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Accessible Published by De Gruyter Saur October 10, 2020

Der Bachelor of Science in Information Science

Bernard Bekavac

Der Studiengang Bachelor of Science (BSc) in Information Science hat seinen Ursprung in dem 1998 eingeführten und in der deutschsprachigen Schweiz (Deutschschweiz) einmaligen Diplomstudiengang Information und Dokumentation, der zeitgleich mit der Gründung der Fachhochschulen in der Schweiz einherging. Das ursprüngliche Curriculum war eng an die Bedürfnisse der Praxis von Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen ausgerichtet. Um dem akademischen Anspruch der Ausbildung stärker Rechnung zu tragen, wurde der Studiengang bereits im Jahr 2002 auf eine informationswissenschaftliche Auslegung umgestaltet. Zugleich wurde das Studienangebot um ein Teilzeitstudium erweitert, was zu dem Zeitpunkt in der akademischen Ausbildung recht neu war. Als Studienort für das Teilzeitstudium wurde Zürich gewählt, um den Studierenden aus der ganzen Deutschschweiz den Besuch des Ausbildungsangebots für künftige Informationsprofis zu erleichtern. Die Bologna-Reform erforderte 2005 eine Umstellung vom Diplom- auf einen Bachelor-Studiengang (Herget 2005), der sich seitdem ständig weiterentwickelt. Dabei werden sowohl das Curriculum und die Studienmodelle den wechselnden Marktbedürfnissen angepasst als auch relevante Zukunftsthemen und Entwicklungen antizipiert und entsprechend berücksichtigt (s. Bekavac et al. 2015; Mumenthaler/Bekavac 2015; Bekavac 2019b).

Aktueller Stand

Der heutige Bsc in Information Science an der FH Graubünden kann als Teilzeitstudium in Chur und Zürich (acht Semester) und als Vollzeitstudium in Chur (sechs Semester) studiert werden. Ab dem Studienjahr 2020 ist der BSc in Information Science in Pflicht-, Wahlpflicht- und Wahlmodule aufgeteilt. Die Pflichtmodule bilden mehrheitlich die Basisausbildung des Studiengangs, kommen aber auch in späteren Semestern vor und lehren allgemeine Ausgangskompetenzen für die Informationspraxis. Die Wahlpflichtmodule ergänzen diese durch spezifische Themenfelder aus den Forschungsschwerpunkten des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft. Bei den (freiwilligen) Wahlmodulen haben Studierende die Möglichkeit diverse Angebote der FH Graubünden oder auch von anderen Hochschulen zu besuchen.

Seit 2016 wird zusätzlich die Studienrichtung „Digital Business Management“ angeboten (s. Beitrag Schär, S. 71). Studierende müssen sich bereits vorab für diese Studienrichtung entscheiden, da es von Beginn ab spezifische Module beinhaltet. Die neue Studienrichtung wird seit 2017 auch als Teilzeitstudium und nur am Studienort Chur angeboten. Alle aufgeführten Studienangebote im BSc im Bereich Information Science sind einzigartig in der deutschsprachigen Schweiz. Aktuell sind ca. 350 Studierende im BSc Information Science eingeschrieben.

Curriculumsentwicklung

Das Curriculum des BSc in Information Science hat zum Ziel relevante und zeitgemäße Ausgangskompetenzen für die Informationspraxis bei den Absolventinnen und Absolventen sicherzustellen. Dies ist gerade an Fachhochschulen von grundlegender Bedeutung, da deren Studiengänge sich aufgrund der Hochschulform direkt an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts orientiert sollen. Eine besondere Herausforderung bei der Entwicklung eines informationswissenschaftlichen Curriculums ist die zunehmende Digitalisierung. Damit verbunden sind laufend neuen Themen und Kompetenzen, die für die Informationsbranche von Relevanz sind oder in absehbarer Zukunft sein könnten. Sie müssen so in den Lehrplan integriert werden, ohne die Beständigkeit der Disziplin anzutasten. Dabei wird eine klare Abgrenzung zu benachbarten Disziplinen, wie z. B. der Wirtschaftsinformatik aus Sicht der angewandten Informatik, aber auch z. B. zu Medien- und Kommunikationswissenschaft immer schwieriger. Der relativ hohe interdisziplinäre Anteil der Informationswissenschaft macht dieses Unterfangen ebenfalls komplex. Hinzu kommt, dass der Paradigmenwechsel von analogen zu digitalen Medien in Bibliotheken, Archiven und sicherlich auch einzelnen Dokumentationsstellen noch im Gange ist. Das Curriculum muss also weiterhin sowohl die analoge als auch digitale Informationsversorgung berücksichtigen.

