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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Von Liudprand (Legatio) als Porphyrogenita bezeichnet, also als purpurgeborene Prinzessin (griech.: πορφυρογέννητος). Bei Thietmar von Merseburg VII 72,16-18 wird sie fälschlich Helena genannt (s. P).

T: Man kann sie wohl als Fürstin von Kiew bezeichnen, da sie Vladimir (# 28433), den Fürsten von Kiew, heiratete. In der Nestorchronik wird sie an zwei Stellen mit Titel genannt (Nestorchronik 116,9. 129,30f.), dort lautet er altruss.: carica (Zarin, Kaiserin).

V: Sie war die Tochter Romanos’ II. und der Theophano (# 28125). Ihre Brüder waren die beiden späteren Kaiser Basileios II. und Konstantinos VIII. A. wurde am 13. März 963 geboren, zwei Tage vor dem Tod Romanos’ II. (1).

Seit den 60er Jahren war sie wiederholt Objekt von Heiratsanfragen ausländischer Regenten. U. a. wurde über eine Heirat mit dem “westlichen” Kaiser Otto II. (# 26212) verhandelt (2).

Als Basileios II. durch die Rebellion des Bardas Phokas (# 20784) in Bedrängnis geriet, sandte er, wahrscheinlich im Frühjahr 988, eine Gesandtschaft an Vladimir (# 28433), den Fürsten von Kiew, die um militärische Hilfe bitten sollte (3). Diese Gesandtschaft (cf. unter Theophylaktos [# 28226]) erzielte eine Einigung (4), die vorsah, daß Vladimir sich taufen ließ und ein großes warägisches Kontingent (6.000 oder mehr Soldaten) nach Byzanz schickte, während Basileios II. ihm seine Schwester A. zur Frau gab (5). Die Vereinbarung wurde von beiden Seiten eingehalten: Die russischen Soldaten trafen im Lauf des Jahres 988 (6) in Konstantinopel ein und leisteten einen entscheidenden Beitrag zu den kaiserlichen Siegen bei Chrysopolis (ca. Januar oder Februar 989) und bei Abydos (13. April 989). Vladimir ließ sich taufen, und A. wurde Vladimirs Frau. Der Zeitpunkt ist in der Forschung umstritten: Juni/Juli 989, möglicherweise aber auch schon ein Jahr früher (7). Von gemeinsamen Kindern Vladimirs und A.s wird in den Quellen nichts gesagt.

Anna starb ca. 1011 in Kiew (8).

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios und Konstantinos 1, p. 254,38f. — (2) Liudprand, Legatio 57, p. 207,16 u. ö.; Reginonis Chronicon cum continuatione (861) p. 178; Panagopoulou, Gamoi 148–151; zu möglichen Verhandlungen mit dem französischen König Hugo Capet (# 22638) 988 über eine Heirat A.s mit dessen Sohn Robert s. unter Hugo Capet. — (3) Laut Yaḥyā [215] p. 423 (PO 23,3); 10:155, p. 196 (Pirone), nach dem 14. September 987, dem Datum der Ausrufung des Bardas Phokas als Kaiser; Poppe, in: DOP 30 (1976) 227, nahm jedoch an, daß Basileios II. schon im Mai oder Juni 987, als der Verrat des Bardas Phokas in der Hauptstadt bekannt geworden sein dürfte, seine Gesandten nach Kiew schickte; Dölger–Müller, Regesten Nr. 771, schlagen Frühjahr 988 als Datum für die Entsendung der Gesandtschaft vor. — (4) Laut Poppe, op. cit. 228f., der die Ereignisse ja entsprechend früher datiert, ca. im September 987. — (5) Skylitzes, Basileios 17, p. 336,89f.; Zonaras XVII 7, p. 553,1f.; Yaḥyā, loc. cit.; Abū Šuǧa‘ 116,6-9. — (6) Laut Poppe, op. cit. 230, im Sommer 988. — (7) Skylitzes, Basileios 17, p. 336,85-92; die Ankunft A.s in Kiew wird von Poppe, op. cit. 230. 241, auf Sommer 988 datiert, cf. aber Obolensky, in: BMGS 13 (1989) 244–256; s. auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 771. — (8) Nestorchronik 129,30f.; Skylitzes, Basileios 46, p. 367,71f., erklärt, daß sie nach ihrem Mann gestorben sei, als dessen Todesdatum allgemein der 15. Juli 1015 angenommen wird.

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras. — (lat.): Liudprand, Legatio; Widukind von Korvei III 71, p. 148,6f.; Reginonis Chronicon cum continuatione (861) p. 178; Thietmar von Merseburg II 15, p. 54,20-23; 55,20-23; VII 72, p. 486,16-20; 487,17-20; Gerbert von Reims, Briefe Nr. 111, p. 140,1f. — (arab.): Yaḥyā (ohne Namensnennung); Abū Šuǧa‘ (ohne Namensnennung). — (sl.): Nestorchronik 116,9; 129,30f.

