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  • Author: Kurt Schubert x
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Zusammenfassung

Das Phänomen des Zufalls, für Koselleck ein Unterscheidungskriterium in der Gegenüberstellung von antiker und moderner historischer Methodik, ist für die antike Historiographie noch nicht erschöpfend aufgearbeitet worden. Am Beispiel von Herodot wollen wir zeigen, wie eine mit fiktionalen Elementen arbeitende Historiographie zum Ausdruck bringt, dass historische Konsistenzbildung immer schon Konstruktion ist, und wie im Medium der Erzählung eine zwar nicht explizierte, aber durchaus komplexe Theorie geschichtlicher Hermeneutik abgebildet sein kann. Herodot weist dem Zufall und dem Kontingenten eine wichtige heuristische Funktion bei der historischen Urteilsbildung zu. An markanten Stellen seines Werks beschreibt er ‚zufällige‘ Koinzidenzen geographisch getrennter Ereignisse (die Schlachten von Salamis (Griechenland) und Himera (Sizilien) fanden 480 v. Chr. am selben Tag statt, ebenso wie die Schlachten bei Platää und Mykale 479 v. Chr., diese darüber hinaus auch beide an einem Demeter-Heiligtum). Er verschränkt hierbei die Perspektive der Akteure mit der ex post-Perspektive des Historikers, und seine ἱστορίη macht oft genug deutlich, dass Ereignisse, die den ins Geschehen Involvierten unerwartet und überraschend und nur als Zufall erscheinen mögen, aus der Distanz des geschichtlichen Rückblicks ihre Sinnhaftigkeit oder doch eine strukturell wichtige Weichenstellung zu erkennen geben. Was dem mit dem ‚Zufall‘ konfrontierten Akteur als solcher erscheint, überführt der Historiker in ein strukturbildendes (also narrativ sinnvolles) Element seiner Darstellung. Der Zufall wird durch die historiographische Perspektive ex post seines bloß zufälligen Charakters entkleidet und zur geschichtlichen Frage.