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BY-NC-ND 3.0 license Open Access Published by De Gruyter January 14, 2016

Elke Hentschel & Theo Harden. 2014. Einführung in die germanistische Linguistik; Peter Schlobinski. 2014. Grundfragen der Sprachwissenschaft

  • Claudio Scarvaglieri EMAIL logo

Rezensierte Publikationen:

Hentschel Elke Harden Theo 2014 Einführung in die germanistische Linguistik Oxford u. a. Peter Lang xii, 238 S.

Schlobinski Peter 2014 Grundfragen der Sprachwissenschaft Göttingen Vandenhoeck & Ruprecht 272 S.


Im Jahr 2014 wurde der bereits recht vielfältige Markt von Einführungen in die Linguistik um zwei weitere Angebote bereichert: „Grundfragen der Sprachwissenschaft“ von Peter Schlobinski, erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht, und die „Einführung in die germanistische Sprachwissenschaft“ von Elke Hentschel und Theo Harden, erschienen im Lang-Verlag. Beim ersten Blick auf beide Bücher fällt auf, dass sie dem Anspruch der Marktgängigkeit durchaus Genüge tun: Sie sind mit 238 (Hentschel & Harden) bzw. 272 (Schlobinski) Seiten nicht zu umfangreich und präsentieren eine Auswahl aus dem grundlegenden Wissen des Faches in seminarkompatiblen zwölf (Schlobinski) bzw. 16 (Hentschel & Harder) Einheiten. In den Klappentexten wird entsprechend die „leicht zugängliche[r] und gut verständliche[r] Form“ (Hentschel & Harden) bzw. „Allgemeinverständlichkeit“ (Schlobinski) der Texte herausgestellt, was es in beiden Fällen ermöglichen soll, dass „auch Leser mit keinen oder geringen Vorkenntnissen“ (Schlobinski) von der Lektüre profitieren. Um zudem neugierig auf den Inhalt zu machen, arbeiten beide Bücher mit Fragen bzw. humorvollen Sentenzen in den Titeln der (Unter-)Kapitel, wie „Mein Reiseziel: Ein Land ohne unregelmäßige Verben. Morphologie: Verben“ (Hentschel & Harden) oder „Wie könnten wir mit Außerirdischen kommunizieren?“ (Schlobinski). Ein etwas genauerer Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt darüber hinaus, dass – angesichts des nicht allzu großen Umfangs nicht überraschend – beide eine Auswahl aus dem klassischen Einführungswissen treffen. Während der Soziolinguist Schlobinski besonders die gesellschaftliche Verwendung von Sprache thematisiert und die Ausführungen zur Phonologie oder Syntax z. B. eher wenige Seiten umfassen, legen die Grammatikerin Hentschel und der Psycholinguist Harden den Schwerpunkt auf die Systemlinguistik; elf der 16 Kapitel können dieser Herangehensweise zugeordnet werden. Dabei geben Hentschel & Harden unter den einführenden Sentenzen jeweils die behandelte linguistische Teildisziplin an (z. B. „Meine Nachbarin ist nicht im Gefängnis. Pragmatik“), Schlobinski dagegen arbeitet vollständig mit originären fachwissenschaftlichen Titeln (z. B. „Sprache, Kommunikation, Handeln“), was einerseits einen genuin eigenen Zugriff auf das Thema signalisiert, es Studienanfängern andererseits aber erschweren mag, spezifische linguistische Themenbereiche zu identifizieren und darauf zuzugreifen. Zudem sind Schlobinskis Unterkapitel fortlaufend durchnummeriert, von „1. Was ist / macht eigentlich ein Sprachwissenschaftler?“ bis „104. Linguistik in der Schule“. Während Hentschel & Harden im Vorwort herausstellen, dass „die einzelnen Kapitel als selbständige kurze Einführungen“ nutzbar sein sollen und dieses Ziel durchaus auch erreichen, macht Schlobinskis Einführung auf diese Weise eher den Eindruck eines aus einem Guss geschriebenen Werkes, in dem ein eigenständiger, integrativer Zugang zum Gegenstand entwickelt wird.

