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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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T: Nonne.

V: Sie lebte in der zweiten Hälfte des 9. Jh.s. Ihr Vater war der Patrikios Adralestos (# 87), ihre Mutter (s. dazu unter P und unter # 20343A) soll mit Kaiser Romanos I. Lakapenos verwandt gewesen sein. Sie selbst war mit Eudokimos Maleïnos (# 21764) verheiratet, mit dem sie die beiden Söhne Michael (# 25124) und Konstantinos (# 23861) sowie eine Tochter (# 21764B) hatte.

Die Familie lebte in Charsianon, scheint sich aber auch öfter in Konstantinopel aufgehalten zu haben. A. blieb lange kinderlos und begab sich schließlich zusammen mit ihrem Mann zu der Muttergotteskirche in Kukas (Κουκᾶς). Als sie sich dort aufhielt, hatte der dortige Priester, Methodios (# 25075), im Traum eine Vision der Gottesmutter, in der diese verkündete, daß A. Kinder bekommen werde, und in der sie vier Maphoria und drei Sudaria hielt, die Methodios an A. geben solle. Weiter verkündete sie, daß sie eines davon wieder nehmen wolle (ἡ πανάμωμος καὶ κατ᾿ ὄναρ ἐπιφανεῖσα Μεθοδίῳ τῷ ἱερεῖ, ἀριδήλως τὸν μέλλοντα τίκτεσθαι παρεδήλωσε, κατέχουσα δῆθεν ἐν τῇ χειρὶ μαφόρια μὲν τέσσαρα, σουδάρια δὲ τρία, καὶ τῇ κατωδύνω προστάττουσα δοθῆναι Ἁναστασῷ, προσδιορισαμένη ὡς ἐκ τῶν τριῶν τούτων σουδαρίων ἓν πάλιν ἀναλαβεῖσθαι βούλοιτο). Nachdem Methodios diese Vision der A. mitgeteilt hatte, bekam diese folgerichtig viele Kinder.

Als Michael im Jahre 912 oder 913 beschloß, Mönch zu werden, versuchten die Eltern, ihn davon abzubringen, und brachten ihn sogar mit Gewalt aus dem Kloster nach Hause, fanden sich aber schließlich mit seinem Entschluß ab. Als Michael ca. 914/15 zum Mönch geweiht wurde, befand A. sich in Ankyra, wo ihr Mann sie über den Vorgang unterrichtete. Nachdem ihr Mann (zwischen 914 und 917) gestorben war, ohne ein Testament zu hinterlassen, teilte sie ihren Besitz unter ihren Kindern auf und trat selbst in ein Kloster ein.

Q: — (Hag.): Vita Mich. Maleïni (BHG 1295) cap. 3, p. 8,30 – 9,14; cap. 4, p. 9,23 – 10,3; cap. 9, p. 13,28 – 14,15; cap. 10, p. 15,12-18; cap. 11, p. 15,22-29.

L: Petit, Michel Maléinos 60 (Stammbaum); Kazhdan, in: Byz 56 (1986) 163 (zu A. als Intestaterbin ihres Mannes).

P: Es wird manchmal angenommen, daß A. selbst mit Kaiser Romanos I. verwandt gewesen sei. Die Quellennachricht, daß die “mamme” — μάμμη des Michael Maleïnos mit Romanos I. verwandt gewesen sei, läßt sich unterschiedlich interpretieren, da μάμμη sowohl “Mutter” als auch “Großmutter” bedeuten kann. Im ersten Fall wäre A. gemeint, im zweiten Fall entweder die Mutter A.s oder ihre Schwiegermutter. Hier ist u. E. die Übersetzung “Großmutter” naheliegender, da A. in der Quelle erst später eingeführt wird. — Die Vision in der Gottesmutterkirche in Kukas ist wohl so zu deuten, daß die vier Maphoria für vier Töchter und die drei Sudaria für drei Söhne stehen, von denen einer (der hl. Michael Maleïnos) Mönch werden würde. Demnach hätte A. sieben Kinder gehabt, von denen in der Vita allerdings nur drei für sich allein Erwähnung finden, dies wohl wegen der Prominenz, die sie aufgrund ihrer späteren Karrrieren genossen.

Angehörige (anonym):

1. Mutter 20343A

V: Die Großmutter (μάμμη) des Michael Maleïnos soll, der Vita Michaels zufolge, mit Kaiser Romanos I. verwandt gewesen sein. Von den beiden in Frage kommenden Großmüttern macht die Reihenfolge im Text die Großmutter mütterlicherseits, also die Mutter der A. und Ehefrau des Adralestos (# 87), wahrscheinlicher, weil Adralestos unmittelbar zuvor behandelt wird. Der Autor erwähnt zuerst die beiden Großväter des Michael Maleïnos, kommt dann auf die μάμμη zu sprechen, um schließlich auf die leiblichen Eltern überzugehen: ... τὸν πρὸς πατρὸς μὲν αὐτῷ πάππον, Εὐστάθιον ἐκεῖνον, ..., πρὸς δὲ μητρὸς αὖθις Ἀδράλεστον ... ἢ τίς ἠγνόησε τὴν ἐκ βασιλικοῦ αἵματος γεγενημένην μάμμην αὐτῷ; τῷ μεγίστῳ γὰρ βασιλεῖ Ῥωμανῷ διέφερε πρὸς συγγένειαν ... τίς δὲ καὶ τοὺς κατὰ σάρκα γεννήτορας οὐ δι᾿ ἐπαίνου καὶ θαύματος ἐποιήσατο, Εὐδόκιμον λέγω τὸν πάνυ καὶ Ἀναστασὼ τὴν πᾶσι κεκοσμημέην ...

