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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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Achtung: Dieses Lemma enthält inhaltliche Veränderungen zur Person gegenüber der gedruckten Fassung.

T: Metropolites von Sardeis (Lydien) — Εὐθύμιος ὁ μητροπόλεως Σαρδιανῶν ἐξηγούμενος (Genesios).

V: Geboren 751 oder 754 (1) in Uzara im mittleren Kleinasien (2). Über seine Herkunft und Jugend ist wenig bekannt. Anscheinend wurde er bereits als junger Mann Mönch und trat in ein Kloster ein. Zwischen 784 und 787 wurde er von Patriarch Tarasios (# 7235) zum Metropoliten von Sardeis geweiht.

E. nahm am 7. Ökumenischen Konzil in Nikaia 787 teil, wo er auch sprach. Auf der ersten Sitzung äußerte er sich zugunsten der Wiederzulassung der ehemaligen Ikonoklasten Theodoros von Amorion (# 7846) und Basileios von Ankyra (# 869) (Mansi XII 1015). Später schlug er vor, Väterschriften heranzuziehen zur Entscheidung der Frage, ob auch die von Häretikern geweihten Bischöfe wieder zugelassen werden dürften (XII 1039). Auf der zweiten Sitzung unterstützte er die traditionelle Bilderverehrung, wie sie von Papst Hadrian I. (# 2536) und Patriarch Tarasios in ihren Briefen vertreten wurde (Mansi XII 1087f.). Auf der dritten Sitzung sprach er sich für den im Brief des Patriarchen Tarasios als orthodox formulierten Glauben aus und anathematisierte die Ikonoklasten (XII 1147). Auf der vierten Sitzung fragte er die ehemaligen Ikonoklasten Theodoros von Amorion und Gregorios von Neokaisareia (# 2405), warum sie denn nicht die Zitate in ihrem ursprünglichen Zusammenhang geprüft hätten, durch die sie getäuscht worden sein wollten (XIII 37). Später unterschrieb er die zur Unterstützung der Bilderverehrung herangezogenen Väterzitate, nachdem das zu unterzeichnende Dokument von ihm selbst verlesen worden war (XIII 129. 136). Auf der fünften Sitzung äußerte er sich zur Verwendung des sogenannten Itinerariums der Apostel durch die ikonoklastische Synode (XIII 172). Auf der siebten Sitzung unterzeichnete er die Beschlüsse des Konzils (XIII 381).

Unter Kaiserin Eirene (# 1439) und ihrem Sohn Konstantin VI. war er angeblich beteiligt an einer Gesandtschaft an den Kalifen in Bagdad, wo er sich als Unterhändler auszeichnet haben soll. Während der Regierungszeit Kaiser Nikephoros’ I. (802–811), vermutlich um 804, wurde er, angeblich weil er eine junge Frau (# 10031) zur Nonne geweiht hatte, auf die der Kaiser Absichten hatte, wahrscheinlicher aber wegen seiner Haltung im Aufstand des Bardanes Turkos (# 766), auf die Insel Pantellaria (= Patellaria, das frühere Kossyra bei Sizilien) verbannt. Auf Betreiben des Patriarchen Tarasios, der sich schon seiner Absetzung widersetzt haben soll, wurde er bald aus der Verbannung entlassen, erhielt sein Bistum in Sardeis jedoch nicht zurück. Unter Kaiser Leon V. (813–820) wurde er als Bilderfreund nach Thasos verbannt, nachdem er Weihnachten 814 zusammen mit Patriarch Nikephoros (# 5301) und anderen bei einer Versammlung im Palast gegen den Ikonoklasmus aufgetreten war (3). In der zweiten Jahreshälfte 819 kam Theodoros Studites (# 7574) das Gerücht zu Ohren (ep. 415), daß ein Bischof von Sardeis (ὁ Σάρδης) angeblich von den Ikonoklasten “wegen einer gewissen Freveltat” enthauptet worden sein soll (δι᾿ ἀνοσιουργίαν τινά ... ἐκαρατομήθη). Theodoros wisse jedoch nicht genau, um welchen (also Euthymios oder dessen Nachfolger Ioannes[ # 3200]) es sich dabei handele (ποῖος οὐχ ὡρισμένως). Wahrscheinlich haben wir darin die Übertreibung einer Mißhandlung zu sehen. St. Efthymiadis, in: REB 53 (1995) 157, möchte den “enthaupteten” Bischof von Sardeis mit Ioannes identifizieren, es kann sich jedoch genauso um Euthymios handeln. Von Kaiser Michael II. (820–829) wurde E. erneut verbannt, aber diese Verbannung wurde bald wieder aufgehoben. Er war auch Adressat des Theodoros Studites und hielt sich demnach (ep. 545,6-10) im Herbst 826 in der Hauptstadt auf. Unter Kaiser Theophilos (829–842) wurde er wiederum verhaftet, angeblich auch verhört und geohrfeigt, und schließlich auf die Insel Hagios Andreas in der Provinz Bithynien verbannt, wo er dem späteren Patriarchen Methodios I. (# 4977) begegnete. Laut den Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 22 wurde er von Kosmas (# 4128) so grausam gefoltert, verhört und geschlagen, daß er acht Tage später, am 26. Dezember 831, an den Folgen der Mißhandlung gestorben sei (4). Seine panegyrische Vita (BHG 2145) wurde später von Patriarch Methodios I. verfaßt. Sein Leichnam wurde in der Nähe der Mokioskirche bzw. des gleichnamigen Klosters in Konstantinopel beigesetzt; zumindest wurden die Reliquien dort von dem russischen Pilger Antonij von Novgorod gesehen, als dieser im 13. Jh. Konstantinopel besuchte.