L: ODB I 103.; II 1262f. s. v. “Macedonian Dynasty”; Savvides II 215f.; III 65; IV 91; SSS I (1961) 25; EPLBHC I 282f.. — Vasiliev, in: DOP 6 (1951) 245; Pašuto, Vnešnjaja politika 121f., Poppe, in: DOP 30 (1976) 195–244 (Ndr. in: A. Poppe, The Rise of Christian Russia [Variorum Reprints], London 1982, Nr. II); Podskalsky, Kiever Rus’ 18f.; Glossar (griech.) II 227f; Korpela, Beiträge 128f. (Nr. 32); Franklin–Shepard, Emergence of Rus 162. 164. 167; Dölger–Müller, Regesten Nr. 769g. 769h. 769i. 771; Huschner, Transalpine Kommunikation 309. 507. 554; Panagopoulou, Gamoi 172–178.

P: Daß Basileios II. seinen Teil des Vertrags mit Vladimir nicht habe einhalten wollen und daher zunächst eine falsche Frau anstelle seiner Schwester A. nach Kiew geschickt habe, könnte aus der Nachricht des Stephan von Taron (Asołik) III, cap. 22, p. 185,26 – 186,4 (Gelzer); p. 124f. (Macler), geschlossen werden, der in diesem Fall allerdings Bulgaren und Russen miteinander verwechselt hätte. Oder daß Basileios II. A. erst herausgegeben haben soll, nachdem Vladimir seiner Forderung durch die Eroberung von Cherson Nachdruck verliehen habe (Nestorchronik 109,1 – 112,2; die Erzählung wird hier noch zusätzlich ausgeschmückt mit märchen- und legendenhaften Elementen bei der Beschreibung der Eroberung Chersons [Korsuns] und Vladimirs anschließender Bekehrung und Taufe, cf. Korpela, Prince Vladimir 84–88; idem, in: Byzantinorossica 3 [2005] 157–172 passim), ist wohl in den Bereich der Legende zu verweisen, wird in der älteren Sekundärliteratur jedoch allgemein angenommen. — Thietmar von Merseburg gab ihr den Namen Helena und behauptete, daß sie ursprünglich Otto III. versprochen, dann aber aufgrund der betrügerischen Schlauheit der Griechen diesem fortgenommen worden sei (fraudulentia calliditate subtractam). Wenn sich hier Gerüchte widerspiegeln sollten, dann möglicherweise in Verwechslung mit der gescheiterten Brautwerbung für Otto II. 968 oder – wahrscheinlicher – mit den Heiratsverhandlungen zwischen Otto III. und Byzanz, die allerdings erst nach der Heirat zwischen A. und Vladimir stattfanden und außerdem wahrscheinlich Zoe (# 28508), die Tochter Konstantinos’ VIII., als Braut betrafen. Abwegig scheint die Vermutung Poppes, op. cit., p. 230 Anm. 114, daß Helena vielleicht der Name jenes Kindes von Romanos II. und Theophano gewesen sein könnte, das dann anläßlich des Empfangs der russischen Fürstin Olga (# 26186) in Konstantinopel im Zeremonienbuch (Konst. Porph., De Cerim 597,21) ohne Namensnennung unter den purpurgeborenen Kindern (τὰ πορφυρογέννητα τούτων [i. e. der Kaiser Konstantinos VII. und Romanos II.] τέκνα) subsumiert werden müßte. Das Datum des Empfangs Olgas in Konstantinopel (946 oder 957) ist umstritten (Näheres s. unter Olga). Vor allem aber fehlt in den griechischen Quellen jeder Hinweis auf die Existenz einer zweiten Tochter Romanos’ II. und Theophanos. — Möglicherweise war A. auch Ziel einer Brautwerbung des französischen Königs Hugo Capet (# 22638) zu Anfang des Jahres 988. Jedoch ist fraglich, ob der diesbezügliche Brief, der sich in der Briefsammlung des Gerbert von Reims erhalten hat, jemals abgeschickt worden ist (s. dazu unter Hugo Capet).

Geographische Orte

  • Kiew
  • Chersonesos
  • Korsun = Cherson
  • Frankreich

Quellen

  • Skylitzes
  • Liudprand, Legatio
  • Yaḥyā
  • Abū Šuǧa‘
  • Zonaras
  • Thietmar von Merseburg
  • Nestorchronik
  • Widukind von Korvei
  • Gerbert von Reims, Briefe
  • Reginonis Chronicon
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