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  • Author: Rebekka Habermas x
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Zusammenfassung

Der Stellenwert von Missionen in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wird – so das zentrale Argument des Beitrags – nach wie vor unterschätzt, und zwar gleich in zweierlei Hinsicht: Erstens entstanden neben den Missionsgesellschaften und -orden, die Missionare ausbildeten und ins Außereuropäische schickten, in allen Städten und vielen Dörfern hunderte, ja tausende von Missionsvereinen, die bei Vortragsveranstaltungen, Ausstellungen und schließlich auch Diavorträgen Berichte aus Afrika, Indien und Südamerika in jeden noch so kleinen Ort brachten. Gleichzeitig verknüpften sich diese lokalen Initiativen untereinander und schufen so nationale, aber auch transnationale Netze des Religiösen. So standen z. B. über Zeitschriften und auch persönliche Begegnungen rheinische Fabrikortschaften mit der „London Missionary Society“ und Heidedörfer mit dem Transvaal in Verbindung. Zweitens entstanden nicht zuletzt über solche Netze Kommunikationszusammenhänge, die weit über die engen konfessionellen Grenzen hinaus die zentralen Debatten des 19. Jahrhunderts mitbestimmten. So strukturierten sie etwa Diskussionen über die soziale Frage so nachhaltig mit, daß selbst radikale Vordenker wie Friedrich Engels religiösen Argumentationslogiken und Bildern folgten, wie sie aus der zeitgenössischen äußeren und inneren Mission bekannt sind. Die über die katholischen und protestantischen Missionen geschaffenen Öffentlichkeiten bildeten nämlich keineswegs isolierte Sphären, sondern waren Teil einer Gesellschaft, die im 19. Jahrhundert noch weit religiöser und schon weit globaler war als lange angenommen.