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Publicly Available Published by De Gruyter April 23, 2021

Rassistische Sprache – Eine Untersuchung zu Strategien für das Simultandolmetschen vom Englischen ins Deutsche hinsichtlich ihrer Praktikabilität

Racist Speech – An analysis of strategies in English-to-German simultaneous interpreting regarding their practicability
Quynh Anh Le ngoc
From the journal Lebende Sprachen

Abstract

This article offers an insight into strategies in English-to-German simultaneous interpretation that can be applied when a speaker uses racist language. Six interpreters were first introduced to a selection of strategies. They were then asked to interpret a staged panel discussion in which racist language was used. Each time they recognized racist speech they were supposed to intuitively apply one of the strategies they had previously been introduced to. In a final step, all six interpreters took part in a focus group interview during which they assessed the applied strategies and discussed difficulties.

The results from both the interpretations and the focus group interview illustrate how racist speech can be interpreted critically. They offer a new perspective on traditional translation and interpretation theories as well as on the role of interpreters. The article concludes with some ideas as to how the results could be incorporated into interpretation didactics. Given the fact that we live and work in a time in which power relations and the world’s landscape continue to shift and change, it appears appropriate to challenge the current self-image of interpreters.

1 Einleitung

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Simultandolmetschen vom Englischen ins Deutsche, konkret mit Strategien zum Umgang mit rassistischer Sprache und deren Praktikabilität.

Obwohl es auch in Dolmetschsituationen durchaus vorkommt, dass Redner*innen[1] rassistische Sprache verwenden, wurde dieses Problem in den Translationswissenschaften bisher kaum beachtet. Häufig wird Neutralität als Maßstab für jegliches translatorisches Handeln angesetzt, wodurch Theorien aus dem Blickfeld geraten, die sich kritisch mit Sprache auseinandersetzen und kreative Lösungen für das Dolmetschen diskriminierender Sprache aufzeigen. Das bringt Dolmetscher*innen, die diskriminierungsfreie Translate produzieren wollen, oftmals in Konflikte.

Der Beitrag verfolgt daher das Ziel, rassismuskritische Simultandolmetschstrategien in Bezug auf ihre Praktikabilität zu erforschen und ihre Anwendung mithilfe translationswissenschaftlicher Argumente zu begründen. Dadurch wird gleichzeitig ein neues Selbstverständnis eingefordert, das nicht mehr auf Neutralität fixiert ist, sondern Dolmetscher*innen als eigenverantwortliche Subjekte versteht und das Machtpotenzial hinter ihren Sprachhandlungen anerkennt[2].

Grundlage für diesen Beitrag bilden die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, in der sowohl quantitative als auch qualitative Methoden eingesetzt wurden[3]. Sechs Dolmetscherinnen waren angehalten, unter intuitiver Anwendung rassismuskritischer Strategien, welche Ihnen im Vorhinein mittels eines Hand-Outs vorgestellt wurden, ein gestelltes Podiumsgespräch mit eingebauten rassistischen Äußerungen zu verdolmetschen und sich anschließend in einem Fokusgruppeninterview über die Anwendung dieser Strategien auszutauschen.

Sowohl die Verdolmetschungen selbst als auch das anschließende Fokusgruppeninterview geben Aufschluss über die Praktikabilität der einzelnen Strategien und greifen die Zusammenhänge zwischen translationswissenschaftlicher Theorie, Sprache, Macht und der Rolle von Dolmetscher*innen auf. Abschließend wird reflektiert, wie die Erkenntnisse der Untersuchung zukünftig in die Wissensvermittlung im Studiengang Konferenzdolmetschen eingebunden werden können.

Im Folgenden werden zunächst Argumente aus der Translationswissenschaft thematisiert, die ein Eingreifen in den Originaltext legitimieren. Ausgehend von den gewonnenen Erkenntnissen wird anschließend auf die empirische Untersuchung eingegangen.

2 Rassismuskritisch dolmetschen – translationswissenschaftliche Grundlagen

Das Eingreifen bei rassistischer Sprache kann durch mehrere theoretische Ansätze legitimiert werden. Exemplarisch wird in diesem Kapitel auf Überlegungen aus der Leipziger Schule, der Skopostheorie sowie der Theorie des translatorischen Handelns eingegangen. Des Weiteren werden die Konzepte „Neutralität“ und „Loyalität“ vorgestellt. Im letzten Teil dieses Kapitels wird auf die postkoloniale und feministische Übersetzungswissenschaft Bezug genommen, da sich beide Strömungen dahingehend charakterisieren, dass sie Sprache und Macht in Relation setzen und folglich konkrete Strategien für einen machtsensiblen, kritischen Umgang mit Sprache in Translation formuliert und eingefordert haben. Die Auswahl der vorgestellten Überlegungen beschränkt sich dabei auf die für das Thema dieses Beitrags relevanten Aspekte.

Bereits 1960 wurde in Überlegungen der Leipziger übersetzungswissenschaftlichen Schule festgehalten, dass eine Translation nicht nur von linguistischen Faktoren abhängig ist, sondern dass auch die Pragmatik eine Rolle spielt (Neubert 1968). Im Zuge der sogenannten „pragmatischen Wende“ der Übersetzungswissenschaft erweiterte sich der zuvor primär auf den Ausgangstext und dessen Sender fokussierte Blick und berücksichtigt seither auch die Rezeptionssituation des Zieltexts. Ein Ausgangstext wird bekanntlich (normalerweise) für einen bestimmten Adressatenkreis der Ausgangssprache und ‑kultur formuliert; die Adressat*innen der Übersetzung (bzw. im Falle dieses Beitrags der Verdolmetschung) stehen bei der Formulierung des Ausgangstexts normalerweise nicht im Vordergrund. Bei der Translation muss demnach sichergestellt werden, dass das Translat für die Adressat*innen der Zielsprache den gleichen „Wert“ bzw. kommunikativen Effekt hat wie der Ausgangstext für das Ausgangstext-Publikum (vgl. Neubert 1968:244). Schon lange vor der Vermeer’schen Skopostheorie betont Neubert, dass sich Übersetzer*innen im Klaren darüber sein müssen, „was mit einer Übersetzung beabsichtigt ist, wem sie dient“ (vgl. Neubert 1968:244). Er erkennt somit die Wichtigkeit des Zwecks einer Übersetzung an.

Die Frage des Zwecks steht auch im Mittelpunkt der Skopostheorie (Reiß/Vermeer 1984). Dabei wird davon ausgegangen, dass Translation eine Sonderform von Kommunikation ist und somit, wie jede andere kommunikative Handlung auch, von einem Zweck (Skopos) bestimmt ist. Dieser Zweck richtet sich hierbei nach der Verwendung des Translats und den jeweiligen Adressat*innen (vgl. Prunč 2008:144). Aus dieser Perspektive nimmt der Ausgangstext eine untergeordnete Rolle ein und stellt lediglich ein „Informationsangebot“ dar, aus dem die für die Adressat*innen relevanten Informationen herausgefiltert werden müssen. Für Translator*innen ergibt sich dadurch die Freiheit, aber auch Verantwortung, zu entscheiden, „[...] ob, was und wie übersetzt/gedolmetscht wird“ (Reiß/Vermeer 1984:87).

Die Rolle von Translator*innen als Verantwortungsträger*innen mit Entscheidungsfreiheit/-macht wird auch in der Theorie des translatorischen Handelns von Justa Holz-Mänttäri hervorgehoben. Wie der Name bereits verdeutlicht, geht Holz-Mänttäri davon aus, dass Translation eine Handlung ist. Diese Handlung ist insofern sozial, als sie „in ein gesellschaftliches Handlungsgefüge [eingebettet]“ ist (Siever 2010:161). Handlungsgefüge meint dabei alle Personen, die am Auftrag beteiligt sind, und schließt somit u. a. auch Auftraggeber*innen (bei Holz-Mänttäri „Besteller“) und Redner*innen (bei Holz-Mänttäri „Ausgangstext-Produzent“) ein. Alle am Auftrag beteiligten Personen sind für die Produktion eines funktionsadäquaten Translats verantwortlich und müssen daher zusammenarbeiten (vgl. Weihs 2009:18). Dabei gilt es, möglichst detailliert festzulegen, „welche Botschaft, mit welchen Kommunikationsmedien zu welchem Zweck und für welche Adressatinnengruppe übermittelt werden soll“ (Kadrić/Kaindl/Kaiser-Cooke 2010:86). Damit wird erstens die alleinige Verantwortung von den Translator*innen genommen und zweitens deren Rolle als eigenständiges Individuum mit Entscheidungsmacht und Expertise betont.

