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Publicly Available Published by De Gruyter November 20, 2019

Anthony Cordesman: The State of Fighting in the Afghan War in the Mid of 2019. Washington, D.C.: CSIS, August 2019

Konstantinos Tsetsos

Reviewed Publications:

Cordesman Anthony The State of Fighting in the Afghan War in the Mid of 2019 Washington, D.C CSIS August 2019


Die Studie widmet sich der Kriegsführung in Afghanistan im Lichte der derzeit bestehenden US-Bestrebungen zu Friedensverhandlungen mit den Taliban. Aus Sicht des Autors befindet sich Afghanistan an einem historischen Scheideweg. Die Reduktion des US-Engagements sowie ein möglicher Abzug der US- und Resolute Support Truppenkontingente, die Ineffektivität der afghanischen Regierung und Sicherheitskräfte sowie der Unwillen der Taliban mit der derzeitigen Regierung in Kabul in Friedensverhandlungen zu treten oder gar über Waffenstillstand zu verhandeln deuten auf eine kritische Phase des Afghanistan-Konflikts hin. Um ein besseres Bild über die aktuelle Lage in Afghanistan zu erhalten, untersucht der Autor unterschiedliche derzeit vorhandene Analysen und staatliche Dokumente und geht der Frage nach, ob sich die afghanische Regierung nach einem Abzug westlicher Streitkräfte gegen die Taliban behaupten könnte. Ziel der Studie ist es aufzuzeigen wie westliche Militärs und Analysten sogenannten Vietnam-Torheiten bei der Bewertung der Lage zum Opfer fallen.

Zu diesem Zweck liefert die Studie detaillierte Informationen über die territoriale Kontrolle über afghanische Provinzen, die Aktivitäten der Taliban, deren Angriffe, militärische Organisation, Effektivität der Operationen und dem bestehenden Bedrohungsspektrum. Zudem werden die Effektivität der afghanischen Sicherheitskräfte, die Trends bei zivilen Opfern, die Effektivität einzelner afghanischer und alliierter Operationen sowie die Nachhaltigkeit afghanischer Regierungsfähigkeit in den einzelnen Provinzen untersucht. Dabei werden unterschiedliche internationale, staatliche und wissenschaftliche Quellen verglichen und auf die teils vorhandene Diskrepanz der Daten hingewiesen.

Hinsichtlich der militärischen Balance attestiert der Autor derzeit ein Machtgleichgewicht zwischen afghanischen Regierungstruppen und den Verbänden der Taliban. Die Regierungstruppen seien aber derart von US-Luftstreitkräften und Spezialkräften abhängig, dass ein Abzug oder eine Reduktion dieser Verbände wohl zu einem Verlust afghanischer Populationszentren führen würde. Derzeit könne man nach Ansicht des Autors kaum Erfolge bei der Bekämpfung der Taliban aus den Daten ablesen. In Bezug auf die Berichterstattung zur Regierungsfähigkeit der afghanischen Verwaltung und deren Erfolge bei der Bekämpfung der Taliban attestiert der Autor, dass die meisten offiziellen Berichte ein übermäßig positives Bild zeichnen und über Rückschläge kaum berichten, obwohl die Taliban in den letzten Monaten zahlreiche Erfolge verbuchen konnten. Darüber hinaus kritisiert der Autor, dass die meisten Studien auf Datenquellen zurückgreifen, die ungeeignet seien um die aktuellen Trends des Afghanistan-Konflikts darzustellen. So können beispielsweise Zahlen zu zivilen Opfern nur wenig über den Erfolg der Taliban bei der Kontrolle über die lokale Bevölkerung aussagen. Während die Verluste bei westlichen Truppen sich stets reduzieren, sei bei den Verlusten der afghanischen Streitkräfte und Polizeieinheiten ein Anstieg zu erkennen, der vor allem auf deren Ineffektivität und mangelhafte Kampfstärke zurückzuführen ist.

Nach Ansicht des Autors handelt es sich bei Afghanistan weiterhin um einen gescheiterten Staat, dessen Regierung weder in der Lage ist das Land nach einem Friedensvertrag zu führen, noch können dessen Sicherheitskräfte ohne externe Hilfe den Krieg fortführen. Eine weitere „Afghanisierung“ des Konflikts scheint daher nicht tragfähig, zumal die afghanischen Streitkräfte ohne exzessive militärische und monetäre Hilfe der USA kaum in der Lage sind sich gegen die Taliban zu behaupten. So warnt der Autor indirekt, dass ein Abzug westlicher Streitkräfte oder eine weitere Reduktion der Finanzhilfen für Afghanistan, mit oder ohne Friedensvertrag, wahrscheinlich zu einem Kollaps der afghanischen Regierung und Streitkräfte führen würde.

https://www.csis.org/analysis/state-fighting-afghan-war-mid-2019

Published Online: 2019-11-20
Published in Print: 2019-12-01

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston