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  • Author: Hildegard Elisabeth Keller x
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Burkhard Dohm nimmt sich zum erklärten Ziel, eine Epoche (die Jahrzehnte um 1700: ‚Spätbarock‘ und ‚Frühaufklärung‘), eine Gattung (die geistliche, von der Bibel [vom Hohenlied] inspirierte Poesie) und die Verschränkung mehrerer Diskurse (literarhistorisch das Verhältnis von geistlichen und weltlichen Texten, poetologisch die lyrische Bibel-Fortschreibung der Barockspiritualisten und der frühaufklärerischen Pietisten, kulturwissenschaftlich das Ineinander von protonaturwissenschaftlichen [vorrangig alchemistischen], literarischen und sakramententheologischen Umwandlungskonzepten) in fünf Kapiteln und einem „Ausblick“ monographisch aufzuarbeiten.

Für den Namen von Ringoltingen entschied sich eine jener nobilitierten Aufsteigerfamilien, die wie Kometen am Stadtberner Polithimmel des 15. Jahrhunderts erschienen und nach ein paar Jahrzehnten im Zenith wieder verschwanden. So ein strahlender Name ist plötzlich da: Er leuchtet auf an der Spitze einer für eidgenössische Verhältnisse markant stratifizierten Stadtgesellschaft und überlebt – im Ausnahmefall derer von Ringoltingen – in der Memoria der Literaturwissenschaftler des 21. Jahrhunderts dank dem von Junker Thüring (um 1415–1483) verfassten Prosaroman ›Melusine‹ (1456). Die Etappen des familialen Aufstiegsweges bleiben, für die Zeitgenossen kaum minder als für die Historiker, weitgehend im Dunkeln: »Ihr Werdegang, der Aufstieg in die Spitze der Gesellschaft und die höchsten Ämter der Stadt entziehen sich unseren Kenntnissen.« Eine solche partielle Ausleuchtung eines familienhistorischen Weges ist konstitutiv für den Blick dieser Familien ›nach oben‹, zu einer Adelselite, an die sie ihr harkomen anzubinden suchen. Wie vielfältig sich diese eine, ›aufwärts führende‹ Richtung der sozialraumbezogenen Vertikale in Thürings Roman widerspiegelt, verdeutlichte Jan-Dirk Müllers ›Melusinen‹-Lektüre. Sie hat mich zu der hier präsentierten Untersuchung der Semantik der Vertikalen angeregt – einer Kategorie, welche in die Erzählstrukturen hinein führt und thematisch und poetologisch greifbar wird und zugleich für das soziohistorische Entstehungsumfeld des Texts und dessen Selbstdeutung relevant bleibt. Insbesondere fand ich mich in meiner These bestärkt, dass gerade die komplementäre, ›abwärts führende‹ Richtung der Vertikalen zu erhellen vermag, inwiefern sich textinterne und -externe Familiengeschichten einerseits, genealogisches Denken und poetologische Modelle andererseits ineinander reflektieren. ›Unten‹ – das meint genealogisch gesprochen die Wurzeln des Stammbaumes, das harkomen von den Vorfahren und möglicherweise auch eine im stratifikatorisch-soziologischen Sinne ›niedere‹ Herkunft.