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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

T: Mönch; Episkopos von Amastris (ca. 790–806).

V: Er wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jh.s in Kromna (τῶν Κρωμνηνῶν πολίχνιον) bei Amastris (Paphlagonien) geboren; seine Eltern waren Theodosios (# 7828) und Megetho (# 4936). Genaue Daten seines Lebens lassen sich fast nicht angeben, da seine Vita, die von Ignatios Diakonos (# 2665) verfaßt wurde und auf die wir im wesentlichen angewiesen sind, nur eine sehr vage, relative Chronologie bietet (zur Vita cf. Prolegomena 85f.). In seinem dritten Lebensjahr kam G. wohl versehentlich dem Feuer zu nahe, wurde aber durch göttliches Eingreifen gerettet. Er erhielt eine Ausbildung in den geistlichen und weltlichen Fächern. Als er einmal seinen Onkel (s. unten), der ihn in den kirchlichen Dingen unterrichtete (§ 9), nach Konstantinopel begleiten durfte, beteiligte er sich am Gesang der Pannychis und weigerte sich anschließend, von Tarasios (# 7235), der damals noch Asekretis war, die Bezahlung dafür entgegenzunehmen (§ 18). In noch relativ jungem Alter verließ er Amastris und begab sich auf den Berg Agrioserike, wo er von einem alten Einsiedler (# 11068) zum Mönch geschoren wurde und nach dessen baldigem Tod ins Kloster Bonyssa eintrat.

Nach dem Tod des amtierenden Bischofs von Amastris (# 11000) wollten ihn die Einwohner der Stadt gegen seinen Willen zu dessen Nachfolger ernennen und brachten ihn deshalb nach Konstantinopel zum Patriarchen Tarasios. Gegen einen von Kaiser Konstantinos VI. bestimmten Kandidaten (# 11007) soll er von einer Synode einstimmig gewählt (nach Grumel–Darrouzès zwischen Oktober 790 und 15. Januar 792) und daraufhin von Tarasios zum Bischof geweiht worden sein. Anschließend sei er nach Amastris zurückgekehrt. Diese Weihe müßte, wenn man den Angaben der Vita folgen will (s. jedoch auch unter P), jedenfalls nach dem Konzil von 787 stattgefunden haben, denn der dort anwesende Bischof von Amastris ist Gregorios (# 2413) und dessen unmittelbarer Vorgänger war Ioannes (# 2979).

Laut der Vita Ioannis Gotth. und des Synax. Oxon. wurde unter G.s Führung der Leichnam des Ioannes (# 3118) am 26. Juni 792 von Amastris nach Parthenitai überführt und dort am 29. Juni im Kloster der hl. Apostel bestattet. Später trat G. für die Autokephalie von Amastris gegenüber dem Metropoliten von Gangra (# 4936) ein, weil in Gangra angeblich Zügellosigkeit und Hartherzigkeit regierten. Seine Mission hatte Erfolg, der Kaiser trennte Amastris kirchlich von Gangra (§ 21). Während einer angeblichen Verwüstung der Stadt durch die Araber (cf. dazu unter P) kümmerte G. sich um die Bevölkerung. Trotz Krankheit reiste er im Winter über das Meer nach Trapezunt, um Kaufleute aus Amastris (# 10332), die Verleumdungen zum Opfer gefallen waren, vor der Hinrichtung zu bewahren. Dies bewerkstelligte er durch die Heilung der Frau des dortigen Strategen (# 11172). Nach der Rückkehr und kurzem Aufenthalt in Amastris reiste er wiederum nach Konstantinopel, da die mit ihrem Sohn Konstantin VI. regierende Eirene (# 1439) angeblich nicht ohne seinen Rat auskommen konnte (§ 34). Er prophezeite dem damaligen Logothetes und späteren Kaiser Nikephoros I. die Herrschaft (§ 35). Über das Schwarze Meer fuhr er zurück nach Amastris, vorbei an der Sangariosmündung durch Bithynien in das Gebiet von Galatien, wo er ein Wunder wirkte (§ 36). Gestorben ist er am 8. (zwei Tage vor dem 10. Tag des Dystros) oder 21. Februar des Jahres 806 (so da Costa-Louillet). In seiner Vita werden Wunder berichtet, die er nach seinem Tode vollbracht haben soll (§41ff.). Er wird als Heiliger gefeiert am 8. (laut seiner Vita) bzw. am 21. Februar.

Angeblich veranlaßte G. den Konstantinos von Tios (# 3878) zur Niederschrift des Encomium Euphemiae (BHG 621) und verfaßte auch selbst Kanones und Idiomela (s. W).

W: Cf. Émereau, in: EO 22 (1923) 425; Follieri, Initia V 1, 262; Szövérffy II 19.

Q: — (Hag.): Konstantinos von Tios (BHG 621) Titel, p. 84; Vita Georg. Amastr. (BHG 668); Synax. Cpl. 481,44 – 482,28 (21. Februar) (BHG 668e); Vita Ioannis Gotth. (BHG 891), cap. I 6, p. 169E; Typicon Mateos I 237 app. crit. (Cod. Fa, Ox zum 21. Februar); Synax. Oxon. 81.

L : ODB II 837; DHGE 20 (1984) 584; BHG 668. 668e; Karayannopulos–Weiß 350 Nr. 225; Beck, Kirche 512. 517; Le Quien I 563; Fedalto 87. — Vasil'evskji, Trudy III, p. I–CXLI; Loparev, in: VV 18 (1911/13) 15–35; Vasiliev, The Goths in the Crimea 92f.; da Costa-Louillet, in: Byz 15 (1941) 245–248; ead., in: Byz 24 (1954) 479–492; A. A. Vasiliev, The Russian Attack on Constantinople in 860, Cambridge Mass. 1948, 71–89; Halkin, Euphémie 82 mit Anm. 2 (Lit.); Janin, in: Bibl. Sanct. 6 (1965) 533; Abrahamse 43–45; Treadgold, Revival 131. 376; Markopulos, in: JÖB 28 (1979) 78–82 (zum Kapitel über den russischen Angriff); Szövérffy II 19; Ševčenko, Hagiography 121–125 (bes. zur Vita); idem, in: La civiltà bizantina dal IV al IX secolo. Aspetti i problemi, Bari 1977, 150–173; Pritsak, in: Harvard Ukrainian Studies 12/13 (1988/89) 94f.; Treadgold, ibidem 136–141; Berger, in: Hellenika 39 (1988) 311–322, hier 318–320 (zu dem Encomium Euphemiae); Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 367; Efthymiadis, in: JÖB 41 (1991) 73–83; Auzépy, in: Bsl 53 (1992) 57–62; Acconcia Longo, in: RSBN N. S. 29 (1992) 7–10; DO Hagiography Database Nr. 10 (für Lit.; cf. op. cit., Introduction, s. v. “George of Amastris [no. 10]”); Efthymiadis, in: JÖB 48 (1998) 41f.

P: Die innere Chronologie der Vita ist nicht leicht nachzuvollziehen, zumal in der Regel nicht einmal die geschilderten Ereignisse als solche eine Bestätigung durch andere Quellen erfahren. Genauere zeitliche Abläufe oder gar eine Anzahl von Jahren werden eigentlich nie genannt. Erwähnte Personen, die möglicherweise eine zeitliche Einordnung erlauben würden, sind meist anonym, wie die regierenden Kaiser, der Metropolit von Gangra oder der direkte Vorgänger im Amt des Bischofs von Amastris. Beispielsweise bieten sich für den Zeitpunkt der Übernahme des Bischofsamtes folgende Überlegungen an: In den Akten des Konzils von 787 ist ein gewisser Gregorios als Episkopos von Amastris verzeichnet. Nun könnte Georgios ein späterer Nachfolger, der direkte Nachfolger oder sogar mit diesem identisch sein, wenn man von einer – sonst auch häufiger vorkommenden – Verschreibung von Georgios zu Gregorios in den Akten ausginge. Die lateinische Fassung der Anwesenheitsliste für die erste Sitzung hat beispielsweise den Namen Georgios. — Der geschilderte Angriff der Araber auf Amastris fand nach Vasil'evskij, op. cit. LXIVf., im Jahre 797 im Rahmen des Vordringens der Araber bis nach Amorion statt, nach da Costa-Louillet 486 handelt es sich eher um eine Übertragung der Invasion von 811, die bis Euchaïta kam. Angesichts der auch von da Costa-Louillet notierten Topik ist aus der Schilderung kaum auf ein genau fixierbares, historisches Ereignis zu schließen.

Angehörige (anonym):

1. Onkel 2183A

T: Hiereus, Priester.

V: Zweite Hälfte des 8. Jh.s; Hiereus und Onkel des Georgios von Amastris, der von ihm in allen kirchlichen Dingen unterwiesen und so auf sein künftiges Bischofsamt vorbereitet worden sein soll. In seiner Jugend begleitete ihn Georgios einmal nach Konstantinopel.

Q: — (Hag.): Vita Georg. Amastr. (BHG 668) § 9, p. 16,10-13; § 18, p. 29,12.

L : Loparev, in: VV 18 (1913) 14ff.; da Costa-Louillet, in: Byz 24 (1954) 484.

P: Loparev mißversteht wohl den Text und erklärt den Onkel auch zum Bischof von Amastris, dagegen wendet sich jedoch schon da Costa-Louillet.

Geographische Orte

  • Kromna (Paphlagonien)
  • Amastris (Paphlagonien)
  • Paphlagonien (Kirchenprovinz)
  • Agrioserike (Berg bei Amastris)
  • Bonyssa (Paphlagonien)
  • Bonyssakloster (Paphlagonien)
  • Parthenitai (Krim)
  • Apostelkloster (Parthenitai)
  • Gangra (Paphlagonien)
  • Trapezunt (Pontos Polemoniakos)
  • Schwarzes Meer
  • Sangarios (Fluß)
  • Sangariosmündung
  • Galatien

Quellen

  • Vita Ioannis Gotth. (BHG 891)
  • Konstantinos v. Tios, Encomium Euphemiae (BHG 621)
  • Vita Georg. Amastr. (BHG 668)
  • Synax. Oxon.
  • Synax. Cpl.
  • Typicon Mateos
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