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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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T: Metropolites von Ephesos (Asia); Archiepiskopos von Ephesos (Siegel; Nikolaos Mystikos, Ep. 107; dazu Jenkins–Westerink 569).

V: Er war ein treuer Anhänger des Patriarchen Nikolaos I. Mystikos (# 25885) und Adressat einer ganzen Reihe von Briefen des Patriarchen. Die frühesten sind vermutlich noch in das Jahr 913 zu datieren, denn Nikolaos erwähnte das Komplott gegen sich, also vermutlich seine Absetzung als Regent, das aber noch in der Planung sei (so Ep. 154). Auch Ep. 160 weist vermutlich noch in die Zeit der Regentschaft des Nikolaos.

Wahrscheinlich im Februar 914 (nach Jenkins–Westerink) schrieb Nikolaos Mystikos einen Trostbrief (Ep. 132) an G. und Photios von Herakleia (# 26676), die sich beide im Exil befanden. Sie sollten gemeinsam mit Nikolaos selbst dankbar dafür sein, verfolgt zu werden, die Verfolgung in einer ihrer Position angemessenen Weise annehmen und gewiß sein, daß Gottes Strafe für die Verfolger schwerer sein werde, als ihre jetzige Freude am Verfolgen groß sein könne.

Im Zeitraum 914–918 hatte Nikolaos I. Mystikos einen weiteren Brief (Ep. 151) an G. geschrieben. Dem Brief zufolge wollte der Metropolites von Dyrrhachion (# 30962), der sich gerade in Konstantinopel befand, sich von der Kirche lossagen, und Nikolaos sah sich nicht in der Lage, ihn umzustimmen. Daher schicke er ihn zu G., zum einen, weil der Metropolites in Konstantinopel gegen die Kirche indoktriniert werde, und zum anderen, weil der Metropolites G. respektiere und ihm in Freundschaft verbunden sei, so daß er von ihm am ehesten umzustimmen sei. Auch die Briefe Epp. 176, 178 und 190 gehören vermutlich in diese Zeit, G. ist als deren Adressat allerdings nicht ganz sicher.

Nach Grumel im Jahre 906, nach Karlin-Hayter und nachfolgend Jenkins–Westerink im Jahre 914, schrieb Nikolaos mehrere Briefe an G., in denen er ihn aufforderte, zu ihm nach Konstantinopel zu kommen. Der erste (Ep. 39) bezog sich auf ein Gespräch, welches G. und der Patriarch zuvor geführt hatten. Es ist die Rede von Gerüchten, die G. selbst und der Patriarch gehört haben, deren Inhalt beiden schaden könnte. Es dürfe zu keiner Spaltung zwischen ihnen beiden kommen, so solle G. seine eigenen Angelegenheiten nicht über die der Kirche stellen und schnell nach Konstantinopel kommen. Aus dem folgenden Brief (Ep. 41) geht hervor, daß G. sein Fernbleiben mit einer Krankheit entschuldigt hat. Nikolaos brachte sein Bedauern über G.s Krankheit zum Ausdruck, wies ihn aber gleichwohl noch einmal nachdrücklich auf die Notwendigkeit seiner Anwesenheit in Konstantinopel hin. Er solle nach seiner Genesung unbedingt kommen, auch ohne Billigung seiner Berater (παρακελευόμενοι). Der Adressat eines weiteren Briefes (Ep. 42) ist zwar nicht überliefert, aber aus Form und Inhalt wurde geschlossen, daß auch dieser an G. gerichtet war (s. unter P). Nikolaos hatte, als er wieder einen Brief von G. erhielt, damit gerechnet, gute Nachrichten zu bekommen. Statt dessen mußte er erfahren, daß G. krank war und es nichts Tröstliches über den Zustand der Kirche zu berichten gab. Da G. zwar körperlich krank, seelisch jedoch gesund sei, möge er sich doch unverdrossen um seine Metropolie kümmern. Der letzte Brief dieser Reihe schließlich (Ep. 48) enthält im wesentlichen, daß er diesen Brief an alle Metropoliten und Archiepiskopoi geschickt habe, weil es Gerüchte gebe, daß sich einige der gemeinsam beschlossenen Sammlung entziehen wollten. Es seien kaiserliche Beamte in jede Diözese geschickt worden, und er habe sichergestellt, daß diese Beamten nicht ohne die jeweiligen Bischöfe tätig werden sollten. G. solle nun für jede Kirche die Summe festlegen und dafür sorgen, daß das gesammelte Geld im März (921) mit vertrauenswürdigen Boten in Konstantinopel ankomme.

Der Patriarch schrieb G. auch (Ep. 124) wegen eines Klerikers (# 30961), den er geweiht hatte, nachdem G. versichert hatte, es spreche nichts gegen ihn. Nun waren aber offenbar Einwände gegen ihn erhoben worden. Nikolaos schrieb, bei seinem Urteil solle Gregorios den Personen vertrauen, die diesen Kleriker und seinen Lebenswandel gut kannten, da sie aus der Diözese stammten, in der er geboren und aufgewachsen war. Der Brief ist in den Zeitraum 914–919 zu datieren.

Weitere Briefe stammen aus der Zeit nach der Wiederherstellung der Kirchenunion, so Ep. 89, wo erwähnt wird, daß G. Positionen eines Protopresbyteros und Archidiakonos sowie eines Deutereuon besetzt hatte. Ep. 94 rekurriert auf eine Beschwerde des G. daß Nikolaos Mytsikos und nun vernachlässige. Nichtsdestotrotz forderte Nikolaos ihn auf, von den ihm unterstehenden Klöstern und Bischofssitzen größtmögliche Beiträge zu erheben und nach Konstantinopel zu senden.

