Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter September 30, 2016

The polysemy of llym in Middle Welsh

Elena Parina

Zusammenfassung

Im Artikel wird die Semantik des Adjektivs ‚llym‘ in der mittelkymrischen Prosa und Dichtung analysiert. Dabei wird insbesondere auf relative Frequenzen einzelner Verwendungsweisen geachtet, was zu einer Neuinterpretation der im Geiriadur Prifysgol Cymru enthaltenen Information führt. Man kann den Gebrauch von ‚llym‘ in zwei Domänen aufteilen. Die erste sind Verwendungen im Zusammenhang mit scharfkantigen oder spitzen Waffen. Das Spektrum weiterer Gebrauchsweisen in dieser Domäne ist sehr breit: ‚llym‘ beschreibt Objekte mit einer spezifischen Form; der Aspekt der Funktionsfähigkeit ergibt Kollokationen mit Intellekt und Feuer; der Aspekt der Wahrnehmung ist relevant in Kollokationen mit Referenten, die unangenehme Empfindungen hervorrufen können, wie z. B. ‚Wind‘, ‚Blick‘ oder ‚Essen‘, wobei letzteres eine Lehnprägung aus dem Lateinischen sein könnte.

Die zweite Domäne ist die Verwendung im Bereich körperlicher Aktivitäten. In wenigen Beispielen bezeichnet ‚llym‘ eine schnelle Aktion, meistens aber ist es in der Prosa Teil einer formelhaften Beschreibung von Kämpfen, bei der auch die Emotionen (vor allem der Zorn) des Kämpfenden relevant sind. In der Dichtung wird ‚llym‘ in demselben Bereich oft genutzt, hier ist ‚llym‘ oft ein schmückendes Beiwort für einen Krieger. Der Artikel argumentiert, dass sich dieses Verwendungsspektrum nicht nur durch die für die semantische Analyse üblichen Muster von Metapher und Metonymie erklärt, sondern auch durch eine kulturelle Komponente. Die Verwendungen von ‚llym‘ mit Bezug auf Kampf, Feuer, Auffassungsgabe und Zorn sind ein Teil der, auch im mittelalterlichen Wales einflussreichen, Viersäftelehre.

Online erschienen: 2016-9-30
Erschienen im Druck: 2016-10-24

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