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Publicly Available Published by De Gruyter September 7, 2017

Regionalentwicklung in einem postkolonialen Inselstaat im Globalen Süden: eine empirische Analyse der Republik Mauritius mit Zensus- und Surveydaten

Regional development in a postcolonial island state in the Global South: an empirical analysis of the Republic of Mauritius using census and survey data
Peter Dirksmeier

Zusammenfassung

Die im südlichen Indischen Ozean gelegene, postkoloniale Inselrepublik Mauritius ist gegenwärtig Herausforderungen in ihrer Regionalentwicklung ausgesetzt, die in der Transformation der Insel von einer agrikulturellen, zuckerbasierten Gesellschaft hin zu einer diversen Ökonomie begründet sind. Die Verbesserung der Lebensbedingungen in allen Regionen des Inselstaates soll durch einen dreigliedrigen Ansatz der regionalen Entwicklung erreicht werden, der im Wesentlichen aus einer Sonderwirtschaftszone, dem internationalen Tourismus und Investitionen in die Informations- und Kommunikationstechnologie besteht. Der Aufsatz analysiert, ob diese Strategien erfolgreich in der Verbesserung der Lebensbedingungen in Mauritius sind. Die Regressionsanalyse verdeutlicht, dass lediglich der Informations- und Kommunikationssektor einen positiven Einfluss auf die Lebensbedingungen zeigt. Er ist allerdings hochgradig sozial selektiv. Dagegen weist der internationale Tourismus einen negativen Einfluss auf die Lebensbedingungen auf, da die parallel auftretende Verknappung von Immobilien zu hohen Wohnkosten in den touristischen Gebieten führt. Die Sonderwirtschaftszone zeigt ebenfalls einen schwachen, negativen Einfluss. Der Aufsatz folgert aus diesen Ergebnissen, dass die existierenden Regionalentwicklungspfade in Mauritius ambivalent sind und vorsichtiger politischer Anpassungen bedürfen, um das übergeordnete Ziel der Verbesserung der Lebensbedingungen auf der Insel zu erreichen.

Abstract

Postcolonial island state of Mauritius, located in the South of the Indian Ocean close to the eastern coast of Madagascar, is currently facing challenges of regional development due to a transition of the island from an agricultural, sugar-based society to a diverse economy. The improvement of living conditions in all regions of the island state shall be achieved by a tripartite approach of regional development consisting of the export processing zone, international tourism and marked investments in information and communication technology. The paper analyses whether these strategies are successful in enhancing conditions of living in Mauritius. The regression analysis reveals that the information and communication sector shows a positive impact on regional development only, although it is highly social selective. By contrast international tourism has a significant negative impact on living conditions because of the accompanying scarcity of property resulting in unaffordable housing in tourist areas, whereas the export processing zone displays just a minor negative impact. Thus, the paper discloses that the existing regional development paths in Mauritius are ambivalent and need carefully political improvement to accomplish the purpose of an enhancement of living conditions in all regions of the postcolonial island state.

1 Problem: regionale Entwicklung im postkolonialen Inselstaat Mauritius

Postkoloniale Inselstaaten im Globalen Süden, wie z. B. Fidschi, Mauritius, Madagaskar, Seychellen oder Cabo Verde, kennzeichnet häufig eine periphere Lage im globalen Wirtschaftssystem und eine agrarökonomische Prägung bei gleichzeitiger geringer Industrialisierung. Resultat ist eine häufig anzutreffende Zentrum/Peripherie-Differenzierung anstelle einer ausgleichenden regionalen Entwicklung aufgrund einer starken Kapitalallokation im Zentrum, einer vornehmlich zentripetalen Migration, der Erhaltung traditioneller Produktionsmodi jenseits der Metropole und einer institutionellen Monopolstellung des Zentrums (vgl. Sofer 1988). Wesentlich für die regionalökonomische und soziale Prosperität von Inselnationen ist daher ein regionale Diskrepanzen ausgleichendes Management der meist knappen Ressourcen (vgl. Ong 2001). Postkoloniale Inselstaaten sind darüber hinaus in ihrer Bevölkerungskomposition meist das Ergebnis von historischen, kolonialen Siedlungs- und Arbeitspolitiken (vgl. Vaughan 2005). Sie weisen aufgrund ihrer kulturellen Pluralität häufig vielschichtige Strukturen von Macht, Territorialität, Ethnizität und politischer Governance auf (vgl. Mountz 2015), die wiederum die Möglichkeiten regionaler Entwicklung limitieren. Bereits die Soziologie des Fremden der Zwischenkriegsjahre stellte in Bezug auf Inselgesellschaften die These auf, dass diese eine starke soziale Kohärenz kennzeichne und soziale Normen hier konstanter und weniger von Modifikationen durchsetzt seien als im Fall von Festlandgesellschaften (vgl. Grünfeld 2015). Im Sonderfall der postkolonialen Inselgesellschaft äußert sich dies meist in einem ausgeprägten Kommunalismus (Ramtohul 2015, 31) bzw. einer auffälligen politischen Ethnizität (Weber 2007, 207) als einer im Fall von Interessenkonflikten erfolgenden Fokussierung auf die eigene ethnische oder religiöse Gruppe, z. B. in Hinblick auf das Wahlverhalten und die politische Repräsentation.

Der Beitrag analysiert im Folgenden die Entwicklung der Regionen in Hinblick auf die Lebensbedingungen in dem postkolonialen Inselstaat Mauritius, einer seit 1968 unabhängigen demokratischen Republik im südlichen Indischen Ozean mit etwa 1,3 Mio. Einwohner/innen und großer ethnisch-kultureller Pluralität (vgl. Ramtohul 2015). Mauritius hat in den letzten 50 Jahren eine Entwicklung von einer agrarindustriellen Plantagenwirtschaft hin zu einer diversifizierten Ökonomie genommen, die im Wesentlichen aus der Zuckerindustrie, der exportorientierten Fertigungsindustrie, der Offshore-Finanzindustrie, dem internationalen Tourismus, der Fischindustrie und dem Fischhandel sowie von IT-Dienstleistungen gebildet wird (vgl. Kothari/Wilkinson 2013). Infolgedessen nimmt Mauritius jeweils vordere Plätze in verschiedenen länderübergreifenden Entwicklungsindices wie dem Human Development Index (HDI) für Afrika südlich der Sahara ein. Der Beitrag versteht unter Regionalentwicklung im Folgenden weniger die genuin regional differenzierte ökonomische Entwicklung eines Staates (klassisch: vgl. Ullman 1958), die momentan vorwiegend im Kontext der sich wandelnden Dynamik weltweiter Produktionsstrukturen diskutiert wird (vgl. Yeung 2009), sondern folgt einem jüngeren Vorschlag von Silva/Ferreira-Lopes (vgl. 2014) und zielt auf sozio-ökonomische Prozesse (vgl. Chilla et al. 2016) zur Inkludierung von Variablen des HDI in die Analyse regionaler Lebens- und Wirtschaftsbedingungen, um Asymmetrien zwischen Regionen und die Notwendigkeit von regionalspezifischen Politikansätzen herausstellen zu können. Regionalentwicklung nach Silva/Ferreira-Lopes (vgl. 2014) zielt somit stärker auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen in Bezug auf Beschäftigung, Bildung und Wohnverhältnisse.

