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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter Oldenbourg March 28, 2022

'Tue Gutes und rede darüber?' Die Internetauftritte österreichischer Genossenschaftsbanken

'Do good and talk about it?' The websites of Austrian cooperative banks
  • Katharina Dietl and Helmut Pernsteiner

Zusammenfassung

Raiffeisenbanken in Österreich leisten durch ihre duale Zielsetzung einen wertvollen Beitrag für ihre Gemeinden. So verfolgen die Banken nicht nur das Ziel der finanziellen Performance, sondern betreiben auch Mitglieder- und Regionalförderung. Da dieser Förderauftrag von jeder Genossenschaft individuell interpretiert wird, ist eine transparente Berichterstattung notwendig, sodass die Stakeholder die Bemühungen der Banken nachvollziehen können. Entsprechend wurde im Rahmen dieses Papers ermittelt, inwieweit österreichische Raiffeisenbanken Auskünfte über ihr Handeln auf den eigenen Websites für die Öffentlichkeit bekannt geben. Die Homepages aller 349 Institute wurden im Hinblick auf deren Auskünfte zu Geschichte, aktuelle Veröffentlichungen, Presse bzw. Newsletter, Vorteile für Mitglieder, Unternehmensphilosophie, Informationen über Sponsoring und Nachhaltigkeit sowie konkrete Einzelprojekte untersucht. Die indexierten Ergebnisse wurden in Bezug zu Unternehmensgröße und Qualifikation der Geschäftsleitung gesetzt; so konnte eine positive Korrelation zwischen der Bilanzsumme beziehungsweise der Qualifikation der Geschäftsleitung und der Auskunftsbereitschaft der jeweiligen Institute erkannt werden.

Abstract

Raiffeisen banks in Austria make a valuable contribution to their communities through their dual objectives. The banks not only pursue the goal of financial performance, but also promote members and regions. Since this funding mandate is interpreted individually by each cooperative, transparent reporting is necessary so that the stakeholders can understand the efforts of the banks. Accordingly, this paper determined the extent to which Austrian Raiffeisen banks disclose information about their actions to the public on their own websites. The homepages of all 349 institutes were examined with regard to information on their history, current publications, press or newsletters, advantages for members, corporate philosophy, information on sponsoring and sustainability as well as specific individual projects. The indexed results were related to company size and management qualifications; a positive correlation between the balance sheet total or the qualifications of the management and the willingness to provide information on the part of the respective institutions could be identified.

Resumée

Les Banques Raiffeisen en Autriche apportent une contribution précieuse à leurs communautés grâce à leur double objectif. Les banques poursuivent non seulement l'objectif de performance financière, mais aussi la promotion des membres et des régions. Étant donné que ce mandat de financement est interprété individuellement par chaque coopérative, un rapport transparent est nécessaire afin que les parties prenantes puissent comprendre les efforts des banques. En conséquence, ce document a déterminé dans quelle mesure les banques autrichiennes Raiffeisen divulguent des informations sur leurs actions au public sur leurs propres sites Web. Les pages d'accueil des 349 instituts ont été examinées en ce qui concerne les informations sur leur histoire, les publications actuelles, la presse ou les newsletters, les avantages pour les membres, la philosophie d'entreprise, les informations sur le parrainage et la durabilité ainsi que les projets individuels spécifiques. Les résultats indexés étaient liés à la taille de l'entreprise et aux qualifications de gestion; une corrélation positive entre le total du bilan ou les qualifications de la direction et la volonté de fournir des informations de la part des institutions respectives a pu être identifiée.

1 Einleitung

Der österreichische Bankensektor erwirtschaftete im Jahre 2020 insgesamt eine Bilanzsumme von 1.136,4 Milliarden Euro (OeNB, 2021). Die Bedeutung des Sektors wird nicht zuletzt dadurch evident, dass insgesamt 72.996 Personen in den 543 österreichischen Banken beschäftigt werden. 25.379, also etwa 34,8%, der gesamten Beschäftigten in der Bankbranche entfallen dabei auf Mitarbeiterinnen der Raiffeisenbanken (Wollny, 2021).

