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BY-NC-ND 3.0 license Open Access Published by De Gruyter June 2, 2014

Über die Wirkung von 5-Oxytryptamin (Enteramin) in der Krebsschere

  • Ernst Florey

Oxytryptamin, das in den Propodit isolierter Scherenarme von Astacus fluciatilis L. injiziert wird, ruft bei verschiedenen Muskeln Muskel-Aktionspotentiale hervor. Die aus dem Öffner- und Schließermuskel der Krebsschere stammenden Potentiale wurden näher untersucht. Sie konnten mit den Muskel-Aktionspotentialen, die bei Reizung der „langsamen“ motorischen Öffner- und Schließeraxone entstehen, identifiziert werden.

Bei zahlreichen Scheren wurden spontan auftretende Kontrakturen beobachtet. Sie traten immer in Begleitung von Muskel-Aktionspotentialen auf. Diese konnten als Potentiale der langsamen Kontraktion identifiziert werden und glichen den durch Oxytryptamin verursachten Muskel-Aktionspotentialen.

Nervenstämme, auch aufgefasert, und motorische Nervenendigungen werden durch Oxytryptamin nicht erregt. Auf die Muskeloberfläche aufgebrachtes Oxytryptamin ruft keine Muskelkontraktion hervor.

Zupft man an der Gelenkhaut zwischen Mero- und Carpopodit, dann treten im Propoditen Muskel-Aktionspotentiale auf. Bringt man auf einen kleinen Einschnitt in dieser Gelenkhaut Oxytryptamin, dann entstehen ebenfalls in verschiedenen Muskeln Aktionspotentiale. Durch Oxytryptamin-Injektion verursachte Muskel-Aktionspotentiale erlöschen augenblicklich, sobald die Gelenkhaut zwischen Mero- und Carpopodit und evtl. die zwischen Carpo- und Propodit zerschnitten wird.

Oxytryptamin wirkt also auf dem Wege über eine Erregung von Sinneszellen in den Gelenkhäuten, wobei die Erregung der sensiblen Neurone auf motorische Axone übertragen wird. Unsere frühere Annahme 1, Oxytryptamin könnte die Aktionssubstanz bzw. Überträgersubstanz langsamer motorischer Neurone sein, ist somit unrichtig. Es läßt sich vorläufig keine Verbindung zwischen der Tatsache herstellen, daß die Bein-Nerven Oxytryptamin enthalten, und der Tatsache, daß Oxytryptamin Muskelkontraktionen bzw. Erregung von Sinneszellen verursacht. Die Frage, ob Oxytryptamin als Aktionssubstanz sensibler Neurone in Frage kommt, wird diskutiert.

Received: 1954-5-20
Published Online: 2014-6-2
Published in Print: 1954-8-1

© 1946 – 2014: Verlag der Zeitschrift für Naturforschung

This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License.

Downloaded on 4.2.2023 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/znb-1954-0809/html
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