Mauritius weist infolge spezifischer Residuen der kolonialen Vergangenheit Potenziale für eine regionale Entwicklung und einem Abbau an regionalen Disparitäten in den Lebensverhältnissen auf, wie beispielsweise eine hohe Diversität an Sprachen, die parallel als Muttersprachen gesprochen werden und Mauritius attraktiv für IT-Dienstleistungen und Back-Office Funktionen erscheinen lassen. Als eine Schlüsselinstitution für die Regionalentwicklung seit der Unabhängigkeit der Republik Mauritius fungiert die Export Processing Zone (EPZ), die sich als juristisch ausgewiesene Sonderwirtschaftszone flächenmäßig über die gesamte Hauptinsel erstreckt. Die EPZ in Mauritius wurde im Dezember 1970 als ein Bündel steuerungspolitischer Maßnahmen zur Etablierung einer exportbasierten Fertigungsindustrie im Nachgang zum Meade-Report von 1961 (vgl. Meade 1961) implementiert. Romer kommt Mitte der 1990er Jahre zu dem Ergebnis, dass die EPZ unter Ausnutzung der mauritischen komparativen Kostenvorteile wesentlich zur Regionalentwicklung und ökonomischen Prosperität der Inselrepublik beigetragen hat und bezeichnet die EPZ in der Republik Mauritius als ein gelungenes Beispiel der Regionalentwicklung über den Import und die Nutzung bestehender Ideen (vgl. Romer 1993). Im Anschluss an Romers Arbeit sind eine Vielzahl an empirischen Studien entstanden, die sich mit den Gründen für das vielzitierte „economic miracle in the Indian Ocean“ (Alladin 1993) auseinandersetzen und die Entwicklungspfade des im Vergleich mit anderen Inselstaaten des Globalen Südens relativen regionalökonomischen Erfolgs von Mauritius zu analysieren versuchen (vgl. Meisenhelder 1997; Lincoln 2006; Swakut et al. 2009; Greig et al. 2011; Kothari/Wilkinson 2013), wobei eine starke Fokussierung der Analysen auf die Wirkungen der EPZ zu beobachten ist (vgl. Rogerson 1993; Durbarry 2001; Blin 2008). Seit Mitte der 2000er Jahre zeigt sich hingegen eine zunehmende Diversifizierung der ökonomischen Grundlagen der Regionalentwicklung in Mauritius, die auf den internationalen Tourismus, der Textilindustrie im Rahmen der EPZ und der Kommunikations- und Informationsindustrie mit einem einhergehenden Ausbau an Bildungsangeboten aufruht (vgl. Kothari/Wilkinson 2013) und bisher von der internationalen Literatur wenig in ihrer Wirkung rezipiert worden ist.

Die regionale Entwicklung in Hinblick auf die Lebensverhältnisse lässt sich über den Relative Development Index (RDI) darstellen, der aus Daten des Housing and Population Census des Ministry of Finance and Economic Development berechnet wird (vgl. Ministry of Finance and Economic Development 2014). Der RDI misst „the relative achievement of sub-regions of the country in various dimensions of development“ (Ministry of Finance and Economic Development 2015a, 32) und ist zwischen den Erhebungsjahren 2000 und 2011 für alle administrativen Raumeinheiten der Inselrepublik angestiegen, wobei die urbanisierten Räume von Plaine Wilhems, Moka und Pamplemousses im Zentrum der Hauptinsel am stärksten profitierten. In der Literatur zur Regionalentwicklung in Mauritius fehlt bisher eine vergleichende kohärente Analyse der drei wesentlichen regionalökonomischen Säulen der EPZ, des Tourismus und der IT-Industrie in Hinblick auf deren Einflüsse auf den RDI und damit auf die Lebensverhältnisse der Menschen. Bisherige Arbeiten stellen überwiegend die Bedeutung der drei Sektoren getrennt in Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt dar (vgl. Durbarry 2001; Gooroochurn/Sinclair 2005; Tolnay 2007) und analysieren weniger den Beitrag des jeweiligen Wirtschaftssektors auf die Lebensbedingungen in den Regionen. Das Ziel dieses Beitrags ist es daher, die Wirksamkeit der drei regionalökonomischen Säulen in Bezug auf die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen in Mauritius vergleichend zu prüfen und damit die wesentlichen Determinanten der regionalen Entwicklung der postkolonialen Inselrepublik zu extrahieren. Auf der Grundlage dieser Analyse lassen sich anschließend Schlussfolgerungen für in Zukunft denkbare, aber bisher nicht implementierte Regionalentwicklungspolitiken ziehen, die die Lebensverhältnisse in Mauritius relativ verbessern. Der Beitrag skizziert hierzu im Folgenden zunächst die wesentlichen Rahmendaten der drei distinkten Säulen der mauritischen Regionalentwicklung (Abschnitt 2). Darauf aufbauend entwickelt der Text drei Hypothesen zum Einfluss der jeweiligen Säule auf die relative Entwicklung der Lebensverhältnisse und legt die abhängige Variable, die unabhängigen Variablen und die Analysestrategie der Untersuchung dar (Abschnitt 3). Der vierte Abschnitt präsentiert die relevanten Ergebnisse. Der Aufsatz endet mit einer Diskussion der empirischen Resultate und einer Schlussfolgerung (Abschnitt 5).

2 Regionale Entwicklung in Mauritius: drei Säulen

Die regionale Entwicklung in Hinblick auf eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in den Subregionen basiert seit Mitte der 1990er Jahre wesentlich auf den Steigerungsraten der internationalen Urlaubsgäste, der komparativen Kostenvorteile in der Fertigungsindustrie und der Bildungsexpansion (vgl. Mistry 1999).

Abbildung 1:  Idealtypische Darstellung der Sektoren der mauritischen Regionalentwicklung. Quelle: eigene Darstellung nach Kothari/Wilkinson 2013.

Abbildung 1:

Idealtypische Darstellung der Sektoren der mauritischen Regionalentwicklung. Quelle: eigene Darstellung nach Kothari/Wilkinson 2013.

Die drei Säulen der regionalen Entwicklung kennzeichnen Überschneidungsbereiche und Übergangszonen, die diese starre Trinität aufweichen und Nischen, etwa in tourismusspezifischen Dienstleistungen wie Werbung und Buchhaltung oder der Software und Elektronikindustrie, bieten. Dieser Entwicklungsansatz wurde insgesamt als wenig innovativ kritisiert (vgl. Mistry 1999) und alternative Wege eingefordert. Insbesondere der EPZ Sektor sei wenig geeignet, periphere Regionen zu entwickeln, da die mangelnde infrastrukturelle Ausstattung dieser Räume Kommunikationswege zwischen den ansässigen Firmen und entfernten Märkten erschwere (vgl. Jenkins 2006).

2.1 Säule 1: Export Processing Zone

Die Export Processing Zone (EPZ) ist eine vor allem im Globalen Süden durchgesetzte Politik der Implementierung von exportorientierten Fertigungsindustrien. Sie wird aus einem geographisch und/oder juristisch begrenzten Gebiet gebildet, in dem Freihandel und die zollfreie Einfuhr von industriellen Zwischenprodukten unter der Bedingung möglich sind, dass die innerhalb der EPZ hergestellten Produkte im Anschluss exportiert werden. Die Einrichtung von EPZs wird häufig von Steuervorteilen und der Ausschüttung von staatlichen Fördergeldern begleitet (vgl. Johansson/Nilsson 1997). Der Einrichtung der lediglich aus institutionell-juristischen Maßnahmen bestehenden EPZ auf dem gesamten Gebiet der Hauptinsel von Mauritius lag zum einen die Notwendigkeit der Schaffung von Arbeitsplätzen für die nach der Unabhängigkeit vom Britischen Empire 1968 stark wachsende Bevölkerung zugrunde (vgl. Jones 1989), die nicht über die bis dato die Inselökonomie dominierende Zuckerindustrie beschäftigt werden konnte (vgl. Kothari/Wilkinson 2013). Zum anderen verband sich mit der Einrichtung der EPZ die Hoffnung auf ausländische Direktinvestitionen, die zu Joint Ventures und Spillover Effekten der eingesetzten Ideen führen sollten. „The idea was to attract foreign investors and encourage joint enterprises with local investors by offering a series of incentive packages such as tax holidays, free repatriation of profits, tariff exemptions on imports of equipment, machinery and raw materials, among others“ (Durbarry 2001, 109).

EPZs weisen eine Reihe an Vorteilen für die einrichtende Nation auf. Sie stimulieren internationales Direktinvestment aufgrund geringer Lohnkosten und einem meist großen Pool an überwiegend weiblichen Arbeitskräften. EPZs unterstützen theoretisch die Regionalentwicklung in einem Staat, da sie die Exportkapazität bereits zu einem frühen Zeitpunkt sichern und so zur Attraktivität für Direktinvestitionen beitragen. Sie konzentrieren Bürokratie und Verwaltung in einer Zone und reduzieren damit die Kosten für den Staatshaushalt im Ganzen. Und EPZs fungieren als eine Strategie der Akkumulierung von FDI-Kapital bei gleichzeitiger Minimierung des politischen Einflusses der Kapitalgeber. Gerade dieser letzte Punkt ist wesentlich in postkolonialen Staaten wie Mauritius, um eine Akzeptanz für ausländisches Direktinvestments in der Bevölkerung sicherzustellen (vgl. Amirahmadi/Wu 1995). In Mauritius hat die EPZ nachweislich zu einer Akquisition ausländischer Direktinvestitionen und zur Senkung der Arbeitslosigkeit beigetragen. Einschränkend zeigt sich hingegen, dass im Fall der mauritischen EPZ die Kosten des Staates aufgrund der finanziellen Förderpolitiken und Vergünstigungen bei Infrastrukturen höher ausfallen als der erzielte Gewinn, z. B. aus abgeführten Steuern (vgl. Swakut et al. 2009). Im Jahr 2015 stammten zwar 42,8% aller exportierten Werte der Republik Mauritius aus der EPZ, dennoch schrumpfte die jährliche Wachstumsrate von 2014 auf 2015 um 3,1% und folgte damit dem negativen Trend seit 2011 (vgl. Ministry of Finance and Economic Development 2016a).

