Accessible Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter October 28, 2020

Kommunist, Häretiker, Rebell

Mazdak und die Religionsgeschichtsschreibung

Linda Eichenberger

Zusammenfassung

Die moderne Religionsgeschichte hat Mazdak, Anführer einer sozioreligiösen Reformbewegung im Sasanidenreich, auf divergierende Weise konzeptualisiert. Insbesondere die diskrepanten Quellenhinweise auf angeblich von Mazdak geforderte Frauen- und Gütergemeinschaften eröffneten Spielraum, eigene, zumeist anachronistische und somit problematische Vorannahmen in Bezug auf das Verhältnis von sogenannten ‚sozialen‘ und ‚religiösen‘ Faktoren der Reformbewegung zu projizieren. Die in Bezug auf Mazdak besonders deutlich hervortretende Problematik nachträglicher Zuschreibungen und narrativer Überlagerungen unterstreicht die grundsätzliche Notwendigkeit, Forschungsgeschichte und Begrifflichkeiten konsequent zu historisieren, und schliesst damit an die übergeordnete Fragestellung an, wie historische Gegenstände (re-)konstruiert werden können.

Abstract

Modern history of religion has construed Mazdak, leader of a socio-religious reform movement in Sasanid Iran, in contradictory ways. Based on conflicting sources reporting, among other things, Mazdak’s alleged demand for the sharing of women and property, scholars filled the gaps in these questionable accounts with their own often anachronistic and thus problematic premises mainly dealing with the relation of so-called ‘social’ and ‘religious’ features of the reform movement. The difficulty of retrospective attributions and narrative superimposition is particularly prominent with regard to Mazdak and underlines the crucial need to consequently historicise research history and applied terminologies, thus adding to the broader issue of how to (re-)construct historical phenomena.

Danksagung

Ich möchte mich bei Prof. Dr. Christoph Uehlinger, Prof. Dr. Rafael Walthert und lic. phil. Martin Bürgin für ihre wertvollen Kommentare und anregende Kritik sowie bei M.A. Janna Kraus für ihr Lektorat bedanken.

Online erschienen: 2020-10-28
Erschienen im Druck: 2020-10-07

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