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Publicly Available Published by De Gruyter February 11, 2022

Hebt ein gesteigertes Vertrauen in die Polizei das kriminalitätsbezogene Sicherheitsbefinden?

Instrumentalvariablenanalysen im Bezugsrahmen der Beruhigungshypothese

Does Trust in the Police Reduce Fear of Crime?
Instrumental Variables Analyses in the Framework of the Reassurance Hypothesis
Helmut Hirtenlehner, Nathalie Leitgöb-Guzy and Johann Bacher

Kurzfassung

Die in der Bevölkerung verbreitete assoziative Verknüpfung von Polizei und Kriminalität bzw. deren Bekämpfung gibt Anlass zur Vermutung, ein hohes Vertrauen in die Exekutive würde Verbrechensfurcht reduzieren. Die Belastbarkeit dieser »Beruhigungshypothese« kann anhand von Daten des Deutschen Viktimisierungssurveys 2017 empirisch geprüft werden. Die Resultate mehrerer Instrumentalvariablenanalysen sprechen gegen eine furchtpräventive Wirksamkeit des persönlichen Polizeivertrauens. Als maßgebliche Bestimmungsgröße des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsempfindens erweist sich indes die Intensität ökonomisch konnotierter Abstiegsbefürchtungen.

Abstract

The widespread mental association of police and crime (control) suggests that high trust in the police may protect from fear of crime. The empirical tenability of this »reassurance hypothesis« can be examined using data from the German Victimization Survey 2017. The results of several instrumental variables analyses speak against a fear-reducing impact of personal confidence in the police. Instead, economic anxieties emerge as a powerful predictor of people’s level of fear of crime.

1 Problemstellung: Polizeivertrauen und Kriminalitätsfurcht

Polizei und Kriminalität repräsentieren die Enden einer im Alltagsdenken vieler Bürger recht kurzen Assoziationskette. Die Aufgabe der Verbrechensbekämpfung wird intuitiv der Polizei zugedacht, und ungelöste Kriminalitätsprobleme werden bereitwillig in ein Versagen der staatlichen Sicherheitsbehörden umgedeutet. Ganz in diesem Sinne belegen mehrere Befragungsstudien einen systematischen Konnex zwischen dem Vertrauen in die Exekutive[1] und dem kriminalitätsbezogenen Sicherheitsempfinden[2]. Ein größeres Vertrauen in die Polizei geht regelmäßig mit einer niedrigeren Verbrechensfurcht einher, wenngleich die beobachteten Beziehungen der Stärke nach als eher schwach einzustufen sind (Aromaa & Heiskanen 2002; Dukes & Hughes 2013; Ho & McKean 2004; Keller 2007; Lytle & Randa 2015; Martinez-Ferrer et al. 2018; Reisig & Parks 2004; Scheider et al. 2003). Analoges gilt, wenn man explizit auf die Beurteilung der Arbeit der Exekutive bei der Verbrechensbekämpfung abstellt: Mehrere Untersuchungen berichten statistisch signifikante Zusammenhangsbeziehungen zwischen der Einschätzung der Effektivität der Polizei und dem kriminalitätsbezogenen Sicherheitsempfinden der Bürger. Positivere Wirksamkeitsbeurteilungen werden dabei von einer geringeren Verbrechensfurcht begleitet; die Stärke der Verknüpfung bleibt aber auch hier eher gering (Alda et al. 2017; Jackson & Bradford 2009; Jackson et al. 2013; Renauer 2007; Oh et al. 2019).

Problematisch ist in den meisten einschlägigen Arbeiten – insbesondere, wenn sie auf Querschnittsdaten beruhen – die kausale Ordnung der Konstrukte: Schützt ein ausgeprägtes Polizeivertrauen vor kriminalitätsbezogenen Unsicherheitsgefühlen oder untergräbt Angst vor Kriminalität das Vertrauen in die Exekutive? Beide Wirkungsdynamiken lassen sich theoretisch begründen und für beide gibt es empirische Belege. Skogan (2009) unterscheidet diesbezüglich ein Beruhigungs- von einem Verantwortlichkeitsmodell (siehe auch Oh et al. 2019). Gemäß dem Beruhigungsmodell führt hohes Polizeivertrauen dazu, dass die Bürger sich beschützt fühlen und deshalb keine Sicherheitszweifel entwickeln. Dem Verantwortlichkeitsmodell zufolge werden Kriminalitätsprobleme den staatlichen Sicherheitsbehörden angelastet, weshalb Verbrechensfurcht das Vertrauen in die Exekutive unterminiert. In der spärlichen empirischen Literatur dazu finden sowohl die Beruhigungshypothese (Alda et al. 2017; Hauser & Kleck 2017; Keller 2007; Kim et al. 2021; Lee et al. 2020; Lytle & Randa 2015; Skogan 2009; Oh et al. 2019) als auch die Verantwortlichkeitshypothese (Bolger et al. 2021; Dukes & Hughes 2013; Ho & McKean 2004; Jackson & Bradford 2009; Jackson et al. 2009; Singer et al. 2019; Weiter & Tuch 2004) Unterstützung. Damit ist auch die Möglichkeit einer reziproken Kausalität – also, dass die beiden Konstrukte sich gegenseitig beeinflussen – nicht von der Hand zu weisen.

Die vorliegende Arbeit nutzt Daten des Deutschen Viktimisierungssurveys (DVS) 2017 für eine Überprüfung der Belastbarkeit der Beruhigungshypothese. Im Zentrum steht die Annahme, dass ein hohes Polizeivertrauen zu geringer Verbrechensfurcht führt. Die Beschränkung auf die Beruhigungshypothese ist dabei dem Itempool des DVS geschuldet. Sekundäranalysen können nur mit den Variablen arbeiten, die der reanalysierte Datensatz zur Verfügung stellt.

Da Querschnittsbefragungen der Untersuchung bidirektionaler Wirkungsdynamiken enge Grenzen setzen, muss auf das Verfahren der Instrumentalvariablenregression (Angrist & Pischke 2009; Bushway & Apel 2010) zurückgegriffen werden, um zumindest die um einschlägige Rückkoppelungseffekte bereinigten Einflüsse des Polizeivertrauens auf die Intensität der Verbrechensfurcht abschätzen zu können. Instrumentalvariablenanalysen umgehen die Simultanitätsproblematik, indem sie sich einer zweistufigen Modellierungslogik bedienen: Zunächst werden aus einer Instrumentalvariable Z (hier: der Ruf der Polizei im persönlichen Umfeld), die nur das Explanans X (hier: das Polizeivertrauen), nicht aber das Explanandum Y (hier: die Kriminalitätsfurcht) direkt beeinflusst, Erwartungswerte des Prädiktors X prognostiziert. Diese vorhergesagten (von Interdependenzen mit Y befreiten) X-Werte werden dann als unabhängige Variable für die Erklärung von Y verwendet.

Aus der skizzierten Verfahrenslogik resultiert leider eine Unmöglichkeit, den DVS 2017 auch für eine Überprüfung der Verantwortlichkeitshypothese zu nutzen. Der Datensatz enthält keine geeigneten Instrumentalvariablen für die Verbrechensfurcht, weshalb letztere nicht als erklärende Variable spezifiziert werden kann.

Da Instrumentalvariablenanalysen innerhalb der Kriminologie noch wenig verbreitet sind, verfolgt der vorliegende Beitrag auch das Ziel, die einschlägige Bekanntheit dieses Auswertungstools zu erhöhen und dessen Nutzen für die kriminologische Forschung zu illustrieren.

2 Ausgewählte Bestimmungsfaktoren des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsgefühls

Verbrechensfurcht bezeichnet auf den ersten Blick ein intuitiv plausibles Konstrukt, das sich bei näherer Betrachtung aber rasch als mehrdimensional und vieldeutig erweist. Breite Akzeptanz findet heute eine von Klaus Boers (1991; 2002) in Anlehnung an die sozialpsychologische Einstellungsforschung entwickelte Differenzierung der personalen Kriminalitätseinstellungen in eine affektive, kognitive und konative Komponente. Während die affektive Dimension der Kriminalitätsfurcht die emotionale »Angstreaktion« auf als persönliche Bedrohung empfundene Kriminalitätsgefahren beschreibt, konzentriert sich das Konzept der Risikoeinschätzung auf die kognitive Beurteilung der Wahrscheinlichkeit künftiger Viktimisierungen. Beide Größen sind analytisch trennbar, statistisch aber stark korreliert (Farrall et al. 2009; Ferraro 1995; Warr 2000). Die konative Komponente erfasst das aus einer kriminalitätsbezogenen Verunsicherung resultierende Vermeide- und Schutzverhalten.