Neben dem sinkenden Wachstum der EPZ steht die Feminisierung der Erwerbsarbeit ebenfalls der regionalen Entwicklung über die Fertigungsindustrie entgegen. Seit 2005 führte das Auslaufen des Welttextilabkommens zu einem Wandel hin zu mehr kapitalintensiver Produktion und zu einer Relokalisierung von Fabriken ins Ausland, die arbeitsintensiv produzieren. Dies verdeutlichte, dass Teile der ökonomischen Prosperität von Mauritius auf Faktoren beruhten, die außerhalb der Kontrolle der mauritischen Regierung lagen (vgl. Joomun 2006). Infolgedessen konzentrieren sich die EPZ-Unternehmen mehr und mehr im urbanen Raum der Insel bei einer parallelen deutlichen Reduzierung und Qualifizierung des Arbeitsangebots. Gleichzeitig trug die Migration von jungen Arbeiterinnen aus Asien, die als Vertragsarbeiterinnen mit befristeten Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen in den verbleibenden Textilfabriken arbeiten (vgl. Lincoln 2009), zu einer Verknappung vor allem der geringqualifizierten EPZ-Arbeitsplätze bei. Besonders Frauen in ländlichen Räumen sind infolgedessen von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen (vgl. Bunwaree 2007), da sie nach der Entlassung aus ihrer Anstellung bei einer EPZ-Fabrik wieder abhängig von den Geldzuteilungen ihrer Männer werden, was ihre subordinierte Stellung verstärkt (vgl. Zelizer 1989). Das in Mauritius ungelöste Problem der EPZ-induzierten Feminisierung der Armut (vgl. Bunwaree 2007) zeigt deutlich auf, dass in den überwiegenden Fällen weltweit Sonderwirtschaftszonen keiner holistischen sozioökonomischen Idee der regionalen Entwicklung folgen, sondern auf eher punktuelles ökonomisches Wachstum setzen, wie Amirahmadi/Wu kritisieren. „In most developing countries, however, the implementation of EPZ strategy is usually not accompanied by any plan for regional development, which is hence limited to the outflow of wage earnings and some growth of local suppliers” (1995, 846). Mauritius versuchte hingegen, über die bewusste Ausweisung der gesamten Hauptinsel als EPZ den in anderen Staaten aufgetretenen Urbanisierungs- und Verkehrsproblemen im Zuge von Sonderwirtschaftszonen zu begegnen (vgl. Bheenick/Shapiro 1991), wie z. B. die sich häufig an diese Zonen arrondierenden Marginalsiedlungen, Kriminalität und steigende Infrastrukturkosten (vgl. Bach 2011).

2.2 Säule 2: internationaler Tourismus

Die zweite wesentliche Sektor der regionalen Entwicklung in Mauritius ist die Tourismuswirtschaft. Mauritius weist ein großes naturräumliches und kulturelles touristisches Potenzial auf, das diese Strategie nahelegt. „It is not surprising that tourism is important in Mauritius. The country is predominantly a beach destination, possessing a wide range of natural and built attractions, enjoying a subtropical climate with clear warm water, attractive beaches, tropical fauna and flora, complemented by friendly and welcoming people. These attractions are supported by high class hotels from such well-known international groups as Hilton, Sun International and Beachcomber, so that the overall product is of high quality“ (Gooroochurn/Sinclair 2005, 486). Diese zitierten touristischen Vorzüge drücken sich in einem kontinuierlichen Wachstum des Tourismussektors seit der staatlichen Unabhängigkeit von Mauritius aus. Im Jahr 1970 betrug der Beitrag des Tourismus zum BIP von Mauritius noch weniger als 1% und verfünffachte sich bis 1998 auf 5% (vgl. Mistry 1999). Die Touristenankünfte wuchsen im gleichen Zeitraum von 27.000 pro Jahr auf 550.000 im Jahr 1998 und sind seitdem bis auf 1.151.252 im Jahr 2015 kontinuierlich gestiegen, wenn auch das angestrebte Ziel von 2 Millionen Touristenankünften für das Jahr 2015 deutlich verfehlt wurde (vgl. Kothari/Wilkinson 2013).

Abbildung 2:  Entwicklung der Gästeankünfte in Mauritius von 1999–2015. Daten: Ministry of Finance and Economic Development 2016b; eigene Darstellung.

Abbildung 2:

Entwicklung der Gästeankünfte in Mauritius von 1999–2015. Daten: Ministry of Finance and Economic Development 2016b; eigene Darstellung.

Ab 1995 wurde der Tourismus als ein wesentliches Standbein der Regionalentwicklung in Mauritius betrachtet, da ab diesem Zeitraum die Opportunitätskosten von zusätzlicher Beschäftigung im EPZ-Sektor bereits dem durchschnittlichen Lohn im Tourismussektor entsprachen und der Tourismus als ein Entwicklungsinstrument von peripheren ländlichen Regionen in Mauritius damit lukrativ wurde (vgl. Swakut et al. 2009). Unterstützt wird die touristische Entwicklung der Inseln durch eine „blanket open sky policy“ (Kothari/Wilkinson 2013, 102), die es internationalen Fluggesellschaften einfacher erlaubt, Flüge nach Mauritius durchzuführen. Allerdings stößt die touristische Entwicklung der Inselrepublik nicht nur auf positive Resonanz in der Bevölkerung. Die Auswirkungen des Tourismus werden von der lokalen Bevölkerung als ambivalent wahrgenommen und vor allem der Ausbau von touristischen Enklaven ohne deutliche Verbindungen in die lokale Wirtschaft wird kritisch gesehen (vgl. Naidoo/Sharpley 2016). Diese Enklaven bestehen entweder aus hochpreisigeren Hotels, von denen im Jahr 2014 112 mit insgesamt 12.799 Zimmern vorwiegend an der Westküste in Betrieb waren (vgl. Naidoo/Sharpley 2016) oder aus Integrated Resort Schemes (IRS), d. h. luxuriösen, meist im Stil von gated communities nach außen abgegrenzten Wohneinheiten für wohlhabende Kund/innen aus dem Ausland (vgl. Jauze 2009), die nach Verfall der Zuckerpreise vor allem im Südwsten der Insel auf ehemaligen Plantagen errichtet wurden und nicht unter 500.000 $ pro Wohneinheit verkauft werden (vgl. Naidoo/Sharpley 2016). Häufig gehen diese zwei touristischen Entwicklungen mit einem evidenten Ansteigen der Preise für Bauland und dessen Verknappung einher, was gleichzeitig die Etablierung von Marginalsiedlungen fördert (vgl. Wortman et al. 2016). Vielfach sind die neu entstehenden Hotelbauten zudem durch die Reproduzierung von kolonialen architektonischen Repräsentationen gekennzeichnet und im Stil von Plantagenherrenhäusern errichtet. Dies friere wiederum das koloniale Erbe ein und reproduziere koloniale Stereotype und überkommene soziale Systeme (vgl. Kothari 2015).

