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BY 4.0 license Open Access Published by De Gruyter December 2, 2021

Stefan Dollinger. 2019. The Pluricentricity Debate. On Austrian German and other Germanic Standard Varieties (Routledge Focus). Abingdon: Routledge. 137 S.

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Rezensierte Publikation:

Stefan Dollinger. 2019. The Pluricentricity Debate. On Austrian German and other Germanic Standard Varieties. (Routledge Focus). Abingdon: Routledge. 137 S.


Ein Buch mit diesem Titel lässt spannende und erhellende Lektüre erwarten, verspricht es doch eine zusammenfassende Beschreibung einer wichtigen wissenschaftlichen Diskussion, die in den letzten 20–30 Jahren vor allem auch in der deutschsprachigen Germanistik leidenschaftlich geführt wurde. Dass in diesem Buch auch andere germanische Standardsprachen vergleichend einbezogen werden, ist darüber hinaus besonders begrüßenswert, da viele sprachpolitische Debatten eine Begrenzung durch den eigenen Tellerrand nicht wahrnehmen oder ein Darüber-hinaus-Schauen als nicht gewinnbringend erachten. Leider hält das Buch nicht, was der Titel verspricht.

Einige allgemeine Bemerkungen zur Wissenschaftsgeschichte dieser Problematik seien dieser Rezension vorangestellt, um besser evaluieren zu können, welchen Beitrag das besprochene Werk für unser Verständnis der Pluricentricity Debate leisten möchte und welchen es tatsächlich bringt.

Der Begriff „plurizentrische Sprachen“ wird seit den 1960er Jahren verwendet, um eine Unterscheidung zwischen Standardvarietäten innerhalb einer Sprache vorzuschlagen. Für die germanistische Linguistik war die Anerkennung des Deutschen als eine Sprache, die verschiedene Standardvarietäten besitzt, ein Fortschritt gegenüber der vorherigen Auffassung, nach der das Standarddeutsche in Deutschland als Prestigevarietät angesehen wurde und dementsprechend alle anderen Varietäten als Abweichungen oder in irgendeiner Form defizitär im Vergleich zu diesem „deutschländischen“ Deutsch eingeordnet wurden. Diese Wahrnehmung eines „Binnendeutsch“, also der Standardvarietät in der BRD, als „Hauptform“ der deutschen Sprache, der die „österreichische und schweizerische Variante ebenso wie Lëtzebuergesch[1], Elsässisch, Belgiendeutsch usw.“ sowie das DDR-Deutsch als „regionale Varianten“ gegenübergestellt wurden, wurde auch von anderen prominenten Vertretern der germanistischen Linguistik, z. B. dem Gründungsdirektor des Instituts für deutsche Sprache (Mannheim), Hugo Moser, lange Zeit vertreten (v. Polenz 1988: 208). Peter v. Polenz (1988) referiert auf Moser (1985) und bedauert dessen monozentrische Position nicht nur explizit, sondern weist auch im selben Atemzug darauf hin, dass diese Wahrnehmung keineswegs von allen Kolleg*innen in der BRD geteilt werde. Vielmehr plädiert er dafür, „leichtfertig benutzte unizentrische Begriffe wie Binnendeutsch (im alten Sinn) und Hauptvariante Bundesrepublik“ zurückzuweisen, zumal die „plurizentrische Struktur der deutschen Sprachkultur [...] auf dem Gebiet der belletristischen und wissenschaftlichen Literatur ja unbestritten ist“ (v. Polenz 1988: 216). Wohlgemerkt: Der Aufsatz von v. Polenz ist von 1988 und keinesfalls neu. Die Anwendung des plurizentrischen Modells von Kloss (1978) auf das Deutsche (Clyne 1984; 1992) fand sehr viel Anklang und stellte die Grundlage für ein wissenschaftliches Programm dar, das die vorhandene Varietätenvielfalt des Deutschen so genau wie möglich beschreiben wollte, ohne eine Wertung zwischen den verschiedenen Varietäten zu insinuieren oder gar auszusprechen. Deutsch wurde als plurizentrische Sprache eingeordnet, womit gesagt wurde, dass es eine Sprache mit „several interacting centres, each providing a national variety with at least some of its own (codified) norms“ sei, um es mit Clyne (1992: 1) zu definieren. Diese Verbindung von Standardvarietäten und Nationen – hier als Staaten verstanden – wurde allerdings seit den 1990ern, vor allem aber in den letzten zehn Jahren durch einige soziolinguistische Untersuchungen zur Varietätenlinguistik in Frage gestellt. Dem Konzept „Plurizentrizität“, also der Reduzierung der Standardsprache auf staatlich umrissene Zentren (österreichisches Deutsch, Deutschschweizer Deutsch, deutschländisches Deutsch), wurde das Konzept der „Pluriarealität“ gegenübergestellt. Dieses Konzept besagt, dass verschiedene standardsprachliche Varietäten innerhalb einer Sprache identifiziert werden können, diese sich aber nicht immer an staatliche Grenzen halten, sei es, weil solche standardsprachlichen Areale politische Grenzen überschreiten, sei es, weil sich auch innerhalb staatlicher Grenzen weitere Standardvarietäten empirisch nachweisen lassen (z. B. westösterreichischer Standard, norddeutscher Standard) – wobei die begrenzenden Isoglossen selbstverständlich nicht für jede Variante denselben Verlauf haben.

Das Buch enthält neun Kapitel. Sie bauen sinnvoll aufeinander auf, reichen von einer allgemeinen Problembeschreibung (Kap. 1 „The Problem“, S. 1–9) und der bisherigen Anwendung auf das Deutsche (Kap. 2, „Standardizing German: Concepts and Backgrounds“, S. 10–22) über eine Auswahl anderer germanischer Sprachen (Englisch, Nordgermanisch [!], Flämisch & Niederländisch, Luxemburgisch) (Kap. 3, „The International Pluricentric Model“, S. 23–34) bis hin zu einer expliziten wissenschaftsgeschichtlichen Problematisierung der Konzepte von Pluriarealität und Plurizentrizität in der Germanistik (Kap. 4, „The German ‚PluriAreal‘ Model“,[2] S. 35–47; Kap. 5, „The Case Against Pluricentricity“, S. 48–61; Kap. 6, „The Case Against ‚Pluri-Areality‘“, S. 62–76), um zum Schluss mit tatsächlichen Beispielen aus Sprachwahrnehmung (Kap. 7, „The Lynchpin: Speaker Attitudes“, S. 77–92) und Sprachgebrauch (Kap. 8, „Examples: Trends, not Categoricity“, S. 93–106) belastbare Impulse geben zu wollen. Das Schlusskapitel (Kap. 9, „Safeguards in the Modelling of Standard Varieties“, S. 107–118) stellt eine Zusammenfassung und einen Ausblick dar.

Die übergreifende Hypothese dieses Buchs ist, dass der Begriff oder das Konzept Pluriarealität auf die deutsche Sprache nicht anwendbar sei (S. 2). Im Gegenteil hierzu sei das Konzept der Plurizentrizitat empirisch abgesichert und vollig ausreichend, um das Nebeneinander verschiedener, nationaler Standardvarietäten des Deutschen zu beschreiben. Pluriarealität, „a term contradicting the standard international concept of pluricentricity“ (!) (S. 2), der von „[c]urrent anti-pluricentrists“ (S. 4) verwendet werde, sei nicht mehr als die Beschreibung diatopischer Variation („geographical variation“) und würde durch das „denial of the legitimacy of non-dominant standard varieties“ (S. 5) einen „‚neo-colonial‘ take on German“ (ebd.) suggerieren oder fördern. Das Konzept der Pluriarealität operiere mit strengen Isoglossen („strict cut-off points“, S. 35), die Varietäten eben nicht entlang von nationalen oder staatlichen Grenzen identifizierten, sondern es auch erlaubten, dass durch soziolinguistisch aussagekräftige Ähnlichkeit ein sprachliches Areal über Staatsgrenzen hinweg verlaufe. Das klassische Beispiel sei hierbei, dass gewisse Bereiche von Bayern und gewisse Bereiche von Österreich somit ein gemeinsames Sprachareal bilden. Verfechter der pluriarealen Position wie z. B. Elspaß & Niehaus (2014) würden argumentieren, dass die Tatsache, dass es in diesem Areal weniger als 2 % Unterschiede zwischen bayrischer (nicht bairischer!, NL) und österreichischer Lexis und Aussprache gebe, ausreichte, um von einem gemeinsamen Areal zu sprechen (S. 35), zumal es kaum Varianten gebe, die exklusiv nur in einer Region verwendet würden. Im Umkehrschluss wird damit behauptet, dass es nicht eine österreichische Standardsprache gibt, also eine Standardvarietät, die im gesamten Österreich und nur in Österreich gilt oder verwendet wird. Hier kommen wir bereits zu einem der vielen Missverständnisse und Vereinfachungen, die sich durch das Buch ziehen. Der Verfasser leistet sich hier den Fehlschluss, „nicht eine“ als „keine“ zu lesen, statt als „nicht nur eine“. Selbstverständlich beschreibt die pluri­areale Position die Existenz von Standardvarietäten, also Sprachgebrauchsmustern, die von den Sprecher*innen als höherwertig/formaler/distanzsprachlicher verwendet und empfunden werden als z. B. andere Sozio- und Dialekte. Nur definiert die Pluriarealität eben nicht den Anwendungsbereich solcher Standardvarietäten anhand von politischen Grenzen, sondern von tatsächlichen Sprachähnlichkeiten, die z. T. an politischen Grenzen haltmachen (man denke an den Klassiker „Plaste“ „Plastik“ zur Abgrenzung von BRD- und DDR-Deutsch), größtenteils aber eben auch nicht (wie im Falle der regional (= areal!) unterschiedenen Standardvarianten „bin gesessen“ vs. „habe gesessen“). Der Vorwurf des Verfassers, dass damit Plurialrealität nichts anderes sei als „geographical variation“, ist dabei insofern zu relativieren, als dass Pluriarealität sich nur auf Standardsprachlichkeit bezieht und nicht auf geographische Variation von Dialekten oder anderen Soziolekten. Ganz zu schweigen davon, dass auch für die Plurizentrizität geographische Aspekte eine Rolle spielen, denn Nationalstaaten werden ja auch anhand von geographischen Grenzen definiert.

