Skip to content
Licensed Unlicensed Requires Authentication Published by De Gruyter October 17, 2017

Freiheit, Arbeit, Selbstverwirklichung

Über einige Selbstmissverständnisse der „materialistischen“ Wissenschaft

Frank Kuhne

Zusammenfassung

Marx bestätigt im Kapital die materialistische Methode, die er (gemeinsam mit Engels) in der Deutschen Ideologie skizziert hatte. Gemäß dieser Methode ist „aus der Philosophie herauszuspringen“ und „die Wirklichkeit“ zu studieren. Ich zeige im Folgenden, dass Marx im Kapital mit materialistischer Ausdruckweise verschiedener Herkunft „kokettiert“. Nimmt man ihn beim Wort, resultiert ein schillernder Materialismus-Begriff. Ich zeige ferner, dass Marx der materialistischen Methode zum Trotz genötigt ist, wieder „philosophisch“ zu werden, um überhaupt von einer „höheren Gesellschaftsform“ sprechen zu können. Schließlich lege ich dar, dass Marx im dritten Band unter dem Titel „Reich der Freiheit“ auf den spekulativen und normativen Begriff der Natur aus den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten zurückgreift.

Abstract

In Capital Marx affirms the materialist method which he (and Engels) had outlined in the German Ideology. According to this method “one has to leap out of philosophy and devote oneself to the study of actuality”. I will argue, that Marx “coquets” with materialist modes of expression of different provenance. If one takes him seriously an ambiguous concept of materialism results. I will argue, secondly, that despite the materialist method Marx is compelled to become philosophically again, so that he can speak of a “higher form of society” at all. I will argue, thirdly, that Marx under the title of “a realm of freedom” in volume III reverts to the speculative and normative concept of nature of the Economic and Philosophic Manuscripts.

Literatur

Althusser, Louis (1968): Für Marx. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Feuerbach, Ludwig (1911): „Nachgelassene Aphorismen“. In: Sämmtliche Werke. Bd. 10, 297–346. Wilhelm Bolin und Friedrich Jodl (Hrsg.). Stuttgart: Fromanns.Search in Google Scholar

Feuerbach, Ludwig (1967): „Vorlesungen über das Wesen der Religion.“ In: Gesammelte Werke. Bd. 6. Werner Schuffenhauer (Hrsg.). Berlin: Akademie.Search in Google Scholar

Feuerbach, Ludwig (1970): „Grundsätze der Philosophie der Zukunft“. In: Gesammelte Werke. Bd. 9. Werner Schuffenhauer (Hrsg.). Berlin: Akademie.Search in Google Scholar

Feuerbach, Ludwig (1971): „Ergänzungen und Erläuterungen zum Wesen der Religion“. In: Gesammelte Werke. Bd. 10, S. 80-121. Werner Schuffenhauer (Hrsg.). Berlin: Akademie.Search in Google Scholar

Feuerbach, Ludwig (1973): „Das Wesen des Christentums“. In: Gesammelte Werke. Bd. 5. Werner Schuffenhauer (Hrsg.). Berlin: Akademie.Search in Google Scholar

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1981): „Phänomenologie des Geistes“. In: Theorie-Werkausgabe. Bd. 3. Eva Moldenhauer, Karl Markus Michel (Hrsg.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1976): „Grundlinien der Philosophie des Rechts“. In: Theorie-Werkausgabe. Bd. 7. Eva Moldenhauer, Karl Markus Michel (Hrsg.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1983): „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Erster Teil: Die Wissenschaft der Logik“. In: Theorie-Werkausgabe. Bd. 8. Eva Moldenhauer, Karl Markus Michel (Hrsg.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Janich, Peter (2010): Der Mensch und andere Tiere. Das zweideutige Erbe Darwins. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Kant, Immanuel (1974): „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“. In: Werkausgabe. Bd. VII. Wilhelm Weischedel (Hrsg.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp, S. 11-102.Search in Google Scholar

Krader, Lawrence (1976): Ethnologie und Anthropologie bei Marx, Frankfurt a. M., Berlin, Wien: Ullstein 1976.Search in Google Scholar

Kuhne, Frank (2015): „Transformation der praktischen Philosophie in kritische Theorie der Gesellschaft?“ In: Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie. Bd. 2. H. 1, S. 139–170.10.1515/zksp-2015-0007Search in Google Scholar