Anmerkungen: — (1) Bei seinem Tod war er laut den Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 22, p. 238,14, 80 Jahre alt, während die Vita Euthymii Sard. (BHG 2145) Z. 372 ihn im 78. Lebensjahr sterben läßt. — (2) Uzara liegt an der Grenze von Lykaonien, cf. Gouillard, in: TM 10 (1987) 4. — (3) Georg. mon. 779,8-17; Symeon log. (Leon gr. 209,5-7; Theod. mel. 144,11f.; Symeon sl. 91,15f.); Georg. mon. cont. (Muralt) 984A-B; Ps.-Symeon 608,16f.; 609,8-11 (angeblich sei er damals an den Auspeitschungen gestorben); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451); BHG 494 cap. 16. — (4) Anders Theoph. cont.; Zonaras XV 22, p. 338,15 – 339,2. 3-5.

W: Eine Schrift “Über die Bischofswahlen” (Ὅτι οὐ χρὴ τοὺς χειροτονοῦντας ...), überliefert unter dem Namen τοῦ Σάρδεων Εὐθυμίου τοῦ ἁγιωτάτου, ed. J. Darrouzès, Documents inédits d'ecclésiologie byzantine. Textes édités, traduits et annotés, Paris 1966 (Archives de l'Orient chrétien 10), 108–114 (französ. Übers. 109–115), ist sicher E. zuzuschreiben, s. dazu Darrouzès 8–20.

Q: — (Hist.): Theoph. cont. II 8, p. 48,8-13; II 28, p. 83,21f.; Genesios II 14, p. 35,76f.; Skylitzes 28,85-89; Georg. mon.; Georg. mon. cont. (Muralt); Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Ps.-Symeon; Zonaras; Theod. Skut. 131,10. — (Ep.): Theod. Stud., Epp. 74. 112. 415?. 545 (Fatouros); 3. 41 = II 71 (PG 99). 284 (Mai) = II 211 (PG 99). — (Conc.): Horos der Synode von 843 p. 297,113; Mansi XII 994B; XIII 365B: Εὐθυμίου ἐπισκόπου Σάρδεων (994: Σάρδης); XII 1015D. 1039E. 1087E–1090A. 1147D-E; XIII 37D. 129A. 136A. 172E. 381A: Εὐθύμιος ἀνάξιος ἐπίσκοπος Σάρδεων (37: Σάρδης) oder ähnlich; Synodicon vetus Appendix II cap. 154,47-54, p. 194f.; cap. 155,10f., p. 195. — (Hag.): Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494) cap. 16, p. 229,10f.; cap. 22, p. 238,4-16; Vita Nicet. Medic. (BHG 1341) § 35, p. XXV; Vita Euthymii Sard. (BHG 2145); Vita Euthymii Sard. (BHG 2146); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451) cap. 12, p. 78; Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2452) cap. 6, p. 178; Synax. Cpl. 345,1-38; 345/346,49-55 (26. Dezember); Typicon Mateos I 160,6f. (26. Dezember); Typicon Messinense 85,24f. (26. Dezember, Kanon des Euthymios); Typika Dmitrievskij I 37. 358. 359 (26. Dezember). — (Fs.): Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392) 53,121 (ohne Beinamen). — (lat.): MGH Epp. V, epp. Hadriani I. Nr. 2, p. 18,7-12; Libri Carolini (Bastgen) 105,1-5; 140,24-34; 105,5-8; 163,16f. — (georg.): Synodikon georg. 310. — (sl.): Antonij von Novgorod 26 (Loparev). — (Sg.): Laurent, Corpus V 1607 = ZV 1332 (Ende 8. Jh.): Εὐθυμίῳ μητροπολίτῃ Σάρδης.

L : ODB II 756; Fedalto 179. — Gouillard, in: BZ 53 (1960) 36–46; idem, in: TM 10 (1987) 1–101; Treadgold, Revival 486 (Reg.); weitere Literatur zu Leben und Werk bei Laurent, Corpus V 1607; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 371a. 377b; Papadakis, in: Vita Euthymii Sard. (BHG 2146); Petit, Acolouthies grecques 82f.; Fatouros 213* Anm. 239 (Lit.); 214* Anm. 240. 396*; DO Hagiography Database Nr. 7; Pratsch, Theodoros 133. 212. 222. 232. 240; Treadgold, History 437. — Zur Schreibweise von Sardeis (auf den Siegeln) cf. Laurent, Corpus V 1607; zu der Mokioskirche bzw. dem dort angeschlossenen Kloster cf. Berger, Patria 635–637.

P: Die Teilnahme des E. an der Gesandtschaft nach Bagdad wird von anderen Quellen als der Vita nicht bestätigt. Nimmt man den Text und die Anordnung der Vita genau, müßte diese Gesandtschaft zwischen 787 und 790 stattgefunden haben. Für diesen Zeitraum ist eine Gesandtschaft nicht belegt, von erfolgreichen Friedensverhandlungen ganz zu schweigen. — Genesios, Skylitzes und Theoph. cont. nehmen das Martyrium noch unter der Herrschaft Michaels II. an, auf dessen Befehl Theophilos den E. habe zu Tode peitschen lassen, cf. jedoch Gouillard. — Möglicherweise ist er mit einem anonymen Asketen (# 11154) identisch, der den späteren Patriarchen Methodios (# 4977) davon überzeugte, Mönch zu werden.

Geographische Orte

  • Uzara (Lykaonien)
  • Lykaonien
  • Sardeis (Lydien)
  • Lydien (Kirchenprovinz)
  • Nikaia (Bithynien)
  • Babylon bzw. Bagdad (Mesopotamien)
  • Kalifat
  • Pantellaria bzw. Patellaria (Insel bei Sizilien)
  • Kossyra (alter Name für Pantellaria)
  • Sizilien
  • Mokioskirche (Kpl.)
  • Hagios Andreas (Insel in Bithynien)
  • Thasos (Insel)

Quellen

  • ZV
  • Synodikon georg.
  • Typicon Messinense
  • Vita Nicet. Medic. (BHG 1341)
  • Laurent, Corpus V
  • Horos der Synode von 843
  • Theod. Stud., Ep.
  • Mansi
  • Vita Euthymii Sard. (BHG 2145)
  • Libri Carolini
  • Vita Theophyl. Nicomed.
  • Antonij von Novgorod
  • Synax. Cpl.
  • Symeon log.
  • Leon gr.
  • Theod. mel
  • Zonaras
  • Symeon sl.
  • Vita Euthymii Sard. (BHG 2146)
  • Theoph. cont.
  • Skylitzes
  • Ps.-Symeon
  • Theod. Skut.
  • Genesios
  • Georg. mon. cont. (Muralt)
  • Georg. mon.
  • MGH, Epp.
  • Typicon Mateos
  • Synodicon vetus
  • Typika Dmitrievskij
  • Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392)
  • Acta Davidis, Symeonis et Georgii (BHG 494)
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