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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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T: Mönch, Metropolites von Nikomedeia.

V: Nach dem Zeugnis seiner Vita (1), wurde T. etwa um 765 in einem unbekannten Ort im Osten des Reiches geboren, war von unbedeutender Herkunft, kam ca. 780 nach Konstantinopel und trat dann in kaiserliche Dienste unter dem Protasekretis Tarasios (# 7235) (2). Nachdem Tarasios im Jahre 784 zum Patriarchen von Konstantinopel erhoben worden war, trat T. zusammen mit Michael (# 5042) (3) in das von Tarasios gegründete Märtyrerkloster bei Hagios Mamas am Bosporos ein und wurde dort Mönch (also ca. 785). Noch unter Tarasios wurde er zum Metropoliten von Nikomedeia ernannt (4) und damit Amtsnachfolger eines Bischofs (# 11330), dessen Name nicht überliefert ist. Von seinem Wirken als Metropolit überliefert seine Vita vor allem seine wohltätigen Werke: So habe er Kirchen gegründet und andere wohltätige Einrichtungen geschaffen.

Einer Nachricht der Vita Euthymii Sard. (BHG 2145) zufolge, die sich in seiner eigenen Vita nicht findet, wurde T. im Jahre 803 von Kaiser Nikephoros I. zusammen mit Euthymios von Sardeis (# 1838) und Eudoxios von Amorion (# 1643) nach Pantallarea verbannt (5). Dies würde bedeuten, daß er im Jahre 803 von Kaiser Nikephoros abgesetzt und kaum vor dessen Tod im Jahre 811 wieder eingesetzt wurde (6).

Als gegen Ende des Jahres 814 Kaiser Leon V. etliche hochrangige Kleriker zu sich in den Palast lud, um mit ihnen und seinen eigenen theologischen Beratern, vornehmlich Antonios von Sylaion (# 550) und Ioannes Grammatikos (# 3199), einen Disput über die Ikonenverehrung zu führen, war auch T. als Metropolit von Nikomedeia zugegen. Das bedeutet, daß er vor diesem Zeitpunkt wieder in sein Amt eingesetzt worden war, vermutlich bereits unter Kaiser Michael I. (811–813). Der Darstellung seiner Vita zufolge tat er sich bei diesem Disput als Anhänger der Ikonenverehrung hervor und wurde daraufhin (jedoch tatsächlich wohl erst 815) nach Strobilos (im Thema Kibyrrhaioton) verbannt (7). Zum Jahre 817/18 ist T. als Adressat zweier Briefe des Theodoros Studites (# 7574) belegt und wird auch in einer Katechese desselben genannt.

An seinem Verbannungsort soll er gute Werke getan, Menschen im rechten Glauben unterwiesen und fast dreißig Jahre verbracht haben, ehe er an einem 8. März verstarb. Der Zeitraum von fast dreißig Jahren führt in das Jahr 845, was chronologisch jedoch nicht zu halten ist (8) und wohl entweder als ein gerundeter Zeitraum betrachtet werden muß oder sich auf den Zeitraum zwischen Verbannung und Translatio seiner Reliquien bezieht. Wohl ausgehend von der ersten Möglichkeit, sind die Rekonstruktion der Chronologie des Lebens des T. und der darin von A. Vogt vermutete Todeszeitpunkt (“vers 840”) im allgemeinen akzeptiert worden (9). Jedoch ist der in der DO Hagiography Database erhobene Einwand sehr schwerwiegend, daß die in der Vita fehlenden Erwähnungen der Kaiser Michael II. und Theophilos hinsichtlich dieses Todeszeitpunkts Bedenken hervorrufen (10). Der einzig sichere terminus post quem für seinen Tod ist 817/18, das Datum der Briefe des Theodoros Studites. Er starb jedenfalls in der Verbannung in Strobilos, wo er zunächst wohl auch begraben wurde. Der Zeitpunkt seines Todes liegt zwischen 817/18 und 842. Unter Kaiserin Theodora und Patriarch Methodios I. (# 4977), also zwischen 843 und 847, möglicherweise am 8. März 845, wurde sein Leichnam dann von Strobilos nach Nikomedeia in die von ihm erbaute Kirche (11) überführt (12).

