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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter June 1, 2011

Von Abgötterei und Selbsthingabe. Theologische Überlegungen zur Selbstliebe

  • Anne Käfer EMAIL logo

ZUSAMMENFASSUNG

Dass die Frage nach dem, was »Selbstliebe« ist, im Bereich der evangelischen Theologie mit gegensätzlichen Aussagen von entscheidender dogmatischer Relevanz beantwortet wird, das zeigt die Gegenüberstellung der Positionen Karl Barths und Sören Kierkegaards. Barth weist jegliche Selbstliebe als unchristlich zurück. Von einem Christen sei Selbsthingabe verlangt. Nach Kierkegaard hingegen ist solche Hingabe an einen anderen Menschen als Abgötterei abzuweisen.

Unter Bezugnahme auf Luthers Christologie und Sakramentenlehre wird deutlich, dass aller Selbst- wie Nächstenliebe unverfügbar und unverzichtbar die Liebe Gottes zugrunde liegt. Sie ist in der Selbsthingabe Gottes in Jesus Christus offenbar geworden und wird in der Taufe dem Täufling zugesprochen. Die heilsnotwendige Selbsthingabe Gottes bis in den Tod kann von keinem Menschen nachgeahmt werden. Wahre Nachfolge in der Liebe Gottes kann nicht durch das Opfer des eigenen Selbst geschehen. Das Selbst, das sich selbst als geliebtes Geschöpf erkennt, ahmt Gottes schöpferische Liebe vielmehr dadurch nach, dass es sich selbst als Gottes geliebtes Geschöpf manifestiert und in der Feier der Sakramente die Gegenwart der Liebe Gottes mit seinem Nächsten teilt.

SUMMARY

A comparison of the positions of Karl Barth and Sören Kierkegaard plainly shows that the question, pregnant with dogmatic relevance, of what »self-love« is, has been answered in contradictory ways within Protestant Theology. Barth rejects all forms of self-love as unchristian. A Christian is called to self-sacrifice. According to Kierkegaard, however, such sacrifice for another is to be rejected as idolatry.

Luther's Christology and his sacramental theology show clearly that all self-love and brotherly love has as its exclusive basis the love of God. God's love has been revealed in his self-sacrifice in Jesus Christ and is communicated in baptism. God's salvific self-sacrifice unto death cannot be imitated by any human. Real discipleship in the love of God cannot be achieved through self-sacrifice. The person who recognises herself as loved by God imitates God's creative love adequately in manifesting herself as God's beloved creature, and by sharing the presence of God's love with her fellow creature in the celebration of the sacraments.

Online erschienen: 2011-06-01
Erschienen im Druck: 2011-June

© Walter de Gruyter 2011

Downloaded on 29.2.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/nzst.2011.012/html
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