Die Eignung des Tourismus für die Regionalentwicklung insbesondere peripherer ländlicher Räume ist in der Literatur umstritten. Der Vorteil des Tourismus liegt eindeutig in dessen Ortsspezifik. Er beruht auf örtlichen kulturellen und naturräumlichen Ressourcen, die als Ausgangspunkt für regionale Entwicklungsprozesse besonders im Globalen Süden dienen können (vgl. Vorlaufer 2003). Insbesondere Multiplikatoreffekte aufgrund einer tourismusinduzierten höheren Nachfrage von Dienstleistungen und Gütern werden als Katalysator für die Entstehung von Arbeitsplätzen in peripheren Räumen erwartet. Vorlaufer (vgl. 2003, 8) stellt allerdings für ökonomisch gering diversifizierte postkoloniale Inselstaaten wie die Seychellen oder die Karibikstaaten nur geringe Multiplikatoreffekte von 0,3–0,7 Arbeitsplätze pro direkt Beschäftigte/n fest. Gleichzeitig liegt in diesen Staaten die Sickerrate, d. h. der Rückfluss von Deviseneinnahmen aus dem Tourismus aufgrund des notwendigen Einkaufs von Gütern und Dienstleistungen im Ausland, häufig über 50%. Dies lässt Investitionen in den Tourismus als weniger lohnend erscheinen (vgl. Vorlaufer 1996, 138). Zudem verdeutlichen empirische Studien für den Globalen Norden, dass sich die ökonomische Aktivität des Tourismus auf nationaler Maßstabsebene räumlich agglomeriert. Bohlin et al. zeigen für Schweden auf, dass hier vor allem Hotels in den Städten deutlich schneller wachsen als Hotels in peripheren ländlichen Räumen (vgl. Bohlin et al. 2016). Der Tourismus in Städten differenziert sich infolgedessen stärker aus und steigert deren Attraktivität für verschiedenste Subgruppen (vgl. Dirksmeier/Helbrecht 2015). Bohlin et al. kommen daher zu dem Ergebnis, dass der Tourismus aufgrund seiner immanenten Konzentrationstendenz nur sehr bedingt als ein Instrument der Regionalentwicklung für periphere Regionen wirkt (vgl. Bohlin et al. 2016). Der Tourismus in Mauritius ist allerdings bevorzugt in den ländlichen Regionen der nordwestlichen und südwestlichen Küstengebieten lokalisiert.

2.3 Säule 3: Informations- und Kommunikationstechnologie

Die dritte Säule der gegenwärtigen Regionalentwicklung in Mauritius bildet die Informations- und Kommunikationstechnologie, die seit etwa 1995 verstärkt Aufmerksamkeit von staatlicher Seite erhält und auf der im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern hervorragenden Telekommunikationsinfrastruktur aufbaut (vgl. Feltenstein et al. 2015). Mit einer stärkeren Hinwendung zur Elektronikindustrie und Softwareherstellung konnte bereits die Akkumulationskrise der EPZ Mitte der 1990er Jahre überwunden werden (vgl. Durbarry 2001). Deutlichstes Symbol dieser dritten Strategie ist das Cyber City Project in Ebene im Zentrum der Insel, wo die indische Regierung 30 Mio. Dollar in die Errichtung eines Technologieparks investiert hat, der bis zu 20.000 Arbeitsplätze schaffen soll, von denen wiederum 5000 – 7000 von Computerspezialist/innen besetzt werden sollen (vgl. Minges et al. 2004). Der Technologiepark in Ebene fungiert dabei als Zentrum, von dem aus sich radial die IT und Kommunikationsindustrie über die gesamte Hauptinsel ausbreitet. „The project is expected to have a spill over [sic] effect and spread ICT throughout Mauritius, from the Cyber Tower, to the Cyber City and finally to the Cyber Island” (Minges et al. 2004, 31). Mit dem Park selbst verbinden sich wiederum drei Funktionen. Die erste Funktion besteht in der Bereitstellung von Räumen für Back-Office Arbeiten, die sich an ähnliche Hubs in Indien, den Philippinen und Irland orientieren. Die zweite Funktion liegt darin, einen Knoten für die Softwareentwicklung im Globalen Süden und Indischen Ozean zu bilden, an dem Programmierer/innen aus Mauritius, Indien und Südafrika gemeinsam an Projekten arbeiten können. Die dritte Funktion ist schließlich die eines Inkubators für Start-ups, die sich von Ebene ausgehend über die Insel verteilen und ausländisches Direktinvestment anziehen sollen (vgl. Tolnay 2007). Im Jahr 2015 arbeiteten 4,8% der Beschäftigten in Mauritius im IT- und Kommunikationssektor und erwirtschafteten bereits 5,6% des BIP (vgl. Ministry of Finance and Economic Development 2015b).

In Bezug auf die Regionalentwicklung zeigt sich der IT-Sektor ambivalent. Blin (vgl. 2008) betont, dass eine steigende Anzahl an Frauen gut bezahlte Beschäftigungen im IT-Sektor gefunden hat, was zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern in Mauritius beiträgt. Der IT-Sektor biete auch in ländlichen Räumen alternative Arbeitsmöglichkeiten zur Textilindustrie in der EPZ und verbessere so die Lage der Frauen in der postkolonialen Inselrepublik (vgl. Blin 2008). Kothari/Wilkinson (vgl. 2013) weisen dagegen auf die starke soziale Selektivität des IT-Sektors hin, da die hohen Bildungsanforderungen bestimmte ärmere Bevölkerungsgruppen wie die Creolen von den sozialen Aufstiegsmöglichkeiten von vornherein ausschließen und die soziale Ungleichheit in Mauritius noch verstärken würde. Sie sehen daher die regionale Entwicklung mithilfe der IT-Industrie eher kritisch (vgl. Kothari/Wilkinson 2013).

3 Methode

Der Beitrag analysiert im Folgenden die Regionalentwicklung in Mauritius mithilfe des Housing and Population Census des Jahres 2011 der Republik Mauritius, der die einzige Informationsquelle für kleinräumliche Gebiete in Mauritius darstellt. Die gewinnbringende Untersuchung der regionalen Entwicklung als eine Verbesserung der Lebensbedingungen in Hinblick auf den Einfluss der EPZ, des Tourismus und des ICT-Sektors ist dabei auf die Maßstabsebene der Wards bzw. Village Council Areas angewiesen. Regionalentwicklung versteht der Beitrag als „sozio-ökonomische […] Prozesse innerhalb von (meist) subnationalen Raumeinheiten“ (Chilla et al. 2016, 56) sowie deren zielgerichtete Modifizierung durch Institutionen und fokussiert besonders auf die Verbesserung der Lebensbedingungen (vgl. Silva/Ferreira-Lopes 2014). Der Regionsbegriff bezeichnet nicht die administrativen Distrikte, sondern fungiert als Folie der Beschreibung für die unterschiedlichen, vor allem nach urbanen und ruralen Charakteristiken abgrenzbaren Räume in relationaler Lage als sozioökonomische Zentren oder (Semi-)Peripherien.

3.1 Hypothesen

Die folgende Analyse der Regionalentwicklung in Mauritius wird von drei Hypothesen geleitet, die sich aus der Diskussion der Säulen ergeben.

Hypothese 1 Die Export Processing Zone folgt keiner dezidierten Strategie der Verbesserung der Lebensbedingungen und trägt daher wenig zur Regionalentwicklung in Mauritius bei.

Hypothese 2 Der internationale Tourismus bietet ein diverses Arbeitsangebot vor allem in ländlichen Räumen und trägt damit deutlich zur Regionalentwicklung bei.

Hypothese 3 Der Informations- und Kommunikationssektor sorgt für eine flächendeckende Verbesserung der Infrastruktur und bietet qualifizierte Arbeitsmöglichkeiten und trägt damit deutlich zur Regionalentwicklung bei.

3.2 Datengrundlage und Operationalisierung

Die Analyse basiert auf dem Housing and Population Census 2011 in Mauritius (vgl. Ministry of Finance and Economic Development 2014), der als Vollerhebung vom 31. Januar bis 31. Juli 2011 durchgeführt wurde und damit eine valide Datenbasis darstellt (vgl. Ministry of Finance and Economic Development 2012). Ausgewählte Variablen liegen auf der kleinsträumigen Ebene der Village Council Areas (VCA) bzw. Stadtteile (Wards) vor und bilden die Datengrundlage der Studie. Der Datensatz wird ergänzt mit den zwei Dummyvariablen der Präsenz von EPZ Fabriken im Jahr 1986 in einer Gebietseinheit von Rogerson (vgl. 1993) und der Präsenz von Marginalsiedlungen im Jahr 2000 von Koop (vgl. 2004) sowie durch aktuelle Zahlen zur Beschäftigung in der EPZ, die von der Statistikbehörde Mauritius zur Verfügung gestellt und in den Datensatz integriert wurden. Das Jahr 1986 kennzeichnet, dass erstmals der Erlös aus den Exporten der EPZ die Erlöse aus den Zuckerexporten übertraf (vgl. Bheenick/Schapiro 1991). Daher wird die Variable hinzugezogen, um einen frühen potenziellen Einfluss der EPZ auf die regionale Entwicklung abzubilden. Die Untersuchung zielt auf den Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen einer Verbesserung der Lebensverhältnisse und den drei angeführten Säulen der regionalen Entwicklung und wendet aus diesem Grund die multivariate Regressionsanalyse an, die es erlaubt, Zusammenhänge zwischen den einzelnen Variablen zu analysieren (Fahrmeir et al. 1996). Die methodischen Grenzen liegen vor allem in der Verfügbarkeit der Daten auf der kleinsträumigen Ebene.

