Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter March 8, 2014

Hermann Cremers Umformung der christlichen Lehre von den Eigenschaften Gottes im Lichte ihrer Rezeption im 20. Jahrhundert

Matthias Gockel

Zusammenfassung

Der Aufsatz bietet eine kritische Würdigung des lutherischen Theologen Hermann Cremer (1834-1903), der mit Recht als ›Haupt der Greifswalder Schule‹ an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bezeichnet wird. Im Mittelpunkt steht Cremers Abhandlung »Die christliche Lehre von Gottes Eigenschaften« aus dem Jahr 1897, die im Kontext seiner Soteriologie und theologischen Epistemologie behandelt wird. Cremers Neuansatz in der Eigenschaftslehre intendiert eine gesamtbiblische Entfaltung des Begriffs der Gerechtigkeit, die betont, dass Gott gerade in seinem erlösendem Handeln gerecht richtet: Vergebung heißt »nicht Rettung von seiner Hand, sondern Rettung durch seine Hand«. Anschließend kommt Cremers in der bisherigen Forschung kaum beachtete Debatte mit seinem Rostocker Kollegen K. F. Nösgen über zentrale Fragen der Rechtfertigungslehre zur Sprache, bevor wir einen genaueren Blick auf die Rezeption von Cremers Schrift im 20. Jahrhundert werfen. Der Schlussteil fasst die zentralen Aspekte der Diskussion zusammen und formuliert einige Anfragen, vor allem im Hinblick auf Cremers Gewissensbegriff.

Summary

The article offers a critical appreciation of the Lutheran theologian Hermann Cremer (1834-1903), the leading figure of the so-called Greifswald School at the turn from the 19th to the 20th century. In particular, I consider Cremer’s essay on the doctrine of God’s attributes from 1897 in the context of his soteriology and theological epistemology, with a particular emphasis on his creative revision of the concept of God’s righteousness. According to Cremer, God’s grace is efficient precisely in and through God’s judgment. I also look at Cremer’s debate with Karl Friedrich Nösgen on the ‘righteousness of faith’ and the idea of justification by faith alone. Cremer’s thinking is then brought into conversation with several interpreters of his work in the 20th century. I conclude by raising some questions for further discussion, especially in regard to Cremer’s concept of conscience.

Online erschienen: 2014-03-08
Erschienen im Druck: 2014-03

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