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Publicly Available Published by De Gruyter Oldenbourg September 4, 2017

Hartmut Berghoff, Moderne Unternehmensgeschichte. Eine themen- und theorieorientierte Einführung 2016.

Thomas Hermann

Die erste, im Jahre 2004 erschienene Auflage von Berghoffs «Moderner Unternehmensgeschichte» war seit Jahren vergriffen. De Gruyter Oldenbourg hat nun eine aktualisierte Neuauflage dieses didaktisch hervorragenden Lehrbuchs aufgelegt.

Das Grundkonzept der ersten Auflage wurde beibehalten: Berghoff beleuchtet ausgewählte Aspekte der Unternehmensgeschichte aus dem Zeitraum 1800 bis 2000 mit theoretischer Brille. Er nutzt dabei vor allem Theorieangebote der Neuen Institutionenökonomik, aber auch anderer Bereiche aus Ökonomik und Soziologie, legt ein «offensives Bekenntnis zum reflektierten Eklektizismus» (S. 3) ab. Die Themenvielfalt reicht von «Unternehmensstrukturen im Wandel» (Kap. 3) mit einer breiten Auseinandersetzung mit Chandler bis hin zu den «Produktivkräften jenseits der Produktion» (Kap. 10). Die Darstellung zeichnet sich dabei durch einen überaus souveränen Überblick über die ökonomische Theorie aus und ist sprachlich sorgfältig und ausgesprochen verständlich verfasst. Für so manche Theorie möchte man auch angehenden Wirtschaftswissenschaftlern lieber den Berghoff als ein ökonomisches Lehrbuch empfehlen.

Inhaltlich wurde gegenüber der 1. Auflage wenig geändert, zu nennen sind kleinere Ergänzungen, etwa zu Albert Speer (S. 217), Anita Roddick (S. 274) oder Carly Fiorina (S. 279). Der Leser findet gegenüber der ersten Auflage viele neue Fotos, die Visualisierung der Texte ist ausgesprochen gelungen und ein weiteres Alleinstellungsmerkmal dieses Werkes. Der Einleitung entnimmt man, dass die Literaturhinweise vollständig überarbeitet und aktualisiert wurden. Dies ist insgesamt sehr sorgfältig geschehen. Literaturhinweise gibt es zu (fast) jedem Teilkapitel, didaktisch vorbildlich unterteilt in schnellen Einstieg, vertiefende Literatur und Fallstudien. Errata wie auf S. 107 (Kieser und Kubicek. Organisation. 3A. 2015; dieses Buch gibt es nicht, es gibt entweder Kieser. Organisationstheorien 7.A. 2014 oder Kieser und Walgenbach. Organisation 6.A. 2010) oder auf S. 385 (bei der «Einführung in die Volkswirtschaftslehre» fehlt der Autor, (es dürfte Peter Bofinger sein) sind wohl unvermeidlich.

Einige kleine Anregungen zu Kapitel 11.2. möchte der Rezensent geben. Die Literaturempfehlungen folgen wie auch schon in der 1. Auflage nicht einer lexikographischen Ordnung. Diese Anarchie dürften nicht nur Lehrende im Bachelorstudium als kontraproduktiv empfinden. Zu hinterfragen ist auch, ob im «Wegweiser zur Fachliteratur» das Geschäftsmodell des pfiffigen Vielschreibers und Vielherausgebers Werner Pepels mit einer Buch-Empfehlung aus dem Jahre 1999 geadelt werden sollte (S. 384). Warum nicht ein aktuelleres ABWL-Lehrbuch empfehlen, das Theorie mit aktuellen und wirtschaftshistorischen Beispielen didaktisch sinnvoll verbindet, so z. B. den Schmalen/Pechtl: Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft? Ebenfalls Aufnahme in den Wegweiser hätten die Annäherungen der Betriebswirte an die Geschichtswissenschaft verdient gehabt, zu nennen ist hier vor allem Klaus Brockhoff, etwa seine «Betriebswirtschaftslehre in Wissenschaft und Geschichte». Vermisst hat der Rezensent auch den Hinweis auf andere theoriegeleitete Einführungen in die Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte wie Wischermanns «Studienbuch institutionelle Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte» (2015) oder die «Neue deutsche Wirtschaftsgeschichte» von Spoerer und Streb (2013).

Theorie gilt vielen Studierenden (nicht nur Historikern sondern gerade auch Betriebswirten) als trocken und eher schwer verständlich. Eine «theorieorientierte, leicht verständliche» Unternehmensgeschichte, dieses Leistungsversprechen auf der Buchrückseite scheint prima facie eine Quadratur des Kreises. Berghoffs Lehrbuch hält dieses anspruchsvolle Leistungsversprechen, es bringt reichen Erkenntnisgewinn, Anregungen für interdisziplinäre Forschung und seine Lektüre bereitet ausgesprochenen Lesegenuss.

Online erschienen: 2017-9-4

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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