Endbericht dieser Evaluierung enthält allerdings eine Reihe von Vorschlägen und Empfehlungen für zukünftige Verbesserungen, die an die einzelnen EU-Agenturen sowie an die Europäische Kommission gerichtet sind. Die Europäische Kommission wird 2018 in einem Arbeitspapier ihre Vorstellungen zur zukünftigen Orientierung der Arbeit der vier EU-Agenturen im Zuständigkeitsbereich der Generaldirektion „Beschäftigung, Soziales und Integration“ vorstellen. Darin werden die Ergebnisse und Vorschläge dieser Evaluierung einfließen, die dann Aufschluss über die zukünftige Orientierung der Arbeit dieser vier EU-Agenturen geben wird. Es ist wahrscheinlich, dass die Arbeit der vier Agenturen in Zukunft noch intensiver und besser koordiniert werden soll als bisher.

Allerdings ergeben sich für die vier EU-Agenturen (wie für alle EU Körperschaften) weitere Herausforderungen im sich wandelnden Kontext der Europäischen Union und der Politikfelder, zu denen Eurofound und die anderen betroffenen EU-Agenturen politik-relevante Daten, Informationen und Wissen bereitstellen: Der zukünftige EU-Haushalt (nach 2020) ist nach wie vor ungewiss. Die Debatte über die politischen Prioritäten im künftigen EU-Etat ist im vollen Gange und wird zudem von den finanziellen Konsequenzen des „Brexit“ beeinflusst. Durch den bevorstehenden Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union wird ein wichtiger Nettozahler zum EU-Haushalt wegfallen. Dies wird Auswirkungen auf das Haushaltsvolumen haben. Die politischen Entscheidungen und zukünftigen Haushaltsprioritäten der EU-Institutionen (Europäische Kommission, Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union) werden auch das den EU-Agenturen zur Verfügung stehende Budget beeinflussen. Zudem gilt es als sicher, dass EU-Agenturen wie Eurofound und ihre „Schwester-Agenturen“ die bisherigen Bemühungen um Effizienzsteigerungen, strategischere Kooperationen und Haushaltsreformen noch weiter intensiviert müssen.

Über die Zusammenarbeit der EU-Agenturen und anderer benachbarter Institutionen und Organisationen innerhalb des Politikfeldes „Beschäftigung und Soziales“ hinaus gibt es auch zahlreiche weitere Kooperationen zwischen den EU-Agenturen. Alle dezentralisierten EU-Agenturen sind in einem Netzwerk zusammengeschlossen: EU Agencies Network (2018a). Darin kooperieren alle (aktuell etwa 43) bestehenden dezentralisierten EU-Agenturen, um die allen gemeinsamen Herausforderungen durch bessere Koordination, Kooperation und Informationsaustausch zu meistern. Das EU Agencies Network verfolgt eine mehrjährige gemeinsame Strategie (2015–2020), die auf vier Säulen steht:

  1. Stärkung des Mehrwertes (mutual value creation)

  2. Gemeinsame Dienstleistungen (shared services)

  3. Nach außen gerichtete Kommunikation (outward communication)

  4. Interne Steuerung (internal governance)

Diese langfristigen gemeinsamen Ziele aller EU-Agenturen werden durch thematische „Sub-Netzwerke“ implementiert. Darin arbeiten die jeweiligen Fachabteilungen der Agenturen zusammen. So finden sich die Informations- und Kommunikationsspezialisten aller EU-Agenturen im Sub-Netzwerk „Heads of Information“, die Informatikabteilungen der EU-Abteilungen im Sub-Netzwerk „Information and Communications Technologies Advisory Committee (ICTAC)“ oder die Beauftragten für Leistungsüberwachung und -entwicklung im Sub-Netzwerk „Performance Development Network“ wieder.

In diesem Zuge gibt es seit 2013 auch ein Sub-Netzwerk für EU-Agenturen, die wissenschaftliche Daten, Informationen und Wissen für EU-Politikgestaltende in den unterschiedlichsten EU-Politikfeldern bereitstellen. Dreizehn dieser EU-Agenturen sind im Sub-Netzwerk „EU Agencies Network on Scientific Advice (EU-ANSA)“ zusammengeschlossen. Die Aufgabe von EU-ANSA ist die Kooperationsförderung der Agenturen bei Themen von gemeinsamem Interesse für die wissenschaftliche und technische Politikberatung. Dieses Netzwerk bietet ein Forum für den Austausch von Informationen, Erfahrungen und Praktiken sowie für die gegenseitige Beratung. Das Ziel ist, die Arbeit der Agenturen zu erleichtern und die Qualität der wissenschaftlichen und technischen Beratung der beteiligten Agenturen weiter zu stärken und zu verbessern.

Die Arbeit und die gemeinsamen Charakteristiken der EU-ANSA Agenturen werden in zwei Publikationen beschrieben:

  1. Ein Überblick über die wissenschaftlichen Prozesse und Arbeitsweisen der EU-ANSA Mitglieds-Agenturen (EU Agencies, 2017). Diese Publikation dokumentiert die konkrete Arbeitsweise, Arbeitsschwerpunkte und eingesetzten wissenschaftlichen Methoden für jede der beteiligten Agenturen.

