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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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N: Schreibungen: Γοράσδος und Γοράσδης (Vita Clementis [BHG 355]). Slawische Namensform: Gorazd. Zum Namen s. L. K. Goetz, Geschiche der Slawenapostel Konstantinus (Kyrillus) und Methodius. Quellenmässig untersucht und dargestellt, Gotha 1897, 230 Anm. 1. Am einfachsten ist von einer Verwendung des Adjektivs altruss. gorazdyj (erfahren, kundig), russ. gorazd (geschickt) als Übername auszugehen. Fedalto 547 nimmt offenbar eine Verschreibung für den lateinischen Namen Conradus an. Möglicherweise Variante: lat.: Choranzanus (Reichenauer Verbrüderungsbuch).

T: Archiepiskopos von Mähren — ἀρχιεπίσκοπος Μοράβου.

V: G. war einer der “Slawenapostel” und Schüler des Methodios (# 25062). Er stammte wahrscheinlich aus Mähren, konnte Slawisch und Griechisch und hatte offensichtlich auch eine lateinische Ausbildung genossen, was ebenso wie sein Name auf eine Verbindung G.s mit den Salzburger Bestrebungen zur Missionierung Pannoniens deuten könnte (1).

G. wird vielleicht zusammen mit Methodios und dessen Schülern Leon (# 24353), Ignatios (# 22730), Ioakin (# 22774), Symeon (# 27472), Dragaïs (# 21602) und Lazarus (# 24287) im Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau genannt. Diese Nennungen stehen sicher im Zusammenhang mit der Verbannung des Methodios nach Schwaben (ins Kloster Ellwangen oder auf die Reichenau), die vom Winter 870/71 bis 873 dauerte. Nicht sicher ist jedoch, wann genau die Eintragungen erfolgten und ob aus ihnen direkt auf die Inhaftierung des Methodios und seiner Schüler einschließlich G.s auf der Reichenau geschlossen werden muß. Ebenfalls unsicher bleibt, ob G. einer der 868 bzw. 869 in Rom geweihten slawischen drei Priester und zwei Diakone war, deren Weihe nach der Priesterweihe des Methodios erfolgte (2).

885 wurde G. von Methodios auf dem Sterbebett zu seinem Nachfolger als Archiepiskopos von Mähren (Moravia) ausgerufen, aber freilich nicht geweiht (3). Der Stuhl wurde ihm von Wiching (# 28443) streitig gemacht, der selbst die Nachfolge des Methodios antrat. Die Vertreibung G.s zusammen mit Klemes (# 23704), Naum (# 25501), Angelarios (# 20422) und Laurentios (# 24276) ist auch in der Vita Clementis (BHG 355) bezeugt. Über Belgrad kamen G. und seine Gefährten nach Bulgarien, wo sie mit großen Ehren empfangen wurden (4).

Die griechische “Liste der Erzbischöfe Bulgariens” spiegelt die Ereignisse in der Mitteilung, daß G. von Methodios geweiht (was sicher unhistorisch ist), aber später von den “Pneumatomachen” vertrieben wurde (5). Diese Angabe erweckt den Eindruck, G. sei zum Erzbischof von Bulgarien geweiht worden. Gemeint ist jedoch zweifelsfrei Mähren, dessen Erzbischof Methodios laut der “Liste der Erzbischöfe Bulgariens” war (s. Gelzer, Achrida 6,8).