Im Bereich Dolmetschen steht die praktische Umsetzung dieses Ansatzes gewissermaßen im Gegensatz zu der traditionellen Auffassung, Neutralität seitens der Dolmetscher*innen müsse als entscheidender Maßstab für ihre Handlungen gelten (vgl. Prunč 2012:351). Gemeinhin wird Neutralität als „möglichst [geringe] Einflussnahme auf den Zieltext seitens der Dolmetscherin“ aufgefasst (Heine 2018:29). Eine Vielzahl an Forschungsarbeiten belegt jedoch, dass es für Dolmetscher*innen nicht immer möglich ist, Distanz zu wahren und objektiv und unparteilich zu handeln (vgl. Prunč 2012:331). Exemplarisch sollen an dieser Stelle zwei Forschungsarbeiten genannt werden, in denen sichtbar gemacht wird, dass Neutralität nicht immer möglich, zielführend oder zweckgemäß ist. In ihrer Arbeit „Neutralität beim Dolmetschen – Versuch einer Begriffsdefinition und Analyse des Dolmetschsettings am Ruanda-Tribunal hinsichtlich seiner Neutralität“ untersucht Eleytheria Heine die Verdolmetschungen der Prozesse am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda (ICTR). Eines der zentralen Analyseergebnisse war, dass es vor allem bei Verdolmetschungen von Prozessen, in denen extreme Fälle thematisiert wurden, für die Dolmetscher*innen unmöglich war, Neutralität zu wahren (vgl. Heine 2018:53). „Innere“, emotionale Neutralität ist in diesem Fall ein Ideal, das in der Realität nur schwer erreichbar ist (Heine 2018:12). Aus einigen von der Autorin untersuchten Interviews geht außerdem hervor, dass Dolmetscher*innen des ICTR aufgrund ihrer Herkunft abgesprochen wurde, überhaupt neutral handeln zu können (vgl. Heine 2018:63). Daraus schlussfolgert Heine, dass Neutralität lediglich ein Konzept sei, auf das verschiedene Faktoren einwirken und das „über [seinen] Gegenstand definiert werden [muss]: Wem gegenüber? Worin? In was?“ (Heine 2018:29).

Die fehlende Einschränkung und Definition von Neutralität führen nicht selten dazu, dass Dolmetscher*innen vor Gericht eigenständig Entscheidungen treffen und ihre persönliche Meinung in die Kommunikationssituation einbringen, wenn sie denken, dass Aussagen den Erfolg der Kommunikation aufs Spiel setzen könnten (vgl. Hale 2013:327). Im Rahmen einer nationalen Studie in Australien untersuchte Sandra Hale u. a., wie sich Dolmetscher*innen vor Gericht verhalten, wenn sie das Gefühl haben, Aussagen könnten zu interkulturellen Missverständnissen führen. Auf die Frage: „Do you alert the court/tribunal to potential cross-cultural misunderstandings“ antworteten 55 % der Befragten „Ja, wenn die Intervention maßgeblich dazu beiträgt, ein potenzielles Missverständnis zu beseitigen“ (Hale 2013:327). Durch die Intervention positionieren sich die Dolmetscher*innen außerhalb der von ihnen erwarteten Rolle als neutrale Mittler*innen, was wiederum die Annahme stützt, dass in der Dolmetschpraxis kein Konsens darüber herrscht, was Neutralität konkret bedeutet und wie diese umgesetzt werden kann.

Die Pragmatik und der Zweck eines Translats und damit einhergehend die Reflexion über die Rolle von Translator*innen aber auch der Zusammenhang zwischen Translaten und ihrer sozialen sowie kulturellen Einbettung wurde im Kontext der sogenannten „kulturellen Wende“ der Geisteswissenschaften Anfang der achtziger Jahre immer wieder aufgegriffen. Diese interdisziplinäre Betrachtung von Translation, basierend auf der Überlegung, dass Translation ein komplexer Vorgang sei und es nicht ausreiche, sich lediglich auf die sprachliche Oberfläche des Ausgangstextes zu konzentrieren, sowie es viele bis dahin dominante Übersetzungstheorien taten, stieß auf immer mehr Resonanz (vgl. Witte 2017:14). Zwei in diesem Zusammenhang prägende Forschungsbereiche waren die postkoloniale und feministische Übersetzungswissenschaft. Beide legten ihren Fokus auf diskriminierende Sprache als ein Ergebnis ungleicher Machtverhältnisse und erarbeiteten Translationsstrategien, die es ermöglichen ebenjene Sprache sichtbar zu machen, zu kritisieren und zu verändern.

In der feministischen Übersetzungswissenschaft, die ihre Anfänge in den 70er Jahren findet, wurde u. a. eine kritische Analyse des Ausgangstexts bezüglich diskriminierender Elemente gefordert. Ausgehend von dieser Analyse könne sich schließlich im Translat gezielt von den vermittelten Positionen distanziert werden. Translation wurde demnach als politische Handlung verstanden, mittels derer feministische Aspekte sichtbar gemacht werden können (vgl. Fichtenbauer 2013:26). Für Translator*innen bedeutete diese proaktive Umsetzung von Translation, dass sie sich selbst in den Text einbrachten und zur Autorin erhoben (vgl. Stolze 2011:209). Translationsstrategien, die vorgeschlagen wurden, umfassten Fußnoten, Kommentare, Vor- und Nachworte oder unmittelbare Texteingriffe. Luise von Flotow kategorisiert diese Strategien in ihrem Werk „Translation and Gender: Translating the era of ‘feminism’“ (1997) wie folgt:

  1. Supplementing: Mit dieser Strategie können Übersetzer*innen Textstellen ergänzen, indem sie Zusatzinformationen hinzufügen.

  2. Prefacing und footnoting: Diese Strategien umfassen das Verfassen von Einleitungen, Vorworten, Nachworten und/oder Fußnoten, in denen Übersetzer*innen ihr Translat reflektieren, statt direkt in den Text einzugreifen. Somit können sie Eigenheiten des Ausgangstexts beibehalten aber gleichzeitig bestimmte Textstellen kommentieren.

  3. Hijacking: Hijacking bezeichnet Übersetzungsstrategien, bei denen mit gezielten Formulierungen bewusst in sprachliche Diskriminierungen eines Textes eingegriffen wird, um Frauen in der Sprache sichtbar zu machen und die politische Meinung der Übersetzer*innen einfließen zu lassen (vgl. Schmitz 2009:47).

Auch in der postkolonialen Übersetzungswissenschaft lag der Fokus auf asymmetrischen Machtverhältnissen und deren Verhältnis zu Translation. Anders als bei der feministischen Übersetzungswissenschaft war hier allerdings Ausgangspunkt der Analyse die durch den Kolonialismus und seine Folgen ausgelöste Unterdrückung marginalisierter Menschen. Prunč formuliert die zwei zentralen Anliegen der Strömung wie folgt:

[die postkoloniale Übersetzungswissenschaft] wollte zeigen, wie Translation der offenen oder verdeckten Kontrolle kolonialer Kulturen dienen kann und [aufdecken], wie die politische und kulturelle Ungleichheit in die übersetzten Texte und so auch nach dem Zusammenbruch des Kolonialismus fortgeschrieben wird. (Prunč 2012:296–297)

So wurde, wie auch in der feministischen Übersetzungswissenschaft, gefordert, den Ausgangstext hinsichtlich der in ihm vermittelten Machtverhältnisse, Ideologien und Diskurse zu analysieren. Tymoczko betont in diesem Kontext, dass es vor allem bei Texten, die an das Zielpublikum einer dominanten Kultur gerichtet sind, wichtig sei, Textinhalte zu interpretieren, zu bewerten und folglich zu entscheiden, ob sie assimilierend oder verfremdend übersetzt werden. Für Textelemente, für die es in der Zielkultur kein Äquivalent gibt, schlägt sie vor, die ausgangssprachliche Variante beizubehalten (vgl. Bassnett/Trivedi 1999:14). Anders ausgedrückt, heben postkoloniale Übersetzungswissenschaftler*innen das Potenzial von Übersetzungen zur gesellschaftlichen Kritik und Veränderung hervor (vgl. Stolze 2011:216).

