Skip to content
Publicly Available Published by De Gruyter Oldenbourg May 20, 2016

Ökonomischer Imperialismus?

Homo Oeconomicus und soziologische Theorie

Hans-Jürgen Aretz

Zusammenfassung

Die Rede von einem „ökonomischen Imperialismus“ bezieht sich einerseits auf die zunehmende Anwendung des ökonomischen Verhaltensmodells auch auf nicht-ökonomische Gegenstandsbereiche der Sozialwissenschaften. Dabei wird mit diesem Ansatz andererseits der Anspruch verbunden, die Grundlage für eine einheitliche Sozialwissenschaft bilden zu können. Dieser Geltungsanspruch wird hier bestritten. Aus der Perspektive des handlungstheoretischen Bezugsrahmens von Parsons läßt sich vielmehr zeigen, daß die ökonomische Handlungstheorie als solche schon für die Erklärung sozialer Phänomene unvollständig ist. Diese Unvollständigkeit liegt darin begründet, daß hier das soziale Handeln unzulässigerweise auf eine einzige „soziale Logik“ reduziert und andere Handlungslogiken in den Restriktionen („constraints“) des Handelns versteckt werden. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn im Rahmen einer „Konstitutionellen Politischen Ökonomie“ die normativen Restriktionen sozialen Handelns selbst wiederum aus rationalen Wahlhandlungen der Akteure heraus erklärt werden sollen. Am Beispiel der ökonomischen Konzeption des Gesellschaftsvertrages von James M. Buchanan läßt sich zeigen, daß hinsichtlich der Dauerhaftigkeit einer sozialen Ordnung auf andere Handlungslogiken rekurriert werden muß und damit wesentliche Elemente einer sozialen Ordnungsbildung aus der Logik des ökonomischen Modells herausfallen.

Online erschienen: 2016-5-20
Erschienen im Druck: 1997-4-1

© 1997 by Lucius & Lucius, Stuttgart

Downloaded on 9.12.2022 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zfsoz-1997-0201/html
Scroll Up Arrow