Im Einklang mit der das individuelle Gefühlsleben betonenden Ausrichtung der Beruhigungshypothese fokussiert die vorliegende Arbeit in erster Linie auf die emotional-affektive Verbrechensfurcht.[3] Auch dieser haftet ein beachtliches Maß an interner Heterogenität an. So lässt sich eine global-formlose (allgemeine) Kriminalitätsfurcht von deliktspezifischen Befürchtungen unterscheiden (Ferraro & LaGrange 1987). Weitgehend aufgegeben wurde die Annahme, das kriminalitätsbezogene Sicherheitsempfinden bilde zielsicher und passgenau ausschließlich auf strafrechtsrelevante Übergriffe gerichtete Sicherheitszweifel ab. Heute besteht Einigkeit dahingehend, dass juristischen Laien die Abgrenzung von Straftaten und »kriminalitätsverdächtigen« Ärgernissen unterhalb der Strafbarkeitsschwelle nur sehr rudimentär gelingt und als Verbrechensfurcht bekundete Unsicherheitsgefühle häufig Verhaltensphänomene im Graubereich von Kriminalität, Devianz und Ordnungsstörung zum Gegenstand haben (Farrall et al. 2009; Gau & Pratt 2008; Kury et al. 2004).

2.1 Vertrauen in die Polizei

Vertrauen äußert sich in der Überzeugung, dass man sich auf den Anderen verlassen kann, dass dieser gute Absichten hegt und redlich handeln wird (Jackson et al. 2013). Der Polizei wird Vertrauen nicht zuletzt aufgrund der Erwartung geschenkt, dass sie den Menschen Schutz vor Kriminalität bietet (Hecker & Starcke 2017). Die Ausprägung des persönlichen Vertrauens in die Exekutive bestimmt sich maßgeblich nach der Qualität des Eindrucks, dass diese der Aufgabe der Verbrechensbekämpfung kompetent und effektiv nachkommt (Jackson et al. 2013). Die Wahrnehmung erfolgreicher Kriminalitätskontrolle sollte sich indes auf emotionaler Ebene in geringer Verbrechensfurcht niederschlagen. Verunsicherung offenbart sich so als Antithese des Vertrauens (Giddens 1995).

Im Rahmen der hier analysierten Beruhigungshypothese (Skogan 2009; Oh et al. 2019; Innes 2007) wird eine Abhängigkeit des subjektiven Sicherheitsgefühls vom Grad des Polizeivertrauens angenommen. Wenn das Vertrauen in die Polizei groß ist, fühlen sich die Bürger geschützt und entwickeln keine Angst vor Kriminalität. Auf dem Wege einer positiven Beurteilung der Tätigkeit der staatlichen Sicherheitsbehörden versichern sich die Menschen ihrer Unbedrohtheit durch kriminalitätsverdächtige Übergriffe.[4]

Empirische Evidenzen zur Wirkung der Einstellung zu den Polizeibehörden auf das Niveau der Verbrechensfurcht liegen bislang nur sehr spärlich vor. Eine nordamerikanische Längsschnittuntersuchung (Skogan 2009), welche das Beruhigungs- und das Verantwortlichkeitsmodell konkurrierend prüft, zeigt eine klare Präferenz für die Beruhigungshypothese: Während ein gehobenes Polizeivertrauen in eine geminderte Kriminalitätsfurcht mündet, übt das kriminalitätsbezogene Sicherheitsbefinden keinen Einfluss auf die Beurteilung der Exekutive aus. Mehrere Querschnittstudien weisen in die gleiche Richtung: Zufriedenheit mit der Polizei begünstigt ein Fehlen von Sicherheitszweifeln (Alda et al. 2017; Aromaa & Heiskanen 2002; Hauser & Kleck 2017; Keller 2007; Lee et al. 2020; Kim et al. 2021; Lytle & Randa 2015; Oh et al. 2019). Diese sich nur eines Messzeitpunktes bedienenden empirischen Arbeiten tragen allerdings der involvierten Simultanitäts- oder Reziprozitätsthematik keinerlei Rechnung: Es wird theoriegeleitet eine bestimmte kausale Ordnung der Konzepte angenommen und diese in korrelativer Natur an den Daten überprüft. Meistens werden multivariate lineare Regressionsmodelle – manchmal als Strukturgleichungsmodelle – geschätzt, welche das Polizeivertrauen als unabhängige und die Verbrechensfurcht als abhängige Variable beinhalten. Ob die so produzierten Regressionskoeffizienten tatsächlich einen Einfluss der Einstellung zur Exekutive auf das Sicherheitsgefühl oder nicht doch eine umgekehrte Beziehungsdynamik abbilden, bleibt dabei letztlich unklar. Insofern ist die Wissensbasis zur empirischen Bewährung der Beruhigungshypothese als mangelhaft und wenig belastbar zu bezeichnen.

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Untersuchung von Skogan (2009), in der die Beruhigungs- und die Verantwortlichkeitshypothese simultan getestet werden. Skogans Kovarianzstrukturanalyse stützt sich auf eine Zwei-Wellen-Panelbefragung in Houston (Texas). Dabei spezifiziert der Autor kein »Cross-Lagged-Model« (wie man erwarten hätte können), sondern ein komplexes Strukturgleichungsmodell, in dem über Instrumentalvariablen die reziproken Effekte zwischen Polizeivertrauen und Kriminalitätsfurcht jeweils im zweiten Befragungszeitpunkt errechnet werden. Die Ergebnisse der Modellschätzung sprechen für die Beruhigungs- und gegen die Verantwortlichkeitshypothese, relativieren sich aber durch begrenzt überzeugende und bescheiden erklärungskräftige Instrumentalvariablen.[5]

Auf eine gewisse Berechtigung der Beruhigungshypothese lassen auch Evaluationsstudien zu den Auswirkungen gemeinwesenorientierter Polizeiarbeit schließen. »Community-Policing«-Programme, welche unter anderem auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der Exekutive und der Bevölkerung abzielen, scheinen das kriminalitätsbezogene Sicherheitsempfinden der Bürger etwas anzuheben (Gill et al. 2014; Hirtenlehner & Grafl 2019). Dies legt nahe, dass eine Steigerung des Vertrauens in die Polizei eine erkennbare Furchtreduktion hervorbringen kann.

2.2 Ökonomische Ängste

Im Mittelpunkt der Generalisierungshypothese (Hirtenlehner 2006; Hirtenlehner & Sessar 2017; Sessar 1998) steht die Annahme, dass Kriminalitätsfurcht nur im Verbund mit anderen (sozialen, ökonomischen, existenziellen) Ängsten angemessen zu verstehen ist. Kriminalitätsbezogene Unsicherheitsgefühle fügen sich in ein Konglomerat verschiedenster Formen der Beunruhigung, die einander überlagern und durchdringen. Verbrechensfurcht ist Ausdruck multipler Sensibilitäten im Zusammenhang mit Ungewissheit und Transformation. Diverse Zukunftsängste werden auf Kriminalität projiziert und als Furcht vor strafbaren Übergriffen artikuliert. Eine tiefsitzende soziale und ökonomische Verunsicherung intensiviert so auch die Sorge vor Kriminalitätsgefahren.

Die Generalisierungsthese kann sich mittlerweile auf ein breites empirisches Fundament stützen. Zahlreiche Studien konnten den Nachweis führen, dass eine Besorgnis bezüglich sozialer und ökonomischer Wandlungsprozesse kriminalitätsbezogene Sensibilitäten fördert (Farrall et al. 2009; Girling et al. 2000; Hirtenlehner 2006; Hirtenlehner & Farrall 2012; Hirtenlehner & Sessar 2017; Jackson 2004). Angst vor sozioökonomischem Abstieg korrespondiert mit erhöhter Furcht vor Kriminalität (Britto 2013; Hirtenlehner 2019; Hirtenlehner et al. 2016; Vieno et al. 2013). Konzeptionell anschlussfähig ist hier auch der mehrfach beobachtete Zusammenhang zwischen der Stärke des Wohlfahrtsstaates und dem Niveau der Verbrechensfurcht in verschiedenen Ländern. International vergleichende Untersuchungen konnten zeigen, dass Länder mit einem hohen Grad an Sozialstaatlichkeit weniger Kriminalitätsfurcht hervorbringen und dass diese Beziehung nicht auf Unterschiede in den Viktimisierungsraten, sondern auf erfolgreich reduzierte soziale Ängste zurückzuführen ist (Blinkert 2010; Hirtenlehner & Hummelsheim 2011; Hummelsheim et al. 2011).