Ungleiche Machtverhältnisse spiegeln sich auch heute noch in Translationssituationen wider. Es geht um die Fragen, wer die Macht hat zu bestimmen, was übersetzt/gedolmetscht wird, wer in der Position ist, einen Auftrag zu vergeben oder welche Personen das Translat überhaupt sprachlich verstehen können. Sprache und Translation stehen in all diesen Punkten im direkten Zusammenhang zu Macht, denn erst wer gehört wird bzw. sprachlich verstehen kann, worum es in einem Austausch geht, kann gleichberechtigt an gesellschaftlichen Diskursen teilhaben. Prunč schreibt hierzu:

Translation als gesellschaftlich gesteuerter [...] Prozess ist von der Selektion der Texte, die in den Prozess einbezogen werden, über die operativen Entscheidungen bei der Herstellung eines Translats bis zu seiner Implementierung in die Zielkultur ein permanenter Entscheidungsprozess. An seinen Schlüsselpositionen sind Translatoren als Fachleute für transkulturelle Kommunikation involviert. Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich Translatoren diesen Entscheidungsprozessen durch Nicht-Entscheidung entziehen könnten. Dies gilt auch dann, wenn man aufgrund des mechanischen Stereotyps von Translation als bloßer Transkodierung oder „objektiver“ Nachbildung des AT ausgeht. [...] Auf einer historischen und sozial-ethischen Metaebene ist nämlich festzustellen, dass [Translatoren] durch Transkodierung jeweils spezifischen Ideologien und Interessen dienen, die das Interpretationsmonopol bestimmten Interaktionspartnern vorbehalten wollen. (Prunč 2012:342–343)

Translation kann demnach als „interessen-, ideologie- und machtgeleitetes Konstrukt“ verstanden werden (Prunč 2008:20). Translator*innen kommt in diesem Kontext eine wichtige Rolle zu, da sie in Translationssituationen als Sprach- und Kulturmittler*innen das Bindeglied zwischen den verschiedenen Machtpositionen darstellen. Translator*innen können Wissen bewusst selektieren, aufarbeiten und strukturieren sowie Informationen verschweigen, verfälschen und verweigern (vgl. Prunč 2012:313). In demokratischen Translationskulturen macht sie das zu ethischen Subjekten, die durch ihren Beruf die Möglichkeit haben, aktiv an der Wissenskonstruktion der Kultur, in der sie agieren, teilzuhaben. Ihre Entscheidungsmacht kann genutzt werden, um Probleme sichtbar zu machen, neue Blickwinkel zu schaffen, Diskurse anzustoßen und die Gesellschaft, Kommunikation und Kultur neu zu formen (vgl. Prunč 2012:342).

Werden diese theoretischen Überlegungen auf das Dolmetschen rassistischer Sprache übertragen, bedeutet das, dass Dolmetscher*innen auch hier nach eigenem Ermessen und in ihrer Rolle als selbstverantwortlich handelnde Subjekte entscheiden können, ob und wie sie rassistische Sprache dolmetschen. Für diejenigen, die die Entscheidung treffen, rassismuskritisch dolmetschen zu wollen, sollen nun mögliche Strategien vorgestellt werden. Da die Frage nach konkreten Möglichkeiten und Grenzen rassismuskritischer Interventionen in Sprache bisher in der Dolmetschwissenschaft wenig diskutiert wurde, beruft sich die Arbeit auf Strategien, die aus anderen Disziplinen auf das Dolmetschen übertragen wurden. Sie sind zum Teil an Übersetzungsstrategien aus der feministischen und postkolonialen Übersetzungswissenschaft angelehnt; weitere Vorschläge stammen von Sprachwissenschaftler*innen und praktizierenden Dolmetscher*innen. Die vorgestellten Strategien erheben folglich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern dienen einer rein exemplarischen Darstellung.

3 Rassismuskritische Simultandolmetsch-strategien – Überblick

In Anlehnung an das von Pöchhacker (1994) vorgeschlagene mehrdimensionale Handlungsrahmenmodell werden die folgenden Strategien verschiedenen Phasen zugeordnet: vor dem Einsatz, während des Einsatzes, nach dem Einsatz. Damit soll verdeutlicht werden, dass nicht nur während der eigentlichen Verdolmetschung die Möglichkeit besteht, rassismuskritisch zu intervenieren, sondern innerhalb des gesamten Handlungsrahmens, in den die Verdolmetschung eingebettet ist.

1) Vor dem Einsatz

Vor dem Einsatz können sich Dolmetscher*innen entscheiden, einen Auftrag anzunehmen oder abzulehnen. Eine Auftragsablehnung ist aus ethischen, moralischen, ideologischen oder professionellen Gründen möglich (vgl. Prunč 2012:343). Das wäre z. B. der Fall, wenn absehbar ist, dass Redner*innen rassistische Inhalte oder Positionen teilen werden und somit auch im Translat rassistische Inhalte reproduziert werden müssten.

Eine weitere Strategie stellt das Aushandeln des Translationsauftrags dar. Ausgehend von der bereits erwähnten Theorie des translatorischen Handelns, welche besagt, dass alle am Translationsprozess beteiligten Personen für den Erfolg eines Translats Verantwortung tragen müssen, ist es auch die Pflicht von Dolmetscher*innen, Auftraggeber*innen über Bedenken zu informieren und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten (vgl. Snell-Hornby et al. 2006:106). Konkret könnte das bedeuten, dass Dolmetscher*innen Vorbereitungsmaterial hinsichtlich rassistischer Inhalte analysieren. Sollten sie problematische Stellen finden, können sie die entsprechenden Personen darauf hinweisen und um Änderung bitten. Kommt es zu einem Konsens unter den beteiligten Parteien, wäre die Forderung nach Funktionsadäquatheit für alle am Kommunikationsprozess Beteiligten erfüllt. Pöchhacker kritisiert an den funktionalen Handlungstheorien, dass diese zwar auf das Übersetzen anwendbar sind, beim Dolmetschen allerdings oft an ihre Grenzen stoßen (vgl. Pöchhacker 1994:40). So weist er zum Beispiel darauf hin, dass Redemanuskripte, die Dolmetscher*innen im Vorhinein erhalten, dem gesprochenen Wort untergeordnet sind und somit nur eine Orientierung darstellen können (vgl. Pöchhacker 1994:40). Pöchhackers Kritik unterstreicht allerdings die Notwendigkeit der kooperativen Auftragsaushandlung, denn selbst ohne Vorbereitungsmaterial, wie z. B. Redemanuskripte, können Dolmetscher*innen im Verhandlungsprozess festlegen, unter welchen Bedingungen und wie sie dolmetschen. Dementsprechend könnte eine solche Festlegung lauten, dass im Falle rassistischer Sprache interveniert wird.

Eine weitere Strategie, die bereits vor dem tatsächlichen Dolmetscheinsatz angewendet werden kann, ist die Vorstellung des persönlichen Berufsethos. Diese Strategie ist von den klassischen Vorworten abgeleitet, die u. a. von feministischen Übersetzer*innen genutzt wurden, um sich in Bezug auf das Translat selbst zu positionieren und sich als eigenverantwortlich handelndes Subjekt sichtbar zu machen, indem das eigene Verständnis von Sprache, Translation sowie der Translationsprozess erklärt wurden (vgl. Schmitz 2009:58). Auch Dolmetscher*innen können im Rahmen der Auftragsaushandlung ihre eigene Positionierung sowie Arbeitsweise darlegen, beispielsweise in Form eines Dokuments, das an den Schriftverkehr angefügt wird, mittels eines Verweises auf die eigene Homepage, auf der die oben erwähnten Themen in Form von Leitlinien formuliert sind oder im direkten Gespräch mit den Auftraggeber*innen (vgl. Schmitz 2009:60).

2) Während des Einsatzes

Während eines Dolmetscheinsatzes stehen Dolmetscher*innen eine Reihe an Strategien zur Verfügung, mittels derer sie auf rassistische Äußerungen reagieren können. Die erste mögliche Strategie besteht darin, die rassistische Äußerung zu dolmetschen und sich anschließend mittels eines kurzen Kommentars vom Gesagten zu distanzieren und/oder eigene inhaltliche Ergänzungen vorzunehmen (vgl. Schmitz 2009:58). Im Prinzip könnte also von einer mündlichen Fußnote gesprochen werden. Die Strategie des aktiven Verwendens von Fußnoten, um die eigene Position sowie eine Distanzierung vom Ausgangstext zu verdeutlichen, fand ebenfalls häufig Anwendung in den feministischen Übersetzungswissenschaften (vgl. Schmitz 2009:58). An dieser Stelle soll angemerkt werden, dass das Einfügen eines Kommentars auch bei Dolmetscheinsätzen keine Seltenheit darstellt und häufig genutzt wird, um anzumerken, dass beispielsweise der Ton schlecht ist oder die Sicht auf den*die Redner*in eingeschränkt.

Eine zweite Strategie ist der Wechsel in die dritte Person Singular, der gegebenenfalls mit einem kurzen Kommentar einhergehen kann. Durch diesen Wechsel können Dolmetscher*innen verdeutlichen, dass das Gesagte nicht ihrer Meinung entspricht (vgl. Schmitz 2009:58f.). Mit dem Wechsel in die dritte Person Singular kann sich vom Originaltext distanziert und deutlich hervorgehoben werden, dass nicht der*die Dolmetscher*in, sondern der*die Redner*in gerade die rassistische Äußerung getätigt hat. Diese Form des Dolmetschens wird auch als referierendes Dolmetschen bezeichnet (vgl. Prunč 2012:163).