Analog zur deutschen Bankenlandschaft besteht auch in Österreich ein sogenanntes „drei Säulen Modell“, das sich aus Aktiengesellschaften, Sparkassen und Genossenschaftsbanken zusammensetzt. Abhängig von der Tätigkeit des jeweiligen Instituts kann zwischen Universalbanken, zum Beispiel Aktienbanken, Sparkassen, Landes-Hypothekenbanken, dem genossenschaftlichen Sektor, bestehend aus Raiffeisen- und Volksbanken sowie Spezialbanken unterschieden werden (Blisse, 2016). Insbesondere wird im österreichischen Kontext auf Basis der Anzahl der Stufen zwischen den Bankengruppen unterschieden. So sind Universalbanken, Landes-Hypothekenbanken und Spezialbanken zumeist einstufige Sektoren, wohingegen Sparkassen und Volksbanken üblicherweise zweistufig organisiert sind. Bei zweistufigen Organisationen übernimmt ein Zentralinstitut an der Spitze Koordinierungs- und Ausgleichsfunktionen für den Verbund. Der Raiffeisensektor wird zuweilen unter Einbeziehung der Länderebene sogar als dreistufiger Sektor geführt (Brazda & Blisse, 2010).

Im Bereich der Raiffeisenbanken ist darüber hinaus zu bemerken, dass die jeweiligen Institute in verschiedenen Rechtsformen geführt werden (Blisse, 2018). So werden sowohl einige Landesbanken als auch das börsennotierte Spitzeninstitut, die Raiffeisen Bank International AG, als Aktiengesellschaften geführt. Dabei sind die Landesbanken im Besitz von etwa 59% der Aktien des Zentralinstituts, der Rest befindet sich im Streubesitz. Im Gegensatz dazu sind die regionalen und lokalen Raiffeisenbanken als Genossenschaft (eG) firmiert und befinden sich somit im Eigentum ihrer Mitglieder (Blisse, 2018).

Die regionalen Institute der Raiffeisenbanken berufen sich dabei auf genossenschaftliche Kernwerte, die sogenannten „S-Prinzipien“ Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung wie auch das Identitätsprinzip (Ringle, 2013). Weiter gefasst, fußen die Genossenschaften auf dem Prinzip der Solidarität und demokratischen Verwaltung, einer langfristigen Orientierung der Geschäfts- und Kundenbeziehungen, einer regionalen Ausrichtung, der internen Kapitalgeneration und regionalen Allokation wie auch einem sorgfältigen und konservativen Management (Dufays, 2012; Groeneveld, 2020).

Basierend auf diesen Werten verfolgen Genossenschaftsbanken in Österreich, wie auch in Deutschland, eine duale Mission - zum einen wird natürlich das Ziel der finanziellen Performance verfolgt, zum anderen die Maxime der Mitglieder- und Regionalförderung angestrebt. So ist das Handeln einer Genossenschaft auf die Wirtschaft und der Erwerb ihrer Mitglieder gerichtet, „oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb zu fördern“ (Ringle, 2016, S. 13). Entsprechend ist das primäre Ziel nicht Gewinnmaximierung, sondern eine optimale Mitgliederunterstützung (Ringle, 2006). Wie dieser Förderauftrag interpretiert und umgesetzt wird, obliegt jedoch der jeweiligen Genossenschaft, sodass diese sich ideal an lokale Gegebenheiten und Einzelfälle anpassen kann (Ringle, 2010).

Durch den im Genossenschaftsgesetz der Raiffeisenbanken verankerten Förderauftrag tragen Genossenschaften wesentlich zur Unterstützung der Regionalökonomie bei (Gischer & Herz, 2020) und adressieren mit ihren Strategien lokale Problematiken wie etwa den demographischen Wandel, der Abwanderung qualifizierter Personen hin zu Metropolregionen sowie der Internationalisierung von Kunden und Konkurrenten (Blome-Drees & Schmale, 2019). Darüber hinaus versorgen Genossenschaften regionale klein- und mittelständische Firmen mit Krediten, die ihnen von großen Bankinstituten unter Umständen aufgrund zu hoher Kreditprüfungs- und überwachungskosten verwehrt würden (Deeg & Donnelly, 2016). Zudem unterstützen Genossenschaftsbanken benachteiligte gesellschaftliche Gruppen bei der finanziellen Inklusion im Zeitalter der Digitalisierung (Conrad et al., 2019).

Durch diversifizierte Marktstrukturen, Marktnähe und lokales Beziehungsbanking bauen genossenschaftliche Banken nicht nur die Informationsasymmetrie zwischen den Kreditgebern und -nehmern ab (Schackmann-Fallis & Weiß, 2018), sondern tragen auch zur Stabilisierung des Finanzmarktes bei. Dies machte sich besonders deutlich während der Finanzkrise von 2007-2008 bemerkbar, in der Genossenschaftsbanken aufgrund ihrer stabilen Performance ihre Mitglieder- und Kundenzahl weltweit sogar vergrößern konnten (Ahn & Le, 2015; Ayadi et al., 2009; Ayadi et al., 2010).

Auch Périlleux und Nyssens (2017) attribuieren das niedrigere Risiko der Genossenschaften der lokalen Einbettung und dem Geschäftsmodell zu, warnen aber vor Assimilation mit rein kommerziellen Bankinstituten. Diese Gefahr wächst kontinuierlich durch die strukturelle Änderung des Bankenmarkts und ist gekennzeichnet durch Trends wie Konsolidierung, Einlagenumschichtung, technische Entwicklungen und dauerhaft niedrige Zinssätze (Jovanovic et al., 2017). Zunehmend striktere und detailliertere Regulierungen, sowie höhere Kapitalanforderungen, steigern die Fixkosten von Genossenschaftsbankenenorm. Da sich die Performancebewertung ausschließlich auf finanzielle Kennzahlen beruft und einen nicht unerheblichen, zusätzlichen bürokratischen Aufwand darstellt, werden vorwiegend kleinere und mittlere Institute überproportional in Bedrängnis gebracht (Schackmann-Fallis et al., 2018).

Als Konsequenz finden zur Sicherung der langfristigen Zukunftsperspektive vermehrt Fusionierungen statt (Gindele et al., 2019). Die Konsolidierung der Niederlassungen führt zu einer geringeren regionalen Präsenz (Keil & Ongena, 2020), zu geringerer Kreditvergabe an klein- und mittelständische Unternehmen (Nguyen, 2019) und könnte daher prinzipiell zu einer Abkehr der genossenschaftlichen Prinzipien leiten, einem so genannten „mission drift“.

Pérez (2017) zeigt, dass europäische Banken im weltweiten Vergleich die soziale Mission am intensivsten umsetzten. Während sich Genossenschaftsbanken und Sparkassen auf ihre soziale Mission berufen, akkommodieren Aktienbanken nachhaltige Geschäftspraktiken in der Form von selbst eingeführten „ESG“-Zielen, weswegen sich die Bankentypen in dieser Hinsicht annähern und somit der Unterschied abnimmt. Jedoch kommt es durch den erhöhten Regulierungsdruck wie auch der Möglichkeit der individuellen Interpretation des Förderauftrags bei manchen Genossenschaftsbanken zu Unzulänglichkeiten bei der praktischen Realisierung der sozialen Mission (Hanrath & Weber, 2008). So kommt es selbst bei Banken eines Verbundes zu stark unterschiedlichen Ausprägungen der Beiträge zur Regional- und Mitgliederförderung, entsprechende Berichte bleiben jedoch selten. Dementsprechend wichtig ist die (Rück-)Besinnung auf die ursprünglichen Werte der Genossenschaft in Richtung Transparenz und Nachhaltigkeit (Blisse, 2014). Auf dieser Basis könnte das Agentenproblem adressiert werden, und somit dem angestrebten Abbau der Informationsasymmetrie entsprochen werden (Theurl & Böttiger, 2007).