2.3 Opfererfahrungen

Die am Beginn der Kriminalitätsfurchtforschung stehende Viktimisierungshypothese besagt, dass Angst vor Straftaten ein Ergebnis persönlicher Opfererlebnisse sei (Boers 1991; Ferraro 1995; Skogan & Maxfield 1981). Die intuitiv naheliegende Annahme, dass eigene Opfererfahrungen das kriminalitätsbezogene Sicherheitsgefühl bestimmen würden, konnte allerdings nie ein überzeugendes Maß an empirischer Unterstützung gewinnen. Zwar gibt es viele Untersuchungen, die einen erwartungskonformen (meist bescheidenen) Zusammenhang der Konstrukte feststellen (Ferraro 1995; Jackson 2004; Rountree & Land 1996; Skogan 1987; Skogan & Maxfield 1981); diesen stehen aber andere Studien gegenüber, die auf inverse oder fehlende Beziehungen zwischen den Konzepten verweisen (Hirtenlehner et al. 2009; Maxfield 1984; Sparks et al. 1977; Winkel 1998).

Eine geringe Relevanz für das persönliche Sicherheitsgefühl besitzen insbesondere Opfererlebnisse, die zeitlich länger zurückliegen (Skogan 1987). Furchterhöhende Konsequenzen werden am ehesten schweren und wiederholten Viktimisierungen zugeschrieben (Häfele 2013). »Schwere Gewalt- und Sexualdelikte sowie Wohnungseinbruchsdiebstähle (...) haben demnach wesentlich schwerer wiegende Folgen für das Sicherheitsempfinden als beispielsweise Fahrrad- oder Taschendiebstähle« (Pritsch & Oberwittler 2016: 145).

Ein Schlüssel zum Verständnis der Auswirkungen von Opfererfahrungen liegt vermutlich in der Unterscheidung zwischen kognitiven und affektiven Aspekten des Sicherheitsbefindens. Viktimisierungen stehen durchwegs in einem engeren Zusammenhang mit der Risikowahrnehmung als mit der emotionalen Reaktion auf Kriminalität. Wenn Opfererfahrungen einen Einfluss ausüben, dann vorwiegend auf die spezifische (gleichdeliktische) Risikoeinschätzung, woraus auf indirektem Wege manchmal auch einschlägig furchterhöhende Implikationen resultieren (Boers 2002; Hale 1996; Hirtenlehner & Hummelsheim 2015; Warr 2000). Ferner deuten verschiedene Studien darauf hin, dass die Stärke der Beziehung zwischen Opfererlebnissen und Verbrechensfurcht von weiteren Merkmalen wie den individuellen Coping-Fähigkeiten, der Deliktschwerebewertung, dem Alter, dem Geschlecht und der Ethnizität abhängt (Boers 1991; Russo & Roccato 2010; Skogan 1987; Skogan & Maxfield 1981; Warr 1984). Auch wurde argumentiert, dass Opferwerdungen ihren Effekt auf das Sicherheitsgefühl rasch wieder verlieren, weil sie durch ein verändertes Schutzverhalten und neue Erfahrungen der Abwesenheit von Gefahr konterkariert werden (Boers 1991; Hale 1996).

2.4 Soziodemographischer Hintergrund

Nicht alle Bevölkerungsgruppen fürchten sich im gleichen Maße vor kriminalitätsverdächtigen Übergriffen. Das Niveau der Verbrechensfurcht variiert mit einer Reihe von Individualmerkmalen. In soziodemographischer Hinsicht erweisen sich das Geschlecht, das Alter, der sozioökonomische Status und der Urbanisierungsgrad des Wohngebietes als robuste Korrelate des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsbefindens.

Das Geschlecht repräsentiert den wohl wichtigsten sozialstatistischen Prädiktor des Sicherheitsgefühls. Obwohl sie, abgesehen von wenigen Delikten (z. B. Vergewaltigung, Stalking, häusliche Gewalt), seltener von Straftaten betroffen sind, äußern Frauen in aller Regel eine höhere Verbrechensfurcht als Männer. Besonders ausgeprägt gestaltet sich das Geschlechtergefälle im Bereich der Sexualdelinquenz (Ferraro 1995; Hale 1996; Hirtenlehner & Farrall 2014; Hirtenlehner & Hummelsheim 2015).

Wie hoch die Furcht vor Straftaten ausfällt, hängt auch vom Lebensalter ab. Zahlreiche Untersuchungen finden einen Zusammenhang zwischen dem Grad kriminalitätsbezogener Verunsicherung und dem Alter der befragten Person. Regelmäßig zeigt sich dabei, dass die Angst vor kriminalitätsverdächtigen Übergriffen mit wachsendem Alter zunimmt (Boers 1991; Killias et al. 2007; Lüdemann 2006). Einzelne Studien konnten auch kurvilineare Beziehungen beobachten, wonach sehr junge und recht betagte Populationen die höchsten Furchtwerte aufweisen (Ferraro 1995; Kury et al. 1992; Pritsch & Oberwittler 2016). Auflösen lässt sich die Diskrepanz möglicherweise durch eine geschlechtsspezifische Betrachtung des Alterseffektes: Während die Kriminalitätsangst bei Männern in den höheren Altersstufen zu gipfeln scheint, erreicht sie bei Frauen schon in jungen Jahren ihr Maximum (Kury & Obergfell-Fuchs 1998).

Bisher gewonnene Evidenzen legen nahe, dass Personen, die über mehr sozioökonomische Ressourcen verfügen, weniger Verbrechensfurcht bekunden als Bevölkerungsgruppen mit prekärer Ressourcenausstattung. Gemessen wurde der sozioökonomische Status dabei meist anhand der Indikatoren »Bildungsgrad« und »Einkommenshöhe«. Bildungsferne Befragte berichten häufig mehr Kriminalitätsfurcht als Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen. Einkommensschwache Personen artikulieren regelmäßig größere kriminalitätsbezogene Furchtsamkeiten als einkommensstarke Menschen (Hirtenlehner & Hummelsheim 2015; Pritsch & Oberwittler 2016; Rader et al. 2012).

Befragungsstudien deuten ferner auf ein Stadt-Land-Gefälle hin, was die »gefühlte« Sicherheit vor Kriminalität betrifft. Mit wachsender Einwohnerzahl der Wohnortgemeinde steigt auch die auf Kriminalität gerichtete Verunsicherung. In urbanen Regionen liegt das Furchtniveau systematisch höher als in ländlich geprägten Gebieten (Hirtenlehner & Hummelsheim 2015; Kury et al. 2000; Pritsch & Oberwittler 2016).

Aufmerksamkeit verdient des Weiteren die ethnische Zugehörigkeit eines Individuums. Obwohl zahlreiche ausländische Untersuchungen referieren, dass ethnische Minderheiten (im US-amerikanischen Kontext üblicherweise als »race« operationalisiert) eine höhere Verbrechensfurcht äußern (Andreescu 2013; Brunton-Smith & Sturgis 2011; Chiricos et al. 2000; May & Dunaway 2000; Skogan & Maxfield 1981), fand das Vorliegen eines Migrationshintergrundes in der deutschsprachigen Forschung zum Sicherheitsgefühl der Bürger bislang nur wenig Beachtung. Erst in jüngerer Zeit nehmen empirische Studien aus Deutschland das Thema in Angriff und gelangen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Befunden, wonach Personen mit Zuwanderungsbiographie häufiger von Kriminalitätsangst betroffen sind als die einheimische Bevölkerung (Birkel et al. 2019; Oberwittler & Zirnig 2016), stehen Hinweise auf eine in Migrantenkreisen geringere kriminalitätsassoziierte Verunsicherung gegenüber (Janssen et al. 2019; Oberwittler et al. 2017).

2.5 Forschungsleitendes Beziehungsmodell

Die bisherigen Ausführungen lassen sich zu einem Erklärungsmodell verdichten, dass die weitere Arbeit anleiten wird. Abbildung 1 zeigt die formulierten und geprüften Beziehungen. Dabei sei an dieser Stelle noch einmal explizit darauf hingewiesen, dass die Art und Anzahl der berücksichtigten unabhängigen Variablen aus der Struktur des DVS 2017 folgt. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass im verwendeten Datensatz wichtige Prädiktoren der Verbrechensfurcht fehlen (z. B. perzipierte »Incivilities« oder Wahrnehmungen informeller kollektiver Wirksamkeit), können dies im Rahmen einer Sekundäranalyse aber nicht korrigieren.

