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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Wahrscheinlicher Familienname: Radenos — Ῥαδηνός.

T: Metropolites von Kyzikos (Hellespontos) — Δημήτριος ὁ τῆς Κυζίκου. Von Kaiser Romanos III. Argyros zum Synkellos ernannt. Später Synkellos und Oikonomos der Megale Ekklesia (= Hagia Sophia in Konstantinopel) — Δημητρίου τοῦ ὁσιωτάτου μητροπολίτου Κυζίκου, οἰκονόμου τῆς τοῦ θεοῦ μεγάλης ἐκκλησίας καὶ συγκέλλου (Mai 1030, in: Ficker, Erlasse 18,28f.; cf. ibidem 11,30f.). Autor (Historiograph, Kanonist, Theologe).

V: D. war bereits unter Kaiser Konstantinos VIII. Metropolit von Kyzikos. Im Januar 1028 ist D. als Teilnehmer einer Synode des Patriarchen Alexios Studites (# 20247) bezeugt.

Von Kaiser Romanos III. Argyros (1028–1034) wurde D. zu Beginn von dessen Regierungszeit zum Synkellos ernannt. Grund hierfür war laut Skylitzes eine enge Freundschaft zwischen beiden, die schon vor der Thronbesteigung des Romanos, also vor 1028, ihren Anfang genommen haben soll. Außerdem soll D. zur Familie der Radenoi gezählt haben und ein Verwandter des Metropoliten Michael von Euchaïta (# 25269) gewesen sein, der gleichzeitig zum Synkellos erhoben wurde (Skylitzes 375,58-62: ἐτίμησε δὲ καὶ συγκέλλους μητροπολίτας τρεῖς, τὸν Ἐφέσου Κυριακὸν ..., Δημήτριον τὸ Κυζίκου ὡς λίαν αὐτῷ καὶ πρὸ τῆς βασιλείας πεφιλημένον, καὶ Μιχαὴλ τὸν Εὐχαΐτων καθ᾿ αἷμα τούτῳ ἐγγίζοντα διὰ τὸ ἀναφέρειν τὸ γένος εἰς τοὺς λεγομένους Ῥαδηνούς).

Im Synodalerlaß des Patriarchen Alexios Studites (# 20247) gegen die Jakobiten (Mai 1030, cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 839) werden die Ereignisse um den Prozeß gegen Ioannes VIII. bar ‘Abdûn (# 23438) referiert, der sich nach den Angaben bei Bar Hebraeus auf Oktober 1029 datieren läßt. An dem Prozeß (wohl mit mehreren Verhandlungen zwischen Juni und Oktober 1029) vor dem Synodalgericht, das im großen Sekreton tagte (τὸ συνοδικὸν δικαστήριον ... ἐν τῷ μεγλάλῳ σεκρέτῳ), der mit der Exkommunikation des Ioannes bar ‘Abdûn endete, haben neben dem Patriarchen auch die Metropoliten und Synkelloi D. und Michael von Euchaita sowie der hohe weltliche Richter Eustathios Romaios (# 21870) teilgenommen. D., Michael von Euchaita und der Synkellos Kyriakos von Ephesos (# 24241) sowie Eustathios Romaios gehörten dann auch im Mai 1030 neben vielen anderen Bischöfen und einigen weiteren weltlichen Beamten zu denjeninigen, die in der Teilnehmerliste des Synodalerlasses des Patriarchen Alexios aufgelistet werden. D. wird in dieser Liste als erster genannt und mit drei Titeln bezeichnet: Metropolit von Kyzikos, Oikonomos der Megale Ekklesia und Synkellos.

Im April 1032 gehörte D. zu denjenigen kirchlichen Würdenträgern, die den Synodalbeschluß gegen die Jakobiten vom Mai 1030 noch einmal durch ihre Unterschrift bestätigten (cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 840).

Ca. Juni 1037 soll D. zu einer Gruppe von Metropoliten gehört haben, die sich gegen den Patriarchen Alexios Studites gewandt und mit dem Hinweis, daß Alexios nicht kanonisch ernannt worden sei, dessen Rücktritt verlangt haben sollen, damit Ioannes Orphanotrophos (# 23371) hätte Patriarch werden können. Alexios soll sich zum Rücktritt bereit erklärt haben, aber zugleich darauf hingewiesen haben, daß dann all die von ihm in elfeinhalb Jahren vorgenommenen Weihen nichtig seien. Beschämt hätten D. und die anderen daraufhin ihre Initiative zugunsten des Ioannes Orphanotrophos eingestellt (Skylitzes 401,67-80; cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 842).

