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Publicly Available Published by De Gruyter Saur August 22, 2018

Buchbesprechung

Reviewed Publication:

Frank Thissen Lernen in virtuellen Räumen – Perspektiven des mobilen Lernens 2017 De Gruyter Saur Berlin/Boston 978-3-11-050041-7 99,95 Euro


Lernen in virtuellen Räumen – Perspektiven des mobilen LernensFrank Thissen (Hrsg.) Berlin/Boston: De Gruyter Saur, 2017, 265 Seiten, Hardcover, 978-3-11-050041-7 (ISBN), 99,95 Euro

Das Buch Lernen in virtuellen Räumen – Perspektiven des mobilen Lernens wurde im Rahmen der Reihe Lernwelten von Frank Thissen herausgegeben. Die Reihe Lernwelten richtet sich vornehmlich an Bibliotheken, Hochschulen sowie an die Erwachsenenbildung.

Es kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass wir unsere Bildungssysteme erneuern und alles auf den Prüfstand stellen müssen. Die Möglichkeiten der neuen Technologien und des Internets sollten sinnvoll und angemessen genutzt werden. In diesem Buch werden Optionen aufgezeigt, wie die Vernetzung von physischer und virtueller Welt aussehen kann, was der virtuelle Raum zu bieten hat und wie das Lernen im 21. Jahrhundert mit Hilfe von Technologien aussehen könnte. Es wird ein Schlaglicht auf momentane und eventuelle zukünftige Entwicklungen geworfen, wenn auch nur in einem kleinen Bereich des sehr umfassenden Themas „Lernen in virtuellen Räumen“.

In seiner Einleitung gibt Frank Thissen einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Digitalisierung, die zunehmend alle Bereiche des privaten und beruflichen Lebens erfasst. Er stellt dann die Frage, wie die Möglichkeiten der neuen Technologien und des Internets sinnvoll im Bildungssystem bzw. in der Weiterbildung genutzt werden können, um die realen Lernräume mit den virtuellen Räumen zu vernetzten.

Das Buch selbst ist im Weiteren in vier Themengebiete gegliedert. Den Anfang bilden die Grundlagen, dann folgen die diversen Bildungskontexte. Im Anschluss an die didaktischen Optionen wird die Frage nach den Informationsbedarfen gestellt. Dies rundet das Buch gut ab.

Vier Beiträge führen uns in die Grundlagen des mobilen Lernens ein.

Judith Seipold beginnt auf übersichtliche Weise mit Definitionen und Theorien zum mobilen Lernen. Aber auch die Erwartungen an die Art des Lernens sowie aktuelle Trends werden angesprochen. Ihr Fazit: Es besteht noch Aufholbedarf, nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Forschung.

Als nächstes schneidet Richard Stang eine Thematik an, die in der allgemeinen Diskussion oft übersehen wird. Er plädiert dafür, den Lernenden mit seinen physischen Bedürfnissen ernster zu nehmen und den Körper als wichtige Komponente im Lernprozess zu berücksichtigen. Auch wenn wir im virtuellen Raum agieren, so stehen wir doch immer noch mit beiden Füßen fest in der realen Welt.

Carolin Nüssle, Frank Thissen und Amelie Zimmermann gehen dann auf den virtuellen Lernraum als einen narrativen Ort ein. Mit Hilfe von Geschichten, die dort erzählt werden und Emotionen auslösen, wird der Lernprozess initiiert und unterstützt.

Im vierten und letzten Beitrag des Kapitels Grundlagen widmen sich Florian Sochatzy und Marcus Ventzke den grundsätzlichen Veränderungen, die die Digitalisierung in allen unseren Lebensbereichen in Gang gesetzt hat, und fragen nach den Konsequenzen im Bildungsbereich. Als zusätzlichen Aspekt beleuchten sie, welche Rolle das E-Book in diesem Zusammenhang spielen könnte und wie zukünftige Schulbücher aussehen sollten.

Nach dieser gelungenen Einführung in ausgewählte Grundlagen thematisiert das nächste Kapitel diverse Bildungskontexte.

Almut Reiners startet mit dem Kontext Hochschule und zeigt die Bedeutung des mobilen sowie hybriden Lernens auf. Klar strukturiert werden unterschiedliche Formen, wie z. B. Lernkarten oder mobile Wikis vorgestellt und die Frage nach dem didaktischen Mehrwert gestellt. Abzuwarten bleibt dabei, inwieweit sich die Nutzung dieser Technologien auf das zukünftige Lernverhalten der Studenten auswirkt.

Claudia Bremer widmet sich dann der Erwachsenenbildung. Beispiele von verschiedenen Lern- und Lehrumgebungen sowie deren Mehrwerte geben einen Überblick über mögliche Ausgestaltungen. Abgerundet wird dieser Beitrag durch einen Ausblick in die Zukunft.

Daran anschließend geht Frank Nachtwey auf die sich wandelnde Rolle und Bedeutung der Bibliotheken ein. Anstatt in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, haben es die Bibliotheken geschafft, ihren Nutzern neue Zugänge zum Lernen und zur Weiterbildung zu ermöglichen. Sie haben als Lernräume neue Aufgaben erhalten und sie zumeist erfolgreich umgesetzt.