Abhängige Variable: Als Maß der Wirksamkeit der drei wesentlichen Wirtschaftsförderungsstrategien für die Verbesserung der Lebensbedingungen in Mauritius dient der Relative Development Index (RDI), der von der Statistikbehörde Mauritius berechnet wird, um die relative Entwicklung des Inselstaates auf VCA/Ward-Ebene zu erfassen. Der RDI ist eine angepasste Version des Human Development Index der UN für den mauritischen Kontext (vgl. Ministry of Finance and Economic Development 2014) und folgt damit dem Verständnis von Regionalentwicklung nach Silva/Ferreira-Lopes (vgl. 2014). Der Index basiert auf den drei Dimensionen der Wohn- und Lebensverhältnisse, Alphabetisierungsrate und formale Bildung sowie Beschäftigungsverhältnisse. Der Indexwert RDI für die jeweilige Gebietseinheit (i) berechnet sich dabei aus zwölf Variablen[1] des Census (xj), die die drei Dimensionen repräsentativ abbilden, wie folgt:

(1)RDIi=112xjxjminxjmaxxjmin

Der RDI kann demnach Werte zwischen 0 und 1 annehmen, wobei größere Werte eine stärkere relative Entwicklung bedeuten. Der RDI liegt für 167 der 168 bewohnten Gebietseinheiten vor und wird lediglich für die entlegene Insel Agalega nicht berechnet. Der Index variiert zwischen 0,461 für Le Morne, einer ländlichen Tourismusenklave im Südwesten der Hauptinsel, und 0,893 für Ward 2 von Quatre Bornes im urbanen Zentrum von Mauritius, bei einem Mittelwert von 0,745 (σ = 0,072).

Unabhängige Variablen: Der Einfluss der EPZ wird über drei Variablen erfasst. Die Anwesenheit von EPZ-Fabriken im Jahr 1986 deutet auf eine frühe industrielle Entwicklung der jeweiligen Gebietseinheit hin. Das Jahr ist von besonderem Interesse, da 1986 der Wert der Exporte aus der EPZ erstmals den Wert der Exporte des Agrarsektors überstieg (vgl. Bheenick/Schapiro 1991). Die Anzahl der EPZ-Fabriken mit 10 und mehr Beschäftigten und die Anzahl der Beschäftigten in EPZ Fabriken insgesamt im Jahr 2015 spiegelt die wirtschaftliche Bedeutung der EPZ in der jeweiligen Gebietseinheit wieder. Die Zahl der Beschäftigten variiert von 0 bis 6736. Die Variable Anzahl der in den letzten fünf Jahren aus dem Ausland zugezogenen Personen misst zusätzlich indirekt den Einfluss der EPZ, da es sich bei diesen Personen überwiegend um Arbeiter/innen[2] aus Asien handelt, die in Textilfabriken arbeiten und in deren unmittelbarer Nähe leben (vgl. Bunwaree 2007; Lincoln 2009). Die Variable Tourismus ist als Hauptkomponente operationalisiert, die die vier Items Anzahl der Touristenresidenzen, Guesthouses, Hotelgebäude und Zweitwohnsitze in einem Faktor subsumiert. Als Annäherung an den IT-Sektor dient der Indikator Zahl der Internetanschlüsse pro Kopf im Haushalt. Dieser gibt die Internetversorgung einer Gebietseinheit wieder, die ein wesentliches Ziel der mauritischen Regionalentwicklung ist (vgl. Tolnay 2007). Daten zu IT-Arbeitsplätzen standen nicht zur Verfügung, sodass der IT-Sektor nur indirekt über die Internetaffinität der Bevölkerung gemessen werden kann. Als Kontrollvariablen für den Urbanisierungsgrad dienen die Bevölkerungsdichte und die quadrierte monatliche Medianmiete. Die Variable monatliche Medianmiete ist quadriert, da der RDI vermutlich nicht in einem linearen Zusammenhang mit der Medianmiete steht. Diese ist vor allem in peripheren Ferienhausregionen hoch, die von der franco-mauritischen Oberschicht genutzt werden (vgl. Salverda/Hay 2014). Den Einfluss von Armut kontrollieren die Variablen Kochen mit Holzfeuer, Obdachlosigkeit, Präsenz von Marginalsiedlungen im Jahr 2000, Englisch als Haushaltssprache und arbeitslose Personen. Die Anzahl der arbeitslosen Personen in der jeweiligen Gebietseinheit zeigt den Grad an Konkurrenz auf dem dortigen Arbeitsmarkt an (vgl. Olzak 1992), Englisch als Sprache im Haushalt dient als Bildungsindikator für indischstämmige Familien, die die Mehrheit im Land bilden.

Tabelle 1:

Deskriptive Statistik.

VariableErläuterungSpanneσn
RDIRegionaler Entwicklungsindex0,461–0,8930,7450,072167
BevölkerungsdichtePro km²20,8–67751004,91189,56167
Quadrierte monatliche MedianmieteMedian der Mietzahlungen (quadriert)90000–2250000001167285727723778156
Kochen mit HolzfeuerHaushalte, die ausschließlich Holzfeuer zur Nahrungszubereitung nutzen0–49237,7174,43167
Arbeitslose PersonenAnzahl arbeitsloser Personen insgesamt0–1078253,99232,55166
Präsenz von Marginalsiedlung in 2000Dummy; 1 = ja0–110,1%167
ObdachlosigkeitAnzahl offiziell obdachloser Haushalte0–40,160,551168
Sprache im Haushalt überwiegend englischAnzahl Haushalte mit Erstsprache Englisch0–48933,5766,37166
Anzahl der in den letzten 5 Jahren aus dem Ausland zugezogenen Personen0–2113149,39306,04166
EPZ Fabriken im Jahr 1986 Dummy; 1 = ja0–120,2%168
Anzahl EPZ Fabriken mit 10 und mehr Mitarbeiter/innen in 20150–231,733,277168
Anzahl EPZ Beschäftigte in 20150–6736314,39940,26168
Tourismus (Faktor)Touristische Infrastruktur (Hauptkomponente)–0,325–8,03601167
Internetanschlüsse pro KopfAnzahl Internetanschlüsse, die einem Haushaltsmitglied zur Verfügung stehen0–0,292870,06850,0368167

Auffällig ist die für den Globalen Süden geringe Spanne an obdachlosen Haushalten mit dem Maxium vier. Nur 10,1% der Gebietseinheiten wiesen im Jahr 2000 mind. eine Marginalsiedlung auf, was bezogen auf das als vulnerabel beobachtete Wohnungswesen in Mauritius einen geringen Wert darstellt (vgl. Gooding 2016).