Zur konkreten Messung der Zielerreichung schlagen Fischer & Doluschitz (2013) einen quantitativen Ansatz vor, um den Grad der Erfüllung des Förderauftrags vergleichen zu können, und auch Kramer (2007) plädiert für ein „Member Value Management“, also eine aktive Bewertung und Umsetzung der Verfolgung von Mitgliederinteressen. Analog dazu entwickelten Kühn et al. (2014) ein konkreteres Framework mit klar definierten Zielen und Zielkategorien, deren Erfüllungsgrad in einem standardisierten Index erfasst wird. Dabei betonen die Autoren die Wichtigkeit für die Transparenz, eine Berichterstattung der Ergebnisse zur Verfügung zu stellen.

Eine Umfrage italienischer Genossenschaftsbankkunden bestätigt, dass Bankkunden die Veröffentlichung von Sozial- und Umweltzielen sehr schätzen, 74% der Befragten sprachen sich sogar für eine verpflichtende Sozial- und Nachhaltigkeitsberichterstattung aus (Costa & Goulart da Silva, 2019). Im Zugedessen verweist Klein (2015) auf den Megatrend der Sozial- und Nachhaltigkeitsbewegung, der auch den Bankensektor betrifft. So nimmt die Bedeutung ethischen Verhaltens und transparenter Sozial- und Umweltberichterstattung in den nächsten Jahren signifikant zu. Da österreichische Genossenschaften aufgrund ihres Förderauftrages bereits den Anforderungen dieses Megatrends nachkommen, wird durch das Nicht-Veröffentlichen der Förderbilanz freiwillig auf ein effektives Marketinginstrument verzichtet (Purtschert & Beccarelli, 2005).

Auch eine Studie bayrischer Genossenschaftsbanken von Kühn et al. (2014, S. 19) zeigt, „dass Kreditgenossenschaften ihre Werte nicht wirksam genug kommunizieren und es daher nur unzureichend schaffen, die Umsetzung ihrer zentralen Werte zu demonstrieren, obgleich sie ein erfolgreiches Geschäftsmodell besitzen, das den Anforderungen der nachhaltigen Geschäftsführung entspricht”.

Entsprechend ist das Ziel dieser Abhandlung zu ermitteln, inwieweit österreichische Regionalbanken ihr soziales Engagement für die breite Öffentlichkeit transparent zugänglich machen. Dazu werden die veröffentlichten Informationen auf den Websites der jeweiligen Institute als Ausgangspunkt herangezogen. So soll determiniert werden, ob sich auf den Homepages der Raiffeisenbanken ausreichend Informationen entnehmen lassen, um die Handlungswirkungen der Banken objektiv nachvollziehen zu können.

2 Empirische Analyse

Um das Engagement der österreichischen Raiffeisenbanken belegen zu können, ist man auf deren Veröffentlichungsbereitschaft angewiesen; besonders relevant sind dabei die selbst bereitgestellten Informationen, die man auf der Website der jeweiligen Genossenschaft abrufen kann. Daher wurde im Rahmen dieser Studie eine Analyse aller 349 Websites österreichischer Raiffeisenbanken unternommen (Untersuchungszeitraum April 2021). Um die Kriterien für die Untersuchung festzulegen, wurden Kategorien gebildet, sodass die Berichterstattung vergleichbar überprüft werden kann. So wurden die Websites in Geschichte, aktuelle Veröffentlichungen, Presse bzw. Newsletter, Vorteile für Mitglieder, die Unternehmensphilosophie, Informationen zu Sponsoring und Nachhaltigkeit sowie konkrete Einzelprojekte untergliedert und der Informationsgehalt der jeweiligen Kategorie recherchiert. Die Kategorien sind an den typischen Websites-Aufbau der Raiffeisenbanken angelehnt und unterschiedlich ausführlich auf den individuellen Homepages vorfindbar.