Schon aufgrund der demographischen Situation, ist das Bachelor-Angebot an der FH Graubünden einmalig in der Deutschschweiz[1]. Durch die wirtschaftliche Stärke und die Neutralität der Schweiz, weist das Land eine hohe Anzahl an Organisationen und Institutionen auf, die vielseitige informationswissenschaftliche Berufsbilder erfordern. Dies bedingt eine breit angelegte Ausrichtung innerhalb der informationswissenschaftlichen Ausbildung. Bieten andere Hochschulen im deutschsprachigen Raum eigenständige informationswissenschaftliche Studiengänge mit Schwerpunkten in Bibliothekswissenschaft (z. B. Stuttgart), Informationsmanagement (z. B. Hannover), Archiv (z. B. Potsdam) oder eine mehr technisch-orientierte Ausbildung wie z. B. Data and Information Science in Köln an, so deckt das Curriculum aus Chur mehrere Profile in einem einzigen Angebot ab. Selbstverständlich erreicht man nicht dieselbe Tiefe in der Ausbildung wie spezifisch ausgelegte informationswissenschaftliche Studiengänge. Jedoch zeigt das inzwischen über 20 Jahre bestehende Angebot, dass man auch mit einem breit gefächerten Ansatz Absolventinnen und Absolventen entlässt, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind und erfolgreich diverse Berufsbilder in der Informationspraxis bekleiden können. Um dies zu überwachen, führt der Fachbereich von Beginn an Absolventenstudien durch (Herget 2004; Capatt/Dahinden 2010; Alt et al 2019). Diese belegen, dass das Studium gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. In der letzten Befragung aus dem Jahr 2017 (Alt et al 2019) gaben über 97 Prozent der Befragten[2] an, dass sie eine Anstellung haben. Dazu fühlte sich die überwiegende Mehrheit durch das Studium gut auf die Berufspraxis vorbereitet und konnte das Studium weiterempfehlen. Zeitgleich mit dieser Studie hat der Fachbereich noch eine Arbeitsmarktbefragung und eine Stelleninseratsanalyse durchgeführt. Die erhobenen Daten deuten klar darauf hin, dass zum einen, der Bedarf an informationswissenschaftlichen Stellen in der Schweiz zunehmen (oder zumindest gleichbleiben) wird, und zum anderen, dass die möglichen Berufsbilder noch vielfältiger und somit neue Kompetenzen erfordern werden.

Um den Studiengang an den Bedürfnissen des aktuellen und künftigen Arbeitsmarktes im Informationsbereich auszurichten, wird das Curriculum in regelmäßigen Abständen von rund fünf Jahren analysiert und angepasst. So wurden, neben der erwähnten generellen Umstellung auf eine informationswissenschaftliche Ausbildung im Jahr 2002, bei der Bolognareform 2005 erstmalig die Vertiefungsrichtungen Bibliothek, Archiv und Informationsmanagement eingeführt. Die Curriculumsüberarbeitung 2010 brachte mit Information Engineering eine vierte Vertiefung dazu, in der man zunächst diverse IT-basierte Themen aus der Informationswissenschaft konzentrierte. Mit der Reform 2015 (s. Mumenthaler/Bekavac 2015; Bekavac et al. 2015) wurde primär die semantische Datenverarbeitung eingeführt aber auch die Profile der Vertiefungen weiter geschärft. So entstanden die neu als Major[3] bezeichneten Vertiefungen Bibliotheksmanagement, Archivierung, Informations- und Medienmanagement. Die zuvor angebotene Vertiefung Information Engineering wurde für den Berufsmarkt als zu breit erachtet und durch einen neuen Major Web- und Usability Engineering eingegrenzt, der sich auf die Konzeption, Gestaltung, Entwicklung und Evaluation von grafischen Benutzeroberflächen auf Basis des User Centered Design konzentriert.

Die institutionelle Akkreditierung der Fachhochschule Graubünden im Jahr 2019 zog eine Revision aller Curricula sowie der Studien- und Prüfungsordnungen nach sich. Dadurch wurden neben der turnusgemäß anstehenden Curriculumsüberarbeitung beim BSc Information Science grundsätzliche strukturelle Veränderungen (v. a. die Einführung von Quoten für Pflicht, Wahlpflicht- und Wahlmodulen) erforderlich.

Das Vorgehen bei der Curriculumsentwicklung orientiert sich an dem Learning Outcomes Ansatz. Dabei werden zunächst die Anforderungen an die Absolventinnen und Absolventen durch den Arbeitsmarkt und die dafür benötigten Ausgangskompetenzen analysiert. Hierzu ist eine breite Einschätzung wichtig, die von Dozierenden, dem Fachbeirat und anderen Marktexperten[4] sowie aktuellen und ehemalige Studierenden (Teil der Absolventenbefragung) eingeholt werden. Die eigenen Dozierenden und der Fachbeirat sind dabei die wichtigste Quelle, da sie den Studiengang bestens kennen und eng damit verbunden sind. Die aktuellen Studierenden haben den Blick „aus dem Curriculum heraus“ und können somit einen wertvollen Beitrag für die Einschätzung des Studiengangs leisten, so z. B. welche Module besser aufeinander abgestimmt werden müssen oder welche Inhalte verändert oder anders ausgerichtet werden sollten. Im Rahmen der Absolventenbefragungen werden auch immer Fragen zur Relevanz aktueller und künftiger Themen innerhalb der Disziplin erhoben.

Weitere Quellen sind die erwähnte Berufsmarktforschung (Befragung der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber) und die systematische Auswertung von Stelleninseraten anhand eines Codebuchs, mit dem die Anforderungen bei den möglichen Berufsbildern im Bereich der Informationswissenschaft identifiziert werden.

Ein abschließender Vergleich der Curricula informationswissenschaftlicher Studiengänge an ausländischen Hochschulen sowie Angebote verwandter Studiengänge innerhalb der Schweiz, wie z. B. Wirtschaftsinformatik oder Medien- und Kommunikationswissenschaft, runden das Bild ab. Hierbei zeigen sich i. d. R. viele Parallelen, es finden sich aber auch immer wieder Hinweise, die das eigene Angebot ergänzen können.

Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse erfolgt der Entscheid des Fachbereichs, auf welche (neuen) Berufsbilder sich die Ausbildung konzentrieren soll und wie die dazu erforderlichen Kompetenzen im Curriculum integriert werden können. Neben der Integration neuer Themen ist es genauso wichtig, nicht mehr aktuelle oder bisher nebensächliche Inhalte oder Module zu streichen. Die Aufteilung der Lerninhalte erfolgt dann Modul-orientiert, ausgehend von Vertiefungsmodulen mit berufsorientierten Ausgangskompetenzen bis zu den Grundlagenmodulen. Die Module selbst werden gemäß dem ECTS Leitfaden im Europäischen Hochschulraum (ECTS Leitfaden 2015) ausgearbeitet und beschrieben. Dabei hat sich die Auflistung von erforderlichen Eingangskompetenzen und anvisierten Ausgangskompetenzen pro Modul als sehr hilfreich erwiesen, um stets ein kohärentes Curriculum zu verfolgen und aus dem daraus entstehenden komplexen Netzwerk die Reihenfolge der Module zu identifizieren.

Abbildung 1 Netzwerk der Abhängigkeiten der Eingangs- und Ausgangkompetenzen im BSc Curriculum Information Science an der FH Graubünden.

Abbildung 1

Netzwerk der Abhängigkeiten der Eingangs- und Ausgangkompetenzen im BSc Curriculum Information Science an der FH Graubünden.

Das Curriculum 2020

Das neu ausgearbeitete und ab Studienjahr 2020 gültige Curriculum weist vor allem strukturelle Veränderungen auf. Im Zuge der institutionellen Akkreditierung der FH Graubünden wurden die Fachbereiche angewiesen, die Studiengänge so zu gestalten und zu überarbeiten, dass sie den Studierenden einen ungehinderten Studienverlauf ermöglichen und eine aktive Rolle in der Gestaltung der Lernprozesse erlauben. Dafür wurde zum einen die Assessment-Stufe in den ersten zwei Studiensemester, an deren Ende Studierende 60 ETCS-Punkten erlangen mussten, abgeschafft. Zum anderen wurden den Modultypen Pflicht, Wahlpflicht und Wahl eine wesentlich höhere Bedeutung als bisher eingeräumt. Mit hochschulweit vorgegebenen Quoten von ca. 70 Prozent für Pflichtmodule, 25 Prozent für Wahlpflichtmodule und 5 Prozent für Wahlmodule sollen flexible Lernwege und ein studierendenzentriertes Lernen ermöglicht werden. Eine Änderung der Prüfungsordnung der FH Graubünden, bestehend aus einem hochschulweiten Rahmenreglement (Bekavac et al 2019) und jeweils einer Studien- und Prüfungsordnung (SPO) pro angebotenen Studiengang und angebotener Studienrichtung, hatte ebenfalls Auswirkung auf die Ausgestaltung des Curriculums. So gibt das Rahmenreglement vor, dass Pflichtmodule nach maximal zwei Versuchen bestanden werden müssen, ein Wahl(pflicht)modul, bei nicht-Bestehen, aber durch ein anderes Wahl(pflicht)modul ersetzt werden kann. Konsequenter Weise müssen also ausreichend Wahlpflicht- und Wahlmodule angeboten werden. Die Studien- und Prüfungsordnungen der einzelnen Studiengänge regeln dann die Details und beinhalten die Modulauflistung aufgeteilt in thematische Gruppen. So sind die Pflichtmodule in der SPO des BSc Information Science (Bekavac 2019a) unterteilt in die Themen:

  1. Informationswissenschaft

  2. Informationsmethodik

  3. Informatik

  4. Betriebsökonomie

  5. Arbeits- und Forschungs-Methodik

  6. Gesellschaft und Fremdsprachen

Zentral sind dabei die Bereiche Informationswissenschaft (Grundlagen, Theorie) und Informationsmethodik (v. a. Erschließung, Wissensorganisation/-repräsentation, Metadaten, Retrieval). Sie bilden eine informationswissenschaftliche Basis, deren Ausgangskompetenzen für die später im Studium angebotenen Schwerpunkte relevant sind.

Die anderen Themenbereiche vermitteln allgemeine Sozial-, Methoden-, Management- und IT-Kompetenzen (Betriebsökonomie, Arbeits- und Forschungsmethodik, Gesellschaft und Fremdsprachen, Informatik).

Eine zusätzliche Gruppe von Pflichtmodulen ist unter dem Label „Schwerpunkte allgemein“ zusammengefasst und beinhaltet Ausgangskompetenzen für Informationsberufe im Allgemeinen.

In den bisherigen Curricula mussten die Studierenden nach der Assessmentphase als Wahlpflicht zwingend einen Major wählen, aus dem sich dann die zu besuchenden Module ergaben. Aufgrund der vorgegebenen Quoten bei den Wahlpflichtmodulen, aber auch auf Anraten von Studierenden und Alumni im Rahmen der Überarbeitung des Curriculums, herrscht in der neuen SPO völlige Wahlfreiheit, d. h. die Vertiefungsmodule des Studiengangs sind neu in Schwerpunkte gruppiert und können von Studierenden beliebig kombiniert werden. Die Schwerpunkte entsprechen inhaltlich den bisherigen Major, erweitert durch den neuen Themenbereich Datenkompetenz:

  1. Bibliotheksmanagement

  2. Informations- und Medienmanagement

  3. Archivierung

  4. Web und Usability Engineering

  5. Datenkompetenz

Das bisherige Major-Konzept ist damit aber nicht ganz aus der Welt: Bei Belegung von definierten Modulen innerhalb der einzelnen Schwerpunkte, wird im Diplomzeugnis ein Major- oder Minor ausgewiesen (SPO BSc in Information Science, S. 8). In den genannten Schwerpunkten werden die spezifischen Inhalte für die jeweils typischen Berufsbilder vermittelt und somit die dazu notwendigen Ausgangskompetenzen erlangt.

