Accessible Requires Authentication Published by De Gruyter (A) August 29, 2011

Töten und Kannibalismus: Erinnerungen als politischer Diskurs in Kambodscha

Ute Luig
From the journal Paragrana

Zusammenfassung

Der Beitrag untersucht – aus der Retrospektive gegenwärtiger Informanten – verschiedene Formen des Tötens unter der Gewaltherrschaft der Roten Khmer (1975–79), die u. a. durch kum, eine überproportionale Form der Rache motiviert war. Während dieses emotionalen Ausnahmezustandes kam es zum Herausreißen und Essen der Leber von noch lebenden Gefangenen durch die Soldaten der Roten Khmer. Während diese kannibalistische Praxis den Quellen zufolge seit Jahrhunderten bekannt ist und u. a. Funktionen des medizinischen Kannibalismus erfüllte, wird sie von den ehemals politischen Flüchtlingen, die nunmehr in Übersee leben, zur politischen Stigmatisierung der Roten Khmer benutzt. Der Text betont den transnationalen Kontext, in den lokale Erinnerungskulturen eingebunden sind und zu Formen politischer Abrechnung werden, die sich buddhistischer Symbole wie der Gedenkstupas bedienen.

Published Online: 2011-08-29
Published in Print: 2011-08

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