Abbildung 1 
            Forschungsleitendes Beziehungsmodell

Abbildung 1

Forschungsleitendes Beziehungsmodell

Das der hiesigen Untersuchung zugrundeliegende Erklärungsmodell postuliert im Kern einen Effekt des Polizeivertrauens auf das kriminalitätsbezogene Sicherheitsgefühl. Es wird angenommen, dass eine positive Einstellung zur Exekutive das subjektive Sicherheitsbefinden hebt. Daneben finden als Kontrollvariablen das Ausmaß ökonomisch konnotierter Abstiegssorgen, das Vorliegen einer Viktimisierungsbiographie und eine Reihe soziodemographischer Hintergrundmerkmale Berücksichtigung. Im Einklang mit bisherigen Befunden wird mit Blick auf die Kovariaten vermutet, dass sozioökonomische Absturzbefürchtungen (Britto 2013; Hirtenlehner 2019; Hirtenlehner et al. 2016) und kriminalitätsrelevante Opfererlebnisse (Ferraro 1995; Jackson 2004; Skogan & Maxfield 1981) zu einem Anstieg der Verbrechensfurcht führen.

Unterm Strich ergeben sich drei zu prüfende Hypothesen:

H1 (Beruhigungshypothese): Ein höheres Polizeivertrauen mündet in eine geringere Kriminalitätsfurcht.

H2 (Generalisierungshypothese): Größere ökonomische Ängste führen zu erhöhter Kriminalitätsfurcht.

H3 (Viktimisierungshypothese): Persönliche Opfererlebnisse begünstigen Kriminalitätsfurcht.

3 Untersuchungsmethode

3.1 Datengrundlage

Datenbasis der vorliegenden Untersuchung ist der Deutsche Viktimisierungssurvey 2017 (Birkel et al. 2019). Dabei handelt es sich um eine in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 durchgeführte bundesweite telefonische Querschnittsbefragung zu Opfererfahrungen, Sicherheitsempfinden und kriminalitätsbezogenen Einstellungen der Wohnbevölkerung Deutschlands. Die Grundgesamtheit bilden Personen, die in Deutschland in einem Privathaushalt leben und mindestens 16 Jahre alt sind. Dieser Grundgesamtheit wurden mehrere Teilstichproben entnommen. Die Ziehung der Basisstichprobe folgte einem Dual-Frame-Design, bei dem sowohl für Festnetz- als auch für Mobilfunkanschlüsse zufällig Telefonnummern generiert wurden. Die kontaktierten Telefonnummern wurden nach dem Häder-Gabler-Verfahren (1998) synthetisch erzeugt, mit dem Ziel eines finalen 3:1-Verhältnisses von Festnetz- und Mobilfunkrufnummern. Um einer Unterrepräsentation türkischstämmiger Personen entgegenzuwirken, wurde die zweiteilige Basisstichprobe um eine onomastische Zusatzstichprobe ergänzt. Dabei wurden aus dem aktuellen Telefonverzeichnis Nachnamen identifiziert, die auf einen türkischen Migrationshintergrund schließen lassen (Humpert & Schneiderheinze 2000). Aus diesem Auswahlrahmen wurde dann eine proportional regional stratifizierte Zufallsstichprobe gezogen.

Insgesamt konnte bei 15 % der für die Basisstichprobe gebildeten Rufnummern und bei 10 % der mittels Onomastikstichprobe selektierten Personen ein Interview geführt werden. Mit 31.192 auswertbaren Telefoninterviews konnte eine aussagekräftige, das gesamte Bundesgebiet repräsentierende Datengrundlage geschaffen werden. 73 % der Untersuchungsteilnehmer wurden über das Festnetz erreicht. Die restlichen 27 % wurden über Mobilfunk befragt. Während bei Festnetzanschlüssen von Mehrpersonenhaushalten diejenige Person einbezogen wurde, die zuletzt Geburtstag hatte, wurde bei Mobilfunkanschlüssen der Hauptnutzer des Telefons in die Erhebung inkludiert.[6]

Im hiesigen Kontext können nur wenige Analysen auf die Gesamtheit der gut 31.000 Untersuchungsteilnehmer gestützt werden. Der modulare Aufbau der Dunkelfeldstudie impliziert, dass manche der verwendeten Items (z. B. die deliktspezifische Kriminalitätsfurcht, die Beurteilung der Leistung der Polizei bei der Verbrechensbekämpfung, das Ausmaß ökonomischer Ängste) nur kleineren (in der Regel unterschiedlichen) Teilgruppen von Befragten zur Beantwortung vorgelegt wurden. Gerade in multivariaten Modellen reduziert sich die reale Stichprobengröße damit oft auf etwa 1.700 Personen.

Ergänzend sei angemerkt, dass alle hier vorgestellten Analysen auf der Basis eines durch eine fallzahlnormierte Gewichtung angepassten Datensatzes gerechnet wurden. Die Gewichtung berücksichtigt sowohl das komplexe Stichprobendesign der Befragungsstudie (Designgewichtung) als auch die Bevölkerungsstruktur Deutschlands (Poststratifizierung).[7]

3.2 Operationalisierung

Kriminalitätsfurcht: Als Zielvariable fungieren in Anlehnung an Ferraro und LaGrange (1987) zum einen die anhand des Standardindikators gemessene allgemeine emotionale Verbrechensfurcht und zum anderen drei konkrete deliktspezifische Befürchtungen. Globale oder formlose Kriminalitätsfurcht wurde mit der Frage »Wie sicher fühlen Sie sich – oder würden Sie sich fühlen – wenn Sie nach Einbruch der Dunkelheit alleine zu Fuß in Ihrer Wohngegend unterwegs sind oder wären?« erfasst. Dazu wurden die vier Antwortmöglichkeiten »sehr unsicher«, »eher unsicher«, »eher sicher« und »sehr sicher« präsentiert. Spezifische oder konkrete Kriminalitätsfurcht wurde mit Blick auf die Delikte Körperverletzung, Raub und Einbruchsdiebstahl operationalisiert. Auf die Frage »Inwieweit fühlen Sie sich beunruhigt, geschlagen und verletzt zu werden/überfallen und beraubt zu werden/dass in Ihre Wohnung bzw. in Ihr Haus eingebrochen wird?« folgten jeweils vier Antwortkategorien zwischen »gar nicht beunruhigt« und »sehr stark beunruhigt«.

Risikoantizipation: Für die Überprüfung der Robustheit der Befunde wird in Sensitivitätsanalysen auf die kognitive Risikoeinschätzung abgestellt. Die Bestimmung der antizipierten Viktimisierungsrisiken erfolgte für die drei bekannten Delikte, und zwar mit der Frage »Für wie wahrscheinlich halten Sie es, in den nächsten zwölf Monaten geschlagen und verletzt zu werden/überfallen und beraubt zu werden/dass in Ihre Wohnung bzw. in Ihr Haus eingebrochen wird?«. Es wurden jeweils vier Antwortmöglichkeiten dargeboten, die von »gar nicht wahrscheinlich« bis »sehr wahrscheinlich« reichten.

Polizeivertrauen: Das individuelle Vertrauen in die Exekutive wird alternierend an zwei Messgrößen festgemacht. Zum einen wird auf das allgemeine Polizeivertrauen rekurriert – abgelesen am Globalindikator »Sagen Sie mir bitte, wie groß das Vertrauen ist, das Sie der Polizei entgegenbringen.« Die entsprechende Selbsteinstufung konnte anhand einer elfstufigen Antwortskala mit den Endpunkten »überhaupt kein Vertrauen« und »sehr großes Vertrauen« geschehen. Zum anderen wird auf die Beurteilung der Leistung der Polizei bei der Kriminalitätskontrolle Bezug genommen. Die exakte Frage dazu lautete »Wie gut arbeitet die örtliche Polizei Ihrer Ansicht nach bei der Verbrechensbekämpfung?«. Es folgten die vier Antwortmöglichkeiten »sehr schlecht«, »eher schlecht«, »eher gut« und »sehr gut«. Die beiden Messungen des Polizeivertrauens korrelieren mit .39 (p = .000).

