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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

N: In den lateinischen Quellen wird L. auch Leo, Leoncius oder Leontius genannt. Auf den Münzen erscheint er unter dem Namen Leon, cf. Grierson, Coins 86; dies könnte unter Umständen darauf hindeuten, daß er als Kaiser den Namen Leon angenommen hat.

T: Patrikios und Strategos von Anatolikon bis wahrscheinlich 692; im Jahre 695 wurde er zum Strategos von Hellas ernannt; als Basileus regierte L. von Ende 695 bis ca. Ende 698.

V: L. war isaurischer, möglicherweise auch armenischer Abstammung. Unter Kaiser Konstantin IV. amtierte er als Strategos des Themas Anatolikon. Wahrscheinlich trat er dieses Amt frühestens im Jahre 682 an, da bis dahin möglicherweise der Patrikios Leon (# 4246) Strategos des Themas war. Allerdings ist auch ein späterer Amtsantritt möglich. Von Kaiser Iustinianos II. wurde L. trotz des 688 mit den Arabern verlängerten Friedensvertrags nach Armenien geschickt, das er unterwerfen und der byzantinischen Oberhoheit unterstellen konnte, ebenso wie angeblich Iberien, Albanien, die Bukania und Medien (1). Möglich ist, daß Byzanz mit diesem Feldzug nicht gegen den Vertrag von 688 verstieß, da die genannten Gebiete in diesen Jahren nicht von dem Kalifen kontrolliert wurden, sondern im innerarabischen Bürgerkrieg auf der Gegenseite standen (2). Wohl im Jahre 692 wurde L. auf Befehl des Kaisers inhaftiert, da man ihn verdächtigte, nach dem Kaisertum zu streben. Denkbar wäre allerdings auch ein Zusammenhang mit der schweren Niederlage der byzantinischen Truppen in diesem Jahr gegen die Araber bei Sebastupolis. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß L. als Strategos des Anatolikon an dieser Schlacht beteiligt gewesen war und vielleicht sogar als Oberkommandierender fungiert hatte (so Head, Justinian II 92). Nach drei Jahren Haft wurde er im Jahre 695 freigelassen und zum Strategos von Hellas ernannt (3).

Die Chronik des Theophanes berichtet, daß L. in der Haft von dem Mönch Paulos (# 5778) und dem Mönch und früheren Kleisurarches Gregorios (# 2358) die Kaiserherrschaft vorausgesagt worden sein soll. Nach seiner Freilassung ermutigten sie ihn, gegen Iustinianos II. zu revoltieren. Die Verschwörer befreiten die Gefangenen aus dem Hippodrom und zogen zur Hagia Sophia, wo L. zum Kaiser ausgerufen wurde. Iustinianos wurde die Nase abgeschnitten – das gleichfalls von Theophanes berichtete Abschneiden der Zunge kann angesichts des späteren Lebenslaufs des Iustinianos nicht stimmen (4) –, L. ließ ihn aber aus alter Verehrung für Konstantinos IV. am Leben (5). Laut Theophanes und Nikephoros wurde L. “von der Menge” (Nikephoros: ὑπὸ τοῦ πλήθους) zum Kaiser ausgerufen, laut Georg. mon. von der Partei der Blauen (ὑπὸ τοῦ δήμου τῶν Βενέτων), laut dem Chronicon Brux. vom Senat. Dahinter könnten sich die üblichen Kaiserakklamationen durch Senat, Volk und Armee verbergen.

Regierungszeit: Als Kaiser scheint L. laut Ausweis der Münzen und einiger lateinischer Quellen (u. a. Liber Pont., Beda, Paulus Diac.) den Namen Leon angenommen zu haben. Über seine Regierungszeit gibt es kaum konkrete Informationen. Theophanes 369,33f. versichert zwar, daß es unter seiner Herrschaft überall Frieden gegeben habe (Τούτῳ τῷ ἔτει Λεόντιος ἐβασίλευσε καὶ πάντοθεν εἰρηνικῶς διέμεινεν.), jedoch kann dies angesichts des Fortgangs der arabischen Angriffe kaum zutreffen. Im Jahre 697 mußte L. eine Flotte unter dem Befehl des Patrikios Ioannes (# 2766) nach Karthago entsenden, das von den Arabern eingenommen worden war. Ioannes hatte anfängliche Erfolge, konnte sich aber nicht gegen neue arabische Kräfte halten und kehrte nach Byzanz zurück, um dort weitere Kräfte zu erbitten. Jedoch meuterte die Flotte auf Kreta und rief den Drungarios der Kibyrrhaioten, Apsimaros, unter dem Namen Tiberios (III.) zum Kaiser aus. Apsimar konnte sich durch Verrat Konstantinopels bemächtigen. L. wurde die Nase abgeschnitten, und er wurde im Dalmatos- bzw. Delmatoskloster (ἐν τῇ μονῇ τῆς Δελμάτου) gefangengesetzt (6).

