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Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter October 17, 2017

Widerspruch und Totalität

Soziale Kategorien und materialistische Dialektik im Kapital von Karl Marx

Hans-Ernst Schiller

Zusammenfassung

Der Aufsatz zeigt die Strukturanalogien zwischen Hegels Konstruktion des Widerspruchs in der Logik und der Marx’schen Wertformanalyse im Kapital. Er verdeutlicht ferner die Strukturanalogie zwischen Hegels Begriff des Geistes und dem Begriff des Kapitals, aber auch die wesentlichen Differenzen: erstens in der Begrenzung der dialektischen Begriffsentwicklung bei Marx, sowie zweitens im Begriff der Totalität des Kapitals, die keinen Kreis darstellt, sondern im systematischen wie im historischen Sinn offen sein soll. Die Widersprüche der Kategorien reproduzieren sich in der Praxis als Widersprüche von Zielsetzungen. Die ökonomischen Kategorien sind in die Praxis verflochten als „objektive Gedankenformen“, welche die wesentlichen Verhältnisse sowohl zur Erscheinung bringen wie verschleiern.

Abstract

The essay shows the structural analogy between Hegel´s construction of contradiction in the Logic and Marx´ analysis of the form of value (Wertformanalyse) in the Capital. It also demonstrates the structural analogy between Hegel´s concept of “spirit” and the definition of “capital” just as well as the essential difference: Firstly, the limitation of the dialectical development according to Marx, secondly, the concept of the totality of the capital. The totality does not represent a circle, but is supposed to be open both from a systematic and a historical point of view. The contradictions between the categories replicate themselves in practice as contradictions of purposes. The economic categories are practically interwoven as „objective thought forms“, representing the essential relations as well as concealing them.

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Diskussion

Lange: [...] Ich wollte auf einen Aspekt zurückkommen, der etwas unterbelichtet oder vielleicht nicht genau genug erfasst vorgetragen wurde. Und zwar der Aspekt der Krise. Ich fand es erst mal gut, dass Sie den Aspekt des Widerspruchs mit der Krise zusammengebracht haben, aber ich glaube, man muss ein bisschen aufpassen mit Marx’ Krisenbegriff, der sehr schwammig war und in mindestens sechs verschiedenen Interpretationsformen vorliegt, also Überproduktionskrise, Sie haben es erwähnt, wobei sie eher von Engels favorisiert wurde, dann Unterkonsumtionskrise, Disproportionalitätskrise usw. Da muss man ein bisschen aufpassen, dass man einem technischen Verständnis von Krise da nicht Vorschub leistet, wenn man von Überproduktionskrise spricht. Denn für Marx war der Widerspruch im Kapital selbst, also: „Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch“, wie er sagt (MEW 42, S. 601; MEGA II.1.2, 582), und das ist so, weil es zu seiner Produktionsform gehört, dass seine eigene Selbstverwertung sich selbst immer neue Schranken setzt. D. h. die Wertform selber ist widersprüchlich und wird mitnichten aufgelöst durch die Existenz des Geldes. Im Gegenteil: Die Existenz des Geldes gibt dem Widerspruch nur mehr Raum, sich zu bewegen, d. h. diese Widersprüche noch zu verschärfen. Und wenn wir diese Kategorienentwicklung verfolgen vom Wert – übrigens haben Sie da ein bisschen auch Gebrauchswert und Tauschwert gegeneinandergesetzt, das ist natürlich nicht der Widerspruch, sondern Gebrauchswert und Wert ist der Widerspruch – also wenn man die kategoriale Entwicklung verfolgt, dann sieht man, dass dieser Widerspruch immer stärker wird, immer unerträglicher. Und deswegen muss man darauf vielleicht achten, wenn man über die Krise spricht, dass man sich nicht eine von sechs verschiedenen Varianten herauspickt und sagt: Ja, es sind immer Überproduktionskrisen oder es sind immer Unterkonsumtionskrisen oder es sind immer Disproportionalitätskrisen – sondern die Krise an der Wertform des G – W – G‘ selbst zeigt. Dafür ist wichtig, dass man vielleicht einen kleinen Blick auf den dritten Band des Kapital wirft und zeigt, wie Marx da aus der Widersprüchlichkeit des Werts selbst, nämlich dem Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate, diese Krisentheorie entwickelt. Mit all den Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Aber ich würde mir nicht eine Krisenvariation rauspicken und sagen: Daran können wir sehen, dass diese Produktionsweise widersprüchlich ist.

Schiller: Ich nehme die Kritik mangelnder Komplexität in diesem Punkt gerne an. Ich kann jetzt nur noch einmal sagen, warum ich da überhaupt darauf gekommen bin, weil ich eben wichtig finde diesen Zusammenhang zwischen den Widersprüchen in der Wertformanalyse, die ich jetzt als kategoriale Widersprüche bezeichnet habe, und Handlungszielen – das war jetzt mein Punkt. Ich habe ja die These aufgestellt, dass sich die kategorialen Widersprüche in Widersprüchen von Handlungszwecken darstellen und da habe ich dann diese Äußerungen aus den Grundrissen genommen, weil sie mir das ganz gut zu erläutern schienen. Es ist völlig klar, dass ich höheren Ansprüchen an die Darstellung des Krisenbegriffs damit nicht gerecht werden kann. Und ein anderer Punkt, das halte ich auch noch für sehr wichtig, ist, dass ja Marx selber schon gleich am Anfang im 3. Kapitel sagt, durch das Auseinanderfallen der Gegensätze ist die Möglichkeit der Krise gegeben. Und ich meine, das heißt ja nichts weiter, als dass eben Kauf und Verkauf auseinanderfallen. Ist nicht dann auch im 2. Band des Kapitals dann eben auch eine Stelle, wo es heißt: Ja, der Betrieb geht immer weiter, immer weiter, alles scheint bestens, aber man stellt plötzlich fest, dass eben eine Menge von Produkten die Rückverwandlung in Geld noch nicht vollzogen hat. Und in dem Moment, wo man das feststellt, bricht die Panik aus. (vgl. MEW 24, S. 80 f.) Also dieses Auseinanderfallen der polarischen Gegensätze von Kauf und Verkauf – darauf kommt es mir jetzt besonders an, deren Weiterungen darzustellen [...].

Elbe: [...] Ich möchte zum Anfang des Vortrages zurückkommen, denn – vielleicht habe ich das auch falsch verstanden – ich habe es so verstanden, dass Sie gesagt haben, Marx spreche von einem Widerspruch in der Ware, weil die Ware in derselben Hinsicht Gebrauchswert und Wert sei. Und dann haben Sie anschließend davon gesprochen, dass Gebrauchswerte gleichgesetzt werden. Da bin ich mir nicht ganz sicher, ob – wie gesagt – ich das richtig verstanden habe, weil die Ware ja bei Marx – so wie ich das verstanden habe – gerade nicht in derselben Hinsicht Gebrauchswert und Wert ist, weil Gebrauchswerte als unterschiedliche Gebrauchswerte ja gar nicht gleichgesetzt werden können. 20 Ellen Leinwand sind eben nicht gleich 1 Rock, sondern sie sind gleichsetzbar – Marx zufolge –, weil sie gleiche Mengen verausgabter abstrakt menschlicher Arbeit sind. Und das heißt, dass sie in einer anderen Hinsicht gleichgesetzt werden als in der Hinsicht, Gebrauchswerte zu sein. Und um dann zurückzukommen: Das hieße dann auch, dass der Widerspruch dann nicht wäre, dass die Ware in ein und derselben Hinsicht Gebrauchswert und Wert ist, das ist für mich eher der Warenfetisch, sondern dass die Ware in einer gesellschaftlich spezifischen Hinsicht Wert ist, nämlich als Produkte menschlicher Arbeit schlechthin gleichgesetzt zu werden, und in einer gesellschaftlich unspezifischen Hinsicht Gebrauchswert ist, also z. B. ein Stuhl, auf dem man sitzen kann. [...]

Schiller: Also, wir sind vor die Aufgabe gestellt, diesen merkwürdigen Satz: Leinwand = Rock ist die Grundlage der Gleichung, zu verstehen. Es ist ja so, dass der Begriff des Werts oder vielmehr des Tauschwerts – das muss man hier unterscheiden – für Marx ja durch diese Gleichsetzung geradewegs konstituiert ist. Das ist Wert. Das ist, wenn ich sage, 20 Ellen Leinwand sind das und das wert, dann vollziehe ich diese Gleichsetzung. Das ist ja auch das, was er an dem Beispiel aus Aristoteles’ Nikomachischer Ethik klarmacht und sagt: Aristoteles, hier schreckt er zurück, hier findet er keine Antwort mehr, hier subjektiviert er das Problem, indem er sagt, das kann nur für das Bedürfnis möglich sein. (vgl. MEW 23, S. 73 f.) Also wir müssen ausgehen von dieser Gleichung Leinwand = Rock und wenn ich gesagt habe, es ist in ein und derselben Beziehung, die Rücksichten kann man nicht auseinanderhalten, dann ist diese Beziehung relevant, diese Beziehung, in der die Ware sowohl als Gebrauchswert als auch als Wert fungiert, und zwar auf beiden Seiten. Ein Gebrauchswert, der seinen Wert ausdrückt in einer anderen Ware, deren Gebrauchswert zur Materiatur des Wertausdrucks dient. Das ist die Beziehung, in der beide Gebrauchswert und Wert sind. Und das sind sie auf durchaus unterschiedliche Art und Weise, denn die Äquivalentform ist eben von Marx ja so analysiert, dass er sagt, hier gilt der Gebrauchswert unmittelbar als Wert. Und das ist ja für ihn dann, wie er sagt, der Schlüssel zum Lösen des Geldrätsels. [...] Die Beziehung, die ein und dieselbe Beziehung, ist diese Beziehung der Tauschgleichung.

Kuhne: Zum selben Thema: Sie haben ja selbst die Parallele zu Hegel hergestellt, eben auch nochmal, die leuchtet mir auch ein. Sie haben dann aber gesagt, etwas später: Genauer gesehen ist ja aber der Gebrauchswert wirklich unabhängig vom Wert. Ich habe Sie so verstanden: Sie weisen also darauf hin, dass Marx hier nicht affirmativ auf eine Hegelsche Methode zurückgreift, sondern in dieser Wertformdarstellung Hegelsche Denkfiguren (in Anführungszeichen) ‚anwendet‘ in dem Bewusstsein aber, dass z. B. schon dieser einfachen Wertform, wie sich später zeigen wird, ein Herrschaftsverhältnis zugrunde liegt. Und das ist doch dann das Interessante und da stellt sich doch die Beziehung her auch zum ersten Vortrag: Gebraucht der Marx mehr oder minder bewusstlos Hegelsche Denkfiguren? Er kritisiert, er ist – da würde ich auch Andreas Arndt zustimmen – bei aller späteren Kritik an Feuerbach ist Marx zeitlebens in gewisser Weise auch Feuerbachianer geblieben, weil er nur mit Feuerbach sich von Hegel lösen konnte. Zugleich greift er im Kapital ja auf Hegelsche Denkbestimmungen zurück, aber doch nicht, indem er etwa nachweisen will, dass jetzt das Kapital die verwirklichte Vernunft ist, sondern in kritischer Absicht. Und das zeigt sich schon ganz am Anfang, indem eben, wie Sie sagen, innerhalb dieses Wertausdrucks, von dem später gezeigt wird, es liegt dem ein Herrschaftsverhältnis zugrunde, diese idealistische Hegelsche Struktur besteht oder: dieser Wertausdruck hat eine idealistische Struktur. Aber das ist ja genau nicht die Wahrheit im Sinne der erkannten vernünftigen Struktur der Wirklichkeit, sondern das ist ja genau die Erkenntnis, dass dem ein Herrschaftsverhältnis zugrunde liegt, das, wie später gezeigt wird, praktisch abzuschaffen ist.

Schiller: [...] Ich bin völlig einverstanden mit Ihren Ausführungen. Man kann das auf verschiedene Weise ausdrücken. Der Widerspruch der Ware wird natürlich dadurch auch historisiert, indem Marx sagt, ein Produkt kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. (vgl. MEW 23, S. 55) Natürlich, das muss er ja denken. Er kritisiert eine bestimmte Gesellschaftsform. Worin sieht man die Kritik der bestimmten Gesellschaftsform? Meine These ist eben, dass er der begrifflichen Entwicklung aus dem Widerspruch, den er zweifellos mithilfe von Hegel konstruiert, in der Analyse selbst Grenzen setzt. Also, dieser Begriff der materialistischen Dialektik, der ist für mich jetzt kein alternativer Hegel, mit dem man dann an die verschiedenen Gegenstände herangehen soll, sondern er ist eben die, wie Sie völlig richtig sagen, auch da bin ich völlig Ihrer Meinung, auf der Basis der Feuerbachschen Kritik vollzogene Relativierung der Gültigkeit oder Brauchbarkeit dialektischer Denkfiguren.

Published Online: 2017-10-17
Published in Print: 2017-10-10

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