Image der Polizei im sozialen Nahbereich: Als Instrumentalvariable für das eigene Polizeivertrauen wird der Ruf der Polizei im persönlichen Umfeld der Befragten verwendet. Die entsprechende Instrumentierung stützt sich auf die Annahme, dass die Bewertung der Sicherheitsbehörden durch soziale Bezugspersonen nur vermittelt über deren Bedeutung für das eigene Bild von der Polizei Einfluss auf das individuelle Sicherheitsgefühl nehmen kann. Das Image der Polizei im sozialen Nahbereich wurde mit der Frage »Was glauben Sie: Welchen Ruf hat die Polizei bei Personen in Ihrem persönlichen Umfeld?« gemessen. Das vermutete Ansehen der Polizei bei Anderen war dabei anhand von fünf Antwortkategorien zwischen »sehr schlechten Ruf« und »sehr guten Ruf« einzuschätzen.

Ökonomische Ängste: Ökonomisch konnotierte Ängste werden als Sorge um die Entwicklung des persönlichen Lebensstandards konzeptualisiert. Je mehr das eigene wirtschaftliche Wohlergehen gefährdet erscheint, desto größere Abstiegsängste sollten sich des Individuums bemächtigen. Die Intensität persönlicher Absturzbefürchtungen wird an der Frage »Wie beunruhigt sind Sie darüber, dass sich Ihre wirtschaftliche Lage in den nächsten Jahren verschlechtern könnte?« abgelesen. Die vier beigeordneten Antwortmöglichkeiten reichten von »gar nicht beunruhigt« bis zu »sehr stark beunruhigt«.

Opfererfahrungen: Für die Bestimmung des persönlichen Viktimisierungshintergrundes werden Fragen nach Opfererlebnissen innerhalb der letzten fünf Jahre genutzt. Die Befragten konnten für verschiedene Kriminalitätsformen[8] angeben, ob sie davon im genannten Zeitraum selbst betroffen waren. Für die hiesigen Analysen werden einerseits drei deliktspezifische 5-Jahres-Prävalenzen der Viktimisierung (Körperverletzung, Raub und Wohnungseinbruch) verwendet, andererseits ein undifferenziertes Globalmaß, welches nur abbildet, ob man in der Referenzperiode zumindest einer der vielen abgefragten Straftaten zum Opfer gefallen ist.

Soziodemographischer Hintergrund: Mehrere sozialstatistische Personenmerkmale werden als Kontrollvariablen berücksichtigt. Das Alter wurde in Jahren gemessen. Männer wurden mit null, Frauen mit eins kodiert. Das Bildungsniveau wurde über den höchsten Bildungsabschluss (Hauptschulabschluss, mittlere Reife, Hochschulreife, Hochschulabschluss) operationalisiert. Der Urbanisierungsgrad wurde anhand der Einwohnerzahl der Wohnortgemeinde (sechs Kategorien von »unter 2000« bis »eine halbe Million und mehr«) gemessen. Mithilfe einer binären Variable wurde das Vorliegen eines Migrationshintergrundes spezifiziert. Ein Migrationshintergrund wird den Befragten zugeschrieben, sobald sie eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen, außerhalb der Grenzen des heutigen Deutschlands geboren wurden oder mindestens einen Elternteil haben, der im Ausland geboren wurde und nach 1949 in das Gebiet des heutigen Deutschland zugezogen ist.

3.3 Analysestrategie: Instrumentalvariablenregression

Wie eingangs bereits erwähnt, kann mit der Instrumentalvariablenregression (Angrist & Pischke 2009; Bacher et al. 2020; Bushway & Apel 2010) ein in querschnittlichen Daten möglicherweise auftretendes Simultanitätsproblem – wenn also zwei Variablen X und Y einander wechselseitig beeinflussen – näherungsweise gelöst werden. Die Grundidee der Instrumentalvariablenregression besteht darin, dass für die Bestimmung des Effektes von X auf Y nicht die Variable X verwendet wird, sondern ihr aufgrund einer oder mehrerer Instrumentenvariablen Z geschätzter Prognosewert E(X/Z). Dies bringt – sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind – den Vorteil, dass der um die reziproke Wirkung von Y auf X bereinigte Effekt von X auf Y geschätzt werden kann. Die Voraussetzungen dafür sind (Bacher et al. 2020):

  1. 1.

    Die Instrumentenvariable Z wirkt direkt auf X ein, ist also in der Lage, X zu erklären (Relevanzbedingung). Diese Bedingung kann auch dahingehend abgeschwächt werden, dass die Instrumentenvariable mit der Variable, deren Prädiktor sie darstellt, stark korreliert.

  2. 2.

    Die Instrumentenvariable Z wirkt nur indirekt über X auf Y ein (Exklusionsbedingung), nicht aber direkt. Eine gewisse Korrelation zwischen der Instrumentenvariable Z und der Zielvariablen Y ist damit freilich zulässig.

  3. 3.

    Die Instrumentenvariable Z repräsentiert eine »echte« exogene Variable (Exogenitätsbedingung), d. h. sie wird von keinen anderen im Modell enthaltenen Variablen beeinflusst und ist in der Folge mit dem Fehlerterm von Y unkorreliert.

Mitunter wird noch als vierte Bedingung eine Homogenität der Wirkung der durch die Instrumentenvariable gemessenen Variablen X auf die interessierende abhängige Variable eingefordert. Damit ist gemeint, dass der Effekt der untersuchten unabhängigen Variablen auf die Zielvariable Y in unterschiedlichen Teilstichproben in etwa gleich groß ausfallen sollte. Diese Annahme wird aber in jeder Regressionsanalyse getroffen und ist insofern keine spezifische Voraussetzung für den Einsatz der Instrumentalvariablenanalyse.

Technisch bestehen für die Umsetzung der Instrumentenvariablenschätzung verschiedene Möglichkeiten (Bacher et al. 2020). Am häufigsten praktiziert wird ein zweistufiges Vorgehen, wonach in einem ersten Schritt mittels einer Regression die Vorhersagewerte E(X/Z) von X berechnet werden und in einem zweiten Schritt mittels einer weiteren Regression der Effekt dieser Prognosewerte E(X/Z) auf Y ermittelt wird. Die beiden Regressionsgleichungen lauten:

E(X/Z) = d0 + d1·Z + d2·C1 + .... + d(p+1)·Cp (1)

und

Y = b0 + b1·E(X/Z) + b2·C1 + .... + b(p+1)·Cp + u (2)

mit

Z ... Instrumentenvariable von X

E(X/Z) ... Vorhersagewerte von X aus Z und weiteren Kovariaten Ci

Ci ...Kovariate

Y ... zu erklärende (abhängige) Variable

u ... Fehlerterm

Die erste Gleichung wird als »First-Stage Equation« bezeichnet, die zweite als »Second-Stage Equation«. In der Literatur wird empfohlen, in beide Gleichungen alle Kovariaten einzubeziehen (Bascle 2008). Selbstverständlich ist es möglich, für die Errechnung der prognostizierten Werte von X mehr als eine Instrumentenvariable zu verwenden.

Für die Berechnung der Regressionsparameter di und bi kann auf die üblichen Schätzverfahren wie die Kleinste-Quadrate- oder die Maximum-Likelihood-Methode zurückgegriffen werden. Ein sehr allgemeines Schätzverfahren, das Heteroskedastizität, korrelierte Fehlerterme und Verletzungen der Normalverteilungsannahme der Residuen zulässt, ist die »Generalized Method of Moments« (GMM), welche z. B. im Stata-Modul IVREG2 (Baum et al. 2003, 2007) zur Verfügung gestellt wird. IVREG2 bietet auch eine Reihe von Teststatistiken zur Prüfung verschiedener Anwendungsvoraussetzungen der Instrumentalvariablenanalyse (Bacher et al. 2020). Das wichtigste Testverfahren ist der F-Test nach Cragg-Donald bzw. sein gegenüber Verletzungen der klassischen Annahmen robustes Pendant, die »Kleibergen-Paap rk Wald F Statistik«. Geprüft wird damit, ob relevante (»starke«) Instrumentenvariablen vorliegen. Letztlich wird auf die durch die Instrumentenvariable Z erklärte Varianz in X abgestellt (je mehr, desto besser). Als Daumenregel sollte der entsprechende F-Wert größer 10 sein (Baum et al. 2007).