Der Verfasser bietet in zwei Kapiteln empirische Belege aus Sprachwahrnehmung und Sprachgebrauch an, um die Unterschiede zwischen Plurizentrizität und Pluriarealität genauer herauszuarbeiten. Er zeigt, dass in einer Umfrage unter österreichischen Lehrer*innen und Schüler*innen die ganz große Mehrheit (90 % bzw. 80 %) empfindet, dass die deutsche Sprache mehr als eine Standardvarietät besitzt, und dass eine ähnliche Prozentzahl der Meinung ist („believe“, S. 87), dass es ein österreichisches Standarddeutsch gebe. Diesen Befund führt der Verfasser als Beweis dafür an, dass die pluriareale Perspektive im Widerspruch zur Wahrnehmung der Sprecher in Österreich stehe (ebd.). Dieser Perspektive entgegenzuwirken, sei umso wichtiger, da Kinder und Jugendliche in Österreich Wissen über die Normierungsprozesse und die Rolle von Standardvarietäten erhalten müssten, so dass „they would feel better about their varieties – because they have an Austrian ‚roof‘ to conceptualize their varieties under“ (S. 87). Der Verfasser schlussfolgert hier und an anderen Stellen in seinem Buch, dass es für die Identitätsbildung der Schülerinnen und Schüler wichtig sei, die Normen einer exklusiven, rein österreichischen Standardvarietät zu erwerben. In Widerspruch zu dieser Konzeptualisierung einer solchen (innerhalb staatlicher Grenzen) uniformen Standardvarietät stehen dann seine Ausführungen zu einigen empirischen Beispielen in Kap. 8. Anhand von Belegen aus Zeitungen und anderen elektronischen Ressourcen analysiert er die Verteilung von vier Beispielen, „that are profoundly Austrian, yet difficult to identify“ (sic!) (S. 93): „anpatzen“, „Tormann“, „hudeln“ und „es geht sich nicht aus“. Er zeigt, dass diese Beispiele in Österreich in standardsprachlicher Verwendung häufiger oder anders belegt sind als in anderen Varietäten des Deutschen. Er schließt daraus, dass diese Beispiele Austriazismen sind. Es wird nicht klar, inwieweit diese vollkommen unkontroverse Feststellung, der ein ganzes Kapitel gewidmet ist, einen Beitrag zum Verständnis der zentralen Problematik des Buches leistet. Vielmehr lassen seine Ausführungen erkennen, dass das Ziel des Verfassers scheinbar einzig und allein ist, die Dichotomie zwischen Plurizentrizität und Pluriarealität so überspitzt darzustellen, dass das eine die unbestrittene Wahrheit repräsentiert, das andere aber unreflektierten Unsinn, und zwar Unsinn mit einer Agenda, nämlich den Österreicher*innen abzusprechen, dass sie eine Standardsprache haben. So impliziere die pluriareale Perspektive die Vorstellung, dass es nur eine Standardvarietät für alle Sprecher*innen des Deutschen in allen Nationen gäbe. Der Verfasser nennt dies das „One Standard German Axiom“ (S. 52), spricht von der Postulierung einer „superiority of Standard German German“ (S. 76) und behauptet, dass ein „monocentric approach“ von „major proponents of German dialectology“ (S. 78)[3] verfolgt würde. Solche Behauptungen überraschen nicht nur deshalb, weil sie sich in der Forschung zu Pluriarealität gar nicht finden lassen, sondern auch, weil sie dem Geist solcher Forschung widersprechen. Pluriarealität zielt ja darauf ab, mehr und nicht weniger Standardvarietäten aufzudecken!

Solche Zweifel an der Kohärenz der inhaltlichen Argumentationsführung ergeben sich auch aus der Lektüre weiterer zentraler wie peripherer Aspekte. Es finden sich eine Reihe von vereinfachten Darstellungen, konzeptionellen Missverständnissen und aus der Luft gegriffenen Behauptungen, die eine nüchterne Bewertung des Buches erschweren. Man liest z. B., dass „Standard American Englisch is a reality today“ (S. 23) oder dass die Existenz verschiedener nationaler Varietäten im englischsprachigen Raum – im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum – kein „problem“ darstelle (S. 1); zwei Aussagen, die nicht nur in ihrer Pauschalität völlig unhaltbar sind, sondern auch zeigen, dass der Autor nicht sauber zwischen den verschiedenen Komponenten von sprachlichen Themen unterscheidet. Denn natürlich besteht das amerikanische Englisch auch in seiner Prestigeform aus verschiedenen, vertikal differenzierten Varietäten und Varianten, genauso wie man selbstverständlich nicht sagen kann, dass eine nationale Varietät wie das indische Englisch soziolinguistisch oder sprachpolitisch denselben Bedingungen unterliegt wie das irische Englisch oder das englische Englisch. Es wäre zu viel erwartet, in dem rezensierten Buch eine differenzierte Diskussion hierzu zu finden. Aber es ist nicht akzeptabel, solch platte und verfälschende Darstellungen einfach abzubilden, als ob sie unkontroverse Tatsachen darstellen würden. Es sei hierbei darauf hingewiesen, dass der Verfasser in erster Linie Anglist ist und keineswegs fach- oder sprachfremd. Kurzfassungen solch komplizierter Zusammenhänge finden sich aber auch zu den Sprachen, die den Mittelpunkt des Buches darstellen: Wenn wir lesen, dass die „Duden resources have a noticeable ECG [East Central German; ostmitteldeutsch] and northern German bias“ (S. 20) oder dass „[t]he Österreichisches Wörterbuch [of 1951] was a courageous sociolinguistic-political project“ (S. 48), weil die Rechte der Sprecher*innen berücksichtigt werden müssen und Top-down-Sprachplanung dies nicht adäquat leiste (S. 88), so bleibt dem Rezensenten nur irritierte Verwunderung. Die Werke der Duden-Reihe, die auch der Rezensent natürlich nicht unkritisch vollkommen positiv einschätzt, beruhen auf einem umfangreichen Sprachgebrauchskorpus.[4] Dagegen ist das ÖWB sehr viel deutlicher ein Beispiel von Top-down-Sprachplanung, denn bei der Aufnahme von Wörtern in das ÖWB entscheidet die entsprechende Redaktion noch eigenständig.[5] Geradezu paradox erscheint in diesem Kontext, dass der Verfasser in einem späteren Kapitel dafür plädiert, „codification should be a much more democratic and inclusive process than a century ago“[6] (S. 88), und zwar indem man aus der Lexikographie der Sprachen der First Nations in Kanada lernt und die Sprachgemeinschaft in die Spracharbeit mit involviert. Beim gepriesenen ÖWB kann davon aber keine Rede sein. Kein Wort verliert der Verfasser übrigens in diesem Zusammenhang über die Kontroverse über die 35. Auflage von 1979, die für die Darstellung und Wahrnehmung des Österreichischen als identitätsstiftende Varietät offenbar von besonderer Aussagekraft war (vgl. z. B. Ammon 1995: 134–136).

Die durch das gesamte Buch hinweg immer wieder explizit formulierte und implizit insinuierte Unterstellung ist, dass es in der germanistischen Sprachwissenschaft Kolleg*innen („a substantial number of German linguists“[7]) gebe, die Sprecher*innen österreichischer Varietäten und Varianten ihr Geburtsrecht („birthright“, S. 112) auf eine eigene Sprache bzw. Standardsprache[8] absprächen. Plurizentrizität wird saubere Wissenschaftlichkeit bescheinigt, wohingegen Pluriarealität nicht nur empirisch und theoretisch unhaltbar sei, sondern auch im Dienst einer sprachpolitischen Agenda stehe, die nur die deutschländische Standardvarietät als eine solche akzeptiere. Die persönliche Involviertheit des Verfassers zeigt sich auch in Formulierungen und Schreibstil, die sich in den späteren Kapiteln von einer nach Objektivität strebenden Sachlichkeit immer mehr entfernen und sich besonders im Schlusskapitel zu einem „stream of consciousness“ entwickeln, der im wissenschaftlichen Diskurs weder üblich noch akzeptabel ist: Pluriareale Modelle seien „obtuse“, „misleading“ und ohne „explicit theory“ (S. 107), sie seien „developed in isolation from other contexts [...] as a kind of ‚wild terminological growth‘“ (S. 110); Auer (2005) sei „obviously wrong“ (S. 108), und die österreichische Regierung fördere derzeit Forschungsprojekte „that undermine [...] a key part of Austrian identity“ (S. 115), etwas, das „[n]o self-respecting government of an independent nation“ (ebd.) tun würde. Als Beleg für die Richtigkeit der plurizentrischen Position wird ein Interviewzitat von Herbert Grönemeyer angeführt.

Das Studium von Sprachideologien trägt einen wichtigen Teil zu unserem Verständnis von soziolinguistischen Korrelationen und Veränderungen bei. Die Diskussion darüber, welche sprachlichen Merkmale welchen Varietäten zugerechnet werden und wie sich darüber die Identitätsbildung bestimmter sozialer oder gar staatlicher Gruppen vollzieht, gehört sicherlich dazu. Was uns dieses Buch lehrt, ist, wie wichtig es ist, eine Distanz zum Untersuchungsgegenstand zu wahren, um nicht durch einseitige Erwartungen und vorschnelle Zielführung zu unhaltbaren Ergebnissen und Schlüssen zu kommen. Der Titel des Buches lässt vermuten, dass es eine ausgewogene Beschreibung einer wissenschaftlichen Debatte enthält. Diese Vermutung wird in keinster Weise bestätigt. Der Verfasser des Werkes führt im Vorwort aus, dass einer der Gutachter für den Verlag das Buch als „not publishable“ einordnete, da es aus der Perspektive „of an Austrian more concerned about his linguistic identity, than as an academic soberly gauging the debate“ (S. x) geschrieben sei. In der Einschätzung des Rezensenten drückt sich dieser Gutachter dabei noch sehr milde aus.

Literatur

Ammon, Ulrich. 1995. Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin, New York: De Gruyter.10.1515/9783110872170Search in Google Scholar

Auer, Peter. 2005. The construction of linguistic borders and the linguistic construction of borders. In: Markku Filppula et al. (Hg.). Dialects across Borders. Amsterdam: Benjamins, 3–30.Search in Google Scholar

Clyne, Michael (Hg.). 1992. Pluricentric Languages. Berlin, New York: De Gruyter.10.1515/9783110888140Search in Google Scholar

Kloss, Heinz. 1978. Die Entwicklung neuer germanischer Kultursprachen seit 1800. Düsseldorf: Schwann.Search in Google Scholar

ÖWB = Österreichisches Wörterbuch. www.oebv.at/lehrwerke/osterreichisches-worterbuch-schulausgabe-43-auflage/konzeption. Letzter Zugriff: 27.8.2020Search in Google Scholar

Polenz, Peter von. 1988. Binnendeutsch oder plurizentrische Sprachkultur? In: Zeitschrift für germanistische Linguistik 16, 198–218.Search in Google Scholar

Online erschienen: 2021-12-02
Erschienen im Druck: 2021-12-31

© 2020 Nils Langer, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 5.3.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/zrs-2020-2060/html
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