3.3 Datenanalysestrategie

Da die abhängige Variable (yi) annähernd normalverteilt ist, werden vier multiple lineare Modelle unter Einschluss einer Konstanten geschätzt (Fahrmeir et al. 1996). Die folgende Gleichung gibt das Gesamtmodell zur Erklärung des RDI in einer Gebietseinheit i an:

(2)yi=β0+β1x1++β13x13+ε

wobei β0 eine Konstante ist, ε eine nicht messbare Fehlervariable angibt und β0xn die unbekannten Modellparameter darstellen (Fahrmeir et al. 1996). Zunächst wird ein Modell nur mit den Kontrollvariablen geschätzt, um den Einfluss der Urbanisierungs- und Armutsindikatoren auf die regionale Entwicklung zu bestimmen (Modell 1). In das folgende Modell 2 werden zusätzlich die Anzahl der Beschäftigten in der EPZ in 2015 und die Anzahl an EPZ Fabriken mit 10 und mehr Mitarbeiter/innen aufgenommen. Da Bheenick/Schapiro (vgl. 1991) festgestellt haben, dass 1986 der überwiegende Teil der Exporte erstmals aus der EPZ kam, wird die Präsenz mind. einer EPZ Fabrik in diesem Jahr ebenfalls in das Modell aufgenommen, um den frühen Einfluss der EPZ auf die Regionalentwicklung abzubilden. Bohlin et al. (vgl. 2016) nutzen die Anzahl an Übernachtungsmöglichkeiten in einer Region als Maß für den Einfluss des Tourismus auf die Regionalentwicklung in peripheren ländlichen Räumen. Daher wird der Faktor Tourismus operationalisiert über die Beherbergungskapazität einer Gebietseinheit in Modell 3 aufgenommen. Ein wesentliches Ziel der Regionalentwicklung in Mauritius ist die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit einem Internetzugang als Grundlage des Ausbaus der Kommunikations- und Informationsindustrie (vgl. Tolnay 2007). Das Gesamtmodell 4 nimmt zusätzlich noch die Anzahl der Internetanschlüsse pro Kopf in einem Haushalt in die Schätzung mit auf. Die Modelle werden mit dem Variance Inflation Factor (VIF) auf Multikollinarität getestet. Die VIF-Werte variieren in den vier Modellen zwischen 1,065 und 3,336 und zeigen damit keine Multikollinaritätsprobleme an (Gujarati 2004, 362). Über den Durbin-Watson Test auf Autokorrelation der Residuen wird geprüft, ob die wesentlichen erklärenden Determinanten in die Modelle aufgenommen wurden. Die Werte für Durbin-Watson zwischen 1,428 und 1,598 legen dies nahe (vgl. Savin/White 1977).

Aufgrund der großen Investitionen in den IT-Sektor in Mauritius (vgl. Minges et al. 2004; Kothari/Wilkinson 2013) werden zusätzlich noch Prädiktoren der täglichen Internetnutzung in Mauritius geschätzt, um festzustellen, welchen Einflüssen die Internetnutzung auf der Individualebene unterliegt. Hierzu wird auf Daten des Afrobarometer (Round 6 Mauritius) 2015 zurückgegriffen (vgl. Afrobarometer Data 2015). Das Afrobarometer Mauritius ist eine auf einer geschichteten Zufallsstichprobe basierende Repräsentativbefragung der Bevölkerung, die aus allen Bewohner/innen über 18 Jahren, die in Haushalten leben, gezogen wird. Insgesamt 1200 Interviews gehen in den Datensatz ein. Es wird eine binäre-logistische Regression geschätzt mit der abhängigen Dummy-Variable „tägliche Internetnutzung“ (ja/nein). Als unabhängige Variablen fungieren soziale Indikatoren wie Bildung, Religion, Alter und Wohnort. Die binär-logistische Regression ist interpretierbar als die von den Werten der unabhängigen Variablen abhängige Wahrscheinlichkeit des Eintreffens des Ereignisses tägliche Internetnutzung (vgl. Bühl 2014). Die Wahrscheinlichkeit mit P(y=1) als Wahrscheinlichkeit, dass y den Wert 1 annimmt, berechnet sich dabei nach:

(3)Py=1=11+eb1*x1+b2*x2++bn*xn+a

4 Ergebnisse

Die OLS-Regressionsschätzung weist für das Kontrollmodell (Modell 1) zwei signifikante standardisierte Regressionskoeffizienten Beta[3] aus.

Tabelle 2:

Ordinary Least Squares-Regression: Regionalentwicklung in Mauritius.

Unabhängige VariablenModell 1Modell 2Modell 3Modell 4
Kontroll­variablenund EPZ-Faktorenund Tourismus-Faktorund Internetanschlüsse
BetaBetaBetaBeta
Bevölkerungsdichte pro km²0,0930,0770,074–0,004
Quadrierte monatliche Medianmiete –0,042–0,041–0,033–0,230***
Kochen mit Holzfeuer–0,572***–0,567***–0,563***–0,478***
Arbeitslose Personen0,1340,0980,0960,219**
Präsenz von Marginalsiedlung in 2000–0,073–0,057–0,048–0,067
Obdachlosigkeit–0,043–0,023–0,022–0,34
Sprache im Haushalt überwiegend Englisch0,312***0,316***0,331***0,045
Anzahl der in den letzten 5 Jahren aus dem Ausland zugezogenen Personen–0,102–0,117–0,117–0,114*
EPZ Fabriken im Jahr 1986 0,0590,052–0,144*
Anzahl EPZ Fabriken mit 10 und mehr Mitarbeiter/innen in 2015–0,068–0,070–0,033
Anzahl EPZ Beschäftigte in 20150,0890,0920,058
Tourismus (Faktor) –0,034–0,107*
Internetanschlüsse pro Kopf0,658***
(Konstante)0,7480,7500,7490,664
0,5080,5120,5130,687
F18,82213,66112,47823,795
Prob > F0,0000,0000,0000,000
n155155155155

  1. * = p < 0.10; ** = p < 0.05; *** = p < 0.01, abhängige Variable: Relative Development Index (RDI). Daten: Ministry of Finance and Economic Development 2014; Koop 2004, 159; Rogerson 1993, 195.

Kochen mit Holzfeuer weist einen höchst signifikanten negativen Einfluss auf die Regionalentwicklung auf und kann als ein deutlicher Hinweis auf Marginalsiedlungen gelten. Das Kochen mit Holz ist vor allem in Marginalsiedlungen in Mauritius anzutreffen (r = 0,167; p < 0,05), die in der Regel an der Peripherie von Port Louis und in der südwestlichen Küstenregion von Black River situiert sind. Hier wird die soziale Polarisierung der mauritischen Gesellschaft besonders deutlich (vgl. Gooding 2016). Einen positiven Einfluss auf die Regionalentwicklung weist dagegen Englisch als Haushaltssprache auf. Englisch als Sprache im Haushalt deutet auf gebildete Schichten der indischstämmigen Bevölkerung hin, die in wohlhabenderen Gegenden von Mauritius leben. Die anderen Variablen des Kontrollmodells weisen keinen signifikanten Einfluss auf die Regionalentwicklung auf. Modell 2 nimmt zusätzlich die EPZ Variablen in die Schätzung mit auf. Es zeigt sich, dass die Ergebnisse des Kontrollmodells bestätigt werden, die EPZ-Items hingegen keinen signifikanten Beitrag zur Aufklärung der Varianz des RDI leisten. Dies bestätigt zunächst die Kritik von Jenkins (vgl. 2006), der Export Processing Zones aufgrund fehlender infrastruktureller Ausstattung der meisten ländlichen Regionen im Globalen Süden als ungeeignet für die Regionalentwicklung kritisiert hat. Modell 3 unter Einschluss des Tourismus-Faktors bestätigt wiederum den Befund der Modelle 1 und 2. Der Tourismus liefert keinen signifikanten Beitrag zur Aufklärung der Varianz der abhängigen Variable und kann als folgenlos für die Regionalentwicklung angesehen werden. Die These von Bohlin et al. (vgl. 2016) der nur bedingten Wirkung des Tourismus auf die Regionalentwicklung bestätigt sich in Modell 3.

Das Gesamtmodell 4 unter Hinzuziehung der Internetanschlüsse pro Kopf ändert dieses Bild nun evident und verdeutlicht die Wirksamkeit der mauritischen Regionalentwicklungsansätze. Von den Kontrollvariablen weisen nun arbeitslose Personen einen signifikant positiven Einfluss auf die Regionalentwicklung auf und nicht länger Englisch als Haushaltssprache. Dieser scheinbar widersprüchliche Befund erklärt sich mit der höheren Arbeitslosigkeit in den urbanisierten Gebieten der Insel im Vergleich zum ländlichen Raum (t = -4,51; p < 0,01), da hier die Bereitschaft höher ist, sich offiziell arbeitslos zu melden, bei einer insgesamt geringen Arbeitslosigkeit in Mauritius von 7,6% im September 2016. Die Items EPZ Fabriken im Jahr 1986 und Anzahl der in den letzten fünf Jahren aus dem Ausland zugezogenen Personen weisen einen negativen signifikanten Einfluss auf die Regionalentwicklung auf. Dieser ist relativ gering, bestätigt hingegen die Kritik an der Rolle von EPZs in der Regionalentwicklung von Amirahmadi/Wu (vgl. 1995) und Jenkins (vgl. 2006). Gebietseinheiten mit einer frühen Implementierung der EPZ liegen meist an der Peripherie der Städte auf der Hauptinsel und weisen einen höheren RDI auf als Gebietseinheiten, in denen später oder keine Fabriken angesiedelt wurden (t = -5,62; p < 0,01). Allerdings zeigen sie im Gesamtmodell relativ zu den anderen Variablen einen negativen Einfluss auf die Regionalentwicklung. Hypothese 1, die der EPZ keinen positiven Einfluss auf die Regionalentwicklung attestierte, wird damit bestätigt. Der Tourismusfaktor wirkt ebenfalls signifikant negativ auf die Regionalentwicklung. Verstärkt wird dies durch den jetzt evidenten, hoch signifikanten negativen Impact der quadrierten monatlichen Medianmiete. Diese ist vor allem in touristischen Gebieten hoch (r = 0,295; p < 0,01), da dies die Regionen sind, in denen die franco-mauritische Elite Ferienwohnsitze zu für mauritische Verhältnisse hohen Preisen anmietet. Aufgrund von Gesetzen aus der Kolonialzeit ist es in Mauritius bis auf wenige Ausnahmen nicht möglich, Strandgrundstücke privat zu erwerben. Diese müssen stattdessen von der Regierung angemietet werden (vgl. Salverda/Hay 2014). Sie liegen in der Regel in entlegenen, wenig entwickelten und dem Tourismus vorbehaltenen Regionen. Hypothese 2, die dem Tourismus einen positiven Einfluss auf die Regionalentwicklung zusprach, muss folglich abgelehnt werden. Den stärksten positiven Einfluss auf die Regionalentwicklung zeigt die Variable Internetanschlüsse pro Kopf. Der Wert des standardisierten Regressionskoeffizienten ist etwa dreimal größer als für arbeitslose Personen und ein Drittel größer als für den negativ gerichteten Armutsindikator Kochen mit Holzfeuer. Das Gesamtmodell zeigt damit, dass vor allem die Versorgung mit Internetanschlüssen pro Kopf als flächendeckende Verbesserung der Infrastruktur zur Varianzaufklärung der abhängigen Variable beiträgt. Hypothese 3, die eine positive Wirkung der Verbreitung von IT-Technologie auf die Regionalentwicklung postuliert, wird durch das Gesamtmodell insofern bestätigt, dass die Internetversorgung einen stark positiven Effekt auf die Regionalentwicklung zeigt.

Einflussfaktoren der Internetnutzung werden in einer binär-logistischen Regression mit Daten des Afrobarometer 2015 geschätzt, um mögliche Ansatzpunkte der Regionalentwicklung auf der Individualebene aufzuzeigen und um zu klären, ob es sich bei der Verbreitung des Internets lediglich um einen Wohlstandsindikator handelt. Als Proxy für den Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnik wird die abhängige Dummy-Variable „tägliche Internetnutzung“ gewählt.

Tabelle 3:

Binär-logistische Regression: tägliche Internetnutzung.

KovariatenBExp(B) [Odds ratio]Signifikanz
Geschlecht–,500,607,075
Alter (quadriert)–,001,999**,001
Bildung (quadriert),0831,086**,000
Arbeitslos,6171,854,064
HH-Sprache: Englisch–1,127,324,352
HH-Sprache: Kreolisch–,647,524*,041
Wohnort urban/rural,6381,893*,032
Religiös (mindestens einmal die Woche)–,149,862,687
Zugang zu öffentlichen Schulen–,175,839,723
Unterstützung der Demokratie–,525,591,149
Vertrauen in politische Institutionen–,306,736,067
(Konstante)–,200,819,880
R² (Nagelkerke),409
χ²132,747
Sig. ,000

  1. * = p < 0.05; ** = p < 0.01, abhängige Variable: tägliche Internetnutzung. Daten: Afrobarometer 2015.

Einen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit der täglichen Nutzung des Internets zeigen dabei die Variablen Alter (quadriert), Bildung (quadriert), Wohnort und Haushaltssprache Creolisch. Urbaner Wohnort und Bildung wirken dabei positiv, Alter und Creolisch als Haushaltssprache wirken negativ auf die Wahrscheinlichkeit der täglichen Internetnutzung. Steigt Alter um eine Einheit, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit der täglichen Internetnutzung um 1%. Steigt dagegen Bildung um eine Einheit, dann steigt die Wahrscheinlichkeit der täglichen Internetnutzung um 8,6%, wenn alle anderen Parameter konstant gehalten werden. Wesentlich deutlicher fällt die Veränderung im Fall Creolisch als Haushaltssprache aus. Die Wahrscheinlichkeit, das Internet täglich zu nutzen, sinkt um 47,6%, wenn Creolisch die Haushaltssprache ist. Dies bestätigt die Kritik von Kothari/Wilkinson (vgl. 2013) an der sozialen Selektivität der IT-Technik in Mauritius, die vor allem bildungsferne und arme Gruppen wie die Creolen betrifft. Ferner ist die Wahrscheinlichkeit für Urbanit/innen in Mauritius 89,3% höher das Internet täglich zu nutzen, als für Bewohner/innen des ländlichen Raums. Die binär-logistische Regressionsanalyse der täglichen Internetnutzung in Mauritius zeigt deutlich, dass es vor allem die jungen, urbanen, gebildeten und nicht-creolischen Mauritier/innen sind, die das Internet täglich nutzen.

5 Diskussion und Schlussfolgerungen

Die OLS-Regression bestätigt Hypothese 1 und 3 und falsifiziert Hypothese 2. Die EPZ zeigt eine schwach negative, der Tourismus eine deutlich negative signifikante Einwirkung auf die Regionalentwicklung. Die IT- und Kommunikationstechnik weist dagegen einen starken positiven Einfluss auf die regionale Entwicklung auf. Allerdings zeigt sich auf der Individualebene eine deutliche soziale Segregation der Internetnutzung in Mauritius, die sich bildungsselektiv und armutsselektiv darstellt.

Die nicht vorhandene Einwirkung der EPZ auf die Lebensverhältnisse der Menschen in den verschiedenen Regionen von Mauritius bestätigt die Kritik von Ong an dieserart Ausweisung von Zonen der Ausnahme, die sie als vom Markt getriebene Strategien der räumlichen Fragmentierung als Reaktion auf die Bedürfnisse des globalen Kapitals betrachtet (vgl. Ong 2006). Wesentlich für diese Zonen der Ausnahme seien verschiedene Regime der graduellen Souveränität, die die Rechte der Arbeiter/innen für die Zwecke der Kapitalgeber/innen performativ zuschneiden (vgl. Ong 2006). Bach definiert Zone in dieser Lesart als „a spatial capital accumulation machine consisting of a designated physical area in which different rules apply to corporations, and by extension workers, than in the rest of a given state” (Bach 2011, 100). Die grundlegende Funktion der Zone ist die Produktion und gerade nicht die Initiierung eines räumlichen Keynesianismus als möglichst gleichmäßige Verteilung von regionaler Entwicklung über das Territorium eines Nationalstaates (vgl. Brenner 2004). In Mauritius wirkt die Anwesenheit von EPZ-Fabriken schwach negativ auf die Regionalentwicklung und bestätigt damit indirekt die Kritik von Ong (vgl. 2006) und Bach (vgl. 2011). Aufgrund der Interkonnektivität der globalen Sonderwirtschaftszonen mit der gegebenen Möglichkeit von Kapitalflüssen entlang des Lohnkostengradienten von Staat zu Staat weisen Zonen eine starke Disziplinierungsfunktion gegenüber den Arbeiter/innen auf. Zonen wie die mauritische EPZ sind demnach vulnerable Gebilde, deren Erfolg eng an niedrige Lohnkosten und mitunter sexistische Arbeitsverhältnisse gekoppelt ist (vgl. Dirksmeier 2017). Das Beispiel der mauritischen Regionalentwicklung zeigt, dass Zonen wie die EPZ als Kapitalakkumulationsmaschinen fungieren, die wenig bis gar nicht auf die Regionalentwicklung wirken, selbst wenn sie explizit zu diesem Zweck eingerichtet wurden. Jenkins grundsätzliche Kritik an diesem Modell, dass in peripheren Regionen aufgrund der Distanzen zu anderen Unternehmen und Absatzmärkten Standortnachteile für produzierende Unternehmen bestehen, die die Regionalentwicklung hemmen (vgl. Jenkins 2006), bestätigt sich im Fall von Mauritius. Grundlegende Ziele, die sich mit der Einrichtung der EPZ verbanden, wurden zwar erreicht, wie die Diversifizierung der Wirtschaft, die Entstehung von Arbeitsplätzen, der Ausbau des Sozialsystems (vgl. Meisenhelder 1997) und die Möglichkeit für breitere Bevölkerungsschichten, sich in den 1990er Jahren im ländlichen Raum Eigenheime zu bauen.[4] Die OLS-Regression legt hingegen nahe, dass die regionale Entwicklung insgesamt nur in geringem Maße von der EPZ tangiert wird.

Der negative Einfluss des Tourismus auf die Regionalentwicklung ist überraschend, da Mauritius stark in den internationalen Tourismus investiert (vgl. Carroll/Carroll 2000), dieser einen bedeutenden Teil zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt und der Tourismus gerade die einzigartigen naturräumlichen Attribute von peripheren Regionen adressiert (vgl. Christaller 1964; Vorlaufer 2003). Allerdings ist die mauritische Tourismuswirtschaft wenig diversifiziert, und es existiert keine einheimische Freizeitindustrie, die Tourist/innen aus den Hotelenklaven herauslocken könnte (vgl. Mistry 1999). Die Regressionsanalyse verdeutlicht, dass diese enklavische Struktur des mauritischen Tourismus der Regionalentwicklung entgegensteht. Der von Bohlin et al. (vgl. 2016) angeführte Matthäus-Effekt der Tourismuswirtschaft findet sich auch in Mauritius, da hier nur etwa 12% der Küstenlinie aus öffentlichen Stränden besteht (Salverda/Hay 2014, 242), an denen sich die Tourismusindustrie ballt. Die touristischen Enklaven zeigen eine vom Rest des Landes abgekoppelte Immobilien- und Mietpreisentwicklung, die wiederum zu Immobilienspekulationen einladen. So ist die größte Landbesitzerin im stark touristisch geprägten südwestlichen Distrikt Black River die Medine Sugar Estate, die aufgrund der sinkenden Erträge im Zuckergeschäft ihr Portfolio um Immobilien erweiterte und die Immobilienpreisentwicklung anfachte (Gooding 2016, 504). „In the Black River district, property prices have escalated dramatically in the recent past, possibly because of the rapid development of tourism facilities, IRS and new private commercial property projects” (Wortman et al. 2016, 149). Der negative Einfluss der Medianmiete und des Tourismusfaktors auf die Regionalentwicklung deutet auf eine Gentrifizierung in den touristisch attraktiven Regionen von Mauritius, wie sie etwa in Denmark, Westaustralien (vgl. Curry et al. 2001) oder in New Orleans, Lousiana (vgl. Gotham 2005) zu beobachten ist. Die Integrated Resort Schemes (IRS), gated communities, in denen vornehmlich Ausländer/innen Zweitwohnsitze erwerben können, werden für diese Entwicklung als wesentlich betrachtet (vgl. Greig et al 2011). Letztlich liefert der Tourismus in Mauritius einen evidenten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt, wirkt aber aufgrund von Konzentrationsprozessen und verbundener Gentrifizierung negativ auf die regionale Entwicklung der Insel und trägt spürbar zur Verschärfung des Wohnungs- und Immobilienmarktes in den touristisch attraktiven Gebieten bei (vgl. Gooding 2016). Eine Ausnahme bildet hier nur die stärker auf einen nachhaltigen Ökotourismus setzende und gering entwickelte Insel Rodrigues, wo diese Prozesse bis dato nicht aufgetreten sind (vgl. Jauze 2015).

Die Regressionsanalysen zeigen deutlich, dass das politische Ziel von Mauritius, die Insel in eine „cyberile (cyber-island)“ (Lincoln 2006, 65) im Sinne einer zweiten strukturellen Transition zu modifizieren, die erfolgreichste Säule der Regionalentwicklung darstellt. Die Penetrationsrate des Internets in der Bevölkerung ist ähnlich hoch, wie in den Staaten des Globalen Südens mit der höchsten Verbreitung des Internets (vgl. James 2012) und der Anteil der IT-Industrie am BIP steigt jährlich. Wie Blin anmerkt, profitieren vom Wachstum im IT-Sektor ebenfalls Frauen, die hier gut bezahlte Arbeitsplätze finden und damit deutlich weniger von der EPZ abhängig werden, allerdings um den Preis einer starken zeitlichen Belastung (vgl. Blin 2008). Die binär-logistische Regressionsanalyse zeigt zwar auf, dass Geschlecht nicht signifikant auf die Wahrscheinlichkeit der täglichen Internetnutzung wirkt. Auffällig ist hingegen die deutliche soziale Segregation in der täglichen Internetnutzung. Kothari/Wilkinson warnen explizit vor einer Verstetigung der „creole malaise“, der sozialen Abkopplung des afrikanischstämmigen Bevölkerungsteils von Mauritius im Zuge der Transformation der Insel von einer Agrar- in eine Dienstleistungsgesellschaft (vgl. Kothari/Wilkinson 2013). Die binär-logistische Regression verdeutlicht, dass die eher privilegierten Schichten hier deutliche Vorteile aufweisen. Für die zukünftige Regionalentwicklung in Mauritius bedeutet dies, dass es nicht reichen wird, auf einen flächendeckenden Ausbau des Internets und Investitionen in die IT-Wirtschaft zu setzen, da diese Säule vor allem die gebildeten, sozial höheren Schichten fördert. Vielmehr bedarf es Anstrengungen, die Internetversorgung ebenfalls in den ländlichen Regionen sicherzustellen und hier die ältere, ungebildetere und creolische Bevölkerung über spezifische Programme miteinzubeziehen.

Die Wirkungen der drei wesentlichen Säulen der Regionalentwicklung zeigen in ihrem Impact auf den RDI eine deutliche Unwucht. Während die EPZ sich zwar auf das BIP und den Sozialhaushalt von Mauritius, nicht aber auf die Entwicklung der regionalen Lebensbedingungen auswirkt, zeigt der Tourismus einen signifikant negativen Einfluss auf die Lebensbedingungen. Will der postkoloniale Staat Mauritius auf Dauer die Akzeptanz des internationalen Tourismus in der Bevölkerung sichern, bedarf es Ausgleichsprogramme für die lokalen Immobilienmärkte in den Tourismusgebieten, die aufgrund des enklavischen Charakters des mauritischen Tourismus extrem angespannt sind. Vor allem ärmere Bevölkerungsschichten dürfen nicht in Marginalsiedlungen ohne Infrastruktur verdrängt werden, wie dies z. B. im südwestlichen Distrikt Black River vielerorts geschieht (vgl. Gooding 2016). Der Tourismus stellt in diesem Sinne ein Problem für die mauritische Regionalentwicklung dar. Problematisch in Hinblick auf die IT-Wirtschaft und Internetpenetrationsrate ist die hohe soziale Selektion, die in der Analyse deutlich wird. Hier bedarf es staatlicher Empowermentprogramme für ältere und gering gebildete Menschen vor allem im ländlichen Raum, damit diese ebenfalls Chancen erhalten vom IT-Boom zu profitieren. Die drei analysierten Säulen der Regionalentwicklung in der postkolonialen Inselrepublik Mauritius zeigen sich daher ausgesprochen ambivalent. Sie sind entweder wirkungslos (EPZ), stellen eine Bedrohung für die lokale, sozialschwache Bevölkerung dar (Tourismus) oder sind erfolgreich in Bezug auf die Verbesserung der Lebensverhältnisse, dies jedoch um den Preis starker sozialer Selektivität (IT). In dieser Gemengelage zu einer für alle Bevölkerungsteile der pluralen Gesellschaft von Mauritius spürbaren Verbesserung der Lebensverhältnisse im Sinne des brennerschen räumlichen Keynesianismus (vgl. Brenner 2004) zu kommen, wird die große Zukunftsaufgabe der mauritischen Regionalentwicklung sein.

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Erhalten: 2017-2-27
Angenommen: 2017-6-19
Online erschienen: 2017-9-7
Erschienen im Druck: 2017-11-27

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