Anmerkungen: — (1) Dies geht vielleicht aus den Worten Methods über G. in der Vita Methodii Thess. XVII 6 hervor: “Dieser ist ein freier Mann eures Landes, gut ausgebildet in den lateinischen Büchern und rechtgläubig.” Andererseits scheint sein Name eher auf eine Herkunft aus Karantanien (slawisches Fürstentum mit Zentrum im heutigen Kärnten) zu deuten, wo dieser Name, auch in einer der im Reichenauer Verbrüderungsbuch gegebenen vergleichbaren latinisierten Form, mehrfach belegt ist, cf. Zettler, Methodius in Reichenau; idem, in: Leben und Werk der byzantinischen Slavenapostel Methodios und Kyrillos, p. 127–139, hier bes. 132–134. — (2) Vita Methodii Thess. (VM) VI 2. 4. Die These, daß die im Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau erwähnten Personen identisch seien mit den Schülern des Methodios, wird aber abgelehnt von Ziegler, Methodius in Ellwangen, der vehement für Ellwangen als Ort der Inhaftierung des Methodios eintritt und die Identifizierung der Einträge im Reichenauer Verbrüderungsbuch mit Methodios und dessen Schülern ablehnt; cf. auch KME III (2003) 436–438. — (3) Vita Clementis [BHG 355] cap. VI 23, p. 98,5-8 (Milev), VI 23,321-324, p. 88 (Iliev); VM cap. XVII 5f. — (4) Vita Nahumi slav. 2 p. 183 (l. 23) – p. 184 (l. 4) ohne explizite Nennung G.s. — (5) Γοράσδος, χειροτονηθεὶς παρὰ Μεθοδίου, εἶθ᾿ ὕστερον ἐκδιωχθεὶς παρὰ τῶν πνευματομάχων (Bulg. Bischofsliste 6,9f. [Gelzer]; 565 [Ivanov]). Gemeint sind damit Wiching und dessen Anhänger, die als Angehörige der Filioque-Partei aus Sicht der Orthodoxen “den Heiligen Geist bekämpften”.

Q: — (Hag.): Vita Clementis (BHG 355) cap. II 7, p. 80,26 (Milev), cap. II 7, p. 82,64 (Iliev); cap. VI 23, p. 98,5-8 (Milev), VI 23,321-324, p. 88 (Iliev); cap. VII 24, p. 98,11-15 (Milev), cap. VII 24,325-339, p. 88f. (Iliev); cap. VIII 26, p. 100,7 (Milev), cap. VIII 26,349, p. 89 (Iliev); cap. IX 30, p. 104,27 – 108,6 (Milev), cap. IX 30,433-469, p. 91f. (Iliev); cap. XII 35, p. 110,21-25 (Milev), cap. XII 35,514-527, p. 93 (Iliev); Vita Clementis (BHG 356) cap. 2, 174,15 (Milev) (= p. 239 Georgievski–Iljovski). — (Sonst.): Bulg. Bischofsliste 6,9f. (Gelzer); 565 (Ivanov). — (lat.): Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau, p. 4 [A1]. 5 [D4/X4/D5]. 53 [D4/D5]. — (sl.): Vita Methodii Thess. (VM) cap. XVII 5f.

L: LdMA IV (1989) 1560 (dort Verweis auf Artikel “Kyrill und Method”, den es aber nicht gibt, gemeint ist wohl “Konstantin und Method” [V (1991) 1382–1385], wo aber G. gar nicht erwähnt wird, sondern nur unter die Schüler der beiden Slawenlehrer subsumiert wird); SSS VIII (1991) 160–162; KME I (1985) 513f.; SLER 119f.; Fedalto 547. — Vlasto, Entry of the Slavs 81f.; Dvornik, Missions 186–199; Bernštejn, Konstantin-filosof i Metodij 93. 121. 128–131; Zettler, Methodius in Reichenau 371–374; idem, in: Leben und Werk der byzantinischen Slavenapostel Methodios und Kyrillos, p. 127–139, bes. 132–134; Mareš, “Sedumte Svetiteli” 103–105.

Geographische Orte

  • Bulgarien
  • Mähren (Moravia)
  • Pannonien
  • Reichenau
  • Belgrad

Quellen

  • Gelzer, Achrida
  • Vita Clementis (BHG 355)
  • Vita Clementis (BHG 356)
  • Vita Methodii Thess. (VM)
  • Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau
  • Vita Nahumi slav. 2
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