4 Resultate

4.1 Bivariate Zusammenhangsanalysen

Tabelle 1 informiert über die bivariaten Korrelationen der verschiedenen Indikatoren des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsbefindens mit den untersuchten Erklärungsfaktoren. Ins Auge fällt sogleich ein statistisch zwar mehrheitlich signifikanter, inhaltlich aber sehr schwacher Zusammenhang des Polizeivertrauens mit der Verbrechensfurcht. Für nahezu alle verwendeten Messungen der beiden Konstrukte lässt sich beobachten, dass ein größeres Vertrauen in die Exekutive mit einer etwas geringeren kriminalitätsassoziierten Verunsicherung einhergeht. Die negative Richtung des Zusammenhangs entspricht zwar den theoretischen Überlegungen, die Beziehungsstärke bleibt allerdings deutlich hinter den Erwartungen zurück.[9] Letzteres weckt bereits erste Zweifel an der Erklärungskraft der Einstellung zu den Sicherheitsbehörden für das Niveau der individuellen Furcht vor Kriminalität.

Tabelle 1

Produkt-Moment-Korrelationen der Kriminalitätsfurcht mit den Prädiktorvariablen

Kriminalitätsfurcht
Allgemein Gewalt Raub Einbruch
Allgemeines Polizei-vertrauen -.10*** -.06*** -.07*** -.05***
Polizeiliche Wirksamkeitsbeurteilung -.05* -.03 -.06* -.07***
Ökonomische Ängste +.30*** +.29*** +.31*** +.26***
Persönliche Viktimisierung +.03*** .12*** +.05*** +.10***
Alter +.10*** -.02 -.01 -.02
Geschlecht: Frau +.31*** +.14*** +.14*** +.06***
Bildungsgrad -.13*** -.05*** -.08*** +.00
Migrationshintergrund +.04*** +.07*** +.07*** +.04**
Wohnortsgröße +.08*** +.08*** +.05*** +.04**

*** ... p ≤ .001; ** ... p ≤ .001; * ... p ≤ .05

Beachte: Für die allgemeine Kriminalitätsfurcht wird der globale, sonst der deliktspezifische Viktimisierungshintergrund als Korrelat verwendet.

Als bedeutsamstes Korrelat der Verbrechensfurcht erweist sich der Grad der Verunsicherung in ökonomischen Belangen. Je mehr der eigene Lebensstandard bedroht erscheint, desto mehr Angst berichten die Befragten auch im Hinblick auf Kriminalität.

Persönliche Opfererlebnisse innerhalb der letzten fünf Jahre spielen im Vergleich dazu eine untergeordnete Rolle. Während sich bei der Körperverletzung und dem Einbruchsdiebstahl erwähnenswerte Korrelationen in dem Sinne finden, dass Befragte mit einschlägigen Opfererfahrungen auch mehr Furcht vor Straftaten bekunden, erweisen sich die beiden anderen Korrelationskoeffizienten der Größe nach als vernachlässigbar.

In soziodemographischer Hinsicht ragt das Geschlechtergefälle heraus. Frauen berichten für alle Indikatoren des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsgefühls höhere Furchtwerte als Männer. Am stärksten ausgeprägt ist der Geschlechterabstand beim allgemeinen Sicherheitsempfinden bei Dunkelheit draußen in der Wohnumgebung.

4.2 Instrumentalvariablenanalysen

Die eigentliche Überprüfung der empirischen Haltbarkeit der Beruhigungshypothese muss mittels multivariater Instrumentalvariablenmodelle erfolgen: multivariat, um Scheinbeziehungen auszuschließen; instrumentiert, um reziproke Einflüsse des persönlichen Sicherheitsgefühls auf das Vertrauen in die Polizei zu eliminieren. Letzteres leisten Instrumentalvariablenanalysen, indem sie in einem ersten Schritt aus einer das Sicherheitsempfinden nicht direkt beeinflussenden Instrumentalvariable Erwartungswerte des Polizeivertrauens generieren, welche sie in einem zweiten Schritt für die Erklärung der Kriminalitätsangst verwenden. Solche Instrumentierungen werden im Folgenden für den Globalindikator des Vertrauens in die Exekutive und die Beurteilung der polizeilichen Leistung bei der Verbrechensbekämpfung separat durchgeführt. Als Instrumentalvariable dient in beiden Fällen das (perzipierte) Image der Polizei im persönlichen Umfeld der Befragten.

4.2.1 Allgemeines Polizeivertrauen

Zuerst wird die Beruhigungshypothese am global-allgemeinen Vertrauen der Bürger in die Polizei getestet. Tabelle 2 zeigt zunächst die Ergebnisse der linearen Regressionsanalyse für die Berechnung der Prognosewerte des subjektiven Polizeivertrauens.

Tabelle 2

Ergebnisse der linearen Regressionsanalyse zur Berechnung des prognostizierten allgemeinen Polizeivertrauens (First-Stage Equation, GMM, robuste Standardfehler)

b t p
Instrumentalvariable: Ruf der Polizei im persönlichen Umfeld +1.30 15.02 .000
Kovariaten:
Ökonomische Ängste -0.16 1.91 .057
Viktimisierung(global) -0.29 2.52 .012
Alter -0.00 0.46 .644
Geschlecht: Frau -0.04 0.38 .706
Bildungsgrad +0.07 1.51 .131
Migrationshintergrund -0.02 0.13 .898
Wohnortsgröße -0.03 0.79 .429
Modellgüte:
R² [Gesamtmodell] 0.272 .000
R² [nur Instrumentalvariable] 0.254 .000

b ... unstandardisierter Regressionskoeffizient; t ... T-Wert; p ... α-Fehler

Die vorgeschaltete Regression erster Stufe kann 27 % der Streuung der persönlichen Einstellung zur Exekutive erklären. Das bedeutet, dass die tatsächlichen und die vorhergesagten Werte des allgemeinen Polizeivertrauens mit .52 korrelieren. Allein der Ruf der Polizei im sozialen Umfeld erbringt eine Varianzaufklärungsleistung von 25 %. Dies entspricht einer Korrelation der beiden Konstrukte in der Höhe von .50. Wenn im persönlichem Umfeld ein positives Bild von der Polizei zirkuliert, bringt man dieser Institution auch selbst mehr Vertrauen entgegen. Der korrespondierende F-Wert von 225,63 (Kleibergen-Paap Wald rk F-Statistik) überschreitet den in der Literatur genannten Mindestwert von 10 (Baum et al. 2007) um ein Vielfaches. Zweifellos wird man aus diesen Parametern auf eine gelungene Instrumentierung schließen dürfen. Mit dem Image der Polizei im sozialen Nahbereich liegt also eine brauchbare Instrumentalvariable vor.

Inhaltlich aufschlussreich für die Beurteilung der Bewährung der Beruhigungshypothese sind die Befunde der nachgeschalteten Regressionsanalysen zweiter Stufe. Da separate Instrumentalvariablenmodelle für alle vier Messungen des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsbefindens gerechnet wurden, ergeben sich auch vier unterschiedliche »Second-Stage Equations«.[10] Deren Resultate werden in Tabelle 3 präsentiert.

Tabelle 3:

Ergebnisse linearer Regressionsanalysen zur Erklärung allgemeiner und deliktspezifischer Kriminalitätsfurcht (Second-Stage Equations, GMM, robuste Standardfehler, instrumentierter Prädiktor: allgemeines Polizeivertrauen)

Allgemeine Kriminalitätsfurcht Furcht vor Körperverletzung Furcht vor Raub Furcht vor Einbruchsdiebstahl
b t p b t p b t p b t p
(instrumentiertes) allgemeines Polizeivertrauen -0.01 0.22 .828 +0.02 0.64 .521 +0.02 0.64 .519 +0.03 0.75 .456
Ökonomische Ängste +0.25 7.01 .000 +0.28 6.39 .000 +0.33 7.64 .000 +0.29 6.55 .000
Persönliche Viktimisierung +0.08 1.53 .125 +0.53 3.89 .000 +0.35 1.76 .078 +0.74 5.15 .000
Alter +0.01 3.27 .001 +0.00 1.78 .075 +0.00 1.50 .135 +0.00 2.26 .024
Geschlecht: Frau +0.44 9.03 .000 +0.31 5.26 .000 +0.29 4.69 .000 +0.12 1.88 .059
Bildungsgrad -0.09 4.05 .000 -0.06 2.43 .015 -0.07 2.56 .010 +0.00 0.11 .915
Migrationshintergrund +0.02 0.29 .774 +0.12 1.43 .154 +0.22 2.45 .014 +0.16 1.80 .071
Wohnortsgröße +0.08 5.03 .000 +0.05 2.83 .005 +0.02 1.12 .264 +0.02 1.13 .260
Modellgüte:
R² Gesamtmodell 0.195 .000 0.143 .000 0.142 .000 0.093 .000

b ... unstandardisierter Regressionskoeffizient; t ... T-Wert; p ... α-Fehler

Beachte: Für die allgemeine Kriminalitätsfurcht wird der globale, sonst der deliktspezifische Viktimisierungshintergrund als Prädiktor verwendet.