Der Schwerpunkt Bibliotheksmanagement befasst sich mit der Erwerbung und Erschließung, mit Nutzerforschung, Planung, Management und Bau von Bibliotheken, mit modernen Dienstleistungen, Technologien sowie aktuellen Trends für Stellen in Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken.

Der Schwerpunkt Informations- und Medienmanagement thematisiert die bedarfsorientierte Beschaffung, Aufbereitung und Auswertung geschäftsrelevanter Information, die Wahl geeigneter Medien bei der Kommunikation in Organisationen sowie die Konzeption und den Einsatz organisationaler Informationssysteme, um die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen, Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen zu steigern.

Der Schwerpunkt Archivierung beschäftigt sich mit Informationsflüssen in Organisationen, dem Management von digitalen Dokumenten und der Verwaltung spezieller Medien wie z. B. Fotografien, Videos oder Datenbanken, um so den Archivierungsprozess zu unterstützen. Die Nähe zum Schwerpunkt Informations- und Medienmanagement ist offensichtlich, daher gibt es bei beiden Schwerpunkten Module, die sowohl für einen Major/Minor in Archivierung als auch in Informations- und Medienmanagement möglich sind.

Der Schwerpunkt Web und Usability Engineering lehrt die Konzeption, Gestaltung, Entwicklung und Evaluation von grafischen Benutzeroberflächen für unterschiedliche Endgeräte (Notebook, Tablet, Smartphone). Im Vordergrund stehen die Usability Evaluation sowie die Realisierung von Benutzerschnittstellen mit dem Responsive Design.

Der Umgang mit und die Auswertung von (Forschungs-)Daten ist bereits seit Jahren ein Thema innerhalb von Forschungs- und Entwicklungsprojekten des Schweizerischen Instituts für Informationswissenschaft[5]. Die Integration zugehöriger Kernthemen in den Pflichtmodulen sowie Vertiefung durch Wahlpflichtmodule des Schwerpunktes Datenkompetenz ist somit eine naheliegende Weiterentwicklung des Studiengangs.

Zudem werden bestimmte Themen im Verlauf des Studiums immer wieder aufgegriffen und vertieft. Ein solches sogenanntes Längsschnittthema sind z. B. Metadaten. Hier werden in den Pflichtmodulen die Grundlagen vermittelt (wie werden Information und Daten organisiert und anhand von Metadaten beschrieben), formal-technische Umsetzungen behandelt (XML, allg. Formate wie z. B. Dublin Core und standardisierte Schnittstellen wie z. B. OAI-PMH) und später in den Wahlpflichtmodulen der jeweiligen Schwerpunkte Domänen-spezifische Standards beleuchtet und anhand von Anwendungen demonstriert (z. B. EAD im Archivbereich oder MARC21 im Bibliotheksbereich). Dabei folgt der Ablauf schrittweise den verschiedenen Taxonomiestufen[6] aus den Modulbeschreibungen, so dass das Thema im Verlauf des Studiums immer weiter vertieft werden kann. Weitere Längsschnittthemen sind z. B. IT-Kompetenzen oder wissenschaftliches Arbeiten.

Bei den (freiwilligen) Wahlmodulen haben Studierende die Möglichkeit studiengangsübergreifende Angebote der FH Graubünden (z. B. Summer Schools) sowie (geeignete) Module anderer Studiengänge der FH Graubünden oder gar von anderen Hochschulen zu besuchen.