Weitere Einzelheiten über die Regierungszeit des Leontios sind nicht bekannt, sieht man einmal davon ab, daß er laut Theophanes 370,25-27 den Neorionhafen in Konstantinopel reinigen ließ, was angeblich eine viermonatige Seuche in der Stadt hervorrief, der viele zum Opfer gefallen sein sollen.

Nach der Regierungszeit: L. scheint während der ganzen Regierungszeit seines Nachfolgers Tiberios III. Apsimar im Dalmatoskloster gefangengehalten worden zu sein. Als Iustinianos II. am 21. August 705 (Chronicon Altinate) seinerseits Apsimar stürzen konnte, ließ er beide, L. und Apsimar, in Ketten durch die Stadt führen, im Hippodrom zur Schau stellen und anschließend im Kynegion enthaupten (7). Die Enthauptung dürfte zwischen dem 21. August 705 und dem Februar 706 stattgefunden haben. Der Leichnam des L. soll zusammen mit dem des Apsimar zunächst ins Meer geworfen, anschließend jedoch geborgen und auf der Insel Prote in einer Kirche bestattet worden sein (Chronicon Altinate).

Anmerkungen: — (1) Theophanes 363,26-31; Zonaras XIV 22, p. 227,10f. — (2) Cf. hierzu unter ‘Abd al-Malik (# 18) und unter Iustinianos II. — (3) Theophanes 368,18-20; Nikephoros 37,24 – 38,3 (Mango 40,1-7); Kedrenos I 774,19-23 (drei Jahre Haft); Symeon log. (Leon gr. 165,1-3; Theod. mel. 113,21-23; Symeon sl. 72,27- 29); Georg. mon. (Muralt) 901A; Zonaras XIV 22, p. 232,7-9; Suda (zwei Jahre Haft). — (4) Denkbar wäre allenfalls eine teilweise Verstümmelung der Zunge, die grundsätzlich weiteres Sprechen erlaubt hätte. Allerdings wird ein Sprachfehler des Kaisers, der auf eine solche Verstümmelung unweigerlich gefolgt wäre, von keiner Quelle erwähnt. — (5) Theophanes 368,22 – 369,30; Nikephoros 38,3 – 39,5 (Mango 40,7-37); Georg. mon. 731,17f.; Symeon log. (Leon gr. 165,3-15; Theod. mel. 114,1-8; Symeon sl. 72,29-38); Georg. mon. (Muralt) 901B; Kedrenos I 774,23 – 776,4; Zonaras XIV 22, p. 232,10 – 233,10; Patria III 79, p. 244,5f. — (6) Theophanes 371,6-9; Nikephoros 40,13-16 (Mango 41,31-34); richtig Georg. mon. 732,2-8: τοῦ Δαλμάτου; Symeon log. (Leon gr. 166,16-20; Theod. mel. 114,28 – 115,2; Symeon sl. 73,16-19); Kedrenos I 777,3f.; Zonaras XIV 23, p. 235,1-4; Patria III 207, p. 280,8f. Das Chronicon Altinate datiert den Sturz auf den 15. Februar 698; zum Dalmatoskloster cf. Janin, Églises 82–84. — (7) Theophanes 375,6-13; Nikephoros 42,15-19 (Mango 42,53-58); Leon gr. 168,18 – 169,3; Georg. mon. (Muralt) 908A; Kedrenos I 780,21 – 781,3; Zonaras XIV 24, p. 237,8-15; Michael Psellos, Historia Syntomos 84, p. 74,40-43.