Wenn eine Bezeichnung oder Äußerung als derart problematisch eingestuft wird, dass eine bloße Distanzierung mittels eines erklärenden Kommentars nicht mehr ausreichen würde, können diese „sprachlichen Diskriminierungen [...] eigeninitiativ [ausgeräumt werden]“, indem sie durch eine diskriminierungsfreie Alternative ersetzt werden (Schmitz 2009:60). Die Strategie des Ersetzens problematischer Textstellen dient/diente feministischen Übersetzer*innen dazu, sich den Zieltext anzueignen und ihn neu zu kontextualisieren (vgl. Schmitz 2009:51). Wenn es sich bei der rassistischen Äußerung um eine Fremdbenennung handelt, können Dolmetscher*innen diese im Zieltext durch die entsprechende Selbstbenennung ersetzen. Selbstbenennungen stellen eine zentrale Forderung der angewandten Sprachwissenschaft und Antidiskriminierungsforschung dar und zählen zu einem der Grundprinzipien rassismuskritischer Leitfäden (vgl. Reisigl 2017:96). Sie sind hierbei einerseits als Reaktion auf rassistische Fremdbenennungen und andererseits als politische Haltung in Bezug auf diese zu verstehen. Durch die Verwendung von Selbstbenennungen können durch Rassismus diskriminierte Menschen sichtbar gemacht werden und gleichzeitig gesellschaftliche Machtasymmetrien aufgezeigt werden (vgl. Arndt/Ofuatey-Azard 2011:14). Ihre Verwendung kann schließlich dazu beitragen, koloniale oder rassistische Denkstrukturen aufzubrechen und Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs zu nehmen (vgl. Nduka-Agwu/Hornscheidt 2013:45).

Handelt es sich bei der rassistischen Äußerung um einen Witz mit rassistischem Inhalt, können Dolmetscher*innen intervenieren, indem sie diesen Witz paraphrasieren oder ihn als solchen benennen. Die Paraphrasierung ist an sich eine gängige Strategie, die Gile (1995) den Reformulierungstechniken zuordnet und die er vorschlägt, wenn Dolmetscher*innen einen Terminus nicht verstanden haben oder das Äquivalent dafür nicht kennen (vgl. Gile 1995:198). Es kann außerdem vorkommen, dass in der Zielsprache kein Äquivalent existiert (vgl. Snell-Hornby et al. 2006:171) oder eine Übertragung nicht gewünscht ist. Der Fokus kann dann auf die Übertragung des Sinns gelegt werden (vgl. Snell-Hornby et al. 2006:286). So könnte die Verdolmetschung lauten: „Die Verdolmetschung pausiert aufgrund eines rassistischen Witzes.“

An dieser Stelle ist es notwendig anzumerken, dass das Ersetzen rassistischer Sprache auch dazu führt, dass diese dem Publikum vorenthalten wird. „Potenziell kritische Stellungnahmen seitens der Zuhörer*innenschaft [werden dadurch] verunmöglicht“ (Schmitz 2009:61). Ein in diesem Zusammenhang häufig angebrachtes Argument lautet weiterhin, dass ein Zensieren/Korrigieren der Wortwahl, die Intention der Redner*innen verfälschen würde (vgl. Schmitz 2009:61). Dies kann, muss aber nicht der Fall sein. Erkennen Dolmetscher*innen, dass die rassistische Äußerung nicht intendiert war, sondern höchstwahrscheinlich auf ein mangelndes Bewusstsein zurückzuführen ist, können sie die Äußerung im Sinne des Loyalitätsprinzips nach Nord und dem darin enthaltenen Postulat der Konfliktprävention zensieren/korrigieren.

Dem ist jedoch hinzuzufügen, dass die Intention der Redner*innen, trotz Analyse der Kommunikationssituation und der sonstigen von ihnen genutzten sprachlichen Mittel, häufig nur gemutmaßt werden kann (vgl. Nobs/Pradas Macías/Fernández Sanchez 2011:208). So kann es durchaus sein, dass die Intention tatsächlich rassistisch motiviert war. Ein Ersetzen der rassistischen Sprache würde den*die Redner*in demnach unangreifbar machen. Um dieses Dilemma zu umgehen, können Dolmetscher*innen bei der Übertragung in die Zielsprache ergänzend und korrigierend zugleich vorgehen.

Eine erste Möglichkeit besteht darin, die rassistische Äußerung zunächst zu verdolmetschen, sich anschließend durch einen Kommentar vom Gesagten zu distanzieren und zugleich die alternative, nicht-rassistische Wortwahl zu nennen, die im weiteren Verlauf der Verdolmetschung verwendet wird (vgl. Schmitz 2009:61). Beispielsweise könnte die Verdolmetschung wie folgt lauten: „[Reproduktion der rassistischen Äußerung]. Die Dolmetscherin distanziert sich von dieser rassistischen Äußerung und verwendet fortan das Wort [diskriminierungsfreie Alternative].“

Handelt es sich bei der rassistischen Äußerung um eine Fremdbenennung, kann die diskriminierungsfreie Alternative daraus bestehen, die Fremdbenennung auf ihren Anfangsbuchstaben zu reduzieren (vgl. Arndt/Hornscheidt 2009:64f.). Schmitz bezeichnet diese Strategie auch als „transparente Zensur“ und schlägt für das Simultandolmetschen eine Kombination aus ebendieser und einem kurzen Kommentar vor (vgl. Schmitz 2009:63). Die Dolmetscherin reproduziert demnach einmalig die rassistische Äußerung, distanziert sich anschließend mittels eines kurzen Kommentars von der Bezeichnung und erklärt, dass sie diese im weiteren Verlauf auf den Anfangsbuchstaben reduzieren wird. Die Strategie der transparenten Zensur wird auch von einer praktizierenden Dolmetscherin vorgeschlagen, die im Rahmen einer qualitativen Studie zum Thema kreativer Möglichkeiten, Rassismus durch Sprache Widerstand zu leisten, gefragt wurde, wie sie reagiert, wenn das N-Wort in einer Arbeitssituation vollständig ausgesprochen wird. Sie antwortete, dass sie in solch einer Situation jedes Mal den Satz: “The speaker is using the n-word“ nutzt (vgl. Otoo 2017:296). Damit zeigt sie, dass rassistisches Vokabular benutzt wurde, distanziert sich jedoch gleichzeitig davon und verdeutlicht, dass die Verwendung des eigentlichen Wortes inakzeptabel ist (vgl. Otoo 2017:296).

3) Nach dem Einsatz

Die Phase nach einem beendeten Einsatz kann genutzt werden, um Entscheidungen während des Einsatzes zu begründen. So können Dolmetscher*innen ihren Standpunkt im Rahmen eines Feedbacks äußern (vgl. Schmitz 2009:60). Dieses Feedback wird als Strategie eingestuft, da es bewusst und beabsichtigt erfolgt. Ziel ist hierbei, die Stärkung des gegenseitigen Verständnisses und die Sensibilisierung aller am Translationsprozess beteiligten Personen für Rassismus und rassistische Sprache.

Bei der Entscheidung für oder gegen die Anwendung alternativer (Simultan-) Dolmetschstrategien, wird oftmals der Faktor Zeit als entscheidendes Kriterium herangezogen (vgl. Betz 2012:4–5). Es wird argumentiert, die décalage wäre bei der Anwendung bestimmter Strategien zu groß, was sich folglich negativ auf die Leistung der Dolmetscher*innen auswirkt. In empirischen Untersuchungen konnte jedoch festgestellt werden, dass der Faktor Zeit relativ ist und die Arbeit mit einer größeren décalage kein Hindernis darstellt, wenn die Strategien, die mit einer größeren décalage einhergehen, bereits automatisiert worden sind. So fasst Kalina (1994) strategisch automatisierte Prozesse unter der Bezeichnung Automatismen zusammen und hält fest, dass eine Strategie automatisiert werden kann, wenn sie häufig erfolgreich eingesetzt wurde. Wenn eine Automatisierung der Strategie erreicht wurde, kann die kognitive Belastung von Dolmetscher*innen in der spezifischen Dolmetschsituation sogar reduziert werden (vgl. Kalina 1994:121).

Zu demselben Ergebnis kommt auch Betz (2012), die in ihrer Diplomarbeit „Anwendung geschlechtersensibler Sprache im Simultandolmetschen Spanisch-Deutsch – eine Untersuchung zu Möglichkeiten und Strategien” herausfinden wollte, welche Strategien der geschlechtergerechten Sprache sich unter Berücksichtigung der dolmetschrelevanten Parameter Zeit, Syntax, Vertrautheit aus der Alltagssprache und Rezipientinnentauglichkeit für das Simultandolmetschen eignen. Die Auswertung ihrer empirischen Untersuchung, im Rahmen derer die Proband*innen angehalten waren, während des Dolmetschens geschlechtergerechte Sprache anzuwenden, zeigte, dass in der Verdolmetschung am zweithäufigsten eine Beidnennung erfolgte, obwohl diese Strategie mit einem deutlich größeren Zeitverlust einhergeht. Die Vertrautheit aus dem Alltag war allerdings ein ausschlaggebender Faktor für die Anwendung (vgl. Betz 2012:78). Der Faktor Zeit spielte folglich nur eine untergeordnete Rolle und hatte keine negativen Auswirkungen auf die Qualität der Verdolmetschung.

Nachdem nun aufgezeigt wurde, welche translationswissenschaftlichen Argumente ein Eingreifen in diskriminierende Sprache legitimieren und mögliche rassismuskritische Handlungsstrategien für Dolmetscher*innen betrachtet wurden, soll im Folgenden auf die empirische Untersuchung eingegangen werden.

4 Forschungsdesign

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, liegt dieser empirischen Untersuchung ein gemischtes Forschungsdesign zugrunde, das aus einer qualitativen Beobachtung und einem Fokusgruppeninterview bestand. Gegenstand der nicht-teilnehmenden, offenen Beobachtung war eine Simultanverdolmetschung eines geskripteten Podiumsgesprächs, bei dem Menschen mit englischer Muttersprache unter gelegentlicher Verwendung rassistischer Sprache miteinander über das Thema „Rassismus in Kinderbüchern und den Medien“ sprachen. Im anschließenden Fokusgruppeninterview konnten die Proband*innen in freier Form auf alle Aspekte ihrer Dolmetschleistung eingehen.

Unter Rücksichtnahme der gängigen Empfehlungen für Fokusgruppeninterviews (Schulz/Mack/Renn 2012) wurde eine Anfrage formuliert, die über den E-Mail-Verteiler des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) an die Studierenden des Instituts versendet wurde. Außerdem erfolgte die Auswahl der Proband*innen durch persönliche Anfrage an bekannte Kolleg*innen. Da der Untersuchungsgegenstand eine Verdolmetschung ins Deutsche sein sollte, spielte es nur eine untergeordnete Rolle, ob Englisch die B- oder C-Sprache der Proband*innen ist. Angesichts der Komplexität der zu untersuchenden Simultandolmetschstrategien und ausgehend von dem Ziel, die Anwendbarkeit dieser Strategien für eine reale Arbeitssituation zu überprüfen, sollten lediglich bereits praktizierende Dolmetscher*innen oder Studierende, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, angesprochen werden. Weitere Voraussetzungen waren Vorkenntnisse und eine Sensibilisierung bezüglich rassistischer Sprache und Rassismusdebatten, da die Anwendung der zu untersuchenden Simultandolmetschstrategien das Erkennen rassistischer Sprache voraussetzte. Sechs Personen meldeten sich auf die Anfrage hin zurück.

Zeitgleich zu der Suche nach geeigneten Proband*innen für die Verdolmetschung und das Fokusgruppeninterview wurden Teilnehmende für die geplante Podiumsdiskussion gesucht. Um eine echte Arbeitssituation so realistisch wie möglich zu imitieren, wurden nur Personen gesucht, die Englisch als Muttersprache sprechen. Auch hier wurde im ersten Schritt eine Anfrage formuliert, die dann über den E-Mail-Verteiler des IALT sowie die sozialen Medien verbreitet wurde. In der Anfrage wurde außerdem darauf verwiesen, dass das Spielen eines Podiumsteilnehmenden im Rahmen des Experiments die Reproduktion rassistischer Sprache erfordern würde. Drei Personen meldeten sich auf die Anfrage zurück.

Nachdem sowohl die Proband*innen für die Verdolmetschung und das Fokusgruppeninterview als auch die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion feststanden, wurde ersteren per E-Mail ein PDF-Dokument geschickt, das eine Übersicht zu rassismuskritischen Simultandolmetschstrategien, einen Leitfaden zum Erkennen rassistischer Sprache sowie einen Übungsteil zur schriftlichen Anwendung der vorgestellten Strategien enthielt.

Die Teilnehmenden der gestellten Podiumsdiskussion erhielten ebenfalls ein PDF-Dokument zur Vorbereitung. Darin wurden die Positionen festgehalten, die sie in der Diskussion einnehmen sollten sowie bekannte Zitate aufgeführt, die für ihre rassistischen Inhalte in der Kritik stehen. Zwei der drei Teilnehmenden erhielten außerdem Vorschläge, welche Äußerungen sie während des Gesprächs in ihre Redebeiträge einbauen könnten.

Sowohl das 20-minütige zu verdolmetschende Podiumsgespräch als auch die Verdolmetschungen und das Fokusgruppeninterview fanden am 27.02.2018 in der Dolmetschtrainingsanlage (DTA) der Universität Leipzig statt und wurden, unter Einverständnis aller Mitwirkenden, aufgezeichnet und anschließend transkribiert.

Ergebnisse

Die Auswertung der Daten erfolgte auf Grundlage der erstellten Transkripte. Da die Fragen offen formuliert waren und die einzelnen Proband*innen folglich auf eine Frage sehr unterschiedliche Antworten gaben und Aspekte benannten, erschien es wenig sinnvoll, eine Auswertung in Reihenfolge der Fragen vorzunehmen. Aus diesem Grund erfolgte eine qualitative Inhaltsanalyse mittels eines Kategoriensystems nach Mayring (2010). Häufig genannte Aspekte oder prägnante Aussagen, die einen Diskussionsimpuls gaben und von unterschiedlichen Proband*innen kommentiert wurden, wurden herausgefiltert und zu einer Kategorie gebündelt (vgl. Mayring 2010:83–85). Dieser Auswertungsschritt erfolgte außerdem computergestützt durch die Anwendung der Software MAXQDA, mit der Daten und Texte qualitativ analysiert werden können. Die Analyse des Datenmaterials ergab folgendes System aus Kategorien und Unterkategorien:

  1. Kategorie K1: angewendete Simultandolmetschstrategien

    1. Unterkategorie K1.1 Entscheidungsbegründung

  2. Kategorie K2: Informationsverlust

  3. Kategorie K3: erhöhter Kapazitätsverbrauch

  4. Kategorie K4: Rolle von Dolmetscher*innen

  5. Kategorie K5: Haltung der Proband*innen

  6. Kategorie K6: Beziehung zwischen Dolmetscher*in und Redner*in

  7. Kategorie K7: Automatisierbarkeit der angewendeten Simultandolmetschstrategien

Angewendete Simultandolmetschstrategien

Alle sechs Proband*innen erwähnten zunächst die Simultandolmetschstrategien, die sie ihrer Erinnerung nach verwendet hatten. Diese umfassten:

Tabelle 1

Angewendete Simultandolmetschstrategien

Simultandolmetschstrategie Häufigkeit der Nennung
Ergänzender Kommentar 4
Transparente Zensur 1
Reproduktion + Kommentar + alternative Wortwahl 1
Wechsel in die 3. Person 2
Paraphrasieren 1

Aus den Transkripten der Verdolmetschungen geht ebenfalls hervor, dass die Strategie des ergänzenden Kommentars mit Abstand am häufigsten angewendet wurde. Der ergänzende Kommentar wurde von den Proband*innen u. a. wie folgt formuliert:

  1. „Die Dolmetscherin distanziert sich hier von der Sichtweise des Redners.“

  2. „Die Dolmetscherin distanziert sich von dieser Aussage.“

Es überrascht, dass sich am häufigsten für den ergänzenden Kommentar entschieden wurde, da dieser wesentlich mehr Sprechzeit erfordert. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Strategie deshalb so häufig gewählt wurde, weil im Grunde, wenn durchdacht formuliert, ein einziger Satz ausreicht, um sich von einer rassistischen Äußerung zu distanzieren. Außerdem kann derselbe Satz bei jeder folgenden rassistischen Äußerung erneut verwendet werden. Somit ist die Strategie sehr praktikabel, da sie leicht automatisierbar und auf verschiedenste Aussagen übertragbar ist.

