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Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas

Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit Online

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt

[Prosopography of the Middle Byzantine Period Online]

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T: Metropolites von Sardeis (Lydien) — μητροπολίτης Σάρδεων.

V: Er war zwischen 920 und 944/45 Adressat eines Briefes des anonymen Lehrers (# 31049). Dem langen und schmeichelhaften Brief läßt sich entnehmen, daß der Lehrer L. einen Schreiber (# 31058) empfohlen hatte, den dieser jedoch nicht akzeptierte. Der Lehrer äußerte in dem Brief seine Betrübnis darüber.

Wohl im Jahre 945 (cf. Pratsch, Alexandros 253–257) war er Adressat eines Briefes des Metropoliten von Nikaia, Alexandros (# 20231). In diesem Brief (Ep. 1) bittet Alexandros, der sich in der Verbannung im Monobatakloster am kimmerischen Bosporos (Krim) (cf. Ep. 3) befand, L. darum, sich für seine Freilassung einzusetzen. Gleichzeitig fordert er Leon auf, sich auch an den Metropoliten von Ephesos (# 27260) und den Metropoliten von Karien (= Metropolites von Aphrodisias-Staurupolis in Karien [# 31186]) zu wenden, die anscheinend ebenfalls bereit waren, sein Anliegen zu unterstützen.

Etwa um dieselbe Zeit (944/45) schrieb er wohl auch einen Brief an Alexandros von Nikaia, in dem er ein (seiner Ansicht nach) unfair geführtes kanonisches Gerichtsverfahren schildert, das anscheinend vor dem Konstantinopler Patriarchalgericht, der Synodos endemusa, und unter dem Vorsitz des Patriarchen Theophylaktos (# 28192) stattfand. Möglicherweise wollte er auf diese Weise seine Solidarität mit Alexandros zum Ausdruck bringen, der ja ebenfalls von sich behauptete, Unrecht durch den Patriarchen erlitten zu haben, als er abgesetzt und erst im Anschluß und in Abwesenheit verurteilt wurde (cf. dazu Pratsch, Alexandros 252f.). Die wohl ironische Bemerkung, daß der Patriarch “auch vor der Person des Herrschers nicht zurückschreckt” (καὶ μὴ πρόσωπον δυνάστου ὑποστελλόμενος), paßt vielleicht eher zu dem Verhältnis zwischen Patriarch Theophylaktos und seinem Vater und Kaiser Romanos I. Lakapenos. Demnach wurde dieser Brief vielleicht in der zweiten Hälfte 944 geschrieben.

In der Gerichtsverhandlung ging es um den rechtlichen Status eines Mannes (# 31179) und um die Frage, ob dieser ein Sklave oder ein freier Mann sei. Der Mann brachte Zeugen (# 30355) bei (p. 232,20; 233,38), die aussagen konnten, daß er ein freier Mann war, doch wurden diese nicht gehört (p. 233,41f.). Patriarch Theophylaktos habe entschieden, daß die Zeugen aus Europe bzw. aus der Peloponnes nicht den gleichen Rang beanspruchen dürften wie ein Paphlagonier (# 31180), der noch dazu Eunuch sei: ἑνὸς ... Παφλαγόνος ... ἀναρρηγνύντος μισθοῦ καὶ τῶν συρφετῶν ἀποκλύζοντος, μάλιστα εἰ καὶ τὸ αἰδοῖον ἀπόκοπος ὢν τύχοι (p. 233,43-45). Dieser Paphlagonier muß also der Gegenpartei des Angeklagten angehört haben und war möglicherweise dessen Besitzer. Der Patriarch bestätigte durch seine Entscheidung diese Besitzverhältnisse (p. 233,49-51), was L. in seinem Brief als klaren Verstoß gegen Recht und Gerechtigkeit beklagte. L. schreckte in seiner Darstellung auch nicht davor zurück, in diesem Zusammenhang die in Byzanz verbreiteten Vorurteile gegenüber “bäurischen” Paphlagoniern und Eunuchen zu bedienen.

In dem Brief des Leon von Sardeis wird der Patriarch Theophylaktos nicht gerade respektvoll beschrieben. Leon bezeichnet ihn als “den Größten unter den zügellos Lebenden”: τὸν ἐν συγκρίσει πάντων ἁβροδιαίτων ἐξαίρετον (p. 232,18f.) und (wohl äußerst ironisch) als den, “der gerecht das Rechte sucht und auch vor der Person des Herrschers nicht zurückschreckt, und dessen Ruhm wegen seiner Gerechtigkeit weit reicht”: ὁ δικαίως τὸ δίκαιον ἐκζητῶν καὶ μὴ πρόσωπον δυνάστου ὑποστελλόμενος, οὗ κλέος ἐπὶ δικαιοδοσίᾳ εὐρύ (p. 233,39-41). Außerdem seien an Theophylaktos der Gesichtsausdruck und die Blässe der Haut recht auffällig gewesen: ὁ ἐν συστάσει τοῦ προσώπου καὶ τῇ τῆς χρόας ὠχρότητι τὸ μέγας εἶναι ἀπολαχών (p. 232,21f.).

W: Leon von Sardeis, Ep. Ob das Gedicht, ed. L. Sternbach, in: Analecta Byzantina, České museum filologické 6 (1900) 304–308, von diesem Leon von Sardeis stammt oder dem etwas späteren (# 24542), läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, dieser erscheint jedoch etwas wahrscheinlicher (cf. Hörandner 230).

Q: — (Ep.): Alexandros von Nikaia, Ep. 1; Leon von Sardeis, Ep.; Anonymi Professoris Ep. 85.

L: Fedalto 179. — Darrouzès, in: Épistoliers byzantins 68–71; Hörander, in: BF 2 (1967) 227–237; Markopoulos, Anonymus 62*f. mit Anm. 73; Pratsch, Alexandros 252f.

P: Im Februar 997 ist ein Leon (# 24542) als Metropolit von Sardeis belegt, der vermutlich nicht mit L. identisch ist, da eine Amtszeit von ca. 50 Jahren oder länger doch eher unwahrscheinlich ist.

Geographische Orte

  • Sardeis (Lydien)
  • Lydien (KP)

Quellen

  • Alexandros von Nikaia, Epp.
  • Leon von Sardeis, Ep.
  • Anonymi Professoris Epp.
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