Christian Dominic Fehling befasst sich mit der beruflichen Bildung. Diese wird auf Grund sich wandelnder Tätigkeits- und Qualitätsanforderungen vor immer neue Herausforderungen gestellt, was aber durchaus auch Chancen bietet. Gerade im technisch-gewerblichen Bereich halten technikgestützte Lernaktivitäten immer mehr Einzug, wie z. B. der Einsatz von Augmented Reality, worauf in diesem Beitrag explizit eingegangen wird.

Zu guter Letzt widmen sich Matthias Rohs und Christoph Pimmer dem informellen mobilen Lernen. Dabei gehen sie der Frage nach, wieviel informelles Lernen eigentlich im mobilen Lernen steckt. Alle, die noch Schwierigkeiten mit dem Ausdruck „informelles Lernen“ und seiner Abgrenzung zu ähnliche Begriffen haben, erhalten hier eine aufschlussreiche Betrachtung der Problematik.

Das daran anschließende Kapitel der Didaktischen Optionen ist in drei Themenbereiche untergliedert.

Philippe Wampfler macht den Anfang mit seinem Beitrag zum Lernen mit Social Media und zeigt anhand von vier Szenarien die Möglichkeiten von Lernprozessen in diesen Medien auf. Formales Lernen an Schulen und anderen Institutionen konkurriert immer mehr mit dem informellen Lernen im digitalen Kontext. Dies könnte zu einer Verlagerung vieler Lernprozesse in eine informelle Lernumgebung beitragen, häufig gekoppelt mit dem Einsatz von Social Media.

Klaus Rummler befasst sich im nächsten Abschnitt mit dem Lernen durch YouTube-Videos. Er zeigt die diversen pädagogischen Möglichkeiten, verweist aber auch auf die Grenzen dieses Mediums. Dazu beleuchtet er ihre Einsatzfelder in Schulen, Hochschulen und Betrieben.

Das Autorengespann Andreas Sexauer und Daniel Weichsel befasst sich mit MOOCs (Massive Open Online Course) als didaktischem Konzept, indem sie sowohl die pädagogische Einordnung wie auch die rechtlichen und organisatorischen Herausforderungen betrachten. MOOCs sind wohl zukünftig ein fester Bestandteil des Lernens an Hochschulen.

Das letzte, aber nicht minder spannende Kapitel befasst sich mit den Kompetenzbedarfen.

Den Anfang macht Karl Peböck mit seinem Beitrag zu Media Literacy als Kulturtechnik. Medienkompetenz, also die Fähigkeit kompetent mit alten und neuen Medien umzugehen, gilt als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts. Dabei taucht auch immer wieder das im anglo-amerikanischen Raum gebräuchliche „Media Literacy“ auf, dessen Bedeutung sich jedoch vom deutschen Begriff unterscheidet. Anhand von Twitter stellt er beispielhaft dar, wo die Möglichkeiten und Chancen aber auch die Gefahren und Schwierigkeiten des Lernens mit Hilfe der neuen Medien liegen.

Anschließend setzt sich Luzian Weisel mit der Informationskompetenz für das selbstgesteuerte Lernen auseinander. Dabei vertritt er die Ansicht, dass die Aneignung und Vermittlung von Medien- wie Informationskompetenz ein wichtiger Baustein im Rahmen des Bildungsauftrags sein muss. Jeder Abschluss sollte den Erwerb dieser Kompetenzen zertifiziert nachweisen. Anhand von diversen Szenarien zeigt er auf, dass und wo es noch Defizite gibt, aber auch was bereits in die Wege geleitet wurde.

Heike Krämer und Lutz Goertz geben uns im letzten Beitrag einen Überblick über das Thema der Medienkompetenz als Grundlage für die betriebliche Ausbildung. Ohne Medienkompetenz lässt sich das mobile Lernen nur sehr schwer in den Unternehmen etablieren und auch sog. Digital Natives müssen diese Kompetenz oft erst noch erwerben, bevor sie digitale Lerninhalte effektiv und souverän nutzen können. Dabei setzen sich beide Autoren intensiv mit dem Begriff Medienkompetenz und den Anforderungen aus betrieblicher Sicht auseinander.

Am Ende des Buches werden die Autoren und Autorinnen vorgestellt. Dies ist nicht selbstverständlich und ermöglicht dem Leser, sich selbst über deren jeweilige Kompetenzen zu informieren. Negativ fällt allerdings auf, dass ein Autor (Luzian Weisel) in dieser Liste nicht erscheint. Zudem ist sie nicht alphabetisch gegliedert. Dies erschwert das Auffinden der einzelnen Autoren. Daran angeschlossen ist ein Register mit einem Umfang von vier Seiten. Dies ist allerdings sehr übersichtlich gelungen.

Insgesamt handelt es sich hier um ein sehr informatives Buch zu einem recht stolzen Preis, das die Problematik klar strukturiert und die diversen Aspekte gut beleuchtet.

Published Online: 2018-08-22
Published in Print: 2018-08-08

© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 5.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/iwp-2018-0034/html
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