Dadurch sollen Einflussfaktoren auf das Informationsausmaß beziehungsweise die Informationsqualität und -tiefe identifiziert werden, wobei eigenständig produzierte Inhalte mit einer gehobeneren Informationsdichte gewichtet werden im Vergleich zu Veröffentlichungen, die von den Raiffeisenlandesbanken überregional bereitgestellt und auf den Websites der einzelnen Banken lediglich geteilt werden.

Innerhalb des Rahmens der festgelegten Kategorien (Geschichte, aktuelle Veröffentlichungen, Presse bzw. Newsletter, Vorteile für Mitglieder, Unternehmensphilosophie, Informationen zu Sponsoring und Nachhaltigkeit, konkrete Einzelprojekte) wurde die Auskunftsbereitschaft der jeweiligen Raiffeisenbanken bestimmt und mit Werten zwischen null und zwei indexiert (null: gar keine Information, eins: Informationen, die von der Landesbank zur Verfügung gestellt und auf der Website lediglich geteilt werden, zwei: individuell erstellter Inhalt). So können die Indexwerte zwischen dem Minimum 0 (absolut keine Information auf der Website verfügbar) und 2 (vollständige Transparenz) streuen. Hat eine Raiffeisenbank zum Beispiel gar keine Informationen über ihre Sponsoringaktivitäten bereitgestellt, so wird diese in der entsprechenden Kategorie mit 0 indexiert, sollte die Bank lediglich überregionale Sponsoringprojekte der Landesbank teilen, mit 1. Hat die betrachtete Bank jedoch eigenen Inhalt zu selbst durchgeführten Sponsoringaktivitäten auf den Websites ausgewiesen, so erhält die Bank in der entsprechenden Kategorie einen Indexwert von 2. Somit liegt eine intervallskalierte Indexierung vor. Abschließend wurde der Mittelwert für alle Kategorien gebildet, um die durchschnittliche Transparenz aufzuzeigen. Die Analyse ist jedoch auf die Quantität und Qualität der bereitgestellten Informationen limitiert, da eine empirische Überprüfung der Inhalte nicht möglich ist.

Weiters wurde versucht, Daten über die Zusammensetzung und Qualifikation des Vorstandes beziehungsweise des Aufsichtsrates zu erheben. Die entsprechende Qualifikation wurde anhand veröffentlichter akademischer und berufsspezifischer Fachqualifikation der Einzelpersonen gemessen, also im Hinblick auf allgemein anerkannte formelle Bildung betrachtet, und in prozentualen Bezug zum gesamten Aufsichtsratsgremium beziehungsweise Vorstandteam gestellt.

Letztlich wurden für besagte Institute die jeweiligen Bilanzsummen wie auch Anzahl der Niederlassungen als Referenzgröße ermittelt. So soll im Rahmen der Analyse zum einen festgestellt werden, ob es regionale Unterschiede in der Informationskommunikation gibt, und zum anderen ausgewertet werden, ob es einen Zusammenhang zwischen Bankgröße oder Qualifikation des Vorstandes und der Kommunikationsbereitschaft des jeweiligen Instituts gibt.

Bisherige Untersuchungen konnten bereits einen positiven Einfluss der Finanzdienstleistergröße auf die Transparenz des jeweiligen Instituts belegen (Bonson-Ponte et al., 2006). Da mit der Größe des Instituts auch der Grad der Professionalisierung steigt, ist anzunehmen, dass auch die akademische, formelle Bildung einen Einfluss auf die Informationsbereitschaft hat.

Entsprechend der vorangegangenen Studien und der erhobenen Daten lassen sich zwei Hypothesen formulieren: Zum einen ist anzunehmen, dass die Größe des Bankinstituts einen Einfluss auf die Informationsbereitschaft, Qualität und Menge des Inhalts hat. Zum anderen wird vermutet, dass die Qualifikation der Geschäftsleitung den Informationsfluss beeinflusst.