Als Hauptergebnis der multiplen Analysen lässt sich ein Nulleffekt des (instrumentierten) Polizeivertrauens festhalten. Wie sicher man sich nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen der näheren Wohnumgebung fühlt, hängt in keiner Weise von der Bewertung der Exekutive ab. Dasselbe gilt für die untersuchten deliktspezifischen Befürchtungen: Weder die Angst vor Gewalt- und Raubstraftaten noch die Furcht vor Einbruchsdiebstahl bestimmt sich nach dem subjektiven Bild von der Polizei. Die statistische Unabhängigkeit verschiedener Messungen des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsempfindens vom globalen Vertrauen in die Exekutive widerspricht der Beruhigungshypothese.

4.2.2 Beurteilung der polizeilichen Leistung bei der Verbrechensbekämpfung

Die bisherigen Auswertungen beruhen auf dem global-unspezifischen Generalindikator des allgemeinen Polizeivertrauens. Um die Stabilität der damit erzielten Befunde zu überprüfen, wurden die Instrumentalvariablenanalysen ein weiteres Mal mit der wahrgenommenen Effektivität der örtlichen Polizei bei der Verbrechensbekämpfung als Maß für das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden gerechnet. Wie Tabelle 4 entnommen werden kann, lässt sich diese Messgröße ebenfalls gut instrumentieren: Der Ruf der Polizei im persönlichen Umfeld und die Bewertung der polizeilichen Arbeit bei der Kriminalitätsbekämpfung sind mit .37 (p = .000) korreliert. Das Image der Polizei im sozialen Nahbereich kann 13,5 % der Streuung der polizeilichen Wirksamkeitsbeurteilungen erklären. Kleibergen-Paap’s rk Wald F-Statistik (F = 97,02) weist das Ansehen der Exekutive im Kreis der sozialen Bezugspersonen als starke Instrumentalvariable aus.

Tabelle 4

Ergebnisse der linearen Regressionsanalyse zur Berechnung der prognostizierten polizeilichen Wirksamkeits-beurteilung (First-Stage Equation, GMM, robuste Standardfehler)

b t p
Instrumentalvariable:
Ruf der Polizei im persönlichen Umfeld +0.30 9.85 .000
Kovariaten:
Ökonomische Ängste -0.03 0.96 .337
Viktimisierung -0.10 2.39 .017
Alter +0.00 1.23 .220
Geschlecht: Frau +0.06 1.54 .123
Bildungsgrad -0.01 0.75 .452
Migrationshintergrund +0.08 1.45 .147
Wohnortsgröße -0.01 1.16 .244
Modellgüte:
R² [Gesamtmodell] 0.161 .000
R² [nur Instrumentalvariable] 0.135 .000

b ... unstandardisierter Regressionskoeffizient; t ... T-Wert; p ... α-Fehler

Die Gleichungen der Schätzmodelle der zweiten Stufe liefern die inhaltlich relevanten Befunde. Diese replizieren die bislang referierten Ergebnisse. Wie aus Tabelle 5 ersichtlich, finden sich keine signifikanten Effekte der instrumentierten polizeilichen Wirksamkeitsbeurteilung auf das kriminalitätsbezogene Sicherheitsgefühl. Weder die anhand des Standardindikators gemessene allgemeine Kriminalitätsfurcht noch die diversen deliktspezifischen Befürchtungen hängen systematisch von der Bewertung der Leistungen der Polizei bei der Verbrechensbekämpfung ab. Die Abwesenheit nachweisbarer Einflüsse der Zufriedenheit mit der polizeilichen Verbrechensbekämpfungsarbeit auf das kriminalitätsassoziierte Sicherheitsbefinden steht im Gegensatz zur Beruhigungshypothese.

Tabelle 5:

Ergebnisse linearer Regressionsanalysen zur Erklärung allgemeiner und deliktspezifischer Kriminalitätsfurcht (Second-Stage Equations, GMM, robuste Standardfehler, instrumentierter Prädiktor: polizeiliche Wirksamkeitsbeurteilung)

Allgemeine Kriminalitätsfurcht Furcht vor Körperverletzung Furcht vor Raub Furcht vor Einbruchsdiebstahl
b t p b t p b t p b t p
(instrumentierte) polizeiliche Wirksamkeitsbeurteilung -0.04 0.33 .745 -0.08 0.62 .534 -0.06 0.41 .682 -0.08 0.52 .601
Ökonomische Ängste +0.24 6.60 .000 +0.29 6.81 .000 +0.34 7.42 .000 +0.30 6.48 .000
Persönliche Viktimisierung +0.07 1.16 .246 +0.43 3.72 .000 +0.36 1.72 .086 +0.77 4.80 .000
Alter +0.00 2.71 .007 +0.00 1.92 .055 +0.00 1.29 .196 +0.00 1.93 .054
Geschlecht: Frau +0.43 8.25 .000 +0.31 5.08 .000 +0.28 4.28 .000 +0.10 1.54 .124
Bildungsgrad -0.10 4.06 .000 -0.06 2.37 .018 -0.06 2.29 .022 +0.01 0.18 .856
Migrationshintergrund +0.00 0.00 .999 +0.11 1.27 .203 +0.20 2.01 .045 +0.12 1.32 .188
Wohnortsgröße +0.09 4.94 .000 +0.06 3.20 .001 +0.01 0.75 .453 +0.02 0.90 .367
Modellgüte:
R² Gesamtmodell 0.187 .000 0.147 .000 0.139 .000 0.092 .000

b ... unstandardisierter Regressionskoeffizient; t ... T-Wert; p ... α-Fehler

Beachte: Für die allgemeine Kriminalitätsfurcht wird der globale, sonst der deliktspezifische Viktimisierungshintergrund als Prädiktor verwendet.

4.2.3 Weitere Prädiktoren des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsgefühls

Die Tabellen 3 und 5 enthalten auch Informationen zur Bedeutsamkeit weiterer Erklärungsfaktoren.

Als wesentliche Bestimmungsgröße des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsempfindens erweist sich demnach das »gefühlte« Ausmaß ökonomischer Unsicherheit.[11] Wird der eigene Lebensstandard als prekär erlebt, geht auch die Angst vor Straftaten nach oben. Ökonomisch konnotierte Absturzbefürchtungen zeigen sich eng verknüpft sowohl mit der allgemeinen als auch mit der deliktspezifischen Furcht vor Kriminalität. Diese Beobachtungen harmonieren mit der Generalisierungshypothese.

Die Befunde zur Viktimisierungshypothese fallen uneinheitlich aus. Während Personen mit einschlägigen Opfererfahrungen mehr Furcht vor körperlicher Gewalt und Wohnungseinbruch artikulieren als die von solchen Opferwerdungen verschont gebliebenen Befragten, finden sich für die Angst vor Raubüberfällen und das allgemeine Sicherheitsgefühl bei Dunkelheit draußen in der Wohnumgebung keine Zusammenhänge mit dem Viktimisierungshintergrund.

Daneben fällt dem Geschlecht ein bedeutsamer Erklärungswert zu. Frauen berichten systematisch mehr Unsicherheit auf den Straßen als Männer. Darüber hinaus äußern Frauen auch eine signifikant größere Furcht vor Gewalt- und Raubstraftaten.[12]

Abgesehen vom Einbruchsdiebstahl variiert die Angst vor Kriminalität systematisch mit dem Bildungsniveau der Bürger. Höhere Bildungsgrade gehen dabei mit geringeren Verunsicherungswerten einher.