Q: — (Hist.): Agathon 899,1; Theophanes; Nikephoros; Nikephoros, Chron. synt. 99,23; 105,9; Georg. mon.; Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Georg. mon. (Muralt); Kedrenos; Zonaras; Kleinchroniken 14, 29, p. 135; Chronicon Brux. 30,11-14. 22; Petros v. Alexandreia 196,38. 40 (als Leon); Glykas 517,13 – 518,1. 13f.; Theod. Skut. 115,15 – 116,7; 117,22; Michael Psellos, Historia Syntomos 81, p. 70,74-76; 82, p. 72,91 – 74,22. — (Conc.): Synodicon vetus cap. 144,1-3, p. 120. — (Hag.): Vita Callinici patriarchae (BHG 288-289) cap. 4, p. 340,28f. — (Fs.): Konst. Porph., DAI 22,6-9; 22,29-34; Suda II 645,18-23; Patria. — (lat.): Liber Pont. I 88, p. 385,14f.; Beda p. 317,577; Continuatio Byz.-Arab., cap. 30, p. 347,14-16; Continuatio Hispana, cap. 56, p. 350,22f.; Paulus Diac., Hist. VI 12–13, p. 168,18-26; VI 31–32, p. 175,9f. 21; Chronicon Universale 17,38f.; Chronicon Vulturnense 62,5; Chronicon Altinate 108,15-23; Johannes Diaconus, Cronaca Veneziana 88,4-17. — (arm.): Łewond 17 (Chahnazarian); 55 (Arzoumanian); Kirakos 34. — (syr.): Pseudo-Dionysius 11 (Chabot); 61 (Palmer, Chronicles); 117 (Hespel: zu 706/07); Chronik v. 819: 9,9 (Chabot); 78 (Palmer, Chronicles); Chronik v. 846: p. 175f. (Chabot); 579–581 (Brooks); 81f. (Palmer, Chronicles); Michael syr. II. 473. 478; Bar Hebraeus 104f.; Chronik v. 1234: cap. 151, p. 231 (Palmer, Chronicles § 138f. 141, p. 297f.). — (arab.): al-Mas‘ūdi, Avertissement (Carra de Vaux 225); Eutych. Alex. 1118B (PG); 361 (Pirone); History of the Patriarchs 35. 57 (hier als Leo). — (Sg.): ZV 27 (695–698): Keine Inschrift sichtbar (Zuweisung an L. aufgrund des Portraits). — (Num.): Morrisson II 437–439; Catalogue, Byzantine Coins II/2, p. 610–623. 709 (Reg.); Taf. XL; Hahn, Moneta 179–184; Grierson, Coins, Abb. Nr. 299. 309. 398. 409. 493. 505. 544. 571f. 582. 611.

L : ODB II 1212. — Caetani, Chronographia IV: a. h. 69 Nr. 11; a. h. 76 Nr. 16; a. h. 79 Nr. 8; a. h. 80 Nr. 16; V: a. h. 86 Nr. 13; Stratos, Byzantium V 200 (Reg.); Head, Justinian II 176f. (Reg.); ead., in: Byz 41 (1971) 105–108; ead., Imperial Byzantine Portraits, New Rochelles, N. Y. 1982, 49f.; Grierson, Coins 403 (Reg.); Winkelmann I 92; Külzer, in: Byz 61 (1991) 413–447, bes. 439f.; Treadgold, History 331–341. — Zum Grab cf. Grierson, Tombs 51.

P: ZV p. 27 (zu ihrer Nr. 27) erwähnen ein Siegel, das von Mordtmann, in: BZ 15 (1906) 614, dem L. zugeschrieben worden war. Bei diesem Siegel, das in das 6. Jh. zu datieren sei, handele es sich in Wirklichkeit um einen Leontios, magister militum von Byzakene (?). — Die Chronik von 1234 gibt an, daß L. sich in Armenien aufgehalten habe, als er zum Kaiser ausgerufen worden sei: et in se regnare fecerunt Leontium patricium, qui erat in Armenia, virum senem et segniorem in administratione imperii ... Ob dies auf eine armenische Herkunft des L. deutet oder einfach auf den Umstand zurückgeht, daß L. kurz zuvor einen Feldzug nach Armenien durchgeführt hatte, bleibt unklar.

Geographische Orte

  • Isaurien
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  • Prote (Prinzeninsel)
  • Prinzeninseln

Quellen

  • ZV
  • Kleinchroniken
  • Suda
  • Chronicon Altinate
  • Chronicon Bruxellense
  • Beda
  • Petros v. Alexandreia
  • Chronicon Universale
  • Chronicon Vulturnense
  • Theophanes
  • al-Mas‘ūdi, Avertissement
  • Łewond - Ghevond
  • Continuatio Byz.-Arab.
  • Symeon log.
  • Leon gr.
  • Theod. mel
  • Zonaras
  • Symeon sl.
  • Kedrenos
  • Continuatio Hispana
  • Pseudo-Dionysius
  • Kirakos
  • Grierson, Coins
  • Liber Pont.
  • Agathon
  • Chronik v. 846
  • Theod. Skut.
  • History of the Patriarchs
  • Vita Callinici patriarchae
  • Chronik v. 819
  • Michael Psellos, Historia Syntomos
  • Georg. mon. cont. (Muralt)
  • Michael syr.
  • Georg. mon.
  • Nikephoros
  • Konst. Porph., DAI
  • Bar Hebraeus
  • Synodicon vetus
  • Chronik v. 1234
  • Glykas
  • Patria
  • Eutych. Alex.
  • Nikephoros, Chron. synt.
  • Johannes diaconus, Cronaca Veneziana
  • Paulus Diac.
  • Morrisson II
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