Im September 1039 war D. noch einmal auf einer Synode des Alexios Studites dabei und billigte dessen Erlaß über die Mischehen zwischen Orthodoxen und Häretikern (Jakobiten) (Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 846).

Von D. sind zwei Schriften zu kanonischen Fragen überliefert und ediert, eine Abhandlung und ein Bescheid. Seine Autorschaft an einer Abhandlung zu den Iakobiten ist nicht sicher (s. P). Mehrere Schriften zu juristischen Fragen sind noch unediert. Sehr ausführlich behandelte D. in seiner Abhandlung über die Verwandtschaftsgrade die Zulässigkeit der Ehe eines Plotinos und einer Maria, die im sechsten Verwandtschaftsgrade miteinander verschwägert waren, denn sie waren die Kinder von zwei “Schwippschwägern” bzw. Marias Onkel war mit Plotinos’ Tante verheiratet. D. hielt diese Ehe für erlaubt, denn Patriarch Sisinnios (# 27118) hatte in seinem Tomos über die Ehehindernisse (997) expressis verbis nur die Ehen zwischen zwei Cousinen einer Familie mit zwei Brüdern einer anderen Familie verboten, also einen einzigen speziellen Fall einer Ehe zwischen Verwandten des sechsten Verwandtschaftsgrades, die miteinander nur verschwägert waren. D. erweist sich mit dieser Auffassung als Kanonist, der den Tomos des Sisinnios zwar in keiner Weise angreift, ihn aber eingrenzt auf die in ihm ausdrücklich verbotenen Ehen und damit der Ausweitung des kirchlichen Eheverbotes auf immer weitere Verwandtschaftsgrade entgegentritt.

D. muß außerdem als Geschichtsschreiber hervorgetreten sein, denn Skylitzes zählt ihn in der Einleitung zu seinem Geschichtswerk in einer Reihe mit anderen Autoren auf, die schlechte Geschichtswerke geschrieben hätten.

W: Nicht erhaltenes Geschichtswerk, vermutlich zu Ereignissen aus den ersten Jahrzehnten des 11. Jh.s. (Skylitzes); Abhandlung über die Verwandtschaftsgrade als Ehehindernis — Δημητρίου συγκέλλου, μητροπολίτη Κυζίκου μελέτη, in: PG 119, 1097–1116 = Syntagma Kanon. V 354–366; kanonistischer Bescheid zu den Ehehindernissen — Ἀπάντησις πρὸς τὸν λέγοντα κεκωλυμένον εἶναι τὸν ἐκ τριγενείας γάμον καὶ ἀσυγχώρητον, in: PG 119, 1116–1120 = Syntagma Kanon. V 366–368; unsicher: Schrift gegen die Iakobiten, (ohne Titel) in: PG 127, col. 879–884C (unter dem Namen des Philippos Monotropos [Philippus Solitarius]); Anfang und Ende (aus dem Cod. Vat. gr. 712), ed. Ficker, in: Ficker, Erlasse 22f. Anm. 1. Die Schrift wird laut Ficker auch im Cod. Escorial. gr. R.1.15, fol. 138–142, überliefert, wo sie folgende Überschrift trägt: Ἔκθεσις κατ᾿ ἐπιτομὴν τοῦ τῶν Ἰακωβιτῶν δόγματος καὶ τῶν ἀλλων ὧν ποιοῦσι παρὰ τὴν ἐκκλησιαστικὴν καὶ ὀρθόδοξον πίστιν τε καὶ παράδοσιν, συγγραφεῖσα παρὰ Δημητρίου μητροπολίτου Κυζίκου ἐκ προτροπῆς τοῦ φιλοχρίστου δεσπότου Κωνσταντίνου καὶ αὐτοκράτορος τοῦ Πορφυρογεννήτου, ἐν ᾖ καὶ περὶ τῶν Χατζιτζαρῶν. Im Cod. Vat. gr. 712 fehlt dagegen die Angabe συγγραφεῖσα ... Πορφυρογεννήτου.

Q: — (Hist.): Skylitzes, Prooimion p. 4,30; idem, Romanos III. Argyros 1, p. 375,58-62; idem, Michael IV. Paphlagon 12, p. 401,67-80. — (Sonst.): Alexios Studites, Synodalerlaß (Januar 1028), in: PG 119, 837C = Syntagma Kanon. V 32; Synodalerlaß des Alexios Studites gegen die Jakobiten (Mai 1030, cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 839), in: Ficker, Erlasse 11,30f.; 18,28f.; Synodalerlaß (Bestätigung) des Alexios Studites gegen die Jakobiten (April 1032, cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 840), in: Ficker, Erlasse 25,9-11 (Unterschrift [Kopie]): Δημήτριος ὁ ἐλάχιστος μητροπολίτης Κυζίκου, οἰκονόμος τῆς μεγάλης ἐκκλησίας σύγκελλος ... Synodalerlaß des Alexios Studites über die Mischehen zwischen Orthodoxen und Häretikern (September 1039, cf. Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 846), in: Ficker, Erlasse 42,9. — (Sg.): Laurent, Corpus V 55 = Oikonomides, Dated Seals 79 = Catalogue III 53.4: Σῶτερ βοήθει Κυζίκου Δημητρίῳ ἐκκλησίας σῆς οἰκονόμῳ, συγκέλλῳ. Laurent, Corpus V 351 = Konstantopulos (JIAN 9) 122 ζ: Δημητρίῳ μητροπολίτῃ Κυζίκου.

L: Savvides VI 176f.; Tusculum-Lexikon 187; Beck, Kirche 532; Fedalto 139. — Zhishman, Eherecht 45. 323–325; Ficker, Erlasse 22f. mit Anm. 1; Darrouzès, Récherches 38; Pitsakes, Kolyma gamu 77f. 139–146 (Anm. 89–93); Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 835. 842; Leontaritu, Axiomata 431 (Nr. 204); Cheynet, Skylitzès 2; Prolegomena II 111.

P: Es darf als nahezu sicher gelten, daß das Siegel, das den Titel Synkellos enthält, D. gehört. Auch die Zuweisung des Siegels Corpus V 351 an diesen D. durch Laurent ist eher wahrscheinlich. — Laut Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 825a (“Critique”), wurde die Ἔκθεσις κατ᾿ ἐπιτομὴν τοῦ τῶν Ἰακωβιτῶν δόγματος zu Beginn des 10. Jh.s (unter Konstantinos VII.) verfaßt und gehört daher dem gleichnamigen Adressaten (Demetrios [# 21478]) des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885). Teile dieser Schrift finden sich fast wörtlich wieder in einer schriftlichen Antwort des Patriarchen Sergios (# 27044; 1001–1019) auf eine Anfrage des (Mitkaisers) Konstantinos VIII.; Ficker, Beck und das Tusculum-Lexikon wiesen die Schrift gegen die Jakobiten dagegen eher D. zu. Angesichts des Umstandes, die Konflikte mit den jakobitischen Christen im Osten des Reiches die Kaiser Konstantinos VIII. und Romanos III. sowie die Patriarchen Sergios und Alexios Studites von spätestens 1025 bis mindestens 1039 mehrfach beschäftigten, liegt es unserer Meinung nach nahe, die Abhandlung auch eher diesem Zeitraum als dem Beginn des 10. Jh.s zuzuordnen, zumal D. persönlich den entsprechenden Synoden des Patriarchen Alexios Studites beiwohnte. Die wörtlichen Übereinstimmungen zwischen der Antwort des Patriarchen Sergios und der Abhandlung könnten sich so erklären lassen, daß D. vor 1019 schon in enger Verbindung zum Patriarchen stand und evtl. Expertisen für dessen Bedürfnisse ausarbeitete, aus denen Sergios dann übernahm, was ihm geeignet erschien. Als enger Freund des Romanos Argyros, der lange Jahre verschiedene richterliche Funktionen wahrnahm, dürfte D. wie dieser in Konstantinopel gelebt haben und könnte – vielleicht in ähnlicher Weise wie Romanos für weltliche Streitfälle – in kirchlichen Fragen gegutachtet haben? — Zu weiteren Mitgliedern der Familie Radenos s. unter Ioannes (# 22914).

Geographische Orte

  • Kyzikos (Hellespontos)
  • Megale Ekklesia = Hagia Sophia (Kpl.)
  • Kpl.: Megale Ekklesia = Hagia Sophia
  • Hellespontos (KP)
  • Hagia Sophia (Kpl.)
  • Kpl.: Hagia Sophia
  • Sekreton: Mega Sekreton (im Patriarcheion) (Kpl.)
  • Kpl.: Patriarcheion: Mega Sekreton

Quellen

  • Skylitzes
  • Laurent, Corpus V
  • Catalogue III
  • Demetrios von Kyzikos
  • Syntagma Kanon.
  • Ficker, Erlasse
  • Alexios Studites, Synodalerlasse
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