BY-NC-ND 3.0 license Open Access Published by De Gruyter January 14, 2016

Pia Bergmann, Karin Birkner, Peter Gilles, Helmut Spiekermann & Tobias Streck (Hg.). 2014. Sprache im Gebrauch: räumlich, zeitlich, interaktional

Wolfgang Imo

Diese Festschrift ist Peter Auer zu seinem 60. Geburtstag gewidmet. Sie enthält 20 Beiträge seiner Schülerinnen und Schüler, die das breite Interessenspektrum Peter Auers reflektieren und sich mit Code-Switching, Bilingualismus und Sprachkontakt, mit Phonetik/Phonologie und Prosodie, mit regionaler Variation und Sprachwandel sowie mit Interaktionaler Linguistik und Gesprächsforschung befassen.

Bei einer Festschrift stellt sich immer die Frage, ob und wie gut ein Sammelband mit vielen heterogenen Beiträgen einen interessierten Kreis an LeserInnen ansprechen kann. Festschriften haben ja gerade deshalb keinen guten Ruf, worauf die HerausgeberInnen explizit verweisen, wenn sie feststellen, dass sie den Sammelband Peter Auer zu Ehren herausgeben, „obwohl, so munkelt man, Peter Auer keine Festschriften mag“ (S. IX). Die Hürde hängt also hoch, wenn die vorliegende Festschrift eine Ausnahme von der Regel sein soll. Ob und inwieweit dieses Ziel erreicht wurde, ist nun die Frage.

Der Band beginnt mit einer leider sehr kurzen Einführung, in der die wichtigsten wissenschaftlichen Stationen von Peter Auer dargestellt und die einzelnen Beiträge des Sammelbandes zusammengefasst werden. Schön wäre es gewesen, wenn in der Einleitung explizit eine methodische bzw. theoretische Klammer um die doch methodisch und inhaltlich sehr heterogenen Beiträge geliefert worden wäre; so bleibt die Einleitung lediglich eine knappe Anmoderation.

Den Auftakt bilden drei Beiträge zum Thema „Code-Switching, Bilingualismus und Sprachkontakt“. Csilla-Anna Wilhelm untersucht das Code-Switching und Code-Mixing bei deutsch-ungarisch-rumänischen SprecherInnen. Die empirische Basis bildet ein Korpus von narrativen Interviews. Im Zentrum des Interesses liegt dabei die Rekonstruktion der Strategien, mit denen mit Hilfe von Code-Switching sprachliche Identität gestiftet wird und Abgrenzungen zu anderen Gruppen durchgeführt werden. Das nicht überraschende Ergebnis der Studie ist u. a., dass „das ‚Schwäbische‘ als Nähekategorie und somit auch als Prestigeidentität und -sprache gegenüber dem Deutschen als Distanzkategorie“ (S. 19) eingesetzt wird.

Ein innovatives Feld bearbeitet Anna Breitkopf-Siepmann mit ihrer Analyse von Code-Switching in der Moskauer Außenwerbung. Das Interessante dabei ist, dass es sich nicht nur um einen Sprachwechsel (Code-Switching) handelt, sondern auch um einen Schriftwechsel (Script-Switching). Dies wirft die Frage auf, „inwieweit sich Code-Switching und Entlehnung in der Werbung auseinander halten lassen, wenn nicht nur verschiedene Sprachsysteme, sondern verschiedene Schriftsysteme eingesetzt werden.“ (S. 26). Auf der Basis eines Korpus von 50 Werbeschildern wird ein Überblick über unterschiedliche Salienzgrade von Entlehnungen gegeben sowie über Strategien, wie mit dem Unterschied zwischen dem lateinischen und kyrillischen Alphabet umgegangen wird. Leider ist der Artikel mit insgesamt nur zwölf Seiten recht kurz, mehr als ein Anreißen des Themas ist dabei nicht möglich.