Tabelle 6:

Ausgewählte Ergebnisse verschiedener linearer Regressionsanalysen zur Erklärung deliktspezifischer Risikowahrnehmungen (Second-Stage Equations, GMM, robuste Standardfehler)

Körperverletzung Raub Einbruchsdiebstahl
Instrumentierter Prädiktor b t p b t p b t p
Allgemeines Polizeivertrauen +0.02 0.83 .405 +0.03 1.19 .234 +0.00 0.08 .936
Polizeiliche Wirksamkeitsbeurteilung +0.09 0.71 .477 +0.17 1.34 .180 +0.04 0.28 .779

b ... unstandardisierter Regressionskoeffizient; t ... T-Wert; p ... α-Fehler

4.2.4 Sensitivitätsanalysen

Obgleich die inhaltliche Argumentation der Beruhigungshypothese ein Abheben auf das affektive Sicherheitsempfinden nahelegt, sei an dieser Stelle angemerkt, dass eine Substituierung der emotionalen Kriminalitätsfurcht durch die kognitive Risikoeinschätzung nichts an den Befunden ändert. Instrumentalvariablenregressionsanalysen auf die antizipierten Wahrscheinlichkeiten, selbst Opfer einer Körperverletzung, eines Raubüberfalls oder eines Wohnungseinbruchs zu werden, lassen ebenfalls keine signifikanten Effekte des Polizeivertrauens erkennen, egal ob man letzteres anhand des Globalindikators oder der polizeilichen Wirksamkeitsbeurteilung erfasst. Eine Zusammenfassung der entsprechenden Regressionskoeffizienten und Teststatistiken kann Tabelle 6 entnommen werden. Darin zeigen weder das allgemeine Polizeivertrauen noch die Bewertung der Leistung der Exekutive bei der Verbrechensbekämpfung systematische Verbindungslinien zur persönlichen Risikowahrnehmung.

5 Fazit

Die hier vorgestellten Instrumentalvariablenanalysen wecken Zweifel an der Belastbarkeit der Beruhigungshypothese (Skogan 2009). Nach Kontrolle möglicher reziproker Beziehungsdynamiken und wichtiger Drittvariablen finden sich keine Hinweise auf Einflüsse des Polizeivertrauens auf das kriminalitätsbezogene Sicherheitsbefinden. Wie sicher sich die im Rahmen des DVS 2017 befragten Personen fühlen, hängt nicht von ihrem Bild von der Exekutive ab. Die Annahme, starkes Vertrauen in die Polizei schütze vor Verbrechensfurcht, muss daher für Deutschland zurückgewiesen werden. Mit der Unabhängigkeit des Furchtniveaus von der Beurteilung der Exekutive wird auch ein in der Literatur diskutiertes Mediationsmodell in Frage gestellt, demzufolge Einflüsse diverser Prädiktoren des Sicherheitsgefühls auf die persönliche Furcht vor Kriminalität durch das individuelle Polizeivertrauen vermittelt werden (Alda et al. 2017; Bennett 1994; Kim et al. 2021; Oh et al. 2019).

Plausibilität erfährt dieser Befund im Angesicht der Erklärungskraft ökonomisch gefärbter Ängste. Alle durchgeführten Analysen unterstreichen die Implikationen sozioökonomischer Abstiegsbefürchtungen für das kriminalitätsbezogene Sicherheitsempfinden. Zweifel hinsichtlich der Beständigkeit des gewohnten Lebensstandards münden in eine gehobene Furcht vor kriminalitätsverdächtigen Übergriffen. Diese Beobachtung fügt sich nahtlos in den Katalog der positiven Evidenzen für die Generalisierungshypothese (Hirtenlehner 2006; Hirtenlehner & Farrall 2012; Hirtenlehner & Sessar 2017; Vieno et al. 2013). In der engen Verschränkung der Verbrechensfurcht mit breiteren sozialen und wirtschaftlichen Ängsten könnte der Schlüssel für das Verständnis ihrer Entkoppelung von der Beurteilung der Tätigkeit der Polizei liegen.[13] Wenn Angst vor Kriminalität eine Manifestation verschiedenster existenzieller Sorgen darstellt, wird einer protektiven Wirksamkeit des Vertrauens in spezielle Institutionen der Strafrechtspflege das Fundament entzogen. Wo Verbrechensfurcht stellvertretend für ein ganzes Bündel spätmoderner Daseinssorgen und Unbehaglichkeiten steht, lässt sich ihre individuelle Ausprägung nur noch sehr peripher durch die Einstellung zu den Kriminalitätskontrollbehörden beeinflussen. Der Erklärungswert einer perzipierten Abwärtsmobilität im sozioökonomischem Bereich verweist hingegen auf furchtpräventive Potenziale eines robusten Vertrauens in wohlfahrtsstaatliche Sicherungsarrangements (Hummelsheim et al. 2011).

Der persönliche Viktimisierungshintergrund steht mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl nur vereinzelt im Zusammenhang. Für manche Messungen der Kriminalitätsfurcht finden sich schwache Verbindungslinien zur einschlägigen Viktimisierungsbiographie, für andere nicht. Die Hypothese, dass eigene Opfererlebnisse Angst vor Straftaten nach sich ziehen, erhält hier nur teilweise Unterstützung. Eine solche uneinheitliche Befundlage entspricht dem internationalen Stand der Forschung (Boers 2002; Hirtenlehner & Hummelsheim 2015).

Erwähnung verdient schließlich ein ausgeprägtes Geschlechtergefälle im Bereich des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsbefindens. Frauen zeigen mehr Furcht vor Übergriffen als Männer, wobei der entsprechende Abstand beim diffusen Sicherheitsgefühl nachts draußen in der Wohnumgebung besonders groß ausfällt.

In methodologischer Hinsicht illustrieren die vorgenommenen Auswertungen den Nutzen der Instrumentalvariablenanalyse für die kriminologische Forschung. Wenn man mit einer simultanen (bidirektionalen) Kausalitätsproblematik konfrontiert ist, Daten aber nur im querschnittlichen Format vorliegen, gestatten Instrumentalvariablenmodelle eine statistische Annäherung an die Realität. Findet man eine gute Instrumentenvariable für ein an einer reziproken Wirkungsdynamik beteiligtes Konstrukt, lässt sich zumindest der um Rückkoppelungen bereinigte Effekt dieses Konstruktes auf das andere involvierte Konzept schätzen. Wir glauben, dass dies hier überzeugend gelungen ist. Mit dem Ruf der Polizei im persönlichen Umfeld konnte ein theoretisch und statistisch brauchbares Instrument für das eigene Vertrauen in die Exekutive identifiziert werden. Der Schluss auf eine weitgehende Bedeutungslosigkeit des individuellen Polizeivertrauens für die Höhe der Verbrechensfurcht erscheint insofern inhaltlich vertretbar. Dies impliziert allerdings nicht, dass die Tätigkeit der Exekutive gänzlich irrelevant für das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung sein muss. Die vorliegende Untersuchung belegt lediglich, dass die allgemeine Einstellung der Bürger zur Institution Polizei – namentlich das globale Vertrauen in die Polizei und abstrakte Vorstellungen von der polizeilichen Verbrechensbekämpfungsleistung – nicht mit dem dekontextualisierten persönlichen Sicherheitsgefühl korrespondiert. Dass in konkreten sozialen Situationen die Nähe oder das Einschreiten eines Exekutivbeamten sehr wohl ein Gefühl des Beschütztseins und der Sicherheit vermitteln kann, wird dadurch nicht ausgeschlossen.

Wissenschaftliche Kritik könnte sich an der Vernachlässigung der Bedeutung wahrgenommener Symbole physikalischer und sozialer Unordnung im Wohnviertel (sowie weiterer nachbarschaftlicher Merkmale) entzünden. Perzipierte Anzeichen von »Disorder« oder »Incivility« wurden in unzähligen Studien als maßgebliche Determinanten des kriminalitätsbezogenen Sicherheitsbefindens ausgewiesen (Häfele 2013; Lüdemann 2006; Oberwittler et al. 2017; Skogan 1992). Eine Berücksichtigung dieser Variablen in den gerechneten multivariaten Regressionsmodellen scheiterte allerdings an der modularen Struktur des DVS. Die Eigenschaften der Wohnumgebung sind in einem anderen Fragebogenmodul platziert als die verwendeten Items zum Polizeivertrauen oder Sicherheitsempfinden der Bürger. Da sich aber schon in den durchgeführten Analysen keine signifikanten Einflüsse der Polizeibewertung auf die Höhe der Verbrechensfurcht nachweisen lassen, wird man die Ausblendung individueller Unordnungsperzeptionen (und anderer Nachbarschaftsfaktoren) als verzeihlich einstufen dürfen.[14]

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Online erschienen: 2022-02-11
Erschienen im Druck: 2022-02-09

© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston