Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg March 19, 2019

Ehegattensplitting: Besteuerung nach Leistungsfähigkeit und Arbeitsanreizneutralität sind kein Widerspruch

Eine Replik zum Gutachten des wissenschaftlichen Beirats im Bundesfinanzministerium zur Reform der Besteuerung von Ehegatten

Hanjo Allinger
From the journal ORDO

Zusammenfassung

Der wissenschaftliche Beirat im Bundesfinanzministerium schlägt in einem Gutachten materiell die Neuinterpretation, bzw. die teilweise Einschränkung des Leistungsfähigkeitsprinzips bei der Besteuerung von Ehegatten vor, um Arbeitsanreize für verheiratete Zweitverdiener zu erhöhen. Dagegen wendet sich dieser Beitrag. Es wird herausgearbeitet, dass eine ungleiche Verteilung von Haus- und Erwerbsarbeit auch in einer Welt ohne Steuern der Regelfall ist. Es wird deutlich, dass nicht der Beibehalt, sondern die vom Beirat vorgeschlagenen Modifikationen des Splittingverfahrens die Arbeitsanreizentscheidung des Zweitverdieners verzerren würden und darüber hinaus verfassungsrechtlich fragwürdig sind.

Abstract

The advisory board to the Federal Ministry of Finance lately proposed to change taxing of married couples. By violating the ability to pay principle in some aspects, they hope to increase incentives to work for the second earner. This paper holds against it. It can be shown that in a world without taxes an unequal distribution of domestic work would be the rule. Modifying taxation of couples as suggested by the advisory board could distort the working decision of married second owners and is questionable from the perspective of public law.

JEL-Klassifikation: H24; H31; K34

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Online erschienen: 2019-03-19
Erschienen im Druck: 2019-03-16

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