Auch beim Blick in die Bücher zeigen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten. So arbeiten beide Einführungen sprachvergleichend und ziehen viele Beispiele aus verschiedenen Sprachen heran, führen so die vielfältige „Welt der Sprachen“ (Schlobinski, Titelzusatz) anschaulich vor Augen. Daneben fällt auf, dass sich in beiden Bänden immer wieder humorvolle Einlassungen finden, etwa wenn es heißt, warum es „Morphologie und Syntax überhaupt“ gibt, „außer, damit es schwieriger wird, eine Fremdsprache zu lernen“ (Hentschel & Harden, S. 32). Außerdem enthalten beide ein Register, welches bei Schlobinski um ein Glossar zu wichtigen Einträgen ergänzt wurde. Hentschel & Harden nennen am Ende einzelner Kapitel – ein Kapitel haben sie gemeinsam geschrieben, acht sind von Hentschel, sieben von Harden verfasst – einige wenige zitierte bzw. weiterführende Titel, Schlobinski arbeitet mit einem Gesamtliteraturverzeichnis, in dem z. T. auf das zugehörige Kapitel verwiesen wird. Er stellt zudem in farbig abgesetzten Kästchen einzelne Sprachwissenschaftler vor, was zusammen mit den vielen Abbildungen zu dem sehr lebendigen und anschaulichen Eindruck beiträgt, den seine Einführung hinterlässt.

Größere Unterschiede zeigen sich in Aufbau und Inhalt einzelner Kapitel. Schlobinski stellt mit „Was ist Sprachwissenschaft?“ und „Sprache und Sprachen“ zwei Kapitel an den Anfang, die Grundlegendes über den Gegenstand und seine Erforschung vermitteln, etwa über Aufgaben der Sprachwissenschaft, ihre Geschichte, verschiedene Sprachtypen oder Gebärden- und Plansprachen. Bei Hentschel & Harden findet sich Analoges in Teilen des achten Kapitels, in dem die Frage „Sprachwissenschaft: Was ist das eigentlich? Wissenschaftsgeschichte“ beantwortet wird. Neben Sprachgeschichtlichem werden von Harden dabei auch der Strukturalismus und dessen Hauptunterscheidungen, insbesondere die von langue und parole sowie Syntagma und Paradigma, angesprochen. Die Stellung dieses Kapitels in der Mitte des Bandes – nach Phonetik, Phonologie und vor Sprachgeschichte und Dialektologie – verwundert etwas. Auch wird in diesem Kapitel Wissen vermittelt, das nicht nur historisch interessant ist, sondern das Fach nach wie vor prägt, unter „Wissenschaftsgeschichte“ jedoch nicht ohne Weiteres als solches erkennbar wird. Eine weitere Schwierigkeit besteht m. E. darin, dass dieses Kapitel inhaltlich in Zusammenhang mit dem einführenden Kapitel von Elke Hentschel steht, in dem neben Merkmals- und Prototypensemantik mit dem Saussure‘schen Zeichenbegriff und den Zeichentypen nach Peirce weitere Konzepte des Strukturalismus präsentiert werden. Ohne entsprechendes Vorwissen könnte es Studierenden schwerfallen, den Zusammenhang zwischen beiden Kapiteln herzustellen.

Bei Schlobinski werden die Aspekte, die in der Regel unter Semiotik abgehandelt werden, dagegen unter einem Dach im dritten Kapitel „Sprache, Kommunikation, Handeln“ besprochen. Er behandelt neben den oben genannten ‚Klassikern‘ der Semiotik hier auch Aspekte der Informationsstruktur und nutzt das Bühler‘sche Organon-Modell (das bei Hentschel & Harden fehlt) zur Überleitung zum Handlungsaspekt von Sprache. In den folgenden Unterkapiteln werden Wittgenstein, Austin und die Sprechakttheorie vorgestellt, außerdem werden verschiedene Formen und Mittel des Argumentierens und eher knapp Prinzipien der Gesprächsorganisation und nonverbalen Kommunikation diskutiert. Harden behandelt unter Pragmatik in Kapitel 14 ebenfalls die Sprechakttheorie, die er zunächst wissenschaftsgeschichtlich verortet, außerdem Kooperationsprinzip und -maximen sowie konversationelle Implikaturen nach Grice. Anschließend werden Deixis, die bei Schlobinski an verschiedenen Stellen in Kapitel 4 „Sprache, Bedeuten, Verstehen“ Platz findet, sowie Höflichkeit thematisiert, welche Schlobinski unter „Sprache, Gesellschaft, Kultur“ bespricht. Während Harden unter „Pragmatik“ also die durchaus erwartbaren Punkte in einem zugegeben knappen Kapitel so behandelt, dass es vorbereitend auf eine Seminarsitzung gelesen und in der Sitzung vertieft werden kann, ist dieses Wissen bei Schlobinski an verschiedenen Stellen im Buch platziert. Dort steht es keineswegs unpassend, die Gliederung entspricht lediglich nicht der traditionellen Fächerstruktur, was es erschweren mag, das Buch einer Lehrveranstaltung zugrunde zu legen, die nicht genau der Einteilung Schlobinskis folgt.