Interessanterweise wurde die Simultandolmetschstrategie, bei der das rassistische Wort zunächst reproduziert, anschließend kommentiert und mit einer alternativen Wortwahl ersetzt wird (Reproduktion + Kommentar + alternative Wortwahl), im Fokusgruppeninterview nur einmal genannt. Die Verdolmetschungen zeigen allerdings, dass vier der sechs Proband*innen sich für diese Strategie entschieden und zwar in allen Fällen, in denen der Redner das Wort „n*gro[4]“ verwendete. Die alternative Wortwahl bestand dabei ausnahmslos aus der „transparenten Zensur“, bei der die rassistische Bezeichnung auf ihren Anfangsbuchstaben reduziert wird. So dolmetschte eine Probandin beispielsweise: „Mein Vater ist ein N*gerkönig. Kommentar der Dolmetscherin: Das Wort ist rassistisch und wird in der Folge durch das N-Wort ersetzt.“

Dass diese Strategie ebenfalls häufig genutzt wurde, könnte daran liegen, dass die Proband*innen, laut eigener Aussage, bezüglich Rassismus bereits gebildet waren und sich auch in der Vergangenheit bereits mit rassistischer und rassismuskritischer Sprache im Allgemeinen auseinandergesetzt hatten. Somit mussten sie das alternative Wort für die rassistische Bezeichnung nur noch abrufen. Die Strategie der transparenten Zensur ohne vorheriges Reproduzieren und Kommentieren der rassistischen Bezeichnung wurde ebenfalls von allen Proband*innen angewendet, obwohl sie als solche nur einmal im Fokusgruppeninterview genannt wurde.

Die Wahl einer Strategie erfolgte sowohl geplant als auch spontan. So gab eine Probandin beispielsweise an, sich im Vorhinein bewusst für die Simultandolmetschstrategie Reproduktion + Kommentar + alternative Wortwahl entschieden zu haben, um in Bezug auf das problematische Wort im weiteren Verlauf der Verdolmetschung nicht noch einmal einen Kommentar einfügen zu müssen. Eine wiederum andere Probandin erklärte, sich bewusst für eine Strategie entschieden zu haben, die Rassismus nicht verschleiere. Weitere Proband*innen wählten die rassismuskritische Simultandolmetschstrategie spontan nach jeder erkannten rassistischen Äußerung. Aus diesen Aussagen könnte sich schlussfolgern lassen, dass es für die erfolgreiche Realisierung einer rassismuskritischen Simultandolmetschstrategie unerheblich ist, ob diese bewusst oder ungeplant getroffen wurde.

Informationsverluste und deren Ursachen

Vier Proband*innen erwähnten konkret, dass es bei ihnen durch die Anwendung einer rassismuskritischen Simultandolmetschstrategie zu Informationsverlusten im Zieltext kam. So gab eine Probandin an, nach jeder Anwendung einer rassismuskritischen Simultandolmetschstrategie Probleme gehabt zu haben. Der Blick auf ihre Verdolmetschung macht allerdings deutlich, dass ihr nur bei zwei von insgesamt sieben erkannten rassistischen Äußerungen der jeweilige Folgesatz entging. Für sie ergab sich die Schwierigkeit vor allem dadurch, dass die Strategien und deren Anwendung neu und ungewohnt waren und sie folglich noch nicht geübt darin war. Bei einer weiteren Probandin ergab sich ein ähnliches Bild. Es kam lediglich bei einer von sieben erkannten rassistischen Äußerungen zu einem Informationsverlust in der Verdolmetschung.

Grund für den Informationsverlust in dieser einen Situation war das Aufeinanderfolgen mehrerer rassistischer Bezeichnungen in einem relativ kurzen Abstand zueinander. Da die Probandin wiederholt versuchte, sich mittels eines ergänzenden Kommentars von der Bezeichnung zu distanzieren, entgingen ihr die jeweiligen Folgesätze nach der Bezeichnung. Die zwei letzten der vier Proband*innen, die angaben, es sei zu Informationsverlusten gekommen, bewerteten diesen Verlust als unproblematisch für die Verdolmetschung. Sie erklärten, sie hätten die verpassten Informationen durch den Kontext oftmals gut rekonstruieren und logisch erschließen können. Eine der beiden fügte außerdem hinzu, dass ein Informationsverlust direkt nach der Anwendung einer rassismuskritischen Simultandolmetschstrategie unproblematisch wäre, da es sich bei dem Folgesatz einer rassistischen Äußerung ihrer Meinung nach höchstwahrscheinlich um eine Weiterführung ebenjener Äußerung handle. Mit der Distanzierung von der rassistischen Äußerung habe sie sich somit automatisch auch von der rassistischen Weiterführung distanziert. Ein Blick auf die Transkripte der Verdolmetschungen zeigt, dass beide Proband*innen nach keiner der acht erkannten rassistischen Äußerungen Schwierigkeiten hatte, den Folgesatz zu verdolmetschen und den Sinngehalt der Textstelle im Gesamten zu erhalten. Dass es vor allem bei den ersten beiden Proband*innen zu einer derartigen Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlicher Dolmetschleistung kam, könnte möglicherweise daran liegen, dass es sich bei den Aussagen der Proband*innen um eine subjektive, auf deren Erinnerung aufbauende Wahrnehmung ihrer Leistung handelte.

Erhöhter Kapazitätsverbrauch

Ein weiterer Aspekt, der während des Fokusgruppeninterviews ebenfalls häufig angesprochen wurde, war die zusätzliche geistige Kapazität, die mit der Anwendung einer Strategie einherging. Die Proband*innen begründeten dies damit, dass

  1. die Strategien noch nicht automatisiert waren.

  2. es mit fortschreitender Länge der Verdolmetschung zu einem allgemeinen Leistungsabfall kam.

  3. sie eine gewisse innere Anspannung fühlten, sobald sich eine rassistische Äußerung abzeichnete.

  4. sie sich sehr spontan für eine Strategie entscheiden mussten.

  5. es allgemein herausfordernd war, zusätzlich zum Dolmetschen, Rassismen zu erkennen und eine rassismuskritische Strategie anzuwenden.

Eine Probandin fügte allerdings hinzu, dass es ihr die Anwendung mit der Zeit etwas leichter fiel, da sie sich ihren Kommentar bereits vorformuliert hatte. Sie antwortete in diesem Zusammenhang: „also, ich hatte mir das vorher (...) aufgeschrieben, wie ich den Kommentar formulieren könnte und irgendwann kannte ich den schon besser und dann konnte ich den halt einfach noch schnell so sagen und trotzdem gleichzeitig noch besser zuhören.“ All diese unterschiedlichen Antworten könnten darauf schließen lassen, dass der erhöhte Kapazitätsverbrauch weniger an den Strategien selbst liegt, sondern an externen Faktoren, die je nach Dolmetscher*in stark variieren können. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass vor allem die fehlende Routine ausschlaggebend für den erhöhten Kapazitätsverbrauch bei der Anwendung der Simultandolmetschstrategien war. Die Probandinnen hatten Strategien, mittels derer sie sich aktiv von rassistischen Äußerungen distanzieren können, erst sehr selten bis hin zu noch gar nicht benutzt, weder während des Studiums noch in realen Arbeitssituationen. Folglich waren die Strategien noch nicht automatisiert.

Rolle von Dolmetscher*innen

Ebenfalls intensiv diskutiert wurde die Rolle von Dolmetscher*innen. Wie bereits einleitend erwähnt, gilt Neutralität allgemeinhin als Maßstab für die Handlung aller Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen und wird häufig auch in der Ausbildung als solcher vermittelt. Die Anwendung rassismuskritischer Simultandolmetschstrategien im Rahmen der empirischen Untersuchung erforderte das Heraustreten aus dieser unsichtbaren Rolle, zu der sich vier der sechs Proband*innen äußerten. Ausgehend von den Aussagen der Proband*innen, lässt sich feststellen, dass die neue Rolle als sichtbare Persönlichkeit mit eigener Meinung von allen als herausfordernd eingestuft wurde und zu einer Reihe innerer Konflikte führte.

So fragte sich eine Probandin im Laufe der gesamten Verdolmetschung, ob sie bei der Anwendung rassismuskritischer Simultandolmetschstrategien nicht konsequenterweise auch in geschlechtergerechter Sprache dolmetschen sollte. Das hätte ihr Stresslevel extrem erhöht. „Plötzlich hatte ich so viel mit diesem Thema zu tun und das hat dann eben auch (...) ganz viele andere Dinge ausgelöst (...). [Ich habe] irgendwie auf ganz vielen Ebenen versucht, Dinge mitzudenken, [die ich] sonst eben nur aus aktivistischen Kontexten kenne“.

Eine andere Probandin gab an, es wäre ihr schwer gefallen, eine Position einzunehmen und zu entscheiden, bei welchen Aussagen sie eingreift und somit als Dolmetscherin sichtbar handelt und bei welchen Aussagen sie, wie es auch bisher für sie üblich war, nicht eingreift und neutral bleibt. Diesen Eindruck teilte eine weitere Probandin, welche bestätigte, dass auch sie mit der Einstellung in die Verdolmetschung gegangen sei, „neutral“ dolmetschen zu müssen.