Der Beitrag von Sebastian Kürschner mit dem Titel „Von flacher Flagge und matter Macht“ basiert auf der Analyse eines Experiments, im Rahmen dessen deutsche SchülerInnen niederländische und schwedische Kognate übersetzen sollten. Den SchülerInnen wurden insgesamt 96 schwedische und niederländische Wörter isoliert vorgespielt, und sie sollten dann die ihrer Meinung nach zutreffende deutsche Übersetzung nennen. Das Ergebnis der Analyse ist, dass „niederländische Kognaten zu einem höheren Grad verstanden werden als schwedische“ (S. 50). Ein Grund für diesen Unterschied liegt in dem phonetischen Abstand des Deutschen zum Schwedischen, der höher ist als der zum Niederländischen. Ein Problem bei der Untersuchung, das der Verfasser allerdings selbst benennt, besteht darin, dass bei einem solchen Experiment ohne Kontextinformationen die ProbandInnen „auf ihr Rateglück angewiesen“ (S. 51) seien und dass daher weitere Versuche mit mehr Kontextinformationen nötig sind.

Der zweite thematische Block des Sammelbandes ist überschrieben mit „Prosodie, Silbe/Wort und Phonologie“. Der erste Beitrag von Javier Caro Reina befasst sich mit einer sprachhistorischen Rekonstruktion der relativen Chronologie von phonologischen Prozessen im Alemannischen. Im Zentrum steht dabei sein Plädoyer, in der Dialektologie verstärkt nicht nur mit der absoluten Chronologie zu arbeiten, sondern mit der relativen. Gerade bei so komplexen Fragen wie der Rekonstruktion früherer phonologischer Stufen einer Sprache kann dies dabei helfen, den Ablauf der Lautveränderung besser zu erfassen, wie anhand von historischen phonologischen Prozessen im Alemannischen gezeigt wird.

Ebenfalls historisch ist der Beitrag von Jörg Peters ausgerichtet, der auf der Basis des zwischen 1956 und 1959 aufgenommenen Zwirner-Korpus wort- und silbensprachliche Tendenzen des Westniederdeutschen untersucht. Ausgewählt wurden dabei Daten, in denen Sprecher die Zahlenreihe von 1 bis 10 sprechen. Die Frage ist, wie die Sprecher die Wörter hinsichtlich ihrer Silbenstruktur realisieren. Dabei stellt sich heraus, dass der 53. Breitengrad eine Trennlinie darstellt: Nördlich ist von wortsprachlichen, südlich davon von silbensprachlichen Tendenzen auszugehen.

Das heutige Deutsch steht im Mittelpunkt der Analyse der Prosodie von Bahnhofsansagen von Peter Gilles. Dabei wurden insgesamt 23 Minuten von Bahnhofsansagen in für prosodische Analysen geeigneter Qualität gesammelt. Der Ansatz ist insofern innovativ, als er das wenig erforschte Feld der „Prosodie von kleinen Textsorten, die Rituale sind“ (S. 96) in den Blick nimmt. Für die Forschung sind solche ritualisierten Alltagstexte von besonderem Interesse, da man an ihnen die Spannung zwischen prosodischer Typizität und persönlichem Gestaltungsspielraum zeigen kann. Doch nicht nur aus rein wissenschaftlicher Perspektive ist der Beitrag von Gilles mit Gewinn zu lesen: Man freut sich auf die nächste Bahnfahrt, um sich bewusst die prosodische Realisierung der Ansagen anzuhören – solange dies noch möglich ist. Denn es könnte bald sein, wie der Autor bemerkt, dass sein Beitrag in Kürze der „historischen Prosodieforschung zugeordnet“ (S. 106) werden müsse, da die Deutsche Bahn seit einigen Jahren die individuellen Ansagen durch ein automatisches Sprachsynthesesystem ersetze.

Der letzte Beitrag in diesem Abschnitt von Michael Schäfer befasst sich mit dem Isländischen. Auf der Basis von gesprochensprachlichen Daten aus dem isländischen Nationalkorpus wird die Rolle der Token-Frequenz auf die phonetische Reduktion von Adverbien, die auf -lega enden, untersucht. Das Ergebnis der statistischen Analyse bestätigt die angenommenen Frequenzeffekte: „Allgemein gilt, dass der durchschnittliche Grad der Dauer-Reduktion eines Adverbs im Korpus steigt, je höher seine Token-Frequenz ist. Hochfrequente Adverbien reduzieren somit stärker als niedrigfrequente Adverbien“ (S. 115).

Der dritte thematische Block befasst sich mit „Regionaler Variation, Standard-Dialekt und Sprachwandel“. Die ersten beiden Aufsätze im Abschnitt zu Prosodie und Phonologie hätten ebenso gut hier untergebracht werden können, da sie sich mit Sprachwandel und/oder regionaler Variation beschäftigen. Die Zuordnung erscheint somit etwas willkürlich und dient eher einer rein pragmatischen ‚Sortierung‘ der Beiträge.

Eingeleitet wird der dritte Block durch einen Beitrag von Göz Kaufmann mit dem Titel „Die Tür(e) in der deutschen Literatur: Tor zum Verständnis sprachlicher Variation?“. Dabei geht es um die Schreibweise von Tür(e) und Stirn(e) in literarischen Texten und die Frage, wodurch die Schreibvarianten erklärt werden können. Als Korpus dienen digitalisierte Prosawerke von Luther bis Tucholsky. Es konnten eine Reihe von Faktoren isoliert werden, die die Wahl der Schreibung mit oder ohne -e begünstigen: bestimmte Vorgänger- und Folgeelemente und feste Fügungen waren dabei besonders relevant, zudem hat auch die Rhythmik in der literarischen Schriftlichkeit eine wichtige Funktion: Je nach der Rhythmik der Umgebungselemente wird Tür / Stirn bzw. Türe / Stirne bevorzugt.

Der alemannische Dialektraum steht im Fokus des Beitrags von Christian Schwarz zu Entwicklungstendenzen der Genus-Kongruenz bei Zahlwörtern. Anhand einer Analyse der Entwicklung des Zahlwortes zwei geht er der Frage nach, ob Genus-Kongruenz in den Dialekten langsam abgebaut wird. Die Datenbasis bildet dabei der Südwestdeutsche Sprachatlas. Das Ergebnis für das Alemannische ist, dass „die Genus-Markierung kaum noch vorzufinden ist“, mit Ausnahme im „südwestlichsten Zipfel Südwestdeutschlands“, weshalb „von einem nahezu abgeschlossenen Nivellierungsprozess gesprochen werden“ kann (S. 153).

Im Alemannischen bleibt auch Tobias Streck, der in einer quantitativen Studie die Erklärungskraft der Geografie für dialektale Unterschiede überprüft. Dabei wird „auf der Basis einer mit dialektometrischen Verfahren ermittelten Distanzmatrix die Korrelation zwischen linguistischem und geografischem Abstand“ (S. 158) berechnet. In einer statistischen Analyse wird gezeigt, dass das Verfahren der quantitativen Dialektologie zu guten Ergebnissen führt und „durch einen kombinierten Effekt aus der Zugehörigkeit zu den traditionellen Dialektgebieten, der geografischen Distanz sowie ggf. der historischen politischen Gliederung nahezu 50 % der Varianz in den Dialektdaten aufgeklärt werden kann“ (S. 173).

Ebenfalls das Alemannische als Untersuchungsgegenstand wählen Sandra Hansen-Morath und Philipp Stoeckle, die ‚objektive‘ und ‚subjektive‘ Perspektiven auf Regionaldialekte im alemannischen Dreiländereck untersuchen. Ausgangspunkt ist der Befund, dass sich das Dialektwissen vom Dialektgebrauch unterscheidet. Es wird daher dafür plädiert, mit Hilfe von objektiven und subjektiven Perspektiven das Dialektwissen der SprecherInnen zu erheben. Als objektive Perspektive wird eine Dialektabfrage bezeichnet, bei der die ProbandInnen Beispielsätze in die lokale Dialektversion ‚übersetzen‘ sollten. Als subjektive Perspektive schloss sich eine Aufgabe an, in der die ProbandInnen die Ausbreitung ihrer eigenen und benachbarter Ortsdialekte in eine Karte einzeichnen sollten. Das Ergebnis der Studien ist u. a., dass die subjektiven Einschätzungen sehr kleine Dialekträume ergaben, die objektiven Untersuchungen dagegen größere.

Der letzte Beitrag, der sich mit Fragen regionaler Variation beschäftigt, ist die englisch verfasste Untersuchung von Christoph Hare Svenstrup zu Strukturen des „enregisterment“ des Hochdeutschen bei Jugendlichen und zu Spracheinstellungen gegenüber dem Hochdeutschen bzw. dem Schwäbischen. Das Interesse liegt auf der metasprachlichen Konstruktion des Hochdeutschen im Vergleich zum Schwäbischen durch die SprecherInnen. Es zeigt sich, dass das Schwäbische vor allem mit dem Sprachgebrauch von älteren Personen assoziiert und als eine für den Schulkontext nicht angemessene Varietät angesehen wird.

Die vierte Sektion des Sammelbandes trägt die nicht ganz geschickt gewählte Überschrift „Strukturen gesprochener Sprache“. Nicht ganz geschickt deshalb, weil diese Überschrift zu zahlreichen anderen Beiträgen auch gepasst hätte und die Kategorie daher sehr vage bleibt.

Zwei der drei Beiträge in dieser Sektion befassen sich mit Konstruktionen mit dem Nomen Hauptsache. Der erste ist von Pia Bergmann, die Hauptsache in der gesprochenen Sprache untersucht und vor allem die Tatsache in den Blick nimmt, dass „Hauptsache in der gesprochenen Spontansprache zu Formen extremer phonetischer Reduktion neigt“ (S. 211). Das Ergebnis der qualitativen Korpusanalyse ist, dass phonologische Reduktion keinesfalls mit hoher Gebrauchshäufigkeit einhergehen muss und dass die phonologische Reduktion nicht mit besonderen interaktionalen Funktionen zu erklären ist, sondern dass „die starke Reduktion von Hauptsache in der Spontansprache zunächst durch die hohe sequenzielle Erwartbarkeit einer Hauptsache-Konstruktion im interaktionalen Kontext ermöglicht wird“ (S. 227). Es eröffnet sich mit dieser Beobachtung ein noch wenig beachtetes Forschungsfeld, in dem die Korrelation von phonologischen Phänomenen mit der sequenziellen Platzierung systematisch erforscht werden sollte.

Aus einer syntaktischen Perspektive nähert sich Helmut H. Spiekermann dem Phänomen Hauptsache. Konstruktionen mit äußerungsinitialem, alleine stehendem Hauptsache werden dabei als „Verdichtungstypen“ (S. 237) von Matrixsätzen der Art Es ist die Hauptsache, dass X betrachtet. Diese Variante wird als „die zugrundeliegende Konstruktion“ (S. 238) angesehen, von der aus Äußerungen wie Hauptsache verstehst du mich als abgeleitet betrachtet werden können. Anhand einer Korpusanalyse mit gesprochensprachlichen Daten und exemplarischen Internetbelegen wird die These aufgestellt, dass der Verdichtungstyp keine Ausnahme ist, sondern in gesprochener wie geschriebener Sprache in unterschiedlichen Regionen in Deutschland vorkommt. Daraus wird die Schlussfolgerung abgeleitet, dass „in den vergangenen 50 Jahren die Häufigkeit verdichteter Satzstrukturen tendenziell zugenommen hat“ (S. 247).

Der dritte Beitrag in diesem Abschnitt ist von Martin Pfeiffer, der in einer gelungenen Kombination aus qualitativer und quantitativer Analyse die Frage stellt, welche Wortarten in Alltagsinteraktionen am häufigsten repariert werden. Der Beitrag von Pfeiffer wäre eigentlich sehr gut in den Ansatz der Interaktionalen Linguistik, also in den folgenden Abschnitt, einzuordnen gewesen, da er sowohl interaktionale als auch kognitive Aspekte als Erklärungen für das Reparaturverhalten heranzieht. So kann die Tatsache, dass Selbstreparaturen am häufigsten den „semantischen Kern der Äußerung“ (S. 269) betreffen, durch kognitive und informationsstrukturelle Erfordernisse erklärt werden, während die Tatsache, dass vor allem der Beginn von Phrasen wiederholt wird, interaktional so erklärt werden kann, dass diese Wiederholungen „das Fortschreiten des Redebeitrags verzögern“ und so Planungszeit für Äußerungen schaffen (S. 269).

Der letzte Abschnitt mit dem Titel „Gesprächsforschung und Interaktionale Linguistik“ enthält fünf Beiträge. Sprachkontrastiv gehen Karin Birkner und Oliver Ehmer mit ihrer empirischen Analyse von Existenz-Attributiv-Konstruktionen im gesprochenen Deutschen und Spanischen vor. In beiden Sprachen liegt eine parallele „bipartite Präsentativkonstruktion der Form es gibt Leute die …/hay gente que …“ (S. 292) vor, die dazu dient, eine Personenkategorie einzuführen, die in der Folge attribuiert wird. Von besonderer Bedeutung bei diesen Konstruktionen ist ihr projizierender Charakter, der die Konstruktion optimal an die Bedürfnisse gesprochensprachlicher interaktionaler Kommunikation anpasst.

Raihan Muhamedowa untersucht in ihrem kurzen Beitrag unterschiedliche Strukturen der Markierung von Höflichkeit im Kasachischen. Etwas verwirrend ist, dass die Beispiele nach den GAT-Konventionen präsentiert werden, aber an keiner Stelle gesagt wird, woher sie stammen. Es scheint, als handele es sich um konstruierte Beispiele, die aber durch die GAT-Schreibweise als authentische präsentiert werden. Methodisch lässt der Beitrag daher einiges zu wünschen übrig, es bleibt unklar, ob und wie die beschriebenen Höflichkeitsmittel tatsächlich im Alltagskasachischen eingesetzt werden.

Arnulf Deppermann analysiert Prozesse der Intentionszuschreibung mit dem Verb wollen. Anhand einer Analyse des FOLK-Korpus mit gesprochensprachlichen Daten legt er dar, welche Praktiken der Intentions-Selbstzuschreibung mit wollen durchgeführt werden. Es zeigt sich, dass die Interaktanten Äußerungen mit wollen zu vier Zwecken der Darlegung und Markierung ihrer Intentionen einsetzen können. Der Beitrag illustriert gut, wie man durch die qualitative, interaktional ausgerichtete Analyse ein so schwer zu fassendes und nicht direkt beobachtbares Konzept wie die Intention dennoch empirisch erfassen kann.

Eine Untersuchung der Konstitution von Spannung und Raum in Fußball-Livereportagen im Radio legt Friederike Kern vor. Sie kombiniert dabei Prosodieforschung und die Analyse medialer Gattungen mit der Frage, wie sprachlich Raum konstituiert wird. Anhand eines Korpus von 17 Live-Radioreportagen zeigt sie, dass die prosodische Realisierung nicht nur der Erzeugung von Spannung dient, sondern auch der Vermittlung des nicht sichtbaren räumlichen Referenzrahmens des Spielfelds an die RadiohörerInnen.

Den Schluss bildet eine in der Multimodalitätsforschung zu verortende Studie von Anja Stukenbrock zum Einsatz des Daumens beim Zeigen. Nach einem Überblick über verschiedene Optionen des Zeigens mit dem Körper diskutiert die Verfasserin auf der Basis von Videoaufnahmen unterschiedlicher kommunikativer Konstellationen, in welchen Situationen die Daumengeste eingesetzt wird. Sie kommt zu dem Schluss, dass mit der Daumengeste zugleich eine interaktionale Kontextualisierung verbunden ist, mit der der Produzent der Geste den Rezipienten anzeigt, dass er davon ausgeht, dass sie das Referenzobjekt auf der Basis des geteilten Wissens problemlos identifizieren können.

Kommen wir zum Fazit: Kann die eingangs angeführte Skepsis gegenüber einer Festschrift entkräftet werden? Die Antwort ist: nur zum Teil. Nimmt man die beiden häufigsten Kritikpunkte an Festschriften, nämlich erstens die Tatsache, dass es sich um Sammlungen von ‚Schubladen-Beiträgen‘ handle, und zweitens, dass Festschriften methodisch, theoretisch und inhaltlich zu heterogen seien, so kann zumindest für den ersten Bereich Entwarnung gegeben werden: Die Beiträge spiegeln nicht nur aktuelle Forschung wider, die meisten können auch als innovativ und neue Forschungswege aufzeigend eingeordnet werden. Die Festschrift ist somit als ein qualitativ hochwertiger Sammelband zu betrachten. Der zweite Einwand ist dagegen nicht zu entkräften. Auch bei der vorliegenden Festschrift handelt es sich um ein Sammelsurium von Beiträgen, die sowohl inhaltlich wenig miteinander zu tun haben als auch sehr unterschiedliche theoretische Ansätze und vor allem methodische Vorgehensweisen aufweisen, so dass man einen recht unverbindlichen ‚bunten Strauß‘ an Beiträgen vorfindet – was positiv gewendet allerdings als Beleg für die Breite der Forschungsinteressen Peter Auers zu werten ist.

Online erschienen: 2016-1-14
Erschienen im Druck: 2015-12-1

© 2015, Wolfgang Imo, published by de Gruyter

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