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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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Achtung: Dieses Lemma enthält gegenüber der gedruckten Fassung Veränderungen und Zusätze ohne Auswirkung auf die Angaben zur Person.

T: Mitkaiser bzw. Basileus, Augustus (Liber Pont.).

V: T. war der jüngste Sohn Kaiser Konstans' II. und wahrscheinlich der Phausta (# 6119). Brüder waren Konstantin IV. und Herakleios (# 2556). Zusammen mit letzterem wurde er im Jahre 659 von Konstans II. vor dessen Aufbruch nach Westen zur Mitkaiserwürde erhoben. Als Konstans II. ihn 663 zusammen mit seinen Brüdern und ihrer Mutter nach Sizilien nachkommen lassen wollte, wo er Syrakus als neue Hauptstadt anstelle von Konstantinopel etablieren wollte, wurde dies von den Einwohnern Konstantinopels unter Anführung des Kubikularios Andreas (# 353) und des Theodoros von Koloneia (# 7312) verhindert (1).

Nach der Thronbesteigung Konstantins IV. im Jahre 668 blieben Herakleios und T. als Mitkaiser in Amt und Würde, bis sie 681/82 abgesetzt und ihnen die Nasen abgeschnitten wurden (2).

In Patria IIa, cap. 6, p. 212,10, wird T. zusammen mit Konstantinos IV. und Herakleios als Vorsitzender des 6. Ökumenischen Konzils 680/81 in Konstantinopel genannt. Das ist insofern korrekt, als das Konzil im Namen der drei Kaiser eröffnet worden ist, wie zu Beginn der Sitzungen 1–18 eigens angemerkt wurde (... Ἡρακλείου δὲ καὶ Τιβερίου τῶν θεοφυλάκτων αὐτοῦ [scil. Konstantins IV.] ἀδελφῶν ἔτους τρισκαιδεκάτου ... ACO II/2/1, p. 14,12f. usw.). Im Gegensatz zu ihrem Bruder Konstantinos IV. waren Herakleios und T. anscheinend nicht auf dem Konzil anwesend. Auch tauchen ihre Namen nicht im Logos prosphonetikos, den verschiedenen Akklamationen oder im Edikt des Kaisers (Dölger, Regesten Nr. 242) auf.

Anmerkungen: — (1) Theophanes 348,4-8; 351,25-28; Georg. mon. 717,20-23; Georg. mon. (Muralt) 864B; Kedrenos I 762,15f.; 763,1f.; Zonaras XIV 19, p. 221,5-9; Theod. Skut. 111,13. — (2) Theophanes 352,14-23, mit falscher Datierung auf 669; richtiger dann 360,18-20 mit Datierung auf 680/81; letztere Datierung auch bei Georg. mon. 728,6-14; Kedrenos I 764,8-14; 770,20f. folgt beide Male Theophanes; Theod. Skut. 113,21f.; Symeon log. (Leon gr. 159,15-17; Theod. mel. 110,3-5; Symeon sl. 70,20f.) und Georg. mon. (Muralt) 884C geben keine genaue Datierung. Aus dem Wortlaut geht jedoch hervor, daß sie sich der ersten (falschen) Datierung des Theophanes anschließen und die zweite Erwähnung übergehen. Dasselbe gilt für Zonaras XIV 20, p. 222,12 – 223,2.

Q: — (Hist.): Theophanes; Georg. mon.; Georg. mon. (Muralt); Symeon log. (Leon gr.; Theod. mel.; Symeon sl.); Kedrenos; Petros v. Alexandreia 196,33; Zonaras; Theod. Skut.; Michael Psellos, Historia Syntomos 80, p. 68,43 – 70,45. — (Conc.): ACO II/2/1-2, p. 14,12; 26,13; 34,25; 46,17; 52,17; 122,12; 160,15; 170,8; 180,12; 190,9; 262,9; 278,9; 400,9; 514,8; 568,21; 628,9; 664,18; 682,17; 705,21; 752,9. — (Fs.): Patria. — (lat.): Liber Pont. I 86, p. 350,4: Ep. an Papst Donus (Dölger, Regesten Nr. 242); Beda, p. 314,558; Agnellus, Liber Pont. 115, p. 353,40; 354,13f.; Gesta episc. Neapol. 32, p. 419,20; Chronicon Universale 15,37f. — (syr.): Michael syr. II 446. 451f. 454–456; Bar Hebraeus 99. 101f.; Chronik v. 1234: cap. 140, p. 224; cap. 142, p. 225 (Palmer, Chronicles § 113, p. 282; § 117, p. 287; § 122f., p. 288f.). — (arab.): Agapius 494. —(Sg.): Lichačev, Nekotorye 516f., Abb. 42–45; Ebersolt, Musées 136 (ohne griechischen Text); Grabar, Iconoclasme, Abb. 56, alle ähnlich ZV 20 a-c (mit Konstans II., Konstantin IV. und Herakleios; Datierung 659–668: Keine Inschrift. — (Num.): Catalogue, Byzantine Coins II/2, p. 706 (Reg. s. v. Heraclius and Tiberius); Hahn, Moneta 123–148 (passim); Grierson, Coins 409 (Reg.).

L : Caetani, Chronographia II: a. h. 39 Nr. 21; a. h. 61 Nr. 11; Brooks, The brothers of the emperor Constantine IV, in: EHR 30 (1925) 42–51; Stratos, Byzantium III 4. 253; IV 195 (Reg.); Head, Justinian II 20. 22–24; Haldon, Byzantium 59. 68f.; Prolegomena 227–230; Treadgold, History 328. — Zur Münzprägung cf. Grierson, Coins 409 (Reg.).

