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Publicly Available Published by De Gruyter Saur April 7, 2020

Den Wandel gestalten, im Zeichen der Transformation

Tagungsbericht der APE2020 vom 14. bis 15. Januar 2020 in Berlin

Anne-Katharina Weilenmann

„Driving the change – together: Less satellite navigation – more collaboration“, unter diesem vielversprechenden Titel fand vom 14. bis 15. Januar 2020 die 15. Konferenz „Academic Publishing in Europe“ (APE)[1] in Berlin statt. Wandel, Wechsel, Transformation, Übergang, Bekanntes, festgefahrene, vielleicht gar überholte, Muster in Neues, noch Unbekanntes verwandeln, zu andersartigen Ideen formen und ausgestalten, dies sind Herausforderungen, die in einer digital geprägten Welt zunehmend schneller gemeistert werden müssen. Deshalb erstaunt es nicht, dass sich einschlägige Fachkonferenzen heute (fast ausschließlich) dieser Themen annehmen.

Auch die APE stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Wandels; beim Blick ins Tagungsprogramm entdeckt man Vorträge wie „Catalysts of Change – Why SDGs are important for Innovation and Scholarly Communication?“ oder ein Panel zu den DEAL-Verhandlungen[2] – also eine weitere Konferenz zu fast schon inflationär abgehandelten Schlagworten?

Nicht so bei der APE; sie besticht durch Andersartigkeit, lebt von einem unvergleichlichen Geist, der sich durch die ganze Konferenz hindurchzieht. Organisiert wurde sie erstmals 2006 von Arnoud De Kemp,[3] mit dem Ziel, Austausch und Networking in der Verlagsbranche zu fördern. Mittlerweile hat sie sich zu einem wichtigen Treffpunkt und Forum entwickelt, wo relevante Fragen, Trends und Innovationen zum wissenschaftlichen Publizieren diskutiert werden.

Pre-Conference

Den eigentlichen zwei Konferenztagen geht stets die „Pre-Conference“ voraus, die sich 2020 der Frage „Vision 2030: Training Talent for the Future – together?“ widmete und neben Vorträgen auch zu Workshops einlud.

Mandeep Kundi[4] zeichnete mit der „Techtopia 2030“ ein teilweise bekanntes, doch visionäres Bild einer Welt in zehn Jahren, bedeutend dabei sechs technologische Entwicklungen und Eigenschaften: Künstliche Intelligenz und Roboter (Vernichtung von Arbeitsplätzen), Empathie und Imagination, Big Data, menschliche Arbeitskräfte, die zunehmend Daten- und Softwarekorrekturen vornehmen müssen, Wearables und implantierte Chips werden zur Norm, Virtual Reality wird soziale Interaktionen ersetzen.

Wie werden sich diese Entwicklungen auf die Personalpolitik und die Rekrutierung junger talentierter Leute auswirken, welche Fähigkeiten werden in Zukunft wichtig sein? Nach angeregten Diskussionen und Workshops kann zusammenfassend festgehalten werden, dass vor allem „Soft skills“ (wie z. B. emotionale und kulturelle Intelligenz, Engagement) gefragt sein werden. Interessant war, dass neuartige Berufsgattungen im Bereich Data Science oder auch Big Data nicht angesprochen wurden.

Als letzter Programmpunkt war zudem die Frage angekündigt: „Do we need a Scientific Publishing Academy?“ worauf leider am Schluss kaum eingegangen werden konnte.[5]

Fokusthemen auf der APE2020

Auf der eigentlichen Konferenz standen drei Schwerpunkte im Fokus: die Verhandlungen zu DEAL[6], Transformation zu Open Access und „Sustainable Development Goals“[7] (SDGs).

Im Projekt DEAL konnte am 9. Januar 2020 mit dem Verlag Springer Nature der weltweit umfangreichste Open Access-Transformationsvertrag vereinbart und unterschrieben und somit ein weiterer nachhaltiger Schritt in die Zukunft zu Open Access ermöglicht werden. Was hat man aus den Verhandlungen gelernt, wie können die neuen Herausforderungen nun gemeistert werden, welche Erkenntnisse zieht man aus dem Wiley DEAL[8]? Antwort(en) darauf suchten Horst Hippler (Projekt DEAL), Frank Sander (MPDL Services GmbH), Guido F. Herrmann (Research Wiley) und Dagmar Laging (Springer Nature) in der Diskussionsrunde „DEAL with it! Transformative Agreements shaping the Way we do Business“. Dabei wurde deutlich, dass der Übergang zu Open Access nicht allein auf eine pragmatische Ebene reduziert werden kann. Vielmehr bedarf es eines Wertewandels – es müssen also die eigenen Grundsätze und Vorstellungen anders oder gänzlich neu formuliert werden. Letztlich waren es vielleicht eher interessante Ein- und Ansichten, die zum Weiterdenken anregten; kritische Stimmen zum Transformationsprozess und den zukünftigen Entwicklungen wurden kaum geäußert.[9]