Die Familie des Kaisers Romanos I. Lakapenos stammte aus dem Armeniakon, während die Maleïnoi in Charsianon bzw. Kappadokien ansässig waren. Wenn die Verwandtschaft tatsächlich über die Mutter der A. ging, wie es von der Vita nahegelegt wird, muß diese Verbindung schon vor dem Aufstieg der Lakapenoi in den 70er Jahren des 9. Jh.s existiert haben. Es wäre dann ein Hinweis darauf, daß die Lakapenoi keineswegs, wie von den chronikalen Quellen behauptet, aus obskuren Verhältnissen aufgestiegen sind, sondern daß die Familie schon vorher zumindest zu den lokalen Eliten im östlichen Kleinasien gehört haben muß.

Q: — (Hag.): Vita Mich. Maleïni (BHG 1295) cap. 3, p. 8,32 – 9,1.

2. Tochter 20343B

V: Die Tochter A.s heiratete den späteren Kaisar Bardas Phokas (# 20769). Laut der Vita soll sie sich durch außerordentliche Tugend und Schönheit ausgezeichnet haben: ... κατ᾿ ἀρετὴν ἡ ἀδελφὴ [sc. des Michael und des Konstantinos Maleïnos] ἐσπούδασε, πᾶν εἴ τι κάλλιστον ἐν ἀνθρώποις ἐστὶ καὶ κτησαμένη ῥαδίως καὶ μέχρι τέλους διαφυλάξασα. ταύτῃ συναφθεὶς Βάρδας ὁ εὐτυχέστατος καῖσαρ ... Sie war die Mutter des späteren Kaisers Nikephoros II. Phokas, von dessen Bruder, dem Kuropalates Leon Phokas (# 24423), sowie von Konstantinos Phokas (# 23841) und von zwei Töchtern, von denen eine wohl die Mutter (# 20343C) des Kaisers Ioannes I. Tzimiskes und die andere die Frau (# 27993A) wahrscheinlich des Theodulos Parsakutenos (# 27993) war (s. dort).

Q: — (Hag.): Vita Mich. Maleïni (BHG 1295) cap. 3, p. 9,12-17.

L: Zur Genealogie der hier genannten Phokaden cf. Cheynet, Les Phocas 297–299; s. auch die genealogische Tafel ibidem, zwischen p. 316 und 317, sowie bei Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 189–296, bes. 292.

P: In der sog. Taubenschlag-Kirche in Çavuşin in Kappadokien soll sich laut S. T. Brooks, in: Abstracts 24 (1998) 23f., eine bildliche Darstellung des Bardas Phokas zusammen mit seiner Frau sowie ihres Sohnes, des Kaisers Nikephoros II. Phokas, und dessen Frau Theophano (# 28125) befinden. Jedoch scheint die von der Autorin vorgeschlagene Interpretation alles andere als sicher. Brooks gibt der Frau des Phokas den Namen “Eudocima Maleïnos”. In den Quellen wird dieser Name nicht genannt. Zudem ist der Name Eudokima sonst (in der PmbZ) nicht belegt. Handelt es sich vielleicht um eine Hypothese der Autorin, daß die Tochter nach ihrem Vater (Eudokimos) benannt worden war, oder vielleicht um ein Fehlverständnis des Textes und der Stammtafel bei Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 259 bzw. 292, wo die Frau des Kaisars Bardas auf serbisch als “ćerka Evdokima Maleina” bezeichnet wird, was allerdings “Tochter des Eudokimos Maleinos” und nicht “Tochter Eudokima Maleinos” bedeutet? U. E. ist jedenfalls der Name dieser Tochter keinesfalls sicher und in den Quellen nicht belegt und sollte deshalb aus der Diskussion ferngehalten werden.

3. Enkelin 20343C

V: Sie war die Schwester des Kaisers Nikephoros II. Phokas, des Kuropalates Leon Phokas (# 24423) sowie des Konstantinos Phokas (# 23841) und wahrscheinlich der Frau des Theodulos Parsakutenos (# 27993A) (s. dort). Wahrscheinlich war sie die Mutter des Ioannes I. Tzimiskes.

Q: — (Hist.): Leon Diakonos, Historia III 3, p. 38,21f.

L: Đurić, in: ZRVI 17 (1976) 225 Anm. 88; 274 mit Anm. 11; zu der Taubenschlag-Kirche in Çavuşin cf. zuletzt Restle, Gunthertuch 556–558.

Geographische Orte

  • Charsianon (T)
  • Kappadokien
  • Theotokoskirche in Kukas
  • Ankyra
  • Kukas

Quellen

  • Vita. Mich. Maleïni (BHG 1295)
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