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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter August 1, 2011

Die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen unter verfassungsrechtlichen Aspekten

  • Hans-Jürgen Papier and Martin Heidebach
From the journal

Angesichts der deutlichen Unterrepräsentation von Frauen in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen wird in letzter Zeit auf politischer Ebene immer häufiger die Einführung einer gesetzlich verpflichtenden Frauenquote gefordert. Der vorliegende Beitrag möchte den verfassungsrechtlichen Rahmen für eine gesetzliche Frauenquote für die Aufsichtsräte ausleuchten.

Dabei wird in erster Linie geprüft, welche Vorgaben sich aus den Grundrechten ergeben. Neben den Freiheitsgrundrechten der betroffenen Unternehmen und von deren Anteilseignern steht die Betrachtung des besonderen Gleichheitssatzes des Art. 3 Abs. 3 GG im Mittelpunkt. Im Ergebnis zeigt sich, dass eine gesetzlich verpflichtende Frauenquote für die Aufsichtsräte grundsätzlich zulässig wäre. Unzulässig dürfte eine Frauenquote allerdings sein, soweit in Unternehmen bestimmter Branchen Frauen generell in geringer Zahl vertreten sind. Der Beitrag nimmt darüber hinaus Stellung zu den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Ausgestaltung einer Frauenquotenregelung.

Wegen des Vorrangs des Unionsrechts kann die Problematik der gesetzlich verpflichtenden Einführung einer Frauenquote für die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen nicht nur unter nationalen Gesichtspunkten diskutiert werden. AbschlieÔend werden deshalb kurz die europarechtlichen Vorgaben skizziert.

Given that women are considerably underrepresented in the boards of German corporations, the introduction of a legally binding women's quota is currently under political discussion. This article explains the constitutional framework for such a quota.

The primary focus of this analysis is to explore the requirements which result from the basic rights. Besides the freedom rights of the affected corporations and their shareholders, this analysis focuses on the special rule of equality of Article 3 (3) Basic Law for the Federal Republic of Germany [Grundgesetz, GG]. Results show that a legally binding women's quota would be constitutional in principle. However, a women's quota would be unconstitutional in corporations pertaining to certain fields in which women are generally underrepresented. Furthermore, the article comments on the constitutional requirements for the implementation of a women's quota.

Because of the primacy of European law, the question of a legally binding women's quota for German corporations cannot solely be discussed under aspects of national law. Therefore, the article concludes with a short overview of the specifications of European law.

Online erschienen: 2011-08-01
Erschienen im Druck: 2011-April
Downloaded on 5.2.2023 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zgre.2011.305/html
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