P: Die dezidierte Aussage des Theophanes, Herakleios und T. seien ungekrönt gewesen (352,16: ἐταράχθη δὲ Κωνσταντῖνος, διότι αὐτὸς μόνος ἦν ἐστεμέννος, οἱ δὲ ἀδελφοὶ αὐτοῦ οὐδεμίαν ἀξίαν εἶχον), ist erwiesenermaßen unrichtig, cf. die ausführliche Diskussion bei Stratos. Agapius 494 spricht gleichfalls davon, daß die Brüder abgesetzt wurden, also vorher gekrönt gewesen sein müssen. Am ausführlichsten sind – neben Agapius – die syrischen Quellen, die folgendes berichten: Zu Beginn seiner Regierungszeit habe Konstantin alle zur Einigkeit und zum Gehorsam ihm und seinen Brüdern gegenüber ermahnt (s. z. B. die Chronik von 1234, cap. 140, p. 224 [Palmer, Chronicles § 117, p. 287]: ... regnavit in Romanos Constantinus, cum duobus fratribus suis, Tiberio et Heraclio. Et convocatis omnibus senatoribus, iussit et monuit eos ut servarent debitam submissionem sibi et suis fratribus, et ne quis divisionem inter eos audeat suscitare, dum conatur uni magis quam aliis gratum agere, aut familiaris esse). Später habe er seine Brüder zugunsten seines Sohnes aus der Herrschaft vertrieben, wogegen nur der Patrikios Leon (# 4246) protestiert habe, dem dafür die Zunge abgeschnitten worden sei. Dieser Leon habe noch kurz vor seiner Verstümmelung erklärt, er glaube an die Trinität im Himmel und ebenso an diejenige auf der Erde (meint: die Herrschaft der drei Brüder). Danach habe Konstantin seine Brüder aufgefordert, freiwillig auf ihre Titel zu verzichten und ihn als ihren Kaiser anzuerkennen, was sie, im Vertrauen auf die Unterstützung des Senats, abgelehnt hätten. Konstantin habe sich aber als der stärkere erwiesen und sie des Kaisertums beraubt.

Diese Erzählung ist von Theophanes zweifelsfrei in zwei Teile geteilt worden: 1. eine Revolte des Themas Anatolikon im Jahre 669 ohne Erwähnung Leons, aber mit der Mitteilung, daß die Verschwörer sich auf die himmlische Trinität berufen hätten, und 2. eine kurze Nachricht von der Absetzung der Brüder zum Jahre 680/81. Ob dies tatsächlich, wie Brooks (in: EHR 30 [1915] 42–44) annahm, auf eine mißglückte Vermengung einer syrischen und einer westlichen Vorlage zurückzuführen ist, oder ob nicht (eher) die Absicht mitspielt, den Kaiser, der die Orthodoxie wiederhergestellt hatte, von dem Vorwurf gesetzwidrigen Handelns zu entlasten, sei dahingestellt (cf. hierzu auch Proudfoot, in: Byz 44 [1974] 413f.). Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, daß Michael syr. II 451f. behauptet, die Kaiserbrüder seien von der Teilnahme an dem Konzil ausgeschlossen worden, da sie, dem Vorbild ihres Vaters Konstans II. folgend, weiter für den Monotheletismus eingetreten seien. Das findet zumindest insofern eine gewisse Stütze in den Konzilsakten, als diese, wie oben gezeigt worden ist, eine Teilnahme des Herakleios und des T. nicht bestätigen, abgesehen allenfalls von der Eröffnung des Konzils, die im Namen aller drei Kaiser stattfand. Ob dies tatsächlich auf eine monotheletische Einstellung der beiden Brüder hindeutet, die freilich ihre anschließende Absetzung erklären könnte, läßt sich nicht mehr entscheiden. In den Konzilsakten werden sie im übrigen nicht als Mitkaiser, sondern als die gottbeschützten Brüder des Kaisers geführt. Auffällig ist in jedem Fall die positive Einstellung Michaels gegenüber den beiden Kaiserbrüdern, die möglicherweise darauf zurückgeht, daß er dem Kaiser, den er ja für die Wiederherstellung der “Zweinaturenlehre” verantwortlich macht, ablehnend gegenübersteht; zu der Absetzung cf. auch Prolegomena, cap. 8. 4, p. 227–230. — Laut ZV ist ihr Siegel eines Stratelates und genikos Kommerkiarios von Isauria (Konstantin IV., 10. Ind.), ZV 158 = Oikonomides, Dated Seals 21: Κοσμᾶ στρατηλάτου καὶ γενικοῦ κομμερκιαρίου ἀποθήκης Ἰσαυρίας (# 4066), historisch interessant, da es beweise, daß im September 681 Herakleios und Tiberios noch als Mitkaiser Konstantins IV. fungiert hätten. Die Brüder wurden demnach Ende desselben Jahres abgesetzt.

Geographische Orte

  • Sizilien
  • Syrakus (Sizilien)

Quellen

  • ZV
  • Beda
  • Petros v. Alexandreia
  • Chronicon Universale
  • Agnellus, Liber Pont. ecclesiae Ravennatis
  • Lichačev, Nekotorye
  • Catalogue, Byzantine Coins
  • Hahn, Moneta
  • Grierson, Coins
  • Theophanes
  • ACO II/2/1-2 (680/81)
  • Grabar, Iconoclasme
  • Symeon log.
  • Leon gr.
  • Theod. mel
  • Zonaras
  • Symeon sl.
  • Kedrenos
  • Michael Psellos, Historia Syntomos
  • Liber Pont.
  • Theod. Skut.
  • Georg. mon. (Muralt)
  • Michael syr.
  • Georg. mon.
  • Ebersolt, Musées
  • Bar Hebraeus
  • Chronik v. 1234
  • Patria
  • Gesta episc. Neapol.
  • Agapius
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