Ca. 923, nach der Eroberung von Adrianupolis durch die Bulgaren, war er Adressat eines Briefes (Nr. 36) des Arethas von Kaisareia (# 20554). In dem Schreiben geht es um den Metropolites von Adrianupolis (in Haimimontos), Stephanos (# 27250). Dieser hatte, entgegen seinen vorherigen Beteuerungen, bei der Einnahme der Stadt durch die Bulgaren im Jahre 923 die Flucht ergriffen. Dies wird von Arethas unnachsichtig kritisiert, während G. wohl in dieser Sache einen moderateren Standpunkt einnahm.

Er ist außerdem in einem Brief des Patriarchen Nikolaos erwähnt, der in die Jahre 924/25 zu datieren ist. Nikolaos schreibt, er erwarte das Kommen von G. und werde mit ihm auch eine Angelegenheit zwischen Demetrios von Kyzikos (# 21478) und der Blachernenkirche noch einmal prüfen und versuchen, eine gütliche Einigung zu erzielen.

Er wird ferner in einem Epigramm des Alexandros von Nikaia (# 20231) erwähnt. Daraus geht hervor, daß er ein Standbild für die Grabstätte des Patriarchen Nikolaos Mystikos gestiftet hatte. Dieses Standbild gehörte mit zur Ausstattung der Kirche im Galakrenaikloster in Bithynien, wo Nikolaos bestattet worden war. Vermutlich nahm G. auch an der Beisetzung des Nikolaos im Jahre 925 teil.

Zwischen Juli und Dezember 927 erhielt er ein weiteres Schreiben des Arethas von Kaisareia, in dem dieser sich für die Weihe des Theophylaktos (# 28192), des Sohnes des Kaisers Romanos I. Lakapenos, zum Patriarchen von Konstantinopel einsetzt. Theophylaktos war zu diesem Zeitpunkt erst 14 bis 15 Jahre alt. G. hatte sich offenbar gegen die Weihe des Theophylaktos ausgesprochen.

Q: — (Ep.): Nikolaos Mystikos, Ep. 39. 41. 42. 48. 94. 107. 124. 132. 151. 154. 157A. 160. 176. 178. 190; Arethas, Scripta minora Nr. 36, I, 285–289; Nr. 37, I, 290–293. — (Inscr.): Anthologia Graeca XVI 22 (ed. Beckby IV, p. 314). — (Sg.): Laurent, Corpus V 1692 (datiert 10. Jh.): Γρηγορίῳ ἀρχιεπισκόπῳ Ἐφέσου.

L: Fedalto 114. — Bees, in: Hellenika 1 (1928) 368 mit Anm. 4; Grumel–Darrouzès, Regestes Nr. 616j. 622. 642. 643a. 647. 648. 650. 651. 661. 677. 680. 683b. 716. 723. 724. 729. 764; Steiner, Untersuchungen 55f.; Cameron, Anthology 318; Westerink, Arethas I, 285. 290; Karlin-Hayter, in: Byz 39 (1969) 492–496; Jenkins–Westerink 557. 569.

P: Die Briefe des Patriarchen Nikolaos an G. sind nicht ohne Probleme. Das betrifft zunächst den Adressaten der Ep. 42, der nicht explizit genannt ist. Sowohl Grumel als auch Karlin–Hayter sind der Ansicht, daß dieser Brief auch an G. gerichtet war. Dafür spricht auch eine Reihe von Argumenten, jedoch wenden Jenkins–Westerink zu Recht ein, daß dieser Brief inhaltlich quasi eine Dublette zu E p. 41 ist. Vor allen Dingen ist zu notieren, daß in beiden Briefen Nikolaos mit Überraschung darauf reagiert, daß G. krank ist. Ein weiteres Problem ist die Datierung der Briefe. Grumel hatte die Ep. 39, 41, 42 und 48 in das Jahr 906 datiert, während Karlin-Hayter und ihr folgend Jenkins–Westerink eine Datierung in die Zeit zwischen 914 und 919 für wahrscheinlicher halten. Ein weiteres Problem besteht darin, den Inhalt der vier Briefe mit der Bitte an G. nach Konstantinopel zu kommen, mit dem Trostbrief in Einklang zu bringen. Folgt man der Chronologie von Karlin-Hayter, müßten diese Briefe fast gleichzeitig oder zumindest in relativ kurzem zeitlichen Abstand geschrieben worden sein. Der Trostbrief hebt sich jedoch inhaltlich deutlich von den anderen ab. — Die Zuweisung des Siegels an diesen G. ist nicht sicher, da es – wie Laurent selbst einräumt – durchaus Beispiele für gleichnamige, aufeinander folgende Inhaber von Bischofssitzen gibt. — Möglicherweise ist auch Ep. 87 des Nikolaos Mystikos an ihn gerichtet, s. unter Anonymus (# 31014). — Möglicherweise ist er auch mit dem gleichnamigen Archiepiskopos (# 22369) zu identifizieren, der im Jahre 879/80 an dem Konzil in Konstantinopel teilgenommen hat, auf dem Photios (# 26667) rehabilitiert und wieder eingesetzt wurde. Zumindest Bees geht davon aus, daß G. von 879–933, also 54 Jahre im Amt bezeugt sei.

Geographische Orte

  • Ephesos (Asia)
  • Asia (KP)
  • Galakrenaikloster (Bithynien)
  • Bithynien

Quellen

  • Nikolaos Mystikos, Epp.
  • Anthologia Graeca
  • Arethas, Scripta minora
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