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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg October 1, 2020

Ein Laboratorium des Ausnahmezustands

Schutzhaft während des Ersten Weltkriegs und in den Anfangsjahren der Weimarer Republik – Preußen und Bayern 1914 bis 1923

  • André Keil EMAIL logo and Matthew Stibbe

Abstract

Der Beitrag untersucht Kontinuitäten im Einsatz von Schutzhaft als Mittel des Ausnahmezustands zwischen 1914 und 1923 mit einem Fokus auf die beiden größten deutschen Staaten, Preußen und Bayern. Er behandelt Schutzhaft nicht nur als juristisches Konstrukt, sondern als einen neuen, experimentellen Raum für exekutives Handeln gegen eine Bandbreite von imaginierten, sowohl sozialen wie politischen „internen Feinden“. Der Beitrag argumentiert, dass Unterschiede zwischen den formalen rechtlichen Ordnungsrahmen bezüglich der Schutzhaft in Preußen und Bayern wenig Auswirkungen auf ihre praktische Anwendung oder ihre politische Zielsetzung hatten. Weiterhin erzeugte die Schutzhaft in beiden Staaten Mentalitäten, die lange nach Ende des Kriegs selbst weiterbestanden und dabei halfen, die gewaltorientierten Fundamente der frühen Weimarer Jahre zu legen. Jedoch sorgten eine Reihe von Kontrollmechanismen – auch im rechtlichen und politischen Bereich – dafür, dass es sich hier nicht um direkte Vorboten des Naziterrors von 1933/34 handelt.

Abstract

This article examines continuities in the use of protective custody as an instrument of the state of exception between 1914 and 1923, focusing on the two largest German states, Prussia and Bavaria. It treats protective custody not only as a judicial construct, but as a new, experimental space for executive action against a range of imagined “internal enemies”, some social, some political. The article argues that differences between the formal legal frameworks surrounding protective custody in Prussia and Bavaria had little impact on its practical use or political intent. Furthermore, in both states protective custody produced a set of mentalities that extended well beyond the war itself, helping to underpin the violent foundations of Weimar’s early years. Nonetheless, a variety of checks and balances – including in the legal and political realms – ensured that there were as yet no direct portents of the Nazi terror of 1933/34.

Online erschienen: 2020-10-01
Erschienen im Druck: 2020-09-25

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 4.2.2023 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/vfzg-2020-0035/html
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