Die letzte Probandin, die ebenfalls mit inneren Konflikten konfrontiert war, fügte diesbezüglich hinzu, dass diese neue Rolle als sichtbar handelnde Dolmetscherin für sie mit einer „[krassen] moralischen Verantwortung“ einherging. Folglich hatte sie das Gefühl, nicht nur eine, sondern alle rassistischen Äußerungen erkennen und markieren zu müssen. „Man kriegt auf einmal so einen anderen Leistungsdruck als [...] ethisch oder moralisch entscheidende Person.“ Dass das Dilemma zwischen neutralem Handeln und dem Eingreifen in rassistische Sprachhandlungen bei den Proband*innen durchweg präsent war, deutet darauf hin, dass die Handlungsfähigkeit der Proband*innen stark dadurch eingeschränkt wurde, dass sie bisher keine andere Rolle als die der neutraler Dolmetscher*innen kannten und eingenommen hatten. Wie die Beispiele vor Gericht aus Kapitel 2 zeigen, kann es in der Praxis jedoch manchmal unabdingbar oder gar erwünscht sein, einzugreifen.

Persönliche Haltung der Proband*innen zur Reproduktion rassistischer Sprache

Ein weiterer Aspekt, über den sich ausgetauscht wurde, war die persönliche Haltung der Proband*innen bezüglich der Reproduktion rassistischer Sprache in der eigenen Verdolmetschung. Aus den Antworten geht zunächst einmal hervor, dass alle Proband*innen rassistische Sprache per se ablehnen und diese auf persönlicher Ebene nicht anwenden würden. Wie und ob sich dieser Anspruch auf die Dolmetschsituation übertragen lässt, wurde aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert.

So waren sich zwei Proband*innen zunächst darin einig, dass rassistische Sprache seitens der Redner*innen nie durch eine diskriminierungsfreie Alternative ersetzt werden sollte, da ein solches Vorgehen rassistische Sprache unsichtbar machen und einen möglichen daraus resultierenden Dialog mit dem Publikum unterbinden würde. Entsprechend wählten die Proband*innen auch ihre Strategien. Interessanterweise änderte eine der beiden ihren Standpunkt im Laufe der Diskussion und erklärte nachträglich, dass der Kontext doch ausschlaggebend für die Wahl einer Strategie sei. Im Fall der Verdolmetschung dieses Experiments handelte es sich um eine Podiumsdiskussion, in der rassistische und antirassistische Positionen aufeinandertrafen. In einer solchen Situation, rassistische Sprache zu unterschlagen, hätte einen direkten Einfluss auf den Diskussionsverlauf gehabt und wäre nicht funktionsgerecht gewesen. Hätte es sich allerdings um eine Rede gehandelt, bei der weder eine Diskussion noch eine anschließende Frage- und Antwortrunde eingeplant gewesen wäre, wäre es ihrer Meinung nach angebrachter, eine rassistische Bezeichnung durchgehend durch die politisch korrekte Alternative zu ersetzen, da der Raum nicht gegeben ist, um jene rassistische Bezeichnung zu thematisieren. Diese Ansicht wurde von einer weiteren Probandin geteilt.

Zwei weitere Proband*innen hatten Probleme damit, ihre persönliche Haltung im Kontext der Dolmetschsituation selbstbewusst zu vertreten. So stellte sich eine der besagten Proband*innen oft die Frage: „...wo ist die Grenze, an der ich auch in diesem Rahmen (...) die Bremse ziehe (...) und eine Haltung einnehmen müsste?“ Für ihre Kollegin wiederum bestand die Schwierigkeit eher darin, sich beim Dolmetschen vom traditionellen Neutralitätspostulat der Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaften zu lösen. So wusste sie einerseits, dass sie sich mittels einer Strategie von rassistischer Sprache distanzieren möchte, andererseits kreisten ihre Gedanken fortwährend um die Inhalte, die ihr während der Ausbildung vermittelt wurden, wie beispielsweise die Forderung, nicht in die Aussage einer Rednerin*/eines Redners* einzugreifen.

Aus den Antworten der Probandinnen ergeben sich mehrere mögliche Schlussfolgerungen. Zum einen kann bestätigt werden, dass Translationssituationen in allen ihren Phasen von den Entscheidungen der Translator*innen abhängig sind. Dolmetscher*innen verfügen somit über eine Entscheidungsmacht, derer sie sich bewusst sein sollten. Die unterschiedlichen Haltungen bezüglich der verschiedenen Simultandolmetschstrategien unterstreichen die Wichtigkeit und Notwendigkeit eines konkret formulierten Translationsauftrags, der in Absprache mit den am Dolmetschprozess beteiligten Personen verhandelt werden sollte. Dadurch kann ein Konsens gewährleistet werden und auch die Entscheidungsfindung für die Dolmetscher*innen deutlich erleichtert werden. Eine klare Haltung gegen rassistische Sprache ist vor allem bei der Auswahl der infrage kommenden Interventionsstrategien hilfreich.

Beziehung zwischen Dolmetscher*innen und Redner*innen

Eine Frage, die intensiv zwischen zwei Probandinnen diskutiert wurde, war, ob die Beziehung zwischen Redner*in und Dolmetscher*in einen Einfluss auf die Verdolmetschung hat.

Beide waren sich einig, dass es schwieriger sei, Redner*innen zu dolmetschen, mit deren Auffassung man sich nicht identifizieren kann. Eine Probandin erklärte hierbei, dass es ihr beim Dolmetschen hilft, wenn sie sich mit der Position der Redner*innen identifizieren kann. Wenn man sich allerdings permanent von den Redner*innen distanzieren möchte und prüfen muss, ob das Gesagte „okay ist oder nicht, [...] wird Dolmetschen generell [...] schwieriger.“

Ihre Kollegin bestätigte diese Annahme und fügte hinzu, dass es sie deutlich mehr Konzentration gekostet hat, den Podiumsteilnehmer zu dolmetschen, der in seinen Redebeiträgen rassistische Sprache verwendete, als die Teilnehmerin, welche gegen rassistische Sprache argumentierte und selbst auch auf eine diskriminierungsfreie Wortwahl achtete. Mit dem Fortschreiten der Verdolmetschung wäre es ihr allerdings leichter gefallen Ersteren zu dolmetschen, da sie sich mit der Zeit besser auf seine Wortwahl einstellen konnte. Die Probandin ging anschließend auch darauf ein, dass es schwierig sein kann, die vermeintliche Intention eines Redners*/einer Redner*in einzuschätzen. So hätte sie versucht, die vermeintliche Intention einer weiteren Podiumsteilnehmerin mitzudenken, welche sich häufig nicht direkt, sondern indirekt rassistisch äußerte. Da die Probandin dies auf Unwissenheit zurückführte, wählte sie für die Verdolmetschung dieser Passagen Strategien, welche die (vermeintliche) Intention verbargen. Im Nachhinein bereute sie dies jedoch und erklärte, dass auch indirekte rassistische Äußerungen rassistisch bleiben und nicht verschleiert werden sollten. Diese Aussage bestätigt, die in Kapitel 3 erwähnte Kritik[5], dass die Intention eines Redners*/einer Redner*in häufig nur gemutmaßt werden kann. In uneindeutigen Fällen sollten Redner*innenintention bei der Entscheidung für oder gegen eine rassismuskritische Simultandolmetschstrategie also nicht als alleiniger Faktor herangezogen werden. Des Weiteren bestätigen die Antworten, dass es in vielen Arbeitssituationen, unter anderem aufgrund emotionaler Betroffenheit, für Dolmetscher*innen nicht möglich ist, Neutralität und Distanz zu wahren. Eine mögliche Schlussfolgerung besteht darin, bereits bei einer Auftragsanfrage zu entscheiden, ob man sich in der Lage fühlt, bestimmte Inhalte oder Personen zu verdolmetschen.

