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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Familienname: Bagratuni.

T: aspet (zu dem Titel und seiner Verwendung für V. s. Howard-Johnston, in: Sebeos [Thomson] II 316). Kuropalates — kurapałat. “Fürst des Landes [Armenien]” — išxan ašxarhi.

V: Hoher armenischer Adliger aus der Familie der Bagratuni, Sohn des Smbat “Xosrov Šum” (PLRE III 1209–1211 [s. v. Symbatius 1]; cf. Sebeos 143. 162 [Thomson]) und seinerseits Vater eines Sohnes namens Smbat (# 6827; PLRE III 1211 [s. v. Symbatius 2]).

Nachdem er 628 von den Persern als marzpan (Gouverneur) über Persarmenien eingesetzt worden war, dann aber in Konflikt zu den persischen Gouverneuren von Aserbaidschan geriet, floh er an den byzantinischen Hof zu Kaiser Herakleios, von dem er später wegen der Teilnahme an einer Verschwörung nach Afrika verbannt wurde. Für eine ausführliche Darstellung seines Lebenslaufes vor 641 und der dazugehörigen Quellen s. PLRE III 1363f.

Im Jahre 641 befand sich V. noch in der Verbannung in Afrika. Nachdem 644 oder 645 in Konstantinopel der Usurpationsversuch des Ualentinos (# 8545) gescheitert und Ualentinos durch den Armenier Theodoros (# 7296) als Oberbefehlshaber der Streitkräfte im Osten ersetzt worden war, ließ Konstans II. den V. und seine Familie auf Bitten eben dieses Theodoros aus der Verbannung zurückrufen (1). Konstans II. empfing V. in Konstantinopel freundlich und ernannte V.s Sohn Smbat zum Protospatharios und Kandidatos.

Im Jahre 645/46 rehabilitierte Konstans II. den V. und setzte ihn wieder in den Rang ein, den er vor seiner Verbannung innegehabt hatte (2). V. soll sich in Konstantinopel auch zu der Zeit aufgehalten haben, als Theodoros Rštuni (# 7293) in die Hauptstadt gebracht wurde und sich vor dem Kaiser zu verantworten hatte. Er soll mit ihm zusammengetroffen sein.

Kurz darauf entfernte sich V. mittels einer List aus Konstantinopel und verschanzte sich in Tayk‘, wo er starken Zulauf erhielt. Der General Theodoros (# 7296), die armenischen Fürsten und der Katholikos Nerses (# 5247) vermittelten zwischen V. und Konstans II. und baten Konstans II., V. zum “Fürsten des Landes” zu machen. Konstans II. gab nach, ernannte V. zum Fürsten von Armenien und verlieh ihm den Titel Kuropalates. Er ließ V.s Familie nach Armenien nachreisen und sandte V. Geschenke. Noch bevor der kaiserliche Brief mit der Ernennung V.s zum Kuropalates in Armenien eintraf, starb V. und wurde in der Festung Dariwnk‘ bestattet (3). Als aspet und Oberhaupt des Hauses der Bagratiden (tanutēr, zum Begriff s. Howard-Johnston, in: Sebeos [Thomson] II 330) folgte ihm sein Sohn Smbat (# 6827) nach.

Anmerkungen:(1) Einen terminus post quem für die Datierung des Rückrufes bildet die Ualentinos-Revolte, die von Sebeos auf 642/43 datiert worden ist, was aber wohl nicht zutrifft. Wahrscheinlicher ist ein Zeitpunkt im Jahre 644 oder 645 (s. unter Ualentinos). Der Rückruf des V. nach Konstantinopel dürfte demnach Ende 644/45 oder etwas später erfolgt sein; cf. PLRE III 1364; Howard-Johnston, in: Sebeos (Thomson) II 254: “645/46”; dagegen Stratos, Byzantium III 14: “642–643”. — (2) Laut Sebeos im fünften Jahr des Konstans II., d. h. 645/46. Diese Wiedereinsetzung V.s in seine früheren Würden dürfte nicht lange nach seiner Rückkehr aus Afrika erfolgt sein. Auch dies ist ein Argument dafür, daß der Rückruf aus dem Exil nicht auf 642/43 zu datieren ist, sondern auf 644/45 oder 645/46. — (3) Laut Stratos, in: Byzantina 5 (1973) 54f., wurde V. von Konstans II. zum Fürsten über die ehemals zu Persarmenien gehörenden Gebiete ernannt. Vermutlich kollidierte V.s Position mit der des Theodoros Rštuni (# 7293), des “Fürsten Armeniens” (išxan hayoc‘ ), doch hielt sich Theodoros Rštuni in dem Zeitraum zwischen Flucht und Tod des V. vermutlich noch in Konstantinopel auf, und V. könnte sich diese Abwesenheit Rštunis von Armenien zunutze gemacht haben.

Q: — (arm.): Sebeos, cap. 32, p. 106–108 (Macler); cap. 42, p. 110f. (Gugerotti); 143f. (Thomson); cap. 45, p. 125 (Gugerotti); 162 (Thomson); Yovhannēs Drasx., cap. 19,24-26; p. 102f. (Maksoudian); Vardan, ed. Thomson, in: DOP 43 (1989) cap. 36 [68].

L : PLRE III 1363f. (s. v. Varaztiroch). — Stratos, in: Byzantina 5 (1973) 54f.; idem, Byzantium III 14f. 20f. 26; Laurent, Arménie 123. 156 Anm. 24f.; 241. 262 Anm. 93; bes. 401; Maksoudian, in: Yovhannēs Drasx. 254; Ditten, Ethnische Verschiebungen 74. 133f.; K. Yuzbashian, Les titres byzantins en Arménie, in: L'Arménie et Byzance. Histoire et Culture, Paris 1996 (Byzantina Sorbonensia 12), 214–221, bes. 218; Howard-Johnston, in: Sebeos (Thomson) II 254. 256f. 316.

Geographische Orte

  • Armenien
  • Persarmenien
  • Aserbaidschan
  • Afrika
  • Tayk‘ (Armenien)
  • Dariwnk‘ (Festung in Armenien)

Quellen

  • Sebeos
  • Yovhannēs Drasx
  • Vardan
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