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Publicly Available Published by De Gruyter March 27, 2021

Marc F. Cancian: U.S. Military Forces – FY 2021: Marine Corps. Washington, D.C., Center for Strategic & International Studies (CSIS), November 2020

  • Heinz-Dieter Jopp EMAIL logo

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Cancian Marc F. U.S. Military Forces – FY 2021: Marine Corps Washington, D.C. Center for Strategic & International Studies (CSIS) November 2020


In dieser Studie untersucht Cancian die Entwicklungen des U.S. Marine Corps mit Blick auf die Haushaltsplanungen der US-Streitkräfte für das FY 2021. Sein Vergleichsmaßstab für den geplanten grundlegenden Umbau des Marine Corps findet sich im U.S. Marine Corps Force Design 2030, welches im März 2020 erschienen ist sowie in den neuen Planungsrichtlinien ihres Befehlshabers, General Berger. Nach zwanzig Jahren Kampf gegen Aufstände sollen sich die Marines wieder auf eine Auseinandersetzung mit Großmächten und in direkter Unterstützung der U.S. Navy vorbereiten. Dafür soll die Zahl der Infanterie Bataillone gesenkt und die heute noch bestehenden Panzer Kompanien abgeschafft werden. Auch die drei Bataillone der Militärpolizei werden künftig nicht mehr für geplante Einsätze im Indo-Pazifik benötigt.

General Berger will die von ihm im Frühjahr vorgestellten Veränderungen ohne zusätzliche Haushaltsmittel und somit über Personal- und Materialeinsparungen realisieren. Davon besonders betroffen sind die Marines Expeditionary Forces (MEFs), von den I und II MEFs in den USA und III auf Hawaii, Okinawa und in Japan stationiert sind. Sie werden sich künftig voneinander deutlich unterscheiden. Statt des gewohnten Kampfs Mann gegen Mann soll das Marine Corps künftig Gefechte mit weitreichender Artillerie und Luftunterstützung führen und gewinnen können. Die Rolle der Infanterie soll sich auf den Schutz dieser Einheiten beschränken. Die Fliegerkräfte werden sowohl bei den Drehflüglern als auch bei den Kampfflugzeugen reduziert, wobei bei den F 18 und F 35 dies auch dem Mangel an geeignetem Pilotennachwuchs geschuldet ist.

Auffällig ist der Mangel an unbemannten Systemen (UAV), da die Marines – 1980 hier noch führend – deutlich hinter U.S. Air Force und Army zurückgefallen sind. So hat im Haushaltsjahr 2020 die Luftwaffe 330 UAVs, das Marine Corps nur 2 zugewiesen bekommen. Ähnlich der US-Marine hat sich in den letzten Dekaden eine Kultur der bemannten Systeme entwickelt, die auch von General Berger nur sehr schwer überwunden werden dürfte.

Erste Reaktionen zum Force Design 2030 zeigen erwartungsgemäß Unterstützung als auch Zweifel. Unterstützung erhielt General Berger von Strategen, die China als Hauptbedrohung einstufen und daher alle Anstrengungen auf diese mögliche Auseinandersetzung ausrichten wollen. Sie unterstützen neue operative Konzepte und den Einsatz neuer Technologien.

Bisherige Zweifel macht Cancian an fünf Hauptbedenken fest:

  • Aus den bisherigen regionalen Einsätzen der USA kann eine Fokussierung auf China nicht abgeleitet werden. Möglicherweise bereite man sich auf den falschen Krieg vor und vernachlässige die Tatsache, dass das Marine Corps für eine Vielzahl von langanhaltenden Missionen im globalen Maßstab ausgelegt worden sei.

  • Die neuen Kriegsführungskonzepte sind nicht erprobt. Besonders die Fähigkeit zum Eindringen in den chinesischen Verteidigungsring und das Vorhandensein einer ausreichenden Logistik wird angezweifelt.

  • Die Ausrichtung auf den alleinigen Kampf gegen China dürfte nicht für anderweitige Operationen geeignet sein. Eine Operation gegen chinesische Inseln im West-Pazifik ist nicht mit möglichen regionalen Einsätzen in anderen Regionen vergleichbar.

  • Konflikte mit Russland oder China werden eher im Grauzonenbereich stattfinden. Diese sind nicht durch hohe Intensität, sondern durch langwierige Verläufe gekennzeichnet.

  • Alle Kampfeinsätze erfordern auch eine Feuerunterstützung aus der Nähe. Die alleinige Bekämpfung über große Reichweiten dürfte nicht ausreichen. Dies bedeutet auch den Bedarf an Panzern und Nahbereichsartillerie für künftige Einsätze.

Des Weiteren beschäftigt sich der Autor mit den Luft-Boden Einsatzverbänden des Marine Corps. Man war in der Vergangenheit immer sehr stolz, lageabhängig aus vorhandenen Einheiten zeitlich begrenzt Einsatzverbände für bestimmte Operationen bilden zu können. Als größter Verband gilt die Marine Expeditionary Force, die um eine Marine Division und ein Fliegergeschwader gebildet wird (46.000 – 90.000 Marines), es folgt die Marine Expeditionary Brigade (4.000 – 16.000 Marines) mit einem Infanterie Regiment und einer fliegenden Staffel. Als kleinster Einsatzverband gilt die Marine Expeditionary Unit (ca. 2.200 Marines) mit einem Infanterie Bataillon und fliegenden Komponenten.

Abschließend erörtert Cancian die Überlegungen zur Stationierung der Kräfte im Pazifik auf Guam und Japan oder eher in Australien mit ihren Vor- und Nachteilen. Diese Betrachtung schließt mit Überlegungen zu Amphibischen Schiffseinheiten, die auch als „leichte“ Flugzeugträger eingesetzt werden könnten, sowie alternativen Lösungsformen mit eher konventionellen zivilen Schiffstypen.

Insgesamt dürfte diese Diskussion nach Übernahme des Pentagon durch die neue Administration neu aufflammen und zu anderen Vorstellungen über den künftigen Gebrauch des Marine Corps führen. Hierauf deutet auch die Weigerung des Repräsentantenhauses zur Billigung von Haushaltsgeldern für die Entwicklung weitreichender Flugkörper am 21.12.2020 hin.

https://www.csis.org/analysis/us-military-forces-fy-2021-marine-corps

Published Online: 2021-03-27
Published in Print: 2021-04-01

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 6.6.2023 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/sirius-2021-1013/html
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