Fazit

Mit der vorgestellten Ausbildung im BSc in Information Science kann man, je nach Belegung der Wahlpflichtmodule aus den Schwerpunkten, diverse Berufsbilder aus dem Informationsbereich adressieren. Gemäß den Ergebnissen aus der letzten Absolventenbefragung im Jahr 2017 finden die allermeisten Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Abschluss eine verantwortungsvolle, gut bezahlte, aber auch herausfordernde Tätigkeit. Neben der Anstellung in klassischen informationswissenschaftlichen Berufen sind sie auch in neu entstandenen Berufsfeldern tätig, wie z. B. als Data und E-Librarian, Data Manager, Social Media Manager, Records Manager, User Experience Designer, Information Architect oder in den Bereichen des digitalen Marketings sowie der digitalen Langzeitarchivierung. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass das SII mit dem Curriculum in Information Science den aktuellen und mittelfristigen Bedarf des Arbeitsmarktes sehr gut abzudecken vermag. Der Abschluss nach dem neuen Curriculum 2020 sollten den Absolventinnen und Absolventen noch weitere Türen, v. a. im Datenbereich, öffnen. Der Fachbereich ist deshalb jetzt schon auf die nächste Absolventenbefragung gespannt.

Deskriptoren: Studium, Informationswissenschaft, Fachhochschule, Curriculum

Literatur

Alt, S., Bekavac, B., Dahinden, U. (2019). Absolventenstudie 2017 – Bachelorstudiengang Information Science, MAS Information Science, Masterstudienrichtung Information and Data Management. In. Churer Schriften zur Informationswissenschaft, Schrift 101, [10.7.2020].Search in Google Scholar

Bekavac, B., Hofstetter, R., Macek, I., Studer, B. (2019). Rahmenreglement für die Studien- und Prüfungsordnungen. Herausgegeben vom Hochschulrat der Fachhochschule Graubünden, [10.7.2020].Search in Google Scholar

Bekavac, B. (2019a). Studien- und Prüfungsordnung (SPO) BSc in Information Science (Weisung). Herausgegeben von der Hochschulleitung der Fachhochschule Graubünden, [10.7.2020].Search in Google Scholar

Bekavac, B. (2019b). Der Fachbereich Digital Science an der Hochschule für Technik und Wirtschaft. In: Bredemeier, Willi (Hrsg.): Zukunft der Informationswissenschaft – Hat die Informationswissenschaft eine Zukunft? Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin.Search in Google Scholar

Bekavac, B., Mumenthaler, R., Schade, E. und Stettler, N. (2015). Ein Curriculum für die professionelle Ausbildung von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren. In: Vernetztes Wissen. Online. Die Bibliothek als Managementaufgabe. In: Festschrift für Wolfram Neubauer zum 65. Geburtstag. Ball, R. & Wiederkehr, S. (Hrsg.), De Gruyter, 267–274, http://dx.doi.org/10.1515/9783110435818-026.Search in Google Scholar

Bloom et al. (1972). Taxonomy for Educational Objectives. The Classification of Educational Goals.Search in Google Scholar

Capatt, I. und Dahinden, U. (2010). Absolventenbefragung 2010 – Bachelorstudiengang Informationswissenschaft und Diplomstudiengang Information und Dokumentation der HTW Chur. In: Churer Schriften zur Informationswissenschaft, Reihe Berufsmarktforschung, Arbeitsbericht 5. Fachhochschule Graubünden, [10.7.2020].Search in Google Scholar

ECTS Leitfaden (2015). [10.7.2020].Search in Google Scholar

Herget, J. (2005). Die Churer Informationswissenschaft in Kürze: Forschung und Lehre auf internationalem Niveau. In: Churer Schriften zur Informationswissenschaft. Fachhochschule Graubünden, [10.7.2020].Search in Google Scholar

Herget, J. und Lang, N. (2004). Gegenwärtige und zukünftige Arbeitsfelder für Informationsspezialisten in privatwirtschaftlichen Unternehmen und öffentlich-rechtlichen Institutionen. In: Churer Schriften zur Informationswissenschaft. Reihe Berufsmarktforschung, Arbeitsbericht 3. Fachhochschule Graubünden, [10.7.2020].Search in Google Scholar

Mumenthaler, R. und Bekavac, B. (2015). Curriculumsreform des Bachelor-Studiengangs Information Science an der HTW Chur. In: Informationspraxis 1 / 2, http://dx.doi.org/10.11588/ip.2015.2.20175.Search in Google Scholar

Online erschienen: 2020-10-10
Erschienen im Druck: 2020-10-06

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