Automatisierbarkeit von rassismuskritischen Simultandolmetschstrategien

Auf die Frage, inwiefern die Proband*innen denken, dass die im Experiment angewendeten Simultandolmetschstrategien automatisierbar seien, teilten vier der sechs Befragten ihre Einschätzung. Alle waren sich zunächst einig, dass die Strategien automatisiert werden können. Dies könne beispielsweise durch stetiges Üben und eine sich mit der Zeit einstellenden Routine erreicht werden. Eine Probandin erklärte in diesem Zusammenhang: „Genauso wie ich ja auch üben kann, genderneutral zu sprechen, kann ich ja selbst üben, rassistische Äußerungen wegzulassen (...) und dann ist es auch leichter, sie bei anderen zu erkennen und dann anders damit umzugehen.“ Weiterhin wurde im Interview angemerkt, dass die erfolgreiche Automatisierung rassismuskritischer Simultandolmetschstrategien einer klaren, ethischen Positionierung seitens der Dolmetscher*innen bedarf. Das bedeutet konkret, dass Dolmetscher*innen im Vorfeld eines Einsatzes für sich festlegen müssen, von welchen Begriffen und Bezeichnungen sie sich kontextunabhängig immer distanzieren und mit welcher Simultandolmetschstrategie sie diese Distanzierung umsetzen wollen. Fehlt diese Positionierung, müssen sich Dolmetscher*innen während des Einsatzes entscheiden, welche Äußerung sie definitiv reproduzieren und welche nicht, was wiederum zu Unsicherheit und Zögerlichkeit führen kann und zusätzliche Kapazitäten beansprucht. Um eine Automatisierung zu begünstigen, wurde es als vorteilhaft eingeschätzt, einen gleichbleibenden Kommentar vorzuformulieren und sich einzuprägen. Der Kommentar sollte dabei so gestaltet sein, dass er auf möglichst viele Kontexte anwendbar ist. So kann er bei jeder rassistischen Äußerung, von der sich distanziert werden möchte, erneut eingesetzt werden und es muss nicht jedes Mal spontan ein neuer formuliert werden.

Fazit

Anhand der Ergebnisse der empirischen Untersuchung wurde deutlich, dass die Praktikabilität rassismuskritischer Simultandolmetschstrategien ins Deutsche von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängt. Schwierigkeiten, die mit der Anwendung der vorgestellten Simultandolmetschstrategien einhergehen, ergeben sich eher aus persönlichen Konflikten, welche wiederum aus dem Heraustreten der Rolle als neutrale*r Dolmetscher*in resultieren.

Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Anwendung der untersuchten Strategien ist demnach die persönliche Einstellung der Dolmetscher*innen. Sie müssen sich der Grenzen ihrer Möglichkeiten bewusst sein. Das heißt, sie müssen in der Phase der Auftragsabwicklung genau überlegen, inwiefern sie sich mit einem Redner*/einer Rednerin* identifizieren und wie stark eine Nicht-Identifikation sie und ihre Leistung beeinflussen könnte.

Des Weiteren ist es hilfreich, bereits im Vorhinein einzugrenzen, bei welchen Äußerungen interveniert wird. Eine gemeinsame Absprache mit den Auftraggeber*innen kann die Entscheidungsfindung hierbei erleichtern.

Praktikabilität hängt auch von der subjektiven Wahrnehmung der einzelnen Dolmetscher*innen ab. So funktionieren manche Strategien für einige Dolmetscher*innen besser als für andere. Die sechs Proband*innen dieser Untersuchung entschieden sich jedoch mit Abstand am häufigsten für die Strategie des ergänzenden Kommentars. Um die Abrufbarkeit des Kommentars unter Stress zu festigen, kann das Trainieren eines gleichbleibenden, möglichst universell formulierten Kommentars hilfreich sein.

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist die Tatsache, dass die Praktikabilität rassismuskritischer Strategien nur sehr bedingt vom Faktor Zeit abhängig ist. Zwar spielte Zeitdruck laut Aussage einiger Proband*innen eine Rolle, was aber eher an der fehlenden Routine hinsichtlich der Anwendung der Strategien lag.

Die empirische Untersuchung hat gezeigt, dass es möglich ist, aus der zugeschriebenen neutralen, unsichtbaren Rolle beim Dolmetschen herauszutreten und – ohne den Inhalt des Ausgangstextes zu verändern – bei rassistischer Sprache einzugreifen. Im Angesicht der zahlreichen Argumente aus der Translationswissenschaft, die für ein Eingreifen der Dolmetscher*innen in den Originaltext sprechen, scheint es an der Zeit, das traditionelle Neutralitätspostulat zu überdenken und translatorische Kompetenzen zu erweitern. Diesbezüglich seien daher noch einige abschließende Desiderata angesprochen.

5 Ausblick: Wie könnte eine diskriminierungs-kritische Dolmetschdidaktik aussehen?

1) Sensibilisierung

Eine diskriminierungskritische Dolmetschdidaktik muss zunächst einmal anerkennen, dass traditionelle Translationsnormen, wie z. B. Neutralität, an ihre Grenzen stoßen oder, wie im Fokusgruppeninterview deutlich wurde, sogar hinderlich sein können, wenn diskriminierende Sprache im Spiel ist. Vergangene Untersuchungen, beispielsweise zu Dolmetschen in Konfliktsituationen wie Kriegen, kommen zu derselben Erkenntnis[6]. In diesem Sinne äußert sich auch Stahuljak, den Andres in ihrer Untersuchung zum Dolmetschen des Balkankonflikts zitiert: „Neutrale Translation in Kriegszeiten ist nach Stahuljak[7] zum Scheitern verurteilt, denn das Wesen des Krieges schließt Neutralität aus“ (Andres 2010:347). Ebenso verhält es sich mit diskriminierender Sprache – das Wesen von Diskriminierung schließt Neutralität aus.

Da die Anwendung diskriminierungskritischer Simultandolmetschstrategien das Erkennen diskriminierender Äußerungen voraussetzt, könnte die Sensibilisierung für sowie der dolmetschpraktische Umgang mit diskriminierender Sprache als Teil der Dolmetschausbildung etabliert werden. Dabei kann es hilfreich sein, nicht nur dolmetschpraktische Kompetenzen, sondern auch theoretisches Wissen zu verschiedenen Formen von Diskriminierung zu vermitteln. Eine große Unterstützung bieten Nachschlagewerke zu diskriminierender Sprache, wie etwa jenes von Arndt / Ofuatey-Alazard (2011), Handbücher wie das von Scherr / El-Mafaalani / Yüksel (2017) oder auch Sachbücher von Autor*innen, die einer marginalisierten Gruppe zugehörig sind. Durch die Anwendung diskriminierungskritischer Simultandolmetschstrategien im Rahmen der Unterrichtseinheiten kann das aktive Heraustreten aus der neutralen Rolle als Dolmetscher*in als Kompetenz geschult werden und somit die im Fokusgruppeninterview geäußerten persönlichen inneren Konflikte gelöst werden, die viele Probandinnen empfanden.

2) Intersektionalität

Diskriminierung umfasst nicht nur Rassismus. Rassismus stellt in der sozialen Realität nur eine Diskriminierungsform unter vielen dar, die durch Sprache untermauert werden kann. Um diskriminierungssensibel zu dolmetschen, sollte der Blick also auch auf beispielsweise sexistische oder ableistische Sprache gerichtet werden, welche in der Vergangenheit bereits Eingang in akademische Diskurse gefunden haben und untersucht wurden. Um die eigene Perspektive zu erweitern, können insbesondere Glossare oder Leitfäden zur politisch korrekten Nutzung von Sprache herangezogen werden. Davon gibt es zahlreiche von unterschiedlichen Universitäten, Vereinen, Antidiskriminierungsbüros oder journalistischen Vereinigungen. Exemplarisch seien an dieser Stelle der Leitfaden der PROUT AT WORK-Foundation (2019[8]) sowie der Leitfaden des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung (2015[9]) genannt.

3) Interdisziplinarität

Da weder Diskriminierung noch Translation in einem luftleeren Raum stattfinden, sondern außerhalb der konkreten Kommunikationssituation in ein gesamtgesellschaftliches Gefüge eingebunden sind und Auswirkungen haben, kann ein interdisziplinärer Dialog neue Perspektiven eröffnen und helfen, Diskriminierung allumfassend zu betrachten und zu verstehen.

  1. Um beispielsweise Machtkonstellationen und Hierarchien in Kommunikationssituationen zu erkennen, können Ansätze aus den Kommunikationswissenschaften stärker in die Ausbildung integriert werden oder Diversity-Workshops angeboten werden.

  2. Der Austausch mit der Psychologie wiederum kann förderlich sein, um die psychischen Auswirkungen von Diskriminierung auf Betroffene und die Gesellschaft zu verstehen und das eigene (Sprach-) Handeln zu reflektieren.

  3. Die stärkere Einbindung kritischer Ansätze aus den Translationswissenschaften, wie beispielsweise die in diesem Artikel erwähnten feministischen und postkolonialen Übersetzungswissenschaften, kann ein historisches Bewusstsein schaffen und das Selbstverständnis angehender Dolmetscher*innen in Bezug auf deren Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Geschichte mitgestalten.

  4. Schließlich können in Hinblick auf die Dolmetschpraxis Seminare zur Verhandlungsführung angeboten werden, um diskriminierungskritisches Dolmetschen selbstbewusst und professionell begründen zu lernen.

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Online erschienen: 2021-04-23
Erschienen im Druck: 2021-04-09

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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