3 Ergebnisse

Wie im Kapitel der empirischen Analyse dargelegt, kann die durchschnittliche Auskunftsbereitschaft Werte zwischen 0 und 2 annehmen, wobei 0 keine online verfügbaren Informationen und 2 volle Transparenz bedeutet. Die durchschnittlichen Werte je Bundesland sind in Tabelle 1 dargestellt – so sind Raiffeisenbanken in Vorarlberg besonders auskunftsfreudig im Vergleich zum Burgenland, wo die Institute vergleichsweise eine niedrigere Informationsdichte bereitstellten. Die Ursachen dieser Beobachtung konnten nicht identifiziert werden, könnten aber auf kulturelle oder sozioökonomische Faktoren zurückgeführt werden.

Es lässt sich feststellen, dass die relative Qualifikation im Ländervergleich schwankend ist; während der Vorstand und Aufsichtsrat in Kärnten im Hinblick auf fachliche Qualifikationen führend ist, so ist das Burgenland prozentual am niedrigsten angesiedelt. Dabei ist auffällig, dass die Frauenquote in der Geschäftsleitung österreichweit auf einem niedrigen Niveau ist. Dahingegen wird eine solide Frauenquote im Aufsichtsrat größtenteils erreicht (Tab. 1).

Tab. 1

Auskunftsbereitschaft und Komposition der exekutiven Organe österreichischer Raiffeisenbanken

Bundesland ø Auskunftbereitschaft Qualifikation Geschäftsleitung % Frauenquote Geschäftsleitung % Qualifikation Aufsichtsrat % Frauenquote Aufsichtsrat %
Niederösterreich 1,05 45,05% 6,31% 31,56% 23,67%
Burgenland 0,54 20,00% 8,89% 36,84% 24,56%
Oberösterreich 1,18 44,58% 5,42% 27,56% 23,44%
Salzburg 0,91 36,56% 7,53% 25,00% 31,25%
Tirol 0,81 34,53% 5,04% 29,37% 15,38%
Vorarlberg 1,32 63,16% 0,00% 55,66% 16,98%
Steiermark 0,86 34,45% 5,17% 37,21% 17,44%
Kärnten 0,99 53,33% 6,67% 61,02% 25,42%
ø Österreich 0,96 41% 6% 38% 22%

Fernerhin wurden österreichweit lediglich 43 aussagekräftige und umfangreiche Jahresabschlüsse veröffentlicht, davon jeweils zehn in Niederösterreich und Tirol. Im Gegensatz dazu konnten bei nur 21 Raiffeisenbanken ausführliche Informationsberichte zu Förder- und Nachhaltigkeitsaktivitäten erhoben werden; davon befinden sich elf in Niederösterreich. Außerdem konnten nicht für alle untersuchten Institute die Mitglieder des Aufsichtsrates ermittelt werden – während 95% der Raiffeisenbanken in der Region Salzburg, 80% der Raiffeisenbanken in Kärnten und 78% der Raiffeisenbanken im Burgenland ihre konkreten Aufsichtsratsmitglieder namentlich nicht veröffentlichen, so sind es lediglich 2% der Banken in Niederösterreich beziehungsweise keine der Banken in Oberösterreich.

Zur Überprüfung der Hypothesen wurde eine Pearson-Korrelation verwendet, die sich zur Messung intervallskalierter Merkmale eignet. So kann ein positiver Zusammenhang zwischen der Qualifikation der Geschäftsleitung und der Offenlegungsbereitschaft der Banken identifiziert werden (Tab. 2). Weiters wurde auf dem 5%-Signifikanz-Level eine mittelstarke Korrelation von 0,3 zwischen der Größe des Instituts, gemessen an der Bilanzsumme, und der Veröffentlichungsbereitschaft gemessen. Somit können die beiden aufgestellten Hypothesen bestätigt werden. Ferner konnten eine mittelstarke Korrelation, ebenfalls auf dem 5%-Signifikanz-Level, zwischen der Anzahl der Zweigstellen (0,25) beziehungsweise eine schwache Korrelation zwischen der Anzahl der Geschäftsleiter (0,18) und der Auskunftsbereitschaft bewiesen werden.

