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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

N: Beiname: Choiroboskos — χοιροβοσκός, mit pejorativer Bedeutung (Kakonym): “Schweinehirt”.

T: Diakonos, Chartophylax (des Patriarchats von Konstantinopel), Grammatikos, Oikumenikos Didaskalos.

V: Er war Diakon und Chartophylax wohl des Konstantinopler Patriarchats, also Patriarchatskleriker, später Grammatikos und Oikumenikos Didaskalos, also ein herausragender Gelehrter und Lehrer in Konstantinopel, sowie Verfasser zahlreicher Werke. Seine oft nur fragmentarisch erhaltenen Schriften und Scholien sowie Vorlesungsnachschriften seiner Schüler tradieren häufig Bruchstücke und Zitate inzwischen verlorener grammatischer Werke der Antike. Man hatte ihn anfangs in das 6. Jh. datiert (s. Speck, Universität 65 mit Anm. 47 [ältere Lit.]), später aber seine Lebenszeit immer mehr nach oben korrigiert, zunächst in das 8.–9. Jh. (s. Bühler–Theodoridis), später in die erste Hälfte des 9. Jh.s (s. Theodoridis), schließlich in die Epoche des zweiten Ikonoklasmus (815–843; s. Theodoridis; Ronchey) oder sogar noch ein wenig später (s. Theodoridis). Der pejorative Beiname “Choiroboskos” sowie die nur fragmentarische Überlieferung seiner Werke machen es mehr als wahrscheinlich, daß er nicht den Anhängern der Bilderverehrung zuzurechnen ist, sondern der ikonoklastischen Doktrin anhing. Noch Eustathios von Thessalonike (Ende des 12. Jh.s) polemisierte in seiner Schrift (Eustathius Thess., Exegesis) gegen diejenigen, die dem weisen Lehrer (σοφὸν διδάσκαλον) einen so schrecklichen Beinamen gaben und damit gleichzeitig auch seine Gelehrsamheit verspotteten; nur aus Neid hätten sie dies getan. Die Meinung des Eustathios scheint sich jedoch leider nicht durchgesetzt zu haben, so daß G. mehr und mehr dem Vergessen anheimfiel und die Überlieferung seiner Werke vernachlässigt wurde bzw. diese anderen, ikonophilen Autoren zugeschrieben wurden, z. B. Ioannes Damaskenos (cf. Eustathios Thess., Exegesis). Wenn sich die bisherige Rekonstruktion seines Lebens als richtig erweist, könnte er zum intellektuellen Zirkel um Ioannes Grammatikos (# 3199), den ikonoklastischen Patriarchen Ioannes VII. (837–843), gehört haben oder dürfte zumindest mit diesem bekannt gewesen sein.

W: S. Tusculum-Lexikon 155f.

Q: — (Sonst.): Eustathius Thess., Exegesis, in: PG 136, 509B-C (= ed. A. Mai, Spicilegium Romanum V,2, Rom 1841 [Nachdruck Graz 1974], 166f.).

L : ODB I 425; DHGE 20 (1984) 611; Hunger, Literatur I 90f. u. ö. (s. Register II 491 s. v. Choiroboskos). — Maas, in: BZ 32 (1932) 1 Anm. 3 (= Paul Maas, Kleine Schriften, München 1973, 495 Anm. 3 [Nr. 132]); Speck, Universität 62 Anm. 32; 65. 72f. 89 Anm. 60; Bühler–Theodoridis, in: BZ 69 (1976) 397–401; Theodoridis, in: BZ 73 (1980) 341–345; N. G. Wilson, Scholars of Byzantium, London 1982, 69–75; Ronchey, in: 17th Int. Byz. Congress. Abstracts of Short Papers, Washington, D. C. 1986, 297; R. A. Kaster, Guardians of language: the grammarians and society in Late Antiquity, Berkeley 1988, 394–396; C. Mango, The Collapse of St. Sophia, Psellus and the Etymologicum Genuinum, in: Gonimos. Neoplatonic and Byzantine Studies Presented to L. G. Westerink at 75, Buffalo – New York 1988, 167–174; R. H. Robins, The Byzantine Grammarians. Their Place in History, Berlin – New York 1993 (Trends in Linguistics. Studies and Monographs 70), 112.; Ronchey, in: Novum Millenium. Studies on Byzantine history and culture dedicated to Paul Speck, ed. by Claudia Sode and Sarolta Takács, Aldershot et. al. 2001, 327–336.— Zum Grammatikos cf. Speck, Universität 62f.; zum Oikumenikos Didaskalos cf. Speck, Universität 65. 73. 92.

Quellen

  • Eustathius Thess., Exegesis
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