Lohmann, Georg (1991): Indifferenz und Gesellschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1983): „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band“ (1. Auflage, Hamburg 1867). In: Karl Marx, Friedrich Engels Gesamtausgabe [MEGA], II. Abteilung: „Das Kapital“ und Vorarbeiten. Bd. 5. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU und Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1974): „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 23. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1974): „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Band“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 25. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1978): „Randglossen zu Adolph Wagners ‚Lehrbuch der politischen Ökonomie‘“, In: Marx-Engels-Werke. Bd. 19. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz, S. 355–383.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1981): „Einleitung zur Kritik der Politischen Ökonomie“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 13. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz, S. 615–642.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1983): „Thesen über Feuerbach“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 3. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz, S. 5–7.10.1515/9783050071435-016Search in Google Scholar

Marx, Karl (1983): „Ökonomisch-philosophische Manuskripte“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 40. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz, S. 465–588.10.28937/978-3-7873-2079-0Search in Google Scholar

Marx, Karl (1985): „Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 42. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz.Search in Google Scholar

Marx, Karl (1988): Die Todesstrafe – Herrn Cobdens Pamphlet – Anordnungen der Bank von England. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 8. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz. S. 506 f.Search in Google Scholar

Marx, Karl/ Friedrich Engels (1983): „Die deutsche Ideologie“. In: Marx-Engels-Werke. Bd. 3. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (Hrsg.). Berlin: Dietz, S. 9–530.Search in Google Scholar

Postone, Moishe (2003): Zeit,Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft. Freiburg: ça ira.Search in Google Scholar

Ruben, Peter (1976): Dialektik und Arbeit der Philosophie. Köln: Pahl-Rugenstein.Search in Google Scholar

Sayers, Sean (2006): “Freedom and the ‚Realm of Necessity‘”. In: Douglas Moggach (Hrsg.): The New Hegelians. Cambridge u. a.: Cambridge University Press, S. 261–274.10.1017/CBO9780511498664.013Search in Google Scholar

Schnädelbach, Herbert (1992): Zur Rehabilitierung des animal rationale. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Search in Google Scholar

Theunissen, Michael (1982): Selbstverwirklichung und Allgemeinheit. Berlin, New York: de Gruyter.10.1515/9783110851069Search in Google Scholar

Diskussion

Tagungsteilnehmer: Wenn ich das Letzte richtig verstanden habe, dann ist also dem Kantischen Sozialismus, wie er im 19. Jahrhundert propagiert wurde, dem ist recht zu geben. Wenn auch vielleicht nicht die Durchführung, aber der Gedanke, Marx mit Kant zu verbinden – siehst Du das auch so?

Kuhne: In dieser Allgemeinheit würde ich dem zustimmen, ja. Ich bin ja ein Verfechter der These, dass zwischen dem sogenannten Marxschen Denken und der Marxschen Theorie zu unterscheiden ist. Natürlich kann man Marx nicht zum Kantianer machen. An allen Ecken und Enden lassen sich Zitate finden, die dagegen sprechen. Die Frage ist doch, ob die Marxsche Theorie – und damit meine ich jetzt auch nicht all das, was er theoretisch gesagt hat, sondern eben die Kapital-Kritik – ob diese ohne diese normative Seite überhaupt Bestand hat, die aber Marx-immanent eben nicht zu rechtfertigen ist. Und insofern würde ich Dir dann zustimmen, ja.

Bensch: Frank, habe ich Dich richtig verstanden, dass in einem entscheidenden Teil der Unterschied von notwendiger Arbeit und Mehrarbeit von Dir diskutiert worden ist mit diesen Interpretationen, mit jenen Interpretationen, dass ich es darauf zurückführen kann: Es gibt bei Marx Formulierungen, die den Unterschied von notwendiger Arbeit und Mehrarbeit im graduellen Sinne verstehen, und es gibt andere Interpretationen, wie Du aufgeführt hast, das Notwendige im Unterschied zur Mehrarbeit im wesentlichen Unterschied dieser beiden Begriffe bestehen. [...] Und dann einfach jetzt oben drauf, ganz knackig formuliert und ob Du dem dann zustimmen kannst: Ist der Unterschied von graduellem Unterschied und wesentlichem Unterschied graduell oder wesentlich? – Und dass an dieser Frage bzw. an dieser Antwort genau die Zwiespältigkeit der von Dir sehr detailliert ausgeführten Varianten: Es gibt bei Marx diese Variante und jene Variante, darin ihr Fundament haben.

Kuhne: Von graduell oder eminent habe ich nicht gesprochen in Bezug auf notwendige und Mehrarbeit, sondern in Bezug auf das Reich der Notwendigkeit und der Freiheit.

