Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter Oldenbourg February 11, 2016

Prekäre Mitte?

Sozialstaat und Mittelschicht im internationalen Vergleich

Ursula Dallinger

Der Beitrag untersucht den Einfluss des Sozialstaats auf die relative Einkommensposition der Mittelschicht im internationalen Vergleich. Dazu differenziert er zwischen der Entwicklung der Markt- und der verfügbaren Einkommen, da für beide unterschiedliche Dynamiken gelten. Außerdem wird die breite gesellschaftliche Mitte in drei Gruppen aufgeteilt. Analysen mit Daten der Luxembourg Income Study für die Zeit zwischen 1985 und 2005 zeigen, dass der Sozialstaat primär die Position der untersten Einkommensgruppe verbessert, während das oberste Quintil Einkommensanteile abgibt. Die Einkommenslage der Mittelschichten wird durch Umverteilung wenig geändert. Diese Pro-Poor-Ausrichtung ist ausgeprägt in kontinentaleuropäischen Ländern, während skandinavische und angelsächsische Länder eher auch die mittlere und obere Mitte begünstigen. Zwischen 1985 und 2005 beeinflusste der Wohlfahrtsstaat zunehmend die Verteilung der Markteinkommen, die in den meisten Ländern durch starke Zugewinne oben und Verluste unten gekennzeichnet war. Dabei glich er zwar den Verlust der untersten Einkommen partiell aus, kompensierte ihn aber nicht. Die Mittelschichten verloren über die Zeit vergleichsweise wenig bei den Markt- wie auch den verfügbaren Einkommen. Der jedoch deutlich gewachsene Abstand zur Einkommenslage des obersten Quintils könnte eine Verunsicherung der Mitte erklären.

Online erschienen: 2016-2-11
Erschienen im Druck: 2011-3-1

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