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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter June 4, 2014

Bundestagswahlkampf 2013: Klientelpolitik durch Steuerreform?

Andreas Peichl, Nico Pestel, Sebastian Siegloch and Eric Sommer

Zusammenfassung

Die Steuervorschläge der Parteien stellten einen wesentlichen Teil ihrer Wahlprogramme für die Bundestagswahl 2013 dar. Sie wurden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert, da davon ausgegangen wird, dass sie einen erheblichen Einfluss auf die Wahlentscheidung haben werden. Daher stellt sich unmittelbar die Frage, welche Wählergruppen durch welche Steuerpläne be- oder entlastet werden. Aus politökonomischer Sicht sind die Parteien mit der Entscheidung konfrontiert, entweder die eigene Wählerklientel zu begünstigen oder neue Wähler für sich zu gewinnen. In diesem Beitrag simulieren wir die Aufkommens- und Beschäftigungswirkungen der Wahlprogramme der Parteien und analysieren, welche Wählerschichten von welchem Parteiprogramm profitieren würden. Es zeigt sich, dass die meisten Parteien in erster Linie ihre eigene Klientel im Blick haben. Einzig das Programm von Bündnis 90/Die Grünen hätte eine deutliche Mehrbelastung der Grünen-Anhänger mit sich gebracht. Auch die FDP-Sympathisanten wären davon überproportional betroffen gewesen, da sich FDP- und Grünen-Anhänger in vielen sozio-demografischen Merkmalen sehr ähnlich sind. Darüber hinaus zeigt sich, dass insbesondere die Anhänger der Linkspartei von allen drei Oppositionsprogrammen profitiert hätten. Der aktuelle Koalitionsvertrag der Großen Koalition sieht jedoch keine Steuerreformen vor.

JEL Codes: D31; H24; J21

Danksagung

Wir danken zwei anonymen Gutachtern sowie Lutz Arnold, Patrick Bernau, Clemens Fuest, Max Löffler und Thilo Schaefer für hilfreiche Kommentare zu einer früheren Version.

Referenzen

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Anhang

Tabelle 6:

Beschäftigungswirkungen nach Dezilen

Quelle: Eigene Berechnungen mit IZAΨMOD v. 3.0.1. RS 2013 = Rechtsstand 2013. VZÄ: Vollzeitäquivalente (40 Std. pro Woche); AN: Arbeitnehmer. Die Werte beziehen sich auf die als flexibel ange-nommene Erwerbsbevölkerung ohne Selbstständige und Beamte.

Tabelle 7:

Budgetwirkungen nach Dezilen

Quelle: Eigene Berechnungen mit IZAΨMOD v. 3.0.1. Angegeben ist die Differenz im Gesamtaufkommen aus direkten Steuern, Sozial-versicherungsbeiträgen und Transferzahlungen nach Anpassung der Arbeitsnachfrage.

Tabelle 8:

Beitrag zum gesamten Steueraufkommen nach Dezilen

Quelle: Eigene Berechnungen mit IZAΨMOD v. 3.0.1. RS2013 = Rechtsstand 2013. Verteilung des Steueraufkommens nach Anpassung der Arbeitsnachfrage.

Tabelle 9:

Prozentuale Einkommensänderungen nach Arbeitsangebots- und -nachfrageanpassung

Quelle: Eigene Berechnungen mit IZAΨMOD v. 3.0.1. Veränderungen gegenüber Rechtsstand 2013.

Tabelle 10:

Effekte auf Ungleichheit und Armut

Quelle: Eigene Berechnungen mit IZAΨMOD v. 3.0.1. Veränderungen gegenüber Rechtsstand 2013 nach Anpassung von Arbeitsangebot und -nachfrage. Der Gini-Koeffizient misst Einkommensungleichheit auf einer Skala von 0 (maximale Gleichheit) bis 1 (maximale Ungleich-heit). Die Armutsquote beschreibt den Anteil der Bevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt (definiert als 60 % des Median-einkommens). Der FGT2-Index kombiniert Informationen über die Größe und die Ungleichheit der Bevölkerung unterhalb der Armuts-grenze (Foster et al., 1984).

Tabelle 11:

Parteipräferenz und -identifikation

Quelle: SOEP-Welle 2009.

Online erschienen: 2014-6-4
Erschienen im Druck: 2014-6-1

© 2014 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston