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Publicly Available Published by De Gruyter Oldenbourg February 8, 2022

Overtourism aus Sicht der einheimischen Bevölkerung: Theoretische Fundierung und empirische Erkenntnisse einer Fallstudie aus dem Allgäu

Alfred Bauer, Marco A. Gardini and André Skock

Zusammenfassung

Im Kontext der Overtourism-Diskussion und im Zuge der fortwährenden COVID-19-Pandemie gewinnt die Perspektive der lokalen Bevölkerung im tourismuswissenschaftlichen Forschungsdiskurs immer mehr an Bedeutung. Dementsprechend sind es vorrangig die Einheimischen, die sich mit zunehmenden touristischen Überfüllungseffekten in ihren Heimatorten konfrontiert sehen. Dabei führt die unmittelbare Interaktion zwischen diesen beiden Interessengruppen vor allem in stark frequentierten Destinationen und beliebten Hotspots vielfach zu Konfliktpotenzialen unterschiedlichsten Ausmaßes. Dieser Beitrag soll die Perspektive der Einheimischen in der gegenwärtigen Overtourism-Forschung aufarbeiten und dabei vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemiesituation, Bezug auf die diesbezüglichen Problemstellungen nehmen. Die vorliegende Fallstudie aus dem Allgäu ergänzt empirisch die themenzentrierte Betrachtung, die über die Wahrnehmung von Crowding-Effekten und Overtourism sowie die Einstellung gegenüber lokalen Besucherlenkungsmaßnahmen aus Sicht der Allgäuer Bevölkerung Auskunft geben soll.

Abstract

In the current overtourism research discourse and in the wake of the ongoing coronavirus pandemic, the perspective of the residents is becoming more and more important, as it is primarily the locals, who find themselves confronted with increasing overcrowding effects in their hometowns. The direct interaction between tourists and residents, especially in high frequency destinations and popular hotspots, often leads to conflict potentials of diverse magnitude. This paper aims to review the perspective of the locals in the current overtourism research discourse and refer to the related problems. The present case study from the Allgäu region empirically complements the theoretical perspective, intended to provide information about the perception of the local residents concerning crowding effects and overtourism as well as the attitude to local guidance measures and visitor management strategies.

1 Overtourism als dynamisches Forschungsobjekt der Tourismuswissenschaft

Seit geraumer Zeit begleitet und beschäftigt gleichermaßen das äußerst dynamische Tourismusphänomen „Overtourism“ die tourismuswissenschaftliche Forschungsgemeinschaft. Anfänglich hauptsächlich in den touristischen Hotspots Amsterdam, Barcelona, Dubrovnik oder Venedig medial häufig in Erscheinung getreten, bekommt die immer wiederkehrende Diskussion um die Neubewertung massentouristischer Problemstellungen, insbesondere im Zuge der gegenwärtigen COVID-19-Krise, einen neuen Aufschwung (Baum & Hai, 2020; Gössling et al., 2020; Buitrago & Yñiguez, 2021; Mihalič & Kuščer, 2021; Pasquinelli & Trunfio, 2021). Es stellt sich für die Wissenschaft mitunter die Frage, welche neuartigen Perspektiven der Overtourism hervorbringt und wie der theoretisch-methodologische Umgang mit diesem Phänomen zukünftig auszugestalten ist (Hadinejad et al., 2019).

Parallel zur zunehmenden Dynamik massentouristischer Erscheinungen seit den 1960er Jahren beschäftigt sich die Tourismuswissenschaft in einer Vielzahl von Studien, neben angebots- und nachfrageorientierten Forschungsbestrebungen (vgl. Peeters et al., 2018; Bauer et al., 2020), auch mit den Belastungen touristischer Entwicklungstendenzen aus der Sicht der Einheimischen (Uysal et al., 2012; Muler González et al., 2018; Rasoolimanesh & Seyfi, 2020; Mihalič & Kuščer, 2021). Vor dem Hintergrund der fortwährenden Corona-Krise, Debatten um Tourismusakzeptanz und eines Wertewandels gegenüber dem lokalen Tourismus, ist ein grundlegendes Themenverständnis vonnöten, um entsprechende Maßnahmen sowie Handlungsempfehlungen bezüglich Wahrnehmung und Behandlung soziokultureller Konflikte in touristischen Zielgebieten ableiten zu können (Benner 2019; Bauer et al., 2020; Rasoolimanesh & Seyfi, 2020; Seraphin & Ivanov, 2020; Pasquinelli & Trunfio, 2021).

In diesen Gedankengang der Kontroversität um die Wahrnehmung und Einstellung gegenüber Overtourism aus der Sicht der Einheimischen, reiht sich auch die nachfolgende Untersuchung ein, die im Frühjahr 2019 von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten in Zusammenarbeit mit dem Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau (CenTouris) durchgeführt wurde. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, das spezifische Erlebnis des Phänomens Overtourism aus der einwohnerbezogenen Perspektive, d. h. aus Sicht der Allgäuer Bevölkerung, zu untersuchen. Zur Schaffung eines einheitlichen Problemverständnisses und zur theoretischen Einordnung der vorliegenden Fallstudie, soll in einem ersten Schritt kurz auf die einwohnerzentrierte Phänomenologie als auch auf das aktuelle COVID-19-Entwicklungsgeschehen eingegangen werden, bevor in einem zweiten Schritt wegweisende Ergebnisse aus der Befragung herausgestellt und diskutiert werden.

1.1 Das Phänomen Overtourism

Bei der phänomenologischen Reflektion um die diversen Ausdrucksformen im Overtourism bleibt anzumerken, dass die Durchsetzbarkeit einer praxistauglichen Arbeitsdefinition zur weiteren Eruierung als Forschungsgrundlage auch Ende des Jahres 2021 noch nicht realisiert werden konnte (Namberger et al., 2019; Nilsson, 2020). Zumeist rekurrieren die Definitionsanstrengungen auf einer angebots- oder nachfrageorientierten Perspektive. Wie die COVID-19-Krise jedoch eindrücklich illustriert, bedarf es in Zukunft auch der tourismuswissenschaftlichen Betrachtung unvorhersehbar eintretender Ereignisse wie Pandemien und damit verbundenen gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen (Frey 2020; Gössling et al., 2020).

Neben der bekannten Problematik des Versuchs einer quantitativen Operationalisierung des Phänomens (McKercher, 2005; Schmude & Namberger, 2010; Koens et al., 2018; Reif, 2019; Seraphin et al., 2020; Buitrago & Yñiguez, 2021; Kagermeier, 2021) und der dazugehörigen Entwicklung indikatorbasierter Frühwarnsysteme (McKinsey & WTTC, 2017) bzw. Checklisten (Peeters et al., 2018), kristallisiert sich im Zuge der Coronavirus-Pandemie immer mehr die Bedeutung qualitativer Einflussgrößen für eine wissenschaftszentrierte Analyse des Problemgegenstands Overtourism heraus. Eine unausgewogene „Tourism-Life-Balance“ (Gardini, 2020) in der durch den Overtourism induzierten negativen Erfahrungs- und Erlebniswelt der Einheimischen bringt neues Konfliktpotenzial zutage, welches es notwendig macht, die qualitative Forschungsperspektive und damit das mehrdeutige „Verhältnis von Einheimischen und Touristen“ (Kirstges, 2020, S. 20) näher in den Fokus zu rücken (Uysal et al., 2012; Barbhuiya 2020; Nilsson 2020; Pechlaner et al., 2020; Buitrago & Yñiguez, 2021).

1.2 Die Betrachtungsperspektive der Einheimischen

Einen grundlegenden Perspektiven- und damit einen in der Tourismuswissenschaft richtungsweisenden Paradigmenwechsel von den Touristen auf die Einheimischen zu vollziehen, scheint in dem tourismuswissenschaftlichen Diskurs um übertouristische Effekte ein relatives Novum zu sein. Ging es doch anfänglich in den meisten Untersuchungen zum Problemgegenstand Overtourism ausschließlich um die Zufriedenheit der Touristen anstatt um die Befindlichkeiten der lokalen Bevölkerung (Rasoolimanesh & Seyfi, 2020; Mihalič & Kuščer, 2021). Ebenso wie die Rolle der Touristen auf der touristischen Nachfrageseite ist auch die Rolle der Einheimischen ambivalenter Natur (Namberger et al., 2019). Sind Touristen anfangs noch aufgrund ihres ökonomischen Beitrags willkommen, kann sich diese Wahrnehmung bei steigender touristischer Nachfrage verändern, da die Einwohner zunehmend ebenfalls die negativen Effekte des Tourismus (z. B. Überfüllung, Verhaltensweisen, Umweltverschmutzung, Gentrifizierung, Kriminalität etc.) realisieren und sich konsequenterweise in ihrer Lebensqualität bedroht sehen (Andereck & Nyaupane, 2011; Usysal et al., 2012; Oklevik et al., 2019; Buitrago & Yñiguez, 2021; Mihalič & Kuščer, 2021; Pasquinelli & Trunfio, 2021). Diese Wahrnehmungsschwelle bzw. die Frage nach einem Gleichgewicht zwischen den positiven und negativen Effekten der spezifischen lokalen Tourismusnachfrage im Sinne einer „Tourism-Life-Balance“ ist auch Forschungsgegenstand zahlreicher Untersuchungen im Sinne der Ermittlungen einer „social carrying capacity“ (Ahn et al., 2002; Simon et al., 2004; Vargas-Sanchez, 2011; Navarro et al., 2012; Seraphin et al., 2020) oder des „level of acceptable change framework“ (Stankey et al., 1984; Frauman & Banks, 2011).

Wie die umrissenen multidimensionalen externen Effekte die touristische Destinationsentwicklung nachhaltig verändern können, drückt sich beispielhaft in der bezeichnenden soziokulturellen Ausgangslage in vielen touristischen Hotspots aus. Diese gegenseitige, oftmals sehr ausdrucksvolle Dissonanz wird sowohl von den Reisenden in ihrer Aufenthaltsqualität als auch von den Bereisten in ihrer Lebensqualität in den unterschiedlichsten Ausgangsdestinationen wahrgenommen und thematisiert (Goodwin, 2017; Papathanassis, 2017; Jang & Park, 2020). Demnach bedarf es, gerade vor dem Hintergrund der aktiven COVID-19-Pandemie, in diesem Spannungsfeld „Destination-Lebensraum“ (Herntrei, 2014; Kagermeier, 2021) der Notwendigkeit von kommunal initiierten transparenten Bürgerbeteiligungsprozessen, um soziale Tragfähigkeitsgrenzen am Zielort neu auszuloten. Diese Bürgerpartizipationsmaßnahmen verfolgen das Ziel, negative Grundhaltungen abzubauen, die einheimische Tourismusakzeptanz zu fördern und den sozioökonomischen Mehrwert touristischer Aktivitäten, z. B. in Form des touristischen Infrastrukturausbaus, in der Destination zu begreifen (Herntrei, 2019). Die wichtige Inklusion der lokalen Bevölkerung in die örtliche Tourismusstrategie trägt nicht zuletzt dazu bei, dass erbitterte einheimische Protestaktionen entschärft werden und die mit dem Tourismus verbundene Lebens- und Erlebnisqualität erhöht wird (Herntrei, 2014). Zielgerichtet lässt sich hier die anfänglich noch ablehnende Einstellung gegenüber dem rücksichtslosen Gast letztendlich in ein positives Stimmungsbild vor Ort umwandeln, welches die gewünschte Tourismusakzeptanz nachhaltig beeinflussen kann (Scherle et al, 2021).

Die subjektiven Einstellungen, Erwartungen und Wahrnehmungen der Einheimischen gegenüber der kommunalen Tourismusstrategie, den Touristen sowie die spezifische Rolle der lokalen touristischen Stakeholder (Unternehmen, Verbände, Politik, Beschäftigte etc.) im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Entwicklung und sozialer Kohäsion sind dabei Gegenstand dieser Forschungsbemühungen, die sich dabei jedoch durch ihre lokale Spezifität auszeichnen müssen und angesichts der permanenten Veränderungsdynamik touristischer Rahmenbedingungen und auftretender Krisensituationen, wie z. B. der gegenwärtigen COVID-19-Pandemie, in ihren Aussagen ständig zu hinterfragen und folglich anders zu bewerten sind (Bauer et al., 2020; Frey 2020).

1.3 Overtourism in Zeiten der COVID-19-Pandemie

Die andauernde Corona-Pandemie hat einen maßgeblichen Einfluss auf die tagesaktuelle Neubewertung übertouristischer Phänomene. Folgendermaßen sind gegenwärtig nicht nur die Reiserouten unterbrochen und damit die globalen Touristenströme weitestgehend versiegt, zahlreiche Tourismusakteure auf Destinations- und Unternehmensebene finden sich in noch nie zuvor gekannten Schwierigkeiten. Des Weiteren ist der existenzielle Verlust von bedeutenden Arbeitsplätzen in der internationalen Tourismusbranche nach wie vor zu beklagen (Baum & Hai, 2020; Frey, 2020; Gardini, 2020; Wen et al., 2020). „Begrenzen – Lenken – Entzerren“ lautet das Diktum vieler und in hohem Maße von der Tourismuspolitik abhängiger Staaten und Regionen in Zeiten von Corona. Dementsprechend werden die touristischen Stakeholder intensiv beobachten, welche Effekte sich unter den instabilen Bedingungen mit entsprechenden Steuerungs- und Lenkungsmechanismen erzielen lassen. Insofern reaktiviert die COVID-19-Pandemie sogar die lokalen Debatten um ein gezieltes Besuchermanagement zur Steuerung und Lenkung von tagesaktuellen Besucherströmen und die Sinnhaftigkeit und Akzeptanz einzelner Zugangsbeschränkungen (Baum & Hai, 2020).

Aus der hier beleuchteten Perspektive der Einheimischen verschärft sich insofern die Wahrnehmung von Crowding-Effekten, da sich im Zuge der Corona-Pandemie „neu“ entstehende Hotspots für die Touristen etablieren können. Die durch den multifaktoriellen Overtourism ausgelösten sozialen Spannungen im Sinne eines vielfach vernehmbaren „Aufstand der Bereisten“ dürfen aus Einheimischen-Sicht als eine eindeutige „[…] Reaktanz gegen den Tourismus bzw. eine touristische Übernutzung […]“ der kommunalen Infrastruktur verstanden werden (Kirstges, 2020, S. 104–105). Insbesondere die äußerst dynamische und von tagesaktuellen Inzidenz-Werten bestimmende Entwicklung der Corona-Krise trägt dazu bei, dass eine hohe Konzentration von Tagestouristen an den touristischen Attraktionspunkten zumindest für einen begrenzten Zeitrahmen zur Realität wird und eine zunehmende Touristifizierung in ruralen Destinationen mit vergleichsweise niedrigen Inzidenzen erkennbar ist.

Beliebte touristische Hotspots wie das renommierte Schloss Neuschwanstein mussten im Zuge der zunehmenden Fallzahlen zunächst ihre physischen Kapazitäten beschränken und im weiteren Verlauf gänzlich für die Besucher schließen, sodass viele auswärtige Ausflüger die lokalen Seen im Allgäu und Oberbayern (Eibsee, Walchensee, Königssee) für sich (wieder)entdeckten. Demzufolge findet eine neue ersichtliche Verlagerung von Attraktionspunkten statt, weil ehemals prominente Hotspots aufgrund der Corona-Beschränkungsmaßnahmen entweder schwerer oder gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Der Folgeeffekt ist, dass mit dieser expansiven Verlagerung auch touristische Invasionseffekte einhergehen, da die Touristen mit ihren heterogenen Einstellungen zu einem nachhaltigen und rücksichtsvollen Handeln („Attitude-Behaviour-Gap“) immer mehr in die Lebenswelt der Einheimischen eindringen und damit die ohnehin schon seit mehreren Jahren angespannte Debatte um physische als auch perzeptuelle Tragfähigkeiten zusätzlich befeuern (Hadinejad et al., 2019; Gardini, 2020; Scherle, 2020).

Dagegen können mit der globalen Pandemie aber auch neue Denkschemata in Bezug auf übertouristische Effekte entstehen. Infolgedessen kann bspw. die temporäre „Rückeroberung“ der Urlaubs- und Lebensräume durch die lokale Bevölkerung zu einer Neubewertung der perzeptuellen Tourismusakzeptanz führen, verändern doch die pandemiebedingten ökonomischen, soziokulturellen und ökologischen Erfahrungen und Problemstellungen die Perspektiven in Bezug auf den Interessensausgleich der beteiligten Tourismusakteure (Beni, 2020; Wen et al, 2020). Entsprechende Nachhaltigkeitskonzepte im Sinne eines „ökologisch verträglichen, ökonomisch profitablen und sozial förderlichen Tourismus“ (Kirstges, 2020, S. 141) waren zwar bereits vor der COVID-19-Pandemie erarbeitet worden, der eindringliche Nachdruck aber in diesen Zeiten scheint wichtiger denn je, um zukünftig gesundheitsförderliche sowie sozialverträgliche Aspekte im Massentourismus zu verankern und die Lenkung von Besucherströmen in stark frequentierten Hotspots noch effizienter gestalten zu können. Zudem ermöglicht die Corona-Pandemie auch die einmalige Chance ein Umdenken des gegenwärtigen touristischen Verständnisses inklusiver seiner überholten Konzepte weiter voranzutreiben. Ganz im Sinne eines post-pandemisch orientierten „Degrowth-Tourism“ können reformative Ansätze dafür sorgen, dass veraltete (prä-)pandemische Erholungsstrategien eines nur der grenzenlosen Wachstumsorientierung dienlichen „Weiter-so-Tourismus“ innovativen Denkweisen weichen, die einen akzeptablen sozialen- und umweltverträglichen Tourismus und damit die Entspannung übertouristischer Phänomene zum Ziel haben (Kagermeier, 2021; Pasquinelli & Trunfio, 2021).

Ein abschließend kritischer Blick auf das aktuelle Entwicklungsgeschehen der globalen COVID-19-Pandemie zeigt, dass die vorangetriebene Diskussion um die Notwendigkeit strategisch effizienter Besucherlenkungs- und Steuerungsmaßnahmen in einzelnen massentouristischen Destinationen kontinuierlich an Bedeutung gewinnt (Beni, 2020; Gössling et al., 2020). Waren diese politisch-institutionell induzierten Vorgangsweisen bereits in den letzten beiden Jahren äußerst virulent debattiert worden, scheint die Aktualität um die Problematik gerade in Zeiten der weltweiten Corona-Krise und gesundheitspolitisch motivierter Argumentationsstränge brisanter denn je.

Aufgrund der Aktualität der Ereignisse und Entwicklungen ist zwangsläufig zu konstatieren, dass zukünftig erst noch aussagekräftige empirische Befunde im Zusammenhang mit den akteurzentrierten Umgangsformen in Zeiten der COVID-19-Pandemie erarbeitet werden müssen, um die möglicherweise neuartigen Einstellungen und Verhaltensweisen der beteiligten Stakeholder, insbesondere der Interessengruppe der Einheimischen, gegenüber übertouristischen Aktivitäten eindeutig belegen zu können. Zudem wäre es wünschenswert, die aktuellen Geschehnisse sowie die Folgewirkungen von Pandemien auf die globale Tourismuswirtschaft in den lokalen Tourismusstrategien der Destinationen zu verankern und entsprechende Präventions- und Umgangsmaßnahmen für alle inkludierten Akteursgruppen zu entwickeln und auch langfristig zu implementieren (Gössling et al., 2020; Wen et al., 2020). Nicht zuletzt trägt in Zeiten von COVID-19 die langfristige Partizipation der einheimischen Bevölkerung in die Planung und Umsetzung von kommunalen Entscheidungsprozessen sowie Öffnungsperspektiven im lokalen Tourismus insgesamt zu einem sozialverträglichen Tourismus (Kirstges, 2020, S. 146) bei.

2 Vorstellung und Ergebnisse der Fallstudie

Die ausgewählten Ergebnisse aus der vorliegenden Studie nehmen Bezug auf die im Frühjahr 2019 und damit in Prä-Corona-Zeiten durchgeführte Befragung „Bedeutung und Entwicklung des Tourismus im Allgäu aus Sicht der Einheimischen an der Hochschule Kempten“ (Bauer & Gardini, 2019). Die abgeleitete Forschungsstrategie stützt sich somit auf einen regional begrenzten Fallstudienansatz, welcher die empirischen Befunde explorativ darstellt und daher in einer Einzelfall-Untersuchung keinen dezidierten Anspruch auf Repräsentativität erhebt. Vielmehr dient diese in den Sozialwissenschaften verankerte Forschungsmethode (Starman, 2013) „der Wissensvermittlung und dem Training der Herangehensweise an komplexe Problemstellungen […]“ (Göthlich, 2003). Zudem kann die Fallstudie gerade in der praxisorientierten Tourismuswissenschaft Anwendung finden, in der idealerweise Handlungsempfehlungen für die Realpraxis abgeleitet werden können (Göthlich, 2003; Heale & Twycross, 2018). Der Fallstudienansatz erfüllt somit alle notwendigen Kriterien empirischer Sozialforschung und eignet sich hiermit für das thematisierte Untersuchungsobjekt, da es sich bei Overtourism sowohl um ein zeitgemäßes Phänomen („contemporary“) als auch um eine zukunftsträchtige gesellschaftliche Herausforderung mit einflussreichem Realitätsbezug („real-life context“) handelt (Göthlich, 2003; Starman, 2013; Heale & Twycross, 2018). Damit arrangiert sich dieser pragmatische Ansatz mit vielen weiteren fallspezifischen empirischen Forschungsbeiträgen (u. a. Anuar et al. 2019; Briguglio & Avellino, 2019; Kagermeier & Erdmenger, 2019; Kuščer & Mihalič, 2019; Szromek et al., 2019; Barbhuiya, 2020; Mihalič & Kuščer, 2021). Insbesondere in dem Mehrwert des Verständnisses der Sensibilität gegenüber dem theoretischen Gesamtkontext, der bestehenden komplexen Wirkungszusammenhänge sowie zu weiteren Erklärungen post-pandemischer Entwicklungsszenarien, verschafft dieser Methodenansatz tieferen Einblick und erhöhte Aufmerksamkeit (Starman, 2013).

Diese bevölkerungsrepräsentative telefonische Befragung mit 1.854 Interviews wurde im Erhebungszeitraum zwischen dem 11.03.2019 und dem 11.05.2019, zusammen mit dem Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau (CenTouris), durchgeführt. Dabei ist die Grundgesamtheit der gezogenen Stichprobengröße auf alle volljährigen deutschsprachigen Einwohnerinnen und Einwohner der Allgäuer Landkreise Oberallgäu, Unterallgäu, Ostallgäu und Lindau sowie auf die drei kreisfreien Städte Kempten, Memmingen und Kaufbeuren zurückzuführen. Hierzu wurden computergestützte persönlich-mündliche standardisierte Telefoninterviews (CATI) über eine Quotenauswahl (à unabhängige Quoten) im CenTouris-eigenen Telefonstudio durchgeführt. Die Befragungsdauer pro Interview betrug in etwa zehn Minuten. Der Quotenplan wurde anschließend in Abstimmung mit dem Auftraggeber, gemäß der tatsächlichen Verteilung, in der Grundgesamtheit entwickelt.

Folgende Zielstellungen waren Gegenstand der empirischen Datenerhebung:

  • Bedeutung des Tourismus für das Allgäu aus Sicht der Einheimischen;

  • Weiterentwicklung des Tourismus nach Einschätzung der Einheimischen;

  • Wahrnehmung des Phänomens „Overtourism“ unter den Einheimischen;

  • Maßnahmen, um der mancherorts zunehmenden Belastung durch den Tourismus entgegenzuwirken.

Im Anschluss an die Vorstellung werden die Teilergebnisse der Untersuchung mit anderen Vergleichsstudien zum Forschungsobjekt Overtourism, insbesondere unter dem Blickwinkel der Forschungsanstrengungen aus der Einheimischen-Perspektive, kontextuell eingerahmt, sodass entscheidende Kontrastierungen mit anderen touristischen Fachpublikationen gezogen werden können.

2.1 Bekanntheitsgrad von Overtourism im Allgäu

Wie auch andere Forschungsstudien zum Forschungsgegenstand Overtourism bereits empirisch erörterten, ging es auch in den vorliegenden Teilergebnissen darum, zunächst einmal den Bekanntheitsgrad von „Overtourism“ innerhalb der Allgäuer Bevölkerung zu eruieren (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Bekanntheitsgrad von Overtourism im Allgäu

Abbildung 1:

Bekanntheitsgrad von Overtourism im Allgäu

Folglich gaben im Frühjahr 2019 35,2 % der Befragten (n=1.689) an, den Begriff zu „kennen“, während 64,8 % der Auffassung waren, mit diesem Schlagwort noch „nichts anfangen“ zu können.

592 Probanden gaben im Anschluss an diese Frage an, folgende „Assoziationen mit dem Begriff ‚Overtourism‘“ zu verbinden: „Zu viele Menschen an einem Ort“ (82,8 %), „Nicht im Allgäu“ (6,8 %) und „Umweltbelastung“ (6,4 %).

Ebenfalls verglichen mit einer repräsentativen bundesweiten Studie der Hochschule Kempten zum gleichen Thema aus dem Jahr 2018 zeigt sich, dass das Reizwort „Overtourism“ gleichermaßen bei der Befragtengruppe der Reisenden nach wie vor ein recht diskutables Konstrukt ist (68,4 % 2018; 64,8 % 2019) (vgl. Bauer & Gardini, 2018). In diesem Kontext ist aber auch in dem Vergleich zwischen Bereisten und Reisenden die Nennung des „Overcrowding“ als eine Assoziation mit „Overtourism“ eindeutig. Demnach verbinden in der Befragung aus dem Herbst 2018 sogar 95,8 % der befragten Touristen „zu viele Menschen an einem Ort“ mit diesem Begriff.