Anmerkungen: — (1) Von den zwei erhaltenen Viten des T. ist die eine (BHG 2451) von einem späteren Namensvetter, Theophylaktos, verfaßt worden. Der Herausgeber dieser Vita, A. Vogt, vermutete als Anlaß der Abfassung die Translation der Reliquien des T. nach Nikomedeia; nach A. Kazhdan (s. DO Hagiography Database, Introduction) ist diese Vita eher zu einem Zeitpunkt nach dem 10. Jh. entstanden. Die älteste Hs. des Textes (Cod. Athon. Lavra Δ 84) stammt aus dem 13. Jh. Die andere, anonyme Vita (BHG 2452; aus dem Cod. Patm. gr. 736 [saec. XIV]) stellt nach Ansicht der Autoren der DO Hagiography Database eine Überarbeitung von BHG 2451 dar, während sie dem Herausgeber Halkin zufolge aus einem vormetaphrastischen Menologion stammen und schon im 9. Jh. verfaßt worden sein könnte. — (2) Es handelt sich um den späteren Patriarchen. Der Dienst am Kaiserhof muß also zwischen 780 und 784 datiert werden. — (3) Es handelt sich um den späteren Metropoliten von Synada. — (4) Folglich vor dem Tod des Tarasios im Jahre 806, wohl aber vor 803, s. dazu noch unten. — (5) Im Anschluß an die Revolte des Bardanes Turkos (# 766). – Man beachte im Vergleich auch den recht kurzen Geschichtsabriß in cap. 10 seiner eigenen Vita (BHG 2451), wo der Konflikt mit dem Kaiser möglicherweise bewußt übergangen wird. — (6) Er wird jedoch zu diesem Zeitpunkt (803) bereits als Metropolit von Nikomedeia erwähnt: ... σὺν τῷ Νικομηδέων προέδρῳ ... Es ist also nicht nötig anzunehmen, daß seine Erhebung zum Metropoliten erst nach 811 stattfand, cf. Fatouros 264* Anm. 421. Vielmehr darf man seine Erhebung durch Tarasios, wohl eben vor 803, für relativ gesichert halten. — (7) Zu Strobilos cf. ODB III 1967f. s. v.: eine Festung und Hafenstadt in Karien. – Die Verbannung dürfte realiter erst nach der Verbannung des Patriarchen Nikephoros I. im März 815, cf. dazu Pratsch, in: Patriarchen (BBS 5) 141f., erfolgt sein. — (8) Er starb als Bekenner, wie seine Vita (BHG 2451) mitteilt: ... καὶ τῇ ὁμολογίᾳ τὸ μαρτύριον ὡς οἷόν τε συνειδήσει τελέσας, folglich vor der Wiedereinführung der Bilderverehrung im Jahre 843. — (9) Cf. Vogt, in: AnBoll 50 (1932) 67–71, hier 69; übernommen beispielsweise von Fatouros 264* Anm. 421. — (10) DO Hagiography Database Nr. 16 (zu BHG 2451); Nr. 55 (zu BHG 2452). — (11) κατατίθεται ἐν τῷ ὑπ᾿ αὐτοῦ κτισθέντι ναῷ Νικομηδείας. Gemeint ist die von ihm gegründete Kirche der Anargyroi (hll. Kosmas und Damian) in Nikomedeia, cf. dazu Janin, Centres 97. — (12) Wie dies in ähnlicher Weise auch mit den Reliquien anderer herausragender, in der Verbannung verstorbener Anhänger der Ikonenverehrung geschah, cf. unter Theodoros Studites (# 7574), Ioseph von Thessalonike (# 3448), Nikephoros I. (# 5301) u. a. – Wenn wir den in seiner Vita angegebenen Zeitraum von “fast dreißig Jahren Verbannung” (καὶ φασὶν αὐτὸν τριάκοντα σχεδὸν ἔτη τῇ ὑπερορίᾳ διηνυκέναι) wörtlich nehmen und als Angabe des Zeitraums vom Beginn seiner Verbannung bis zur Rückführung seiner Gebeine aus der Verbannung verstehen, dann ergibt sich der 8. März 845 als Tag seiner Translatio nach Nikomedeia.

Q: — (Ep.): Theod. Stud., Epp. 175. 314 (Fatouros); II 4. 26 (PG 99). — (Conc.): Horos der Synode von 843, Z. 112, p. 297. — (Hag.): Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2451); Vita Theophyl. Nicomed. (BHG 2452); Synax. Cpl. 519,2 – 522,2 (8. März); 519/520,39 – 521/522,33 (8. März) (BHG 2452c); Typicon Mateos I 244,14f. (8. März); Calendrier palestino-géorgien 54 (7. März); Typicon Messinense 125,23f. (8. März); Typika Dmitrievskij I 424; III 41 (8. März); Vita Euthymii Sard. (BHG 2145) Z. 70f., p. 25–27; Vita Nicet. Medic. (BHG 1341) § 34, p. XXV. — (Hom.): Theod. Stud., Catech. parv. 51 (p. 184 Auvray). — (Fs.): Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392) p. 53,123 (s. auch app. crit. zu Z. 132). — (georg.): Synodikon georg. 310 (im griechischen Text steht Θεοφίλου; s. # 8209).

L : LThK X (1965) 92; IX (2000) 1476; BHG 2451. 2452. 2452b. 2452c; Beck, Kirche 563; Le Quien I 592f.; Fedalto 95; LCI 8 (1976) 463. — Loparev, in: VV 4 (1897) 354f.; Dobroklonskij II 281f. 367f.; Gedeon, Ἑορτολόγιον 81; Vogt, in: AnBoll 50 (1932) 67–71; Janin, in: Bibl. Sanct. 12 (1969) 329f.; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 440a; Fatouros 264* Anm. 421; DO Hagiography Database Nr. 16 (zu BHG 2451); Nr. 55 (zu BHG 2452); Pratsch, Theodoros 80. 217. 222f. — Zu einer georgischen Vita des T. cf. Garitte, in: Calendrier palestino-géorgien 173; zu Kirche, Kloster und Hospital der hll. Kosmas und Damian in Nikomedeia cf. Janin, Centres 97; zum ἰατρεῖον des T. in Nikomedeia cf. T. Miller, The Birth of the Hospital in the Byzantine Empire, Baltimore 1985, 43. 64.

Geographische Orte

  • Nikomedeia (Bithynien)
  • Märtyrerkloster (bei Hagios Mamas am Bosporos)
  • Hagios-Mamas-Kloster (am Bosporos bei Kpl.)
  • Bosporos (Kpl.)
  • Pantallarea (s. Pantellaria)
  • Strobilos (Karien)
  • Karien
  • Kibyrrhaioton (byz. Thema)
  • Kosmas-und-Damian-Kirche (Nikomedeia)
  • Anargyroihospital, -kirche, -kloster (s. Kosmas-und-Damian-Hospital, -Kirche, -Kloster)
  • Pantellaria bzw. Patellaria (Insel bei Sizilien)
  • Mamaskloster (Kpl.)

Quellen

  • Synodikon georg.
  • Vita Nicet. Medic. (BHG 1341)
  • Calendrier palestino-géorgien
  • Typicon Messinense
  • Horos der Synode von 843
  • Vita Euthymii Sard. (BHG 2145)
  • Theod. Stud., Ep.
  • Vita Theophyl. Nicomed.
  • Synax. Cpl.
  • Typicon Mateos
  • Typika Dmitrievskij
  • Synodikon der Orthodoxie (BHG 1392)
  • Theod. Stud., Catech. parv.
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