Wie kann die Umsetzung von Plan S[10] auf bestmögliche Art gelingen? Dieser Frage widmete sich Alicia Wise (Information Power) in dem Projekt: „Price transparency framework“[11]. Das Framework besteht aus den drei Ebenen „Basic title metadata“ (Section 1: z. B. Titel-DOI oder ISSN), „Contextual metadata“ (Section 2: z. B. Anzahl publizierter Titel pro Jahr) und „Pricing information“ (Section 3: z. B. Preis fürs Peer Review Management). Insgesamt werden 24 einzelne Unterpunkte präsentiert und so zu einem feingliedrigen System ausgebaut, um größere Transparenz herzustellen.

Die SDGs und deren Umsetzung bereichern zunehmend auch die wissenschaftliche Fachkommunikation. Verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus Verlagen und Wissenschaft[12] äußerten auf einem Panel ihre Ideen dazu. Richard Horton (The Lancet) formulierte im Zuge seiner Ausführungen die wohl bedeutendste und gleichzeitig provokanteste These der ganzen Konferenz: „Scientific journals in the 21st century can be (must be) more than journals. The journal as we know it had come to an end." Antworten darauf konnten (noch) keine gegeben werden und bleiben zurzeit reine Spekulation.

Vision 2030

In abschließenden Gedanken zu den zwei Konferenztagen wurden Schlüsselfaktoren zusammengetragen, wie die Verlagsbranche mit gemeinsamem Engagement und Enthusiasmus die Herausforderungen von heute und vor allem morgen meistern will; ein nachhaltiges Ende der Tagung, womit sich gleichzeitig auch der Kreis zur Pre-Conference schloss.[13]

So sind bedeutende (Um-)Wandlungsprozesse mit Strahlungskraft auf andere internationale Projekte am Laufen, mit Begeisterung können die Verantwortlichen feststellen, dass alles in der vorgegebenen Richtung fliesst. Auch wenn die Transformation gelingen sollte, bleibt doch am Ende die Frage, ob und wie die wissenschaftliche Fachgemeinschaft mit einer immer größer werdenden Informationsmenge umgehen wird, wie die Essenz aus so vielen Informationen und Daten herauskristallisiert werden und rezipiert werden kann, um daraus wiederum neues Wissen zu generieren.

Drei Fragen an Arnoud de Kemp

Nach Abschluss der Konferenz nahm die Autorin dieses Berichts die Gelegenheit wahr, mit Arnoud de Kemp per E-Mail ein kurzes Interview zu der geplanten „Akademie für wissenschaftliches Publizieren“ zu führen.

Sehr geehrter Herr de Kemp

Gerne möchte ich Ihnen drei Fragen stellen zu Ihrem Vorhaben, eine „Akademie für wissenschaftliches Publizieren“ zu gründen.

1. Können Sie Ihre Idee, eine „Akademie für wissenschaftliches Publizieren“ ins Leben zu rufen, kurz erläutern: Was beabsichtigen Sie mit der Gründung einer solchen Institution, was möchten Sie damit erreichen?

„Mehr als eine Idee ist es noch nicht, aber durch die wiederholte Erwähnung habe ich Interessen geweckt, nun ist die Walter de Gruyter-Stiftung sehr daran interessiert. Wir werden in den nächsten Monaten die Organisation an die Hand nehmen und ein erstes Programm entwickeln.“

2. An welche Zielgruppe(n) wird sich diese Institution richten (Forscher, Verleger, Informationsspezialisten)?

Die Zielgruppe besteht vor allem aus „High Potentials“ in den Wissenschaftsverlagen und „Early Career Researchers“.

3. Wie sieht der zeitliche Rahmen für die Planung aus, wann und wo wird diese Akademie gegründet werden?

Siehe Antwort 1.[14]

Ich danke Ihnen für diese Ausführungen

Online erschienen: 2020-04-07
Erschienen im Druck: 2020-04-01

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