  2. Eine neue Publikation (EU Agencies, 2018b) beschreibt wie die EU-ANSA Agenturen jeweils im „Wissenszyklus“ der Europäischen Union eingebunden sind und mit anderen EU-Institutionen bei der wissenschaftlichen Informationsgenerierung zusammenarbeiten.

Erstere bietet einen guten Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen EU-Agenturen und zeigt auf, wie sie zur EU-politikrelevanten Bereitstellung von wissenschaftlichen Informationen beitragen. Die zweite Publikation beinhaltet dagegen eine interessante Schlussfolgerung: Es gibt ein signifikantes, nicht ausgeschöpftes Potenzial bei den EU-Agenturen. Der Mehrwert des „Wissenszyklus“ könne gesteigert werden, wenn die Europäische Union als Finanzier der Wissensgenerierung von wissenschaftlichen Informationen noch systematischer als es bisher auf die Wissensbasis und Expertise der EU-Agenturen zurückgreifen würde.

Für die EU-ANSA besteht die Herausforderung in der intensivierten Zusammenarbeit der verschiedenen Organisationen zur verstärkten gegenseitigen Unterstützung und im direkten Austausch zwischen EU-Agenturen und EU Forschungsaktivitäten. Daher sollten die EU-Agenturen, die wissenschaftliche Informationen in verschiedenen relevanten Politikfeldern generieren und bereitstellen, als Partner in allen relevanten Aspekten des EU Forschungs-Wissens-Zyklus anerkannt werden. Die Steigerung des Mehrwerts von EU-Agenturen, die politikrelevante wissenschaftliche Informationen bieten – wie zum Beispiel Eurofound –, hängt also wesentlich davon ab, dass die Kooperationen mit den zahlreichen anderen Akteuren, die idealerweise alle auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, noch stärker qualitativ und quantitativ intensiviert werden.

Disclaimer: Die in diesem Artikel zum Ausdruck gebrachten Meinungen sind ausschließlich die Meinungen der Autorinnen, und stellen nicht notwendigerweise die offizielle Position von Eurofound dar.


Anmerkung

Diesem Artikel liegt ein – aktualisierter und überarbeiteter – 2014 erschienener Buch-Artikel zugrunde (Mezger und Schmidt-Abbey, 2014), in: Sozialen Wandel gestalten – zum gesellschaftlichen Innovationspotenzial von Arbeits- und Organisationsforschung. Dortmunder Beiträge zur Sozialforschung, Milena Jostmeier, Arno Georg, Heike Jacobsen (Hrsg), Wiesbaden, Springer VS.


About the authors

Barbara Schmidt-Abbey

Barbara Schmidt-Abbey ist als Diplom-Dokumentarin (FH) seit 1991 bei Eurofound in Dublin tätig. Dort betreut sie derzeit die Themen Leistungsbeobachtung (Monitoring) und Evaluierung. Dazu gehören unter anderem die Entwicklung und Implementierung eines Leistungsbeobachtungssystems und die Durchführung interner Evaluierungsaufgaben auf Programm- und -projektebene, die Vergabe und Steuerung extern durchgeführter Evaluierungen und regelmäßiger Benutzerbefragungen sowie die Entwicklung einer Wissensmanagement-Strategie. Aktuell engagiert sich Frau Schmidt-Abbey stark für systemische Ansätze in der Evaluierung komplexer Interventionen und ist Mitglied verschiedener internationaler Netzwerke und Gesellschaften im Bereich Evaluation sowie Systemwissenschaften.

Dr. Erika Mezger

Erika Mezger ist seit Juli 2009 stellvertretende Direktorin von Eurofound. Zuvor war die diplomierte Verwaltungswissenschaftlerin, die 1989 an der Universität Konstanz promoviert wurde, Leiterin der Abteilung Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Erika Metzger ist seit Langem der Gewerkschaftsbewegung verbunden; die aktuellen Schwerpunkte ihrer Forschung sind der Sozialstaat, moderne Governance sowie aktive Arbeitsmarktpolitik. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit sammelte sie internationale Erfahrung bei Studienaufenthalten in den USA, 1991 in Washington D.C. und New York im Rahmen des Programms „Young Leaders“ des German Marshall Fund und 1998 an der Universität Harvard als Fulbright-Stipendiatin im Rahmen des Harvard-Gewerkschaftsprogramms. Sie ist seit 2012 „IZA Policy Fellow“.

Beide Autorinnen sind Eurofound Vertreterinnen im EU Agencies sub-Netzwerk EU-ANSA, dessen Aktivitäten in diesem Artikel beschrieben werden.

Literatur

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Mezger, E.; Schmidt-Abbey, B (2014) ‚Welche Anforderungen stellt die europäische Entwicklung? Arbeitsweise und intendierte Wirkung von ‚Eurofound‘ (Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen)‘, S. 45–58 in: Sozialen Wandel gestalten – zum gesellschaftlichen Innovationspotenzial von Arbeits- und Organisationsforschung. Dortmunder Beiträge zur Sozialforschung, Milena Jostmeier, Arno Georg, Heike Jacobsen (Hrsg), Wiesbaden, Springer VS.10.1007/978-3-531-19298-7_3Search in Google Scholar

Published Online: 2018-08-22
Published in Print: 2018-08-08

© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 5.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/iwp-2018-0033/html
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