Bensch: Gerne. Passt bei mir. So verstehe ich das, ja.

Kuhne: Und was zeichnet denn das Reich der Freiheit als das „wahre“ Reich der Freiheit aus? Dieser Unterschied kann nicht nur ein quantitativer sein. [Bensch: Völlig richtig.] Infolge der materialistischen Theorie können wir ihn aber nur als quantitativen fassen. [Bensch: Ganz genau.] Also muss Marx, wenn er von dem wahren Reich der Freiheit spricht, das Normative wieder aus dem Hut zaubern, das für ihn immer philosophieverdächtig ist. Und meine These ist, dass er es an dieser Stelle unter Bezug auf Feuerbach macht. Es wird ja dann viel gerätselt. Es wird auf Aristoteles’ Lehre vom Guten Leben zurückgegangen, es wird gerätselt, was heißt denn ‚selbstzweckhafte Kraftentwicklung‘? Es wird auf Aristoteles’ Lehre vom Guten Leben verwiesen, es wird auf Schillers Ästhetische Theorie verwiesen. Es wird auch auf Feuerbach verwiesen. Und ich denke, dass an dieser Stelle tatsächlich Marx wieder den Feuerbach ausgräbt und meint, ihn auch wieder ausgraben zu können. Wenn man fragt: Was ist denn der Marxsche Begriff freier Subjektivität oder der Freiheit? Dann kann man ihm nicht mit Autonomie im kantischen Sinne oder mit dem Hegelschen Begriff der Freiheit kommen, sondern dann finden sich auch in Zeitungsartikeln aus den 1850er Jahren Formulierungen, die sich mit dem, was Feuerbach sagt, decken. Und deshalb denke ich, ist er hier in der Bredouille, er muss sozusagen normativ reden und zieht dann wieder diesen durch Feuerbach geprägten Begriff menschlicher Natur aus dem Hut.

Schiller: Sie haben gesagt, Marx greift auf den Feuerbachschen Naturbegriff, die Natur des Menschen zurück. Aber mir scheint eher, er greift zurück auf seine Feuerbachthesen, wo er eben dieses Moment der gegenständlichen Tätigkeit so sehr hervorhebt und die Idee, die an diesen Stellen am Ende des Kapitals und in den Grundrissen, wo er von der travail attractif spricht, zugrunde liegt, ist ja die der künstlerischen Tätigkeit, eine gegenständliche Tätigkeit, einer wissenschaftlichen Tätigkeit natürlich auch, eine gegenständliche Tätigkeit, die nicht mehr dem äußeren Zwang unterworfen ist. Es gibt in den Grundrissen eine wahnsinnig expressive Stelle, Sie haben sie, glaube ich, auch zitiert, wo er sagt, was ist der wirkliche Reichtum: „Das absolute Herausarbeiten seiner schöpferischen Anlagen [...]“ (MEW 42, S. 396; MEGA II.1.2, S. 392). Das ist freie gegenständliche Tätigkeit des Menschen. Also ich würde noch einmal sagen: Nicht Feuerbachs Natur, sondern die Feuerbachthesen – „gegenständliche Tätigkeit“ (MEW 3, S. 5) – sind hier der Ausgangspunkt.

Kuhne: Ich hatte ja ganz kurz dies zitiert: ‚Das menschliche Wesen ist das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.‘ (vgl. MEW 3, S. 6) Auf den ersten Blick liest sich das ja so, als würde hier der menschliche Wesensbegriff anders gefasst. Aber in der Tat ist er ja damit obsolet, wenn Marx sagt, dass wir in der Erklärung der Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit und der des „gesellschaftlichen Individuums“ nur von historischen Voraussetzungen auszugehen haben. Das ist ja die Absetzbewegung auch in der Deutschen Ideologie. Die wirklichen Individuen in ihrem empirisch anschaulichen – wirklicher geht es ja gar nicht! – Lebensprozess. Das soll ja der Abschied von überhaupt einem solchen Wesensbegriff sein, weil das „Philosophie“ ist.

Arndt: Ja, ich bin mit sehr vielem ganz einverstanden, was Du gesagt hast. Zwei Punkte: Einmal ich glaube, man kann die Position des Kapitals nicht mehr einfach auf das, was da Materialismus heißt, bringen, d.i. von der Deutschen Ideologie her erklären. Das scheitert für mich schon daran, dass die Grundvoraussetzung, die Marx dort macht, dass er sagt, wenn Wesen und Erscheinung zusammenfallen würden, wäre alle Wissenschaft überflüssig. Das ist nicht die Position der Deutschen Ideologie. Die Deutsche Ideologie tut so – in einem, ich nenne es so, wirklich naivsten Empirismus – als müsste man nur auf die Tatsachen gucken und dann springt die Theorie bei raus. Also von dem Dampfer ist Marx runter. Und ich glaube, der Hintergrund ist das, was er tatsächlich viel stärker im zweiten Entwurf des Kapitals macht, dem 1861/63 Manuskript: Das Dritte zwischen Ding und Idee ist Verhältnis – ich glaube, das ist der Schlüssel dafür. Dass er das dann sozusagen philosophisch unzureichend reflektiert, steht auf einem anderen Blatt, da stimme ich Dir wieder ganz zu, aber ich glaube nicht, dass man das mit der Deutschen Ideologie erklären kann. Und dann habe ich auch erhebliche Zweifel, ob da der alte Feuerbach wieder vorgekramt wird. Ich würde sagen, das steht schon wieder in einem Hegelschen Horizont, weil für Hegel es ja um die Geschichte der Freiheit geht. Freiheit ist nicht etwas, was vom Himmel geregnet ist, quasi mit der menschlichen Natur als solcher, sondern es ist eine Geschichte der Institutionalisierung. Und das ist es bei Marx auch, wenn er vom Reich der Freiheit und Reich der Notwendigkeit redet. Das ist nämlich die Institutionalisierung der ökonomischen Sphäre, die bisher naturwüchsig wuchert in der Gesellschaft, am deutlichsten natürlich innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, durch eine regulierte Ökonomie der Zeit – das ist ja Marx’ Idee: Eine Ökonomie der Zeit. Ich glaube, in dem Horizont muss man es sehen, wie vermittelt auch immer, ich glaube, das ist auf dem Level der Hegelschen Überlegungen. Und ich glaube auch, dass man diesen Begriff der menschlichen Natur in diesem Zusammenhang etwas tiefer hängen muss, das hängt, denke ich, doch ganz klar mit dem zusammen, was wir auch gestern gehört haben, auch in dem Vortrag von Hans, wie im Kapitalismus mit der menschlichen Natur, mit dieser Ressource zunächst einmal umgegangen wird, mit der Ware Arbeitskraft. Und ich würde das jetzt nicht als Rückgriff auf eine anthropologische Natur im Sinne Feuerbachs deuten wollen. Das ist in diesem spezifischen historischen Kontext, glaube ich, zu sehen.

Kuhne: Zwei Dinge: Erstens, dass das, was ich jetzt als materialistische Methode, die Marx auch noch im Kapital hochhält, skizziert habe, dass sich das mit seiner Werttheorie nicht vereinbaren lässt, die ja ohne die Differenz, wie Marx selbst sagt, von Wesen und Erscheinung, Oberfläche des Gesamtreproduktionsprozesses, wo es um Marktpreise geht, die um Produktionspreise oszillieren, und der Werttheorie – dass das nicht zu vereinbaren ist, sofort einverstanden [...]. Ich habe ja auch von dieser Debatte, die wir gestern anhand verschiedener Vorträge hatten, nämlich dialektische Methode der Darstellung, dazu habe ich ja auch gar nichts gesagt: Hegelsche Denkfiguren, inwiefern kann er darauf noch zurückgreifen, wenn er hier jetzt gleichzeitig diese materialistische Methode angeblich noch wirksam sieht. Da bin ich völlig einverstanden, aber das ist halt der Zwiespalt bei ihm selbst. Zweitens: Im Hinblick auf den, wie ich gesagt habe, spekulativen und normativen Begriff einer menschlichen Natur, wie er sich dann mit Bezug auf Feuerbach in den ökonomisch-philosophischen Manuskripten findet, da kann man, denke ich, nicht, wie Du eben gesagt hast, einfach von dem Menschen sprechen, der dann nur noch Material ist für das Kapital, und seiner Natur in diesem Zusammenhang, sondern Marx sagt explizit: In einer höheren Gesellschaftsform besteht die Freiheit in der Sphäre der materiellen Produktion darin, diese so einzurichten, dass sie der menschlichen Natur „würdig“ ist. Da haben wir das normative Element. Und auch der Begriff eines „wahren“ Reichs der Freiheit (MEW 25, S. 828), auch da haben wir das Normative. Und das wird dort aus dem Hut gezaubert.

Published Online: 2017-10-17
Published in Print: 2017-10-10

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Scroll Up Arrow