2.2 Belastung der Allgäuer Bevölkerung durch Touristen

Als ein wesentliches Befragungskriterium der umfassenden Studie ging es genauso darum, etwaige Belastungsinzidenzen aus der Einwohnerperspektive identifizieren zu können (s. Abbildung 2).

Abbildung 2: Belastung der Allgäuer Bevölkerung durch Touristen

Abbildung 2:

Belastung der Allgäuer Bevölkerung durch Touristen

59,7 % der Befragten waren zu diesem Zeitpunkt der Annahme, dass es „im Allgäu eine Belastung der einheimischen Bevölkerung durch Touristen“ gibt, während 40,3 % der Probanden (n=1.803) der Meinung waren, dass es „im Allgäu keine Belastung durch Touristen“ gibt.

Dieses Meinungsbild wird insofern noch ausdifferenziert, indem 37,4 % der Probanden sagen, dass es zu dieser Belastung „nur an manchen Orten“ (37,4 %) kommt bzw. „nur zu bestimmten Zeiten“ (13,9 %).

Diese Angaben unterscheiden sich allerdings von den Ergebnissen aus der deutschlandweiten 2018er-Studie der untersuchten Touristen. Bei der Frage, ob die Reisenden schon „selbst mit zu vielen Touristen im Zielgebiet konfrontiert wurden“, haben 49,5 % (2018) mit „ja“ und 50,5 % (2018) mit „nein“ und geantwortet, sodass sich diese Einschätzungen im Gegenzug zu den befragten Einheimischen aus dem Allgäu fast in der Waage halten und keine eindeutigen Belastungsinzidenzen zu erkennen sind (vgl. Bauer & Gardini, 2018).

2.3 Orte und Einrichtungen mit Overtourism im Allgäu

Neben der Fokussierung des Untersuchungsgegenstandes Overtourism auf einen potenziellen „Konflikt zwischen Einheimischen und Besuchern an stark frequentierten Orten“, ist es erforderlich zu präzisieren, welche konkreten Destinationen oder auch Einrichtungen im Allgäu sich direkt dem Overtourism ausgesetzt sehen (vgl. Abbildung 3).

Abbildung 3: Orte und Einrichtungen mit Overtourism im Allgäu

Abbildung 3:

Orte und Einrichtungen mit Overtourism im Allgäu

Mit 49,4 % aller 1.034 Studienteilnehmer wird der Hotspot „Schloss Neuschwanstein“ mit weitem Abstand als die am stärksten von Touristen frequentierte Destination im Allgäu benannt. Ferner sind mit 21,7 % „Skipisten/Loipen“ sowie mit 21,1 % „Berge“ als stark besuchte Orte in der Tourismusregion Allgäu aufzuführen. Das „Schloss Linderhof“ wird zudem mit 18,2 % aller befragten Teilnehmer an sechster Stelle des Allgäuer Hotspot-Rankings genannt. Abschließend werden mit 17,7 % die „Bergbahnen“ im Allgäu als sehr stark überfüllt von den einheimischen Untersuchungsteilnehmern wahrgenommen.

Wird an dieser Stelle ebenso ein direkter Vergleich mit der bundesweiten Studie aus dem Jahr 2018 gezogen, so stellt das auf Platz 8 des Rankings gelistete „Schloss Neuschwanstein/Hohenschwangau“ mit 15,7 % einen attraktiven ruralen Attraktionspunkt dar, der in derselben Weise auch von den Reisenden als massentouristische Destination bezeichnet wird, gleichwohl bei der älteren Studie der Fokus insgesamt eindeutig auf die urbanen Hotspots Berlin (35,7 %) bzw. München (22,2 %) liegt (vgl. Bauer & Gardini, 2018).

2.4 Steuerungsmaßnahmen des Tourismus im Allgäu

Ein weiterer Gesichtspunkt ist der zukünftige Umgang mit der zunehmenden Belastung durch den Tourismus aus Sicht der Allgäuer Bevölkerung. Nachfolgend werden Steuerungsmaßnahmen vorgestellt, die aus der Sicht der Einwohner begrüßt bzw. abgelehnt werden (s. Abbildung 4).

Abbildung 4: Steuerungsmaßnahmen des Tourismus im Allgäu

Abbildung 4:

Steuerungsmaßnahmen des Tourismus im Allgäu

61,0 % der 1.854 befragten Allgäuerinnen und Allgäuer geben an, „Verhaltensregeln/Benimm-Leitfäden für Besucher“ zu begrüßen. Weitere 58,8 % wünschen sich für die zukünftige Lenkung des Tourismus im Allgäu „eine gezielte Besuchersteuerung über ein neues Ticket‐System mit Online‐Buchbarkeit und unterschiedlichen Preisen je nach Saison, Wochentag oder sogar Tageszeit“. Knapp über die Hälfte (50,1 %) können sich eine „zeitlich begrenzte Schließung einzelner überlaufener Sehenswürdigkeiten“ vorstellen. Etwas weniger Zustimmung erfährt mit 49,4 % die „Einführung von Besucher‐Obergrenzen bei touristischen Attraktionen“.