Tab. 2

Korrelation zwischen der Qualifikation der Geschäftsleiter und der indexierten Informationstiefe gemäß Erhebung

Aktuelles Einzelprojekte Nachhaltigkeit Philosophie Presse Sponsoring Vorteile
Aktuelles 1.000
Einzelprojekt 0.2266* 1.000
Nachhaltigkeit 0.2049* 0.4262* 1.000
Philosophie -0.0382 0.3470* 0.3171* 1.000
Presse 0.0476 0.0276 0.0501 0.0596 1.000
Sponsoring 0.1896* 0.6634* 0.4946* 0.3614* 0.0428 1.000
Vorteile 0.1308* 0.1782* 0.2539* 0.2281* 0.3168* 0.2185* 1.000
Qualifikation GL 0.2320* 0.1285* 0.1589* 0.1374* 0.1241* 0.1367* 0.1903* 1.000

4 Diskussion der Ergebnisse

Bei der Untersuchung der Websites österreichischer Raiffeisenbanken konnte festgestellt werden, dass es teils erhebliche Unterschiede in der Auskunftsbereitschaft der einzelnen Institute gibt. So wurden die Homepages aller Raiffeisenbanken überprüft hinsichtlich ihrer Auskünfte in Bezug auf aktuelle Themen, Einzelprojekte, Philosophie, Presse, Vorteile wie auch ihr Nachhaltigkeitsund Sozialengagement. Die indexierten Mittelwerte je Bundesland zeigen, dass Raiffeisenbanken in Vorarlberg ihren Internetauftritt besonders transparent gestalten.

Ferner wurden die Frauenquote und der Grad der Professionalisierung in der Geschäftsleitung beziehungsweise im Aufsichtsrat ermittelt. Auch hier zeigen sich signifikante Unterschiede im österreichischen Bundesländervergleich. Die Ursachen der ermittelten Unterschiede konnten im Rahmen dieser Erhebung nicht identifiziert werden, es könnte sich jedoch um soziokulturelle Faktoren handeln.

Aufgrund des höheren Grads der Professionalisierung wurde ferner angenommen, dass sich die Bankengröße wie auch die Qualifikation der Geschäftsleitung positiv auf die Auskunftsbereitschaft auswirken könnte. Diese Hypothesen konnten mit Hilfe einer Pearson-Korrelation bestätigt werden - es besteht ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Bankengröße beziehungsweise Qualifikation der Firmenleitung und der Informationsqualität und -quantität auf den Homepages der jeweiligen Raiffeisenbanken. Eine mögliche Begründung dafür könnte in der stärker ausgeprägten Akademisierung der jüngeren Geschäftsleiter zu finden sein, die aufgrund der Vorbildung ein ausgeprägteres Bewusstsein für Transparenz mitbringen. Da größere Banken zügiger akademisiert und professionalisiert werden, könnte sich daher eine ähnliche Tendenz abzeichnen.

Da österreichische Raiffeisenbanken aufgrund ihres Geschäftsmodells bereits über die notwendige soziale und nachhaltige Ausrichtung verfügen, und diese im Umfeld des globalen Megatrends der Nachhaltigkeit und Offenlegung von verschiedenen Interessensgruppen immer mehr nachgefragt wird, muss diese lediglich noch intensiver durch Transparenz in der Kommunikation mit den Stakeholdern transportiert werden. Zum Beleg des sozialen und nachhaltigen Engagements kann entsprechend empfohlen werden, die Kommunikation nach außen ungeachtet der Institutsgröße weiter zu professionalisieren und den Internetauftritt des eigenen Instituts so transparent wie möglich zu gestalten.

Literatur

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Published Online: 2022-03-28
Published in Print: 2022-03-28

© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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Downloaded on 26.2.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zfgg-2022-0004/html
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