Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg May 26, 2016

Zum Militär der Politik

Tobias Kohl
From the journal Soziale Systeme

Zusammenfassung

In diesem Artikel soll ein dezidiert systemtheoretischer Blick im Anschluss an das Gesellschaftsverständnis von Niklas Luhmann auf das Militär geworfen werden. Dabei geht es nicht um eine historische oder empirische Analyse, sondern um grundlegende Ansätze einer systemtheorieimmanenten Ausarbeitung: Es wird gezeigt, wie sich das Militär als Organisation und funktionales System fassen lässt. Zentrale These ist, dass sich das Militär über die Organisation von Gewaltpotential politikintern als eigenständiges funktionales Subsystem ausdifferenziert, wobei Gewalt als eigenes Kommunikationsmedium verstanden wird. Die Funktion des Militärs liegt in einem engen Bezug zu der Funktion der Politik und dient der Sicherung bzw. Ermöglichung von Machtkommunikation. Es wird gezeigt, wie das Militär die Funktion der Politik - das Bereithalten der Kapazität zu kollektiv bindendem Entscheiden - über die Konstruktion von Bedrohungen unter strategischen Gesichtspunkten ermöglicht und in Frage stellt. Basal ist dabei die Darstellung der Autopoiesis des Militärsystems über eine selbststrukturierte Selektivität der Verknüpfung und Reproduktion der konstituierenden Elemente, die als gewaltförmig gefasst werden. Die operationale Geschlossenheit wird ermöglicht über einen Code, der Gewalt unter strategischen Kalkülen reflexiviert: die Orientierung an organisierter Gegengewalt.

Online erschienen: 2016-5-26
Erschienen im Druck: 2009-5-1

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