Breitere Ablehnung unter der Allgäuer Bevölkerung erhält mit 36,2 % bspw. die „Einführung von Zugangsbeschränkungen an stark frequentierten Orten, bspw. limitierte Parkplätze“. Mit annähernden 70,0 % lehnen die Befragten „spürbar höhere Eintrittspreise bei touristischen Attraktionen“ kategorisch ab.

Die „Einführung von Eintrittspreisen für stark besuchte Städte“ wird ebenso von der Gruppe der befragten Touristen in der bundesweiten Befragung aus dem Jahr 2018 mit 10,6 % (12,6 % 2019) eher abgelehnt. „Verhaltensregeln und Benimm-Leitfäden für Touristen“ werden dagegen tendenziell eher bei den Einheimischen aus dem Allgäu (61,0 %) gewünscht, während es bei den Reisenden aus der Bundesrepublik Deutschland 27,0 % sind.

Resümierend zeigen beide repräsentative Studien sowohl für die Interessengruppe der Bereisten als auch der Reisenden einige inhaltliche Überschneidungen und Unterschiede auf: Das Phänomen „Overtourism“ bleibt nach wie vor ein undurchsichtiger Problemgegenstand, wahrnehmbare Belastungsindizien durch den Touristen gibt es perzeptuell mehr im Allgäu, d. h. der wahrgenommene Toleranzgrad von „zu viel Tourismus“ ist bei den Einheimischen schärfer ausgeprägt als bei den Touristen in Deutschland. Darüber hinaus wird das Schloss Neuschwanstein sowohl im regionalen als auch überregionalen Vergleich von beiden Befragtengruppen nachweisbar als ein anziehender massentouristischer Attraktionspunkt wahrgenommen. Verhaltensregeln dagegen werden v. a. in der Urlaubsregion Allgäu befürwortet, während diese bei den Reisenden in Deutschland eher auf Gegeninteresse stoßen.

2.5 Kontextelle Verortung der Studie im tourismuswissenschaftlichen Overtourism-Diskurs

Zum Problem- und Untersuchungsgegenstand Overtourism wurden in den letzten Jahren zahlreiche Forschungsarbeiten veröffentlicht (u. a. Roland Berger, 2018; TourComm Germany, 2018; Kagermeier & Erdmenger, 2019; Namberger et al, 2019; Oklevik et al., 2019; Bauer et al., 2020; Buitrago & Yñiguez, 2021; Mihalič & Kuščer, 2021). Wie auch die vorliegende Untersuchung, richten viele Forschungsansätze dabei den Fokus auf die drei Forschungsrichtungen der angebots-, nachfrage- und einwohnerorientierten Perspektive, wenngleich bei der Mehrzahl der Untersuchungen zum Forschungsgegenstand Overtourism, die nachfrageorientierte Perspektive mit Hauptaugenmerk auf die Reisenden und ihren subjektiven Wahrnehmungs- und Bewertungsprämissen dominiert. Letztere sind in ihrer Konzeption auf die Wahrnehmung von Overtourism konzentriert, in denen subjektive Befindlichkeiten und Einschätzungen der Reisenden sowie die individualisierte Authentizität von Erlebnissen zentrale Gegenstände der aktuellen Forschungsbemühungen sind (Avond et al., 2019; Bauer & Gardini, 2019; Goodwin, 2019; Ivars-Baidal et al., 2019; Mihalič & Kuščer, 2021).

Verstärkt erforschen jedoch immer mehr Arbeiten die spezifische Situation der Einheimischen (Cardoso & Silva, 2018; Muler González et al., 2018; Kuščer & Mihalič, 2019; Szromek et al, 2019; Mihalič & Kuščer, 2021) und so gewinnt vor dem Hintergrund anschwellender Diskussionen um lokale oder regionale Belastungsgrenzen und die spezifische Charakteristik der Belastung der Einheimischen durch die Touristen, die Perspektive der lokalen Bevölkerung immer mehr an Bedeutung (Anuar et al., 2019; Gowreesunkar & Seraphin, 2019; Kagermeier & Erdmenger, 2019; Rasoolimanesh & Seyfi, 2020). Insbesondere die derzeit nur rudimentär vorhandenen Erkenntnisse zu der Wahrnehmung und Typologisierung von „Overtourism“ als grundlegendem Phänomen, unterstreichen die Tatsache, dass es im Zuge aktueller Diskussionen um die Steuerung von Besucherströmen in Zeiten von COVID-19 insbesondere darauf ankommen wird, diese multifaktoriellen Relationen mit Hilfe qualitativer Sozialforschung besser aufzuschlüsseln. Auch die Erweiterung der Forschungsperspektive, von der zunächst dominierenden Betrachtung der touristischen Nachfrageseite hin zu den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung und den damit zusammenhängenden Anforderungen an die lokale Tourismusform, unterstreicht die Charakteristik von Overtourism als komplexen und multiperspektivischen Untersuchungsgegenstand, der demzufolge auch eines umfassenden Forschungsverständnisses bedarf. Die vorliegende Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer noch größeren Sensibilität bzw. eines noch größeren Verständnisses für die einheimische Bevölkerung in diesem Diskurs zu entwickeln und zukünftig verstärkt Möglichkeiten der Teilhabe in touristischen Entwicklungsprozessen zu identifizieren, eine Tendenz die sich auch anderen aktuellen Forschungsbestrebungen zur einheimischen Wahrnehmung von „Overtourism“ bzw. Tourismusakzeptanz zunehmend abzeichnet (Eisenstein & Schmücker, 2020; Fachhochschule Westküste, 2020; Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH, 2020). Insbesondere der Umgang mit „zu viel Tourismus“ ist bei den Einheimischen vielfach eine (noch) diffuse emotionale Belastungsgrenze zwischen Akzeptanz und Aversion, in denen physische und perzeptuelle Tragfähigkeitsgrenzen gerade in der aktuellen Corona-Pandemie mit den nonkonformen Verhaltensweisen von Touristen in Einklang zu bringen sind.

3 Schlussbetrachtung

Overtourism als Forschungs- und Problemgegenstand der Tourismuswissenschaft sowie als praktische Herausforderung der Tourismusindustrie ist sowohl im Jahr 2019 als auch in den darauffolgenden Jahren noch ein sehr vielschichtiges und multidimensionales Phänomen. Demgemäß ist in Prä-Corona-Zeiten das Wahrnehmungsproblem bzw. die „gefühlte“ Belastung durch massentouristische Phänomene bei den Einheimischen differenziert zu betrachten. Die Allgäuerinnen und Allgäuer verbinden zwar allgemein bekannte Assoziationen, wie Crowding-Effekte und eine erhöhte Umweltbelastung mit Overtourism, diese werden jedoch durchaus unterschiedlich in den einzelnen Teilregionen des Allgäus wahrgenommen. Dieser Eindruck wird desgleichen mit dem Verweis auf punktuelle sowie saisonale Vorkommnisse unterstrichen und erfordert weiterer Differenzierung. Populäre touristische Attraktionen wie das Schloss Neuschwanstein oder das Schloss Linderhof bzw. Einrichtungen zur Verrichtung von freizeitbezogenen Aktivitäten im Winter und Sommer (Skipisten, Bergbahnen), sind die Hotspots, die auch von den Befragten im Allgäu an erster Stelle benannt werden. Die lokale Bevölkerung kann sich zudem Steuerungs- und Lenkungsmaßnahmen vorstellen, die in Richtung Verhaltensregeln und Ticketierung abzielen. Höhere Eintrittspreise bei touristischen Attraktionen und einzelne Zugangsbeschränkungen an stark frequentierten Orten, die auch die lokale Bevölkerung selbst inkludieren würde, lehnen die Befragten daher mit großer Mehrheit ab. In Anbetracht dieser im deutschsprachigen Raum einmaligen Studie zum Thema Overtourism aus der Einheimischen-Perspektive, ermöglicht erst die hier vorgestellte Fallstudie aus dem Jahr 2019 einen Vergleich mit neuartigen Case Studies zum Konfliktgegenstand. Veränderungen, die während Pandemie-Zeiten zu beobachten sind, können mit weiteren empirischen Untersuchungen sowohl prä- als auch post-corona-spezifisch gespiegelt werden und haben somit für den weiteren Forschungsprozess beträchtliche Relevanz. Insofern kann diese retroperspektivische Case Study als ein praktischer Stimulus für weitere Forschungsbestrebungen in diesem Wissensgebiet angesehen werden.

Vor dem Hintergrund eines problemzentrierten Zusammenwirkens von Tourismusforschung und -praxis, müssen im Zuge des Overtourism-Diskurses, gerade die multiperspektivischen Effekte der sozialen Dimension und damit die Folgen für die Einheimischen vermehrt den Weg auf die Tourismusagenda der beteiligten touristischen Stakeholder treten. Dabei nimmt die Dynamik einer auf Angebot und Nachfrage basierten Destinationsentwicklung weitreichenden Einfluss auf die touristische Ausgestaltung und Wahrnehmung in diesen Destinationen.

Übertouristische Effekte aus der Einwohnerperspektive sind aber auch nicht zuletzt Ausdruck einer gescheiterten Tourismuspolitik, die ökonomische Interessen priorisiert und soziale Bedürfnisse untergräbt. Die bestimmende Pragmatik eines wirkungsvollen Besuchermanagements zur zielgelenkten Verteilung von Tagesgästen, macht sich umso mehr in den diffusen Zeiten der COVID-19-Pandemie bemerkbar. In diesen Krisenzeiten ist es umso entscheidender, mit Hilfe eines zielgelenkten Besucher-Monitorings, von einem quantitativ behafteten „immer mehr an Touristen“ zu einem deutlich nachhaltigeren und qualitätsorientierten Tourismus zu gelangen, der im Sinne einer ausgeglichenen „Tourism-Life-Balance“ gleichermaßen sozioökonomische, ökologische und gesundheitsfördernde Aspekte symbiotisch vereint. Aktive Bürgerpartizipation und Beteiligungsmaßnahmen können hierbei als ein zentrales sozialpolitisches Instrumentarium dienen, die einheimische Tourismusakzeptanz wiederherzustellen und dabei gleichermaßen auch Einfluss auf einen nachhaltigen post-pandemischen Tourismus zu nehmen, der insbesondere die sozialen Tragfähigkeiten in der Destination berücksichtigt.

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Published Online: 2022-02-08
Published in Print: 2022-01-27

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