Neben Deixis bespricht Schlobinski in Kapitel 4 die Prototypensemantik, gebrauchsbasierte Bedeutungsbegriffe (Wittgenstein), konversationelle Implikaturen sowie eine Reihe von Beispielen für die Versprachlichung von Welt und stellt auf diese Weise sehr anschaulich dar, welche Fragen im Zusammenhang sprachlicher Bedeutung von Interesse sein können. Anschließend werden in Kapitel 5 „Bausteine der Sprache“ verschiedene Aspekte behandelt, für die Hentschel & Harden sechs Kapitel aufwenden. Schlobinski befasst sich hier mit Lauten, phonologischen Prinzipien, Tonsprachen, Wortbildung und Wortarten, dem Morphembegriff sowie unter syntaktischen Gesichtspunkten mit der Phrasenanalyse, den Satzfeldern und dem Grammatikbegriff.

Ergänzend zu dieser recht kurzen Darstellung der Systemlinguistik könnten in Seminaren etwa die nachfolgend besprochenen Kapitel von Hentschel & Harden gelesen werden: Nach dem einleitenden Kapitel zur Semantik wenden sie sich unter der Frage: „Wo sind die Wörter im Kopf und wie greift man auf sie zu?“ dem mentalen Lexikon zu. Hier stellt Harden mit Methoden der Psycholinguistik und Modellen der Sprachproduktion (modular vs. interaktiv) und -rezeption Inhalte dar, die eher selten in Einführungen behandelt werden. Vom Lexikon geht es in Kapitel 3 zur Syntax, wo Hentschel die grammatische Bedeutung der Wortstellung bespricht, syntaktische Rollen in verschiedenen Sprachen unterscheidet und in die Analyse von Satzgliedern einführt, ohne dezidiert auf den theoretischen Hintergrund des verwendeten (valenzgrammatischen) Analyseansatzes einzugehen. Dies geschieht dafür in Hardens Kapitel 16, das allerdings als „PS für Fans formaler Systeme. Syntaxmodelle“ betitelt ist und damit von Studierenden, die sich v. a. am Pflichtprogramm orientieren, leicht ‚übersehen‘ werden kann. Allerdings gehört nicht nur die Unterscheidung zwischen deskriptiver und präskriptiver Grammatikschreibung zum Standardprogramm einer Einführung, sondern sicher auch die hier vorgestellte Dependenz- und Valenzanalyse.

Der Morphologie der Verben ist Hentschels Kapitel 4 gewidmet, es werden die Tempora des Deutschen, die Zeitenfolge, Aspekt, Modus, Genus Verbi und infinite Formen besprochen. Kapitel 5 thematisiert „Genus und Numerus“ und führt – etwas spät – den Morphembegriff ein, unterscheidet Flexion von Agglutination und stellt die Genuszuweisung und ihre Funktionen sowie die Bildung von Singularen und Pluralen im Deutschen nebst weiteren Numeri in anderen Sprachen vor. Im dritten Morphologiekapitel wird Kasus besprochen, der Schwerpunkt liegt auf der Funktion verschiedener Kasus im Satz. Damit werden hier Aspekte diskutiert, die andernorts unter Syntax verhandelt werden, so dass sich eine Überleitung zu einem Syntaxkapitel angeboten hätte. Stattdessen führt Hentschel in Kapitel 7 – wie oben bereits hinsichtlich der Struktur der Einführung kurz problematisiert – in Phonetik und Phonologie ein. Sie stellt den Unterschied zwischen beiden Disziplinen heraus – etwas, das bei Schlobinski nur im einführenden Kapitel (S. 15) genannt, bei der Behandlung der Phonologie im Kapitel „Bausteine der Sprache“ jedoch unerwähnt bleibt –, behandelt kurz einige phonetische Grundlagen, präsentiert die Minimalpaaranalyse und unterscheidet u.a. verschiedene Silbentypen.

Schlobinski versammelt nach dem systemlinguistischen fünften Kapitel in Kapitel 6 unter der Überschrift „Wörter und Wörterbücher“ v. a. lexikologische Ausführungen, geht dabei auf Namen und Pseudonyme, Lehnwörter und Neo- wie Phraseologismen sowie auf den Einfluss des Englischen auf das Deutsche ein.

Der Sprachgeschichte widmen beide Einführungen je ein eigenes Kapitel. Schlobinski thematisiert unter der Überschrift „Wandel von Sprachen“ in Kapitel 7 v. a. den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen und sprachlichen Veränderungen, während Harden das entsprechende Kapitel 9 stärker auf das Deutsche und die germanischen Sprachen zuschneidet und sich besonders auf die Lautverschiebungen und Sprachstufen konzentriert. Schlobinski geht darüber hinaus auf Sprachkontakt – etwa Pidgin- und Kreolsprachen – sowie Dialekte ein. Der Dialektologie reservieren Hentschel & Harden Kapitel 10, in dem sie die bereits im Kapitel „Sprachgeschichte“ angesprochene Herausbildung der deutschen Standardsprache aufgreifen, Isoglossen abbilden und auf die Methodik der Dialektforschung sowie auf das soziale Prestige verschiedener Dialekte eingehen. Kriterien zur Unterscheidung von Dialekt und Standardsprache werden nicht genannt.

Beide Einführungen räumen auch der Soziolinguistik ein eigenes Kapitel ein. Schlobinski spricht in Kapitel 8 „Sprache, Gesellschaft, Kultur“ zunächst den Machtaspekt an, wirft dann die populäre Frage auf, ob „Männer und Frauen die gleiche Sprache“ (S. 199) sprechen, behandelt außerdem Jugendsprache und Kiezdeutsch sowie Formen der Sprachkritik. Auch in diesem Kapitel wird so ein genuin eigener Zugang gewonnen, der eine Reihe interessanter, aktueller Themen anspricht, dafür aber klassisches Einführungswissen, etwa die Untersuchungen Bernsteins oder Labovs wie auch die matched-guise-Technique, welche Harden sämtlich in seinem Soziolinguistik-Kapitel behandelt, auslässt. Bernstein wird von Schlobinski zwar nicht ignoriert, sondern, gemeinsam mit neurolinguistischen Befunden zum physischen ‚Ort‘ von Sprache im Gehirn, zur Aphasie und Methoden der Neurolinguistik, in Kapitel 8 „Biologische Grundlagen“ dargestellt, befindet sich damit aber an einem Ort, an dem man dieses Thema wohl kaum erwartet hätte (ähnlich Labov, der im ersten Kapitel unter Methoden der Sprachwissenschaft besprochen wird).

Ebenfalls in beiden Büchern behandelt werden Spracherwerb und Sprachlernen, bei Schlobinski zusammengefasst in Kapitel 9 „Spracherwerb“, bei Hentschel & Harden in je zwei eigenen Kapiteln ausgearbeitet. Beide Einführungen stellen den Ablauf der Sprachentwicklung dar und gehen auf Ansätze der Spracherwerbsforschung ein, wobei Hentschel in Kapitel 12 neben Nativismus und Interaktionismus auch Kognitivismus und Behaviorismus beschreibt. Schlobinski legt daneben den Zweitspracherwerb dar, geht auf Diskussionen über „frühe Mehrsprachigkeit“ ein und problematisiert den Wandel des Fremdsprachenunterrichts (S. 195 f.). Harden erläutert darüber hinaus in Kapitel 13 zum „Fremdspracherwerb“ das Konzept der „critical period“ und geht u. a. auf Vygotskijs „Zone der proximalen Entwicklung“ ein (S. 174).

Mit der „Schrift“ nehmen beide Bücher darüber hinaus ein Thema auf, das nicht zum klassischen Kanon einer Einführung gehört. Hentschel erläutert in Kapitel 15 zunächst das Ikonkonzept, unterscheidet anschließend verschiedene Zeichen- und Schrifttypen, führt den Graphembegriff ein und legt das phonologische und das morphologische Prinzip der Rechtschreibung dar. Schlobinski behandelt Schrift in Kapitel 11 „Sprache und Medien“ und beschreibt u. a., wie Alphabetschriften entwickelt wurden, grenzt sie von anderen Schrifttypen ab, geht zusätzlich auf den Einfluss des Buchdrucks ein und zieht außerdem Verbindungen zur „Bildlinguistik“ sowie zu Sprache in elektronisch vermittelter Kommunikation. Sodann findet sich bei Schlobinski ein abschließendes Kapitel „Anwendungen“, das bei Hentschel & Harden keine Entsprechung hat. Hier wird v. a. auf maschinelle Sprachverarbeitung, die Forensische und Klinische Linguistik sowie den Sprachunterricht abgehoben.

Zusammenfassend sei festgehalten, dass es sich in beiden Fällen um sehr gut lesbare Einführungen handelt, die relevantes Wissen gut zugänglich aufbereiten. Während Hentschel & Harden der klassischen Einteilung in linguistische Subfächer folgen, präsentiert Schlobinski einen genuin eigenen Zugriff auf das Einführungswissen. Damit hat er sicher eine der originelleren und unterhaltsameren Einführungen vorgelegt, gleichzeitig hat dies den angesprochenen Effekt, dass das (unter Umständen klausurrelevante) Wissen nicht immer leicht zu identifizieren bzw. aufzufinden ist. Während die Einführung von Hentschel & Harden aufgrund ihrer traditionellen Kapitelstruktur sicher begleitend zu einer Seminarveranstaltung gelesen werden kann, sind Schlobinskis „Grundfragen der Sprachwissenschaft“ daher v. a. zur Vorbereitung auf eine solche Veranstaltung zu empfehlen.

Fragen wirft m. E. allenfalls der Umgang mit der wissenschaftlichen Literatur auf. Beide Einführungen zitieren die Titel, die ihren Ausführungen zugrunde liegen, nur gelegentlich (Schlobinski allerdings deutlich häufiger als Hentschel & Harden). Das ist einerseits verständlich, da es dem Lesefluss weniger entgegensetzt und eine einheitliche, rein assertive Wissensvermittlung vom Autor an den Leser – ohne Stimmen Dritter – ermöglicht. Andererseits wird so die Chance vertan, Studienanfänger an die Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur zu gewöhnen, sie an die Lektüre von Originaltexten heranzuführen. Dem problematischen Eindruck, es gebe ein autorloses, allgemein gültiges Wissen, wird nicht in der Weise entgegengetreten, wie es auch in einer Einführung möglich ist (vgl. Graefen & Liedke 2012), das vermittelte Wissen wird nicht an seine Originalformulierung rückgebunden (vgl. Zech 2013).

Von dieser und den genannten Einschränkungen hinsichtlich Verortung und Strukturierung des Wissens abgesehen, handelt es sich in beiden Fällen um fachlich überzeugende und sehr gut lesbare Einführungen, die Studierenden den Zugang zum Fach erleichtern können und Dozierenden zusätzliche Arbeitsmittel an die Hand geben.

Literatur

Graefen, Gabriele & Martina Liedke. 2012. Germanistische Sprachwissenschaft. Deutsch als Erst-, Zweit- oder Fremdsprache. 2. überarb. Aufl. Tübingen: Francke.Search in Google Scholar

Zech, Claudia. 2013. Universitäre Lehrbücher und Wissenschaftssprache. Vortrag auf der Internationalen Deutschlehrertagung IDT, Bozen, 23. 7. 2013.Search in Google Scholar

Online erschienen: 2016-1-14
Erschienen im Druck: 2015-12-1

© 2015, Claudio Scarvaglieri, published by de Gruyter

This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License